Mein Cousin ist Taxifahrer. Er hat es zur Zeit nicht leicht. Aus verschiedenen Gründen. Einer dieser Gründe sind Rollkoffer. „Wenn ich den Mistkerl erwische, der auf die Idee gekommen ist, Rollen an Koffer zu schrauben, reiße ich ihm den Kopf ab!“ Reisende brauchen heutzutage nicht mehr zwingend ein Taxi, um ihre schweren, unhandlichen Koffer zum Bahnhof zu bewegen.
Da könnte man meinen, ich hätte es besser erwischt. Ich sitze in einem Büro, an einem Computer mit zwei bunten Bildschirmen und genieße das leichte Leben. Wenn da nicht der Blödmann gewesen wäre, der meinte, man müsse die Zwischenwände aus Büros entfernen.
Großraumbüros sollen angeblich die Produktivität erhöhen, wegen der kürzeren Wege, und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Was für ein Unfug! Ich habe in meinen 35 Jahren Berufserfahrung noch nirgends so viele vermeidbare Konflikte erlebt, wie in Großraumbüros.
Da gibt es zum Beispiel Wilhelm: Er ist Programmierer und kann die unmöglichsten Wünsche, betreffend unserer Firmenwebseite schnell hinbekommen, was mich regelmäßig staunen lässt. Aber ansonsten hat er eine unangenehme Angewohnheit zu einer erstaunlichen Marotte herangezüchtet, die einzigartig ist. Zu den unschönen Angewohnheiten von Großraumbürokollegen gehört es unter anderem, rücksichtslos irgendwelche Fenster aufzureißen, sobald sie den Großraum betreten. Sommer wie Winter. Es interessiert sie nicht, ob sich diejenigen, die sich bereits in dem Raum befinden, akklimatisiert haben und nun anfangen, zu frieren. Sie kommen von draußen, haben sich durch die Bewegung aufgeheizt und empfinden das vorherrschende Klima als viel zu warm. Statt also erst mal Jacke und Pullover auszuziehen und sich ein paar Minute anzupassen, sorgen sie für frostigen Durchzug.
Wilhelm treibt diese Unsitte zur Vollendung. Anhand einer geheimen Strichliste konnte ich ihm nachweisen, dass er an einer „Fensterstatusquokontrazwangshandlungsstörung“ leidet. Ich nenne dieses Verhalten einfach mal so. Es geht ihm nämlich nicht darum, das Fenster einfach nur zu öffnen oder zu schließen, um es wärmer oder kühler werden zu lassen. Nein, er muss zwanghaft den vorherrschenden Zustand ändern! Ist das Fenster offen, wenn er kommt, macht er es zu. Ist es geschlossen, öffnet er es. Und zwar unabhängig davon, ob es gerade warm oder kalt im Büro ist. Zwei Wochen lang habe ich dieses Treiben penibel aufgelistet, und erst als ich ihm die Liste mit den zu 99 Prozent zutreffenden Ergebnissen präsentieren konnte, ließ er den Unsinn sein.
Dafür hat er sich nun auf anderen Unsinn verlegt: Anfangs öffnete er mehrmals täglich das Fenster an seinem Schreibtisch und fing an, in Richtung Fenster zu pusten. Nachdem ich ihn bei diesem Treiben einige Zeit beobachtet hatte, fragte ich nach, was er damit bezwecken würde. Es meinte, er wolle so den Luftaustauschkreislauf in Gang setzen, damit die schlechte Luft schneller aus dem Büro entweicht. Es kostete reichlich Mühe, ihn davon zu überzeugen, dass dies vollkommen nutzlos ist, besonders, wenn er entgegen des hereinströmenden Luftstromes pustet (auf der anderen Büroseite sind immer ein paar Fenster geöffnet, was automatisch zum Durchzug führt).
Seit einiger Zeit stellt er nun stattdessen ein oder zwei Ventilatoren an. Natürlich auch entgegen des Luftstromes. Ich sitze also in einem Büro und werde alle paar Minuten genötigt, meine bereitliegende Fliesjacke aus- oder anzuziehen, weil sich durch das ständige Öffnen und Schließen von Fenstern, sowie das An- und Ausschalten von Ventilatoren einfach kein gleichmäßiges Büroklima einstellen kann. Diese täglichen Nervereien mit Kollegen können einem den Spaß an der Arbeit wirklich gehörig vermiesen!
Ich habe noch einen Kollegen. Er stinkt. Wegen ihm habe ich nun schon zum zweiten Mal den Schreibtisch gewechselt. Mir ist ein Rätseln, was an der Aussage – du musst die Wäsche mit 60 Grad waschen, sonst geht das nicht weg – so schwer zu verstehen ist.
Wenn ich den Mistkerl erwische, der auf die Idee gekommen ist, Zwischenwände in Büros zu entfernen, reiße ich ihm den Kopf ab!
Die segensreiche Erfindung des Großraumbüros
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