Heute mal eine kleine Reise in die Vergangenheit: Mein Opa arbeitete bei der Reichsbahn, und als er uns mal in Berlin besuchte, nahm er mich mit auf das nahegelegene Bahngelände. Bereits die vielen Warn- und Betreten-verboten-Schilder jagten mir kleinem Fratz eine Heidenangst ein. Aber mein Opa lief unbekümmert daran vorbei und besuchte mit mir den Lokschuppen. Davor stand eine Dampflok mit riesigen Rädern, die mich kleinen Knirps deutlich überragten.
Mein Opa plauderte ein wenig mit dem Lokführer und handelte mit ihm aus, dass ich mal ins Führerhaus hinaufsteigen durfte. Aber ich glaube, ich hatte eine so große Angst vor dem heißen, schnaufenen, schwarzen Ungetüm, dass ich mich nicht getraut habe. Oder doch? Ich weiß es nicht mehr. Diese Erfahrung hat übrigens in mein Kuschelbuch Eingang gefunden.
Bei meinen Fotoaufnahmen des Lokschuppens von der Heinersdorfer Brücke herab sprach mich kürzlich eine junge Frau an und verriet mir, dass man auch auf das Gelände und in den Lokschuppen hineinkommt. Sie beschrieb mir den geheimen Weg, und ich wollte mir diese einmalige Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen. Das Ergebnis könnt Ihr nachfolgend bewundern.
Vor zwanzig Jahren sah der Schuppen übrigens noch nicht so verfallen aus. Etwa so lange streiten sich der Inhaber von Möbel Krieger und das Land Berlin schon darum, wie das ehemalige Bahngelände bebaut werden soll. Auch wenn in dem verlinkten Artikel etwas von zehn Jahren steht, zieht sich das alberne Theater gefühlt schon deutlich länger hin. Wären die Streithammel sich schneller einig geworden, wäre der Lokschuppen sicher in besserem Zustand. Inzwischen stehen nun Gerüste außen herum, vermutlich versucht man, den weiteren Verfall jetzt endlich zu stoppen. Das Ding gäbe einen echt kultigen Musikklub ab.
Mein mutiger Opa
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