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Bar-Barbar

Nachdem Paypal nach einigen anderen Fehltritten zuvor nun auch noch dem systemkritischen Journalisten Boris Reitschuster das Spendenkonto gekündigt hatte, reichte es mir. Was mischt sich diese Bank in politisch-gesellschaftliche Angelegenheiten ein? Wo waren die Kontosperrungen bei George W. Busch, Donald Rumsfeld und Co., als diese völkerrechtswidrig den Irak überfallen hatten?
     Soeben habe ich mein Konto gekündigt, nach über zwanzig Jahren als zufriedener Kunde. Sicher, der Finanz­dienstleister hat das Einkaufen im Internet deutlich vereinfacht. Aber zuletzt funktionierte das auch nicht mehr so zuverlässig wie früher. Kürzlich bestellte ich ein paar Turnschuhe, bezahlte mit Paypal, dieser übertrug diensteifrig gleich die Lieferadresse an den Shop. Blöd nur, dass dort die wichtigste Zeile ganz oben, nämlich der Firmenname, wo ich tagüber weile und die Ergebnisse meiner Onlineshoppingtouren entgegennehme, nicht mit übertragen wurde. In weiser Voraussicht klebte ich also zusätzlich zum Firmennamen meinen Familiennamen unten ans Klingelschild, damit der DHL-Paketbote wenigstens den Hauch einer Chance hat. Dieser kam dann auch, gleich doppelt per E-Mail angekündigt, und – nutzte die Chance nicht, denn er war zu blöd zum Lesen. Bei ausländischstämmigen Mitbürgern, deren Muttersprachen keine lateinischen Buchstaben kennen, hätte ich ein Auge zugedrückt, aber bei einem, dem Dialekt nach, gebürtigen Tschechen? Der hätte das bestimmt gefunden, wäre er nicht zu faul gewesen. Deutschland 2022, das Land in dem man gut und gerne lebt.
     Andererseits – warum soll der Bote die Fehler von Paypal ausbaden? Im Zeitalter von alternativen Dienstleistern und kostenlose Kreditkarten ist der amerikanische Konzern so unnütz wie ’ne dritte Arschbacke. Somit falle ich glücklicherweise nicht zurück ins Zeitalter der Bar-Barbaren. Also, Paypal – geh nach Hause!