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Ich muss mich revidieren

Bisher war André Rieu für mich nur ein selbstverliebter, eitler Fatzke mit schlechter Frisur, der Menschen mit schlechtem Musikgeschmack geschmacklose Musik präsentierte. Und mit dieser bequem in eine Schublade passenden Ansicht musste ich mich auch nicht weiter um eine Überprüfung kümmern. Lediglich die Uraufführung einer Eigenkomposition von Anthony Hopkins – ja, der berühmte Schauspieler komponiert auch erfolgreich Musik – verursachte leichte Risse in der Schublade.
     Nachdem ich mir Rieus komplettes Konzern im arabischen Bahrain angeschaut hatte, musste ich meine Meinung jedoch revidieren. Die humorvolle Art, mit der er das Publikum mit sich reißt, ist wirklich eindrucksvoll. Doch erst das Einbinden einiger arabischer Musiker, darunter den in der Region beliebten Sänger Faisal Al Ansari, die zusammen die bekannte bahrainische Volksweise „tabeen ayni“ (ich zeige meine Augen) zum Besten gaben (ab 47:50) und damit bei den Zuschauern zuerst ungläubiges Erstaunen, dann heftige Freudentränen und schließlich Begeisterungsstürme auslösten, zeigte mir, wie stark André Rieu sich um die Völkerverständigung verdient gemacht hat, und wie sehr ihm sein Publikum am Herzen liegt. Der Blick in die glücklichen Gesichter geht direkt ins Herz.
     Tja, André, da hab ich mich in Ihnen wohl geirrt. Ich bitte um Verzeihung! Und sooo schlimm ist die Frisur nun auch wieder nicht. Doch das Beste ist: Ich habe ein neues Urlaubsziel gefunden.