Ich habe meiner Bank gekündigt! Welch eine Genugtuung!
Meine erste „Westbank“ nach der Wende war – für mich als Berliner ganz selbstverständlich – die Berliner Bank. Das Konto kostete damals bereits eine ordentliche Stange Geld, wie viel genau, weiß ich nicht mehr, ist ja auch schon dreißig Jahre her. Ansonsten war ich ganz zufrieden, bis die Bank einen dummen Fehler machte: Sie hielt sich nicht an eine mündliche Vereinbarung. So etwas nennt man Vertrauensbruch.
Zu dieser Zeit tauchte die Advance Bank auf, eine glitzernde Verheißung im Finanzsektor, denn sie kostete erstmals kein Geld. Alle Konten, alle Karten, alle Transaktionen komplett kostenlos! Für einen Sparfuchslöwen wie mich natürlich ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte, und ein Zustand, so wie er eigentlich sein sollte: Ich gebe der Bank mein Geld, sie verleiht es weiter und lebt von den Zinsen, die sie dafür erhält.
Ein himmlischer Zustand, leider zu schön, um wahr zu sein, fanden jedenfalls die Chefs des übergeordneten Bankhauses, der Dresdner Bank, und wickelten irgendwann die Advance Bank ab, natürlich nicht, ohne vorher die Kunden übernommen und nach einer kurzen Frist alles gebührenpflichtig gemacht zu haben.
Erneuter Umzug! Glücklicherweise gibt es immer jemanden, der eine entstandene Lücke füllen kann, damals war das die DKB, eine Tochter der Bayrischen Landesbank. Bei ihr war wieder alles kostenlos, der Service war perfekt, es gab Konten ohne Ende, Karten ohne Limit und jeden Tag Champagner (für die Chefetage).
Diesmal jedoch näherte sich das Unglück in Form von gesellschaftlicher Veränderung. Bei der DKB übernahmen die Ideologen das Ruder und fingen an, Kunden unvermittelt zu duzen, Texte zu gendern und Gebühren zu erheben. Meine Beschwerde, direkt an den Vorstandsvorsitzenden, wurde natürlich von einer vorgeschalteten Instanz beantwortet. Es sei ja das „nette, freundliche Du“, hieß es im Antwortschreiben. Und man wolle alle Geschlechter ansprechen sowie Minderheiten sichtbar machen, also der übliche Unsinn, den man zu hören bekommt, wenn Leute keine Ahnung haben, zumindest nicht von Grammatik.
Nein, liebe Ideologen von der DKB, es ist eben nicht das freundliche Du, das Ihr … Verzeihung, das Sie verwenden. Es ist das unfreundliche, das unverlangte, aufgezwungene, das Adolph Freiherr Knigge nachts nicht schlafen lassen würde. Das freundliche Du ist jenes, dass man nach einem netten Abendessen, wenn man sich besser kennen- und schätzengelernt hat, einvernehmlich vereinbart; wenn man festgestellt hat, dass man auf derselben Wellenlänge ist und sich gern wieder treffen und mehr miteinander unternehmen möchte. Und selbst dann gibt es noch Regeln, die in den … sagen wir mal – vornehmeren Kreisen noch immer eine Rolle spielen: Der Ältere bietet dem Jüngeren das Du an, und der Höhergestellte dem Untergebenen. Das heißt, mein Chef kann mir das Du anbieten, weil er mein Chef und außerdem älter ist, aber nicht umgekehrt. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine ehemalige Nachbarin, Frau Hoffmann, eine resolute alte Dame, zeitlebens schwer behindert, aber lebensfroh, gebildet und hoch anständig. Als ich volljährig wurde, fing sie plötzlich an, mich zu siezen, was mich sehr irritierte, und mein Angebot, mich einfach weiter zu duzen, hatte sie energisch abgelehnt. Das gehöre sich nicht und sei eine Frage des Anstands.
Ganz besonders entsetzlich sind aber die neuen Geschäftsbedingungen, Produktbeschreibungen und Vereinbarungen der DKB, gedruckt in winziger Schrift, ohne Brille kaum noch zu lesen, und auch ohne das schwachsinnige Gegendere bereits schwer zu verstehen.
Entscheidend für mich war jedoch letztendlich der Umstand, dass nun auch die DKB, genau wie damals die Berliner Bank, sich einfach über eine telefonisch getroffene Vereinbarung hinweggesetzt hat. Ein schwerer Vertrauensbruch, der nur mit einer Kündigung beantwortet werden konnte. Wie mir geht es übrigens auch vielen anderen Kunden. Lest Euch mal die Bewertungen bei Trustpilot durch. Da rollen sich einem ja die Fußnägel auf!
An echter Kritik scheint die DKB gar nicht interessiert zu sein, sonst hätte das Textfeld, in welchem bei Kündigung nach einer Begründung gefragt wird, etwas mehr Platz als nur für drei, vier kurze Sätze.
Vielleicht wäre es besser, der DKB-Vorstand schmeißt die Ideologen raus und stellt stattdessen erfahrene Banker ein. Vielleicht komme ich dann wieder zurück. Bis dahin weiß ich auch, was meine neue Bank so für Unfug treibt. Bei Trustpilot kommt sie ebenso schlecht weg wie die DKB. Aber wenigstens duzt sie mich nicht.
Genugtuung!
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