In der Fotografie kündigt sich gerade unbemerkt eine Katastrophe an. So wie die Digitalisierung zusammen mit dem Internet ganze Branchen vernichtete, wie etwa Einzelhandel, Musik- und Hifi-Industrie (wegen MP3), Reisebüros und Versicherungsmakler, wird vielleicht auch das fotografische Gewerbe von der Entwicklung hinweggefegt werden. Fotografen mag schon heute kaum noch einer bezahlen, weil es in Online-Fotoarchiven Millionen von erstklassigen Bildern zu Schnäppchenpreisen gibt. Nun wird es aber auch diesen Archiven an den Kragen gehen, denn KI-generierte Bilder laufen echten Fotos demnächst wohl den Rang ab. Die Softwarefirma Adobe hat seiner aktuellen Photoshop-Version bereits ein KI-Modul spendiert, mit dem sich verblüffend realistische Bilder erstellen lassen. Die anderen Foto-Apps werden sicher bald nachziehen.
Diese KI-Bilder weisen oft noch Mängel auf, wie etwa Zebras mit fünf Beinen, aber die Technologie startet ja gerade erst durch. Wenn wir mal fünf Jahre weiter denken, könnte es sein, dass die erstellten Fotos bereits makellos sind.
Die Anwendung ist ganz einfach: Man schreibt einfach in ein Textfeld, was man haben möchte, und die Software erstellt passende Bilder in verschiedenen Varianten. Hier mal ein paar Beispiele:
„Kreml im Winter mit Zebras auf dem verschneiten Roten Platz“:

„T-Rex mit blauen Augen und buntem Federkleid spaziert an einem Seychellenstrand entlang. Das Wasser ist glasklar und spiegelglatt“. Hier kann man sehen, dass der Algorithmus noch nicht sehr präzise ist. Aber man kann das Ergebnis nachträglich feintunen:

Jetzt wird es bizarr! Warum der Algorithmus bei „Ein spanisches Pärchen tanzt Flamenco in der Altstadt von Barcelona“ automatisch an Bigamie denkt, bleibt wohl auf ewig sein Geheimnis. Auch sehen Menschen sehr unnatürlich aus:

Nachfolgendes Bild ist aber sehr gut gelungen und beglückwünscht nun auf der Webseite meines Arbeitgebers die chinesische Kundschaft zum begonnenen Jahr des Drachen. Und keine Sorge – das brennende Huhn wurde nicht vom Drachen in Brand gesetzt, es handelt sich um einen Phönix, den unser chinesischer Distributor mit drauf haben wollte:

Ich verkaufe dann mal mein gesamtes Fotoequipment, so lange man dafür noch ein paar Piepen bekommen kann.
