Die erste Frau starb in seinen Armen an Leukämie. Vor fast genau zwei Jahren musste er dann seinen jüngeren Sohn – meinen ehemaligen Mitschüler und langjährigen Freund, beerdigen. Heute nun starb unerwartet seine zweite Frau im Alter von 87 Jahren.
Auch sie hatte sich gutgläubig mit der Corona-Giftbrühe „impfen“ lassen und bekam alsbald Probleme mit der Blutgerinnung. Blutverdünner konnten das Problem etwas abmildern, dennoch verstopften die feinen Gefäße in den Beinen immer wieder. Im August wurde sie operiert, bekam künstliche Gefäße eingesetzt, was eine Weile anhielt, bis letzten Dienstag, da brachte man sie wieder in die Klinik zur Operation, anschließend auf die Intensivstation. Einen Tag später schaute ein Arzt nach ihr, doch da war sie schon nicht mehr da.
Ein weiterer herzensguter Mensch hat uns also verlassen, eine Frau, die ihr Leben, ihre eigenen Bedürfnisse stets zurückstellte, so verblüffend selbstlos und uneitel ihrer Familie „diente“. Die selbst zuletzt, von Krankheit geplagt, von Krücke und Makuladegeneration behindert, keine Hilfe annehmen konnte, weil es sie beschämte und ihrer Würde widersprach. Die den kaum sechs Monate alten Geschirrspüler aus meiner alten Wohnung, den ich ihr gratis überlassen wollte, trotzig ablehnte, mit den Worten – sie habe doch immer mit der Hand abgewaschen. Die mich selbst für einfachste Hilfeleistungen, wie das Reinigen der Regenrinnen oder das Renovieren des Hausflurs bezahlen wollte, obwohl wir uns schon seit Jahrzehnten kennen. Ich wiederum hätte mich in Grund und Boden geschämt, hätte ich Geld angenommen, denn wie oft habe ich zusammen mit der Familie am Mittagstisch gesessen? Kaffee und Kuchen genossen? Gemeinsam im Trabant den ansonsten schwer erreichbaren Liebnizsee besucht, um dessen Insel im Schlauchboot zu umrunden? Als ich 1991 meine erste Wohnung bezog und die ganze Familie, ohne überhaupt zu fragen, sofort mit dem Auto zur Stelle war, um meine drei, vier armseligen Möbel in die neue Wohnung zu schaffen, die gleich den Anhänger an den Trabi hängte, um den kaputten Kachelofen wegzuschaffen, mit eigener Farbe zum Renovieren vorbeikam, hatte sie da auch nur einen einzigen Pfennig von mir verlangt?
Natürlich nicht. Und daher schmerzt es mich umso mehr, dass ein solch netter Mensch nun so überraschend fortgegangen ist.
Zwischen den tiefen Furchen des in den 97 Jahren unbeweglich gewordenen Gesichtsausdrucks ihres Mannes – meines jetzigen Vermieters – konnte ich die Schwere der tief empfundenen Trauer dennoch erahnen, als ich ihm die Hand zur Beileidsbekundung reichte.
97 Jahre. Wie viel Schmerz kann ein Mensch ertragen?
Liebe Frau Z., ich danke Ihnen für Ihre Güte, Gastfreundschaft und selbstlose Hilfsbereitschaft. Ich trage Ihr Andenken gern in meinem Herzen.
