Passend zum letzten Beitrag fuhr mir heute … oder lief mir heute? Nein, eigentlich stand mir heute, denn sie stand da nur so rum. Also eigentlich lief ich ihr über den Weg, als sie da so herumstand. Die … oder sollte ich besser sagen – der?
Ein Kassettenplayer der Marke Honda stand dort also herum, während ich ihm über den Weg lief, und während ich ihm über den Weg lief, fiel meinem audiophil geschultes Auge sofort das Kassettensymbol auf und erweckte meine Aufmerksamkeit. Denn normalerweise gehe ich an Motorrädern achtlos vorbei, wie hübsch auch immer sie aussehen mögen, aber wenn sie etwas mit einem meiner liebsten Hobbys zu tun haben – der Audiokassette, komme ich nicht umhin, umhin zu kommen und mal einen genaueren Blick drauf zu werfen.
Dieser Kassettenplayer auf zwei Rädern also zog meinen Blick auf sich, womit ich wiederum den Blick des Honda-Besitzers auf mich zog. Der sprang sofort vom Gartenstuhl auf, eilte herbei und versuchte, mir die 400 Kilo schwere Maschine von 1988 schmackhaft zu machen. Leider habe ich weder Motorrad-Führerschein noch das nötige Kleingeld, weshalb er auf taube Ohren stieß, ließ dennoch kurz Radio und Kassette erklingen, was nicht auf taube Ohren stieß, aufgrund der erbärmlichen Plastikboxen aber eher abstieß als in Verzückung geraten ließ, weil es wenig high fidel klang.
Stolz führte er auch den Rest der Maschine vor, vielleicht in der Hoffnung, es würde sich doch noch irgendwo ein passender Führerschein anfinden, warf kurz den (erfreulich leisen) Motor an, zeigte die Geräumigkeit der vielen Bordkoffer und das CB-Funkgerät, das inzwischen wohl nur noch Rauschen empfangen dürfte, weil die breite Motorradfahrermasse inzwischen handelsübliche Handys zur Nah- und Fernkommunikation bevorzugen dürfte.
Auch wenn ich Motorräder allgemein für einen Anachronismus halte, weil Fortbewegung auf zwei Rädern in meinen Augen gegenüber vierrädrigen Autos nur Nachteile hat – Fahrsicherheit, Wetteranfälligkeit, unangenehm enge, sich aufheizende Lederklamotten, kommunikationsabschottende Helme – statt Knautschzonen, Sicherheitsgurt und Airbag, T-Shirt, Shorts und luftige Sandalen, 8.1-300-Watt-High-End-Musikanlage inklusive Navigationssystem, beheizbare Sitze oder kühlende Klimaanlage – so fand ich diesen sechszylindrigen Zweirad-Repräsentanten aus den Achzigern durchaus extrem cool. Allein schon, weil er eine rückenschonende Lehne hat. Und einen Kassettenplayer.



