Deutschland ist in der Krise, auch was Energie angeht. Atomstrom ist zu Fünfziger und wurde abgeschafft, Wind und Sonne lassen die visionären Pläne der deutschen Einheitsparteien manchmal im Stich, eine Wortneuschöpfung macht die Runde: Dunkelflaute. Stattdessen werden Müll und Wertstoffe aus der Gelben Tonne, die sich nicht recyceln lassen, CO2-erzeugend verbrannt und in elektrische Energie umgewandelt.
Dies nahm ich zum Anlass, um nach Alternativen zu den Alternativen Energien zu suchen und wurde fündig: Niedliche flauschige Kuschelhasen. Doch sie zu verstromen wirft einen Haufen Fragen auf, die nachfolgend betrachtet werden sollen.
Wären Hasen eine gute Energiequelle?
Die zunächst favorisierte Hasen-im-Laufrad-Methode wären energetisch ein Minusgeschäft – nach dem Energieerhaltungssatz müssten sie über ihr Futter zunächst genau die Energie aufnehmen, die sie dann mühsam im Laufrad abstrampeln, nur um einen Bruchteil davon als Dynamo-Strom zu erzeugen. Da ist die direkte thermische Verwertung schlicht effizienter.
– Physikalisch: 1 Hase = ca. 100–150 kcal/Tag. Viel zu wenig.
– Ethisch: Nutzung von Tieren zur Energiegewinnung ist moralisch fragwürdig.
– Technisch: moderne Energieträger sind viel effizienter (Solar, Wind, Müll)
Was, wenn die Hasen vorher ordentlich gemästet würden und sich freiwillig zur Verfügung stellten?
Szenario: „Projekt Hoppelstrom“: Freiwillige Masthasen werden gefüttert, gepflegt und am Ende ihres Lebens „thermisch verwertet“. Natürlich mit Pfotenabdruck auf der Einverständniserklärung. Die Vorteile:
– Optimale Ressourcennutzung.
– Nachhaltigkeit durch Reproduzierbarkeit: Hasen rammeln wie die Karnickel.
– Kuschelhasen als Energieträger mit Soziallizenz.
Die (realen) Probleme:
– Unethisch – selbst bei „freiwilliger“ Teilnahme.
– Geringer Heizwert – selbst ein fetter Hase ist keine gute Energiequelle, da er noch zu viel Wasser enthält.
– Klimabelastung durch Tierhaltung überwiegt jeden Energiegewinn.
Und wenn man sie mit Trockenfutter ernährt, damit sie weniger Wasser enthalten?
– Trockenfutter = potenziell höherer Fettanteil = trockenerer „Brennstoff“.
– Gemästeter Hase, 4 kg → ca. 2 kg nutzbare Masse.
– Heizwert: ca. 5 MJ/kg → 10 MJ = 2,8 kWh
– Reicht für: Wasserkocher ca. eine Stunde 20 Minuten.
– Ein Haushalt braucht ca. 10 kWh/Tag → ca. 4 Hasen täglich.
Fazit: Das wäre aus physikalischer Sicht vertretbar. Aber effizient ist es nicht. Trockenfutter bringt minimale Verbesserungen – aber der Hase bleibt ein schlechter Brennstoff.
Man könnte die Hasen mit Plastik füttern, würde das nicht den Brennwert erhöhen?
Hasen, gefüttert mit dem Inhalt aus Gelben Tonnen. Grundsätzlich eine Totalverwertungsidee, Projekt „Plastomast“. Das Ziel: „Hasen mit Kerosinwert“.
– Recycling-Müllproblem gelöst: Plastik → Hasenfutter.
– Biologische Umwandlung → thermisch nutzbare Biomasse.
Die Probleme:
– Plastik ist toxisch für Tiere.
– Verdauungssysteme von Hasen sind extrem empfindlich.
– Verbrennen von Kunststofftierkörpern setzt Dioxine & Gifte frei.
– Widerspricht jeglichen ethischen, ökologischen und gesundheitlichen Standards.
Lösung:
– Detox-Behandlungen gegen Vergiftungserscheinungen.
– Medikamente gegen Verdauungsbeschwerden.
Ihr seht also, es gibt kein Problem, das sich nicht mit etwas gutem Willen lösen ließe. Ich bin guter Hoffnung, dass wir bereits in wenigen Jahrzehnten über die Anfangsschwierigkeiten lachen und den guten, ökologisch korrekten Hoppelstrom genießen werden. Die Schlagzeilen sehe ich heut schon deutlich vor mir:
Berliner Zeitung, Sonntag, 5. August 2035: Hoppelstrom – Energie aus kunststoffgemästeten Hasen
Bundesregierung fördert Hoppelstrom: Pilotanlage in Niedersachsen soll bis zu 2.000 Haushalte mit Hasenwärme versorgen.
Berlin/Nienburg (Weser) – In einem beispiellosen Schritt zur Lösung der Plastikmüll- und Energiekrise hat die Bundesregierung gestern das umstrittene Projekt Hoppelstrom vorgestellt. Das Prinzip: Hasen werden mit aufbereitetem Verpackungsmüll gefüttert, in brennstoffoptimierte Biomasse umgewandelt und thermisch verwertet. „Wir vereinen Tierschutz, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft in einem System“, erklärte Bundesenergieministerin Fenja Trittin (Grüne). „Die Tiere melden sich freiwillig und werden nach höchsten ethischen Standards gehalten, gestreichelt und thermisch genutzt.“
Wissenschaft uneinig – Ethikrat alarmiert
Prof. Dr. Jörg Kälbermeier (TU Dortmund) warnt: „Der Heizwert eines gut genährten Häschens liegt trotz Plastomast deutlich unter dem von Holzbriketts. Zudem sind Dioxinwerte beim Verbrennen der Hasenohren bislang nicht abschließend bewertet.“
Auch der Deutsche Ethikrat zeigt sich besorgt: Viele Einverständniserklärungen seien offenbar mit gefälschtem Pfotenabdruck und Karottensiegel versehen.
Erste Hoppelwerke in Planung
Geplante Pilotanlage Hoppelstrom Nord I in Niedersachsen: 4.500 Masthäschen mit „Gelber-Sack-Futterversorgung“ dienen als Wärmeerzeugung für eine Grundschule und ein Rewe-Logistikzentrum. Ein Streichelzoo zur Imagepflege („Energie zum Anfassen“) wurde nebenan eingerichtet.
Kritik von Tierschutzbund und FDP
Hasen vergasen: Der Tierschutzbund hält das Hasen-Verstromungsprojekt für „eine dystopische Farce“. Vertreter der FDP bemängelten die fehlende Beteiligung am CO₂-Zertifikatehandel.
Titelkommentar in der Bild
„Brennt der Hase, leuchtet das Land?“ Ein Leitartikel von Paul-Otto Krugmann, Seite 1.
Weitere Themen
– Wirtschaft: BASF kündigt neues Werk für hasenkompatibles Verpackungsmaterial an.
– Feuilleton: Der Hase in uns – Essay über das Tier als Energieträger.
– Die Technische Universität Bottrop hat errechnet: 12 Millionen Masthäschen könnten den gesamten Strombedarf von Bottrop decken – bei durchgehendem Streicheleinheitenbetrieb.
– Wetter: Heiter bis wollig – Deutschland bleibt flauschig.

