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Bitte nicht einsteigen: 2,4 Millionen Gründe zu warten

Auch heute wieder zeigte die Berliner S-Bahn, was sie kann: weder pünktlich sein noch das Chaos für die Fahrgäste irgendwie erträglicher machen. „Wegen der Reparatur an einem Stellwerk“, hauchte die zarte Frauenstimme aus den Bahnhofströten, „ist der Zugverkehr unregelmäßig.“
     Der unregelmäßige Zug fuhr dann, statt bis Dingenskirchen, auch nur bis Dummsdorf. Ab dort sollte es mit dem Schienenersatzverkehr nach Doofgarten weitergehen. Doch der kam nicht. Nicht nach zehn Minuten. Nicht nach zwanzig. Nicht nach dreißig. Und das auf einer Strecke, die laut regulärem Fahrplan ohnehin nur alle 20 Minuten bedient wird!
     Eine Dreiviertelstunde später bog er gemächlich ums Eck. Doch leider reichte der handelsübliche Schlenkerbus nicht annähernd aus, um die inzwischen aufgelaufenen Menschenmassen aufzunehmen. Die Zurückgebliebenen durften sich weiter gedulden; auf dass irgendwann ein Bus kommen möge, in zehn, zwanzig, dreißig Minuten – wer weiß das schon.
     Nach kurzer, aber gefühlt ewig dauernder Fahrt erreichte er Doofgarten – unübersehbar für den dort wartenden S-Bahn-Fahrer. Doch statt noch drei Minuten länger zu warten und all die Gestrandeten aufzunehmen (bei einem derart verhunzten Fahrplan käme es eh nicht mehr drauf an), gab er kräftig Strom und flüchtete. Wen wundert’s – die Stimmung war inzwischen nämlich am Kochen.
     Doch das ist alles nicht so schlimm! Wir sind ja nur irgendwelche unwichtigen Menschen. Hauptsache, Richard Lutz geht es gut. Wem? Na, Richard Lutz, dem gerade erst „gegangenen“ Bahn-Chef. Er erhält eine Abfindung in Höhe von etwa 2,4 Millionen – für seine … „erfolgreiche“ Arbeit. Euro, nicht Zloty. Damit kann er sich ein paar coole neue Autos kaufen, ein paar Chauffeure anstellen und fortan das Bahnchaos weiträumig umfahren.
     Möge er täglich im Stau stecken bleiben! Und beim Ein- und Aussteigen von unzähligen garstig-aggressiven Mücken gefressen werden, so wie ich gerade beim Warten auf die S-Bahn. Und auch all die anderen unfähigen Politiker und Manager, die dieses Chaos zu verantworten haben.