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Sound ohne Band

Schon seit über fünfzig Jahren höre ich meine Musik. Hunderte, tausende Male liefen bei mir die 70er, 80er, Pop & Wave, Rock von soft bis hart und immer mal wieder auch Klassik. Doch inzwischen hängt mir vieles davon zu den Ohren heraus. Deshalb suche ich vermehrt nach etwas Neuem, nach Klängen, die ich nicht schon unzählige Male gehört habe.
     Beim Stöbern auf YouTube bin ich dann eher zufällig auf eine ganz eigene, neue Sparte gestoßen. Sie lässt sich kaum in klassische Kategorien wie Pop, Rock oder Klassik einordnen, denn sie umfasst im Grunde alles. Der kleinste gemeinsame Nenner ist ein anderer: Hinter diesen Stücken stehen keine Musiker im herkömmlichen Sinn. Keine Band, keine Instrumente, keine Sänger, wie man sie normalerweise kennt. Stattdessen entsteht alles auf Basis von künstlicher Intelligenz.
     Erstaunlicherweise transportiert genau diese Musik oft mehr Emotionen als vieles von dem, was heute von echten Künstlern produziert wird. Vieles wirkt inzwischen, als werde es in ein streaming-gefälliges Format gepresst, das vor allem eines leisten muss: in den ersten dreißig Sekunden gefallen, bevor die Aufmerksamkeit schnell weiterzieht. Was dabei entsteht, ist nicht selten eintönig und austauschbar.
     Die bisher von mir entdeckten KI-Projekte sind hingegen in ihrer künstlerischen und musikalischen Qualität äußerst beeindruckend. Ich habe lange nicht mehr in so kurzer Zeit so viele Stücke gefunden, die mich wirklich packen. Das erinnert mich ein wenig an die Aufbruchsstimmung der Achtziger, als der Synthesizer plötzlich ganz neue Klangwelten eröffnet hat.
     Auch damals gab es kritische Stimmen, die den „künstlichen“ Sound bemängelten. Heute wiederholt sich dieses Muster. Viele stehen den Möglichkeiten der KI skeptisch oder ablehnend gegenüber. Ich sehe das deutlich entspannter. Wenn neue Werkzeuge dazu führen, dass ich wieder Freude am Musikhören finde, dann ist es mir letztlich egal, ob diese Stücke von Menschen oder Maschinen stammen.
     Vielleicht ist das Ganze auch einfach ein Anstoß. Wenn Maschinen plötzlich mithalten oder sogar überzeugendere Ergebnisse liefern, müssen sich echte Musiker wieder mehr anstrengen, um mitzuhalten. Einige tun das ja nach wie vor, wie etwa Röyksopp, die mich mit jedem neuen Album immer wieder positiv überraschen.
     Wer neugierig geworden ist, sollte einfach selbst einmal reinhören. Die Stimme des – nennen wir ihn ruhig „Sängers“ – von Eyeflower ist spektakulär!