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Weihnachten findet früher statt

In einem beispiellosen Schritt hat der Weihnachtsrat der Föderalen Festtagskoordination am frühen Donnerstag­morgen beschlossen, das diesjährige Weihnachtsfest um volle zwei Wochen auf den 10. Dezember vorzuziehen. Grund für diese Entscheidung ist die sächsische Zimtschneckenkrise, die in den vergangenen Tagen nicht nur die Backstuben, sondern auch die gesellschaftliche Stabilität von Bund und Ländern ins Wanken gebracht hat. Nach Angaben des Krisenstabs kam es in mehreren sächsischen Städten zu massiven Engpässen bei Zimt, Hefe und emotionaler Resilienz. Zahlreiche Bäckereien mussten bereits am Vortag das Anbrechen der Notvorräte an den Bundesbäckerverband melden. „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos“, erklärte Verbandssprecher Rainer Kipferl. „Solange wir noch ein paar Zimtsterne und einen Rest Vanilleschoten haben, kämpfen wir weiter.“
     Um jedoch einer drohenden Backpanik vorzubeugen – also dem unkontrollierten, hektischen Backen unter emotionalem Druck – wurde beschlossen, Weihnachten kurzerhand vorzuziehen. Der Gedanke dahinter ist ebenso einfach wie pragmatisch: Wenn das Fest gefeiert wird, bevor die Zimt- und Buttervorräte endgültig zur Neige gehen, können wenigstens die wichtigsten Festtagsgebäcke rechtzeitig produziert und konsumiert werden.
     Auch wirtschaftliche Gründe spielten eine Rolle. Nach einem internen Papier der Ostdeutschen Körperschaft für Festtagsökonomie drohte der Schwarzmarktpreis für Zimt auf Rekordhöhe zu steigen. Ein anonymer Insider sprach gar von „Goldstandard-Zimtstangen“, die bereits in einigen ländlichen Gebieten als illegales Zahlungsmittel kursieren. Die Verlegung des Weihnachtsfestes soll diesen gefährlichen Trend bremsen und den sozialen Frieden sichern.
     In der Bevölkerung stößt die Maßnahme auf gemischte Reaktionen. Während die einen erleichtert sind, dass sie ihre Geschenke nun schon Anfang Dezember loswerden können, zeigen sich andere irritiert. Eine Leipziger Bürgerin erklärte: „Ich war noch gar nicht in Stimmung! Mein Adventskranz ist noch im Keller, und mein Mann hat den Leb­kuchen­teig in der Tiefkühltruhe versteckt.“
     Trotz kleinerer Logistikprobleme – beispielsweise müssen sämtliche Adventskalender kurzfristig neu bedruckt werden – zeigen sich die Behörden optimistisch. Der Weihnachtsmann selbst ließ verlauten, dass er „den Schlitten einfach etwas früher auftankt“ und zur Not „die Rentiere mit Glühwein motiviert“.
     Wie gravierend das Problem ist, zeigt sich in der eilig nachgereichten Folgeentscheidung: Auch Silvester muss angepasst werden. Laut einer eiligen Pressemeldung des Bundesamts für Jahresendfragen sei eine „chronologische Verschiebung im Festtagsgefüge“ eingetreten, die dringend korrigiert werden müsse. Wenn Weihnachten zwei Wochen früher stattfindet, so der Pressesprecher, gerät der traditionelle Feierzyklus der deutschen Durch­schnitts­bürger durcheinander. Ohne die übliche Zeitspanne zwischen Plätzchenverzehr und Bleigießen drohe eine Unterlagerung der Festtagskalorien, was laut Experten „metabolisch wie gesellschaftlich untragbar“ sei. Es sei daher unumgänglich, den „natürlichen Fluss der Festtagsfreude“ zu bewahren. Beruhigend fügte der Sprecher hinzu: „Das neue Jahr wird wie geplant stattfinden – nur eben etwas früher. Die Uhrzeit bleibt gleich, lediglich das Datum ist leicht verschoben.“
     Bis zum Frühlingsfest, wenige Monate später, soll die Zimtschneckenkrise jedoch ausgestanden sein. Der Vorsitzende der Bunteierkonföderation, O. Hase, vermeldete entspannt, der Beginn des Frühlingsfestes unterliege ohnehin mehr oder weniger natürlichen Schwankungen, daher sei man stets bereit, kurzfristig zu reagieren, falls die Eier kalt werden.