Menü Schließen

Stille Rebellion

Heute ist wie jedes Jahr mal wieder der 1. Juni. Männertag. Der eine Tag im Jahr, an dem wir Männer uns auf unsere Wurzeln besinnen. Auf Freiheit. Auf Würde. Auf Selbstbestimmung.
     Die gute Nachricht: Wir haben Rechte. Die schlechte: Wir müssen erst fragen, ob wir sie benutzen dürfen.
     Früher, in den Siebzigern, war die Welt noch einfacher. Da wurde nicht über „toxische Männlichkeit“ diskutiert. Da war Männlichkeit der Status quo. Mit Schnauzbart, Feinripp und einer gesunden Portion Diskussionsresistenz. Oder besser noch: Diskussionsabsenz. Mann sprach – und es geschah.
     Heute hingegen wird alles unnötig verkompliziert. Da wird stundenlang diskutiert, reflektiert, sensibilisiert und eingeordnet, bis keiner mehr weiß, wer eigentlich den Müll rausbringen sollte. Von wegen Gleichberechtigung. Frauen wollen die gleichen Rechte, die gleichen Gehälter und die gleichen Karrierechancen wie wir Männer. Doch merkwürdigerweise gilt das mit der Gleichstellung meist nur bis zur Restaurantrechnung. Die schweren Einkaufstüten, die Spinne im Badezimmer und der erste Schritt beim Kennenlernen scheinen weiterhin in unseren traditionellen Zuständigkeitsbereich zu fallen. Verstößt das nicht gegen das Gleichbehandlungsgesetz?
     Doch es gibt Hoffnung. Immer mehr Männer entwickeln Strategien zur Wiedererlangung bewährter Tugenden. Beispielsweise im Badezimmer: „Kannst du dich beim Pinkeln bitte hinsetzen?“ – „Geht nicht. Mein Long John hängt dann immer unten im Wasser.“ Oder die leidige Toilettendeckel-Debatte: „Kannst du bitte die Brille wieder runterklappen, wenn du fertig bist?“ – „Wieso? Wir brauchen sie oben, ihr braucht sie unten. Wir sagen euch doch auch nicht, dass ihr den Deckel hochklappen sollt.“ Logisch und wissenschaftlich kaum widerlegbar. Effizienz war schließlich schon immer eine Stärke des Mannes.
     Auch heute noch verfügen Männer über natürliche Fähigkeiten, die über Generationen weitergegeben wurden. Führungsstärke zum Beispiel. Die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Aufgaben zu verteilen. Prioritäten zu setzen. Kurz gesagt: Aus dem eigenen Problem das Problem eines anderen zu machen: „Schatzi, ich habe versehentlich das Schild ‚Bitte hinsetzen‘ vollgepinkelt. Kannst du das bitte mal eben saubermachen?“
     Doch bei aller Aufbruchsstimmung müssen wir realistisch bleiben. Der Weg zurück zur alten Stärke ist lang. Und voller Herausforderungen. Doch wir Männer werden weiterkämpfen. Für unsere Überzeugungen. Für unsere Freiheit. Für das Recht, die Fernbedienung ebenso unangetastet auf dem Couchtisch liegen zu lassen wie die Füßßß…
     Moment mal … wie bitte, Schatz? Wäsche bügeln? Ja, ich komm gleich.
     Was ich gerade mache? Och … nichts weiter …
     Frohen Männertag!