Heute fallen Weihnachten und Geburtstag auf einen Tag, denn die weltweit begehrten und berühmten Preise „Film mit Esprit“ und „Musik mit Esprit“ gehen dieses Jahr beide an ein und denselben Künstler. Wer diesen Blog aufmerksam verfolgt, hat hoffentlich auch den Film „Searching for Sugar Man“ nicht verpaßt, denn inzwischen ist er in der Mediathek von Servus TV nicht mehr vorhanden. Er erzählt die Geschichte des mittlerweile 70-jährigen, amerikanischen Folksängers Sixto Rodriguez, der in den USA keine seiner beiden veröffentlichten Schallplatten verkaufen konnte und dennoch berühmt war, ohne es zu wissen, weil seine geldgierige Plattenfirma ihm verschwieg, daß er in Südafrika als großer Held gefeiert wurde. So schlug er sich jahrzehntelang mit körperlich harter Arbeit auf dem Bau durch, bis er eines Tages von südafrikanischen Journalisten aufgespürt wurde, die wiederum nicht glauben konnten, daß ihr Nationalheld noch am Leben war, denn bis auf verschiedene Selbstmordgerüchte gab es keine weiteren Informationen über den Musiker.
Tief berührt vom Schicksal des zurückhaltenden Künstlers lud ich mir sogleich beide Alben herunter und war auf Anhieb begeistert von den großartigen Stücken, den kritischen Texten, den berührenden Melodien, getragen von der traurigen Stimme des Sängers, die einem tief in die Seele fährt. Erschienen Anfang der Siebziger, mögen die beiden Alben klangtechnisch vielleicht etwas angestaubt klingen, aber die Stücke selbst strahlen durch ihre kreativen Arrangements und die frischen Rhythmen bis in unsere moderne Zeit hinein. Beispielhaft seien nur Ohrwürmer wie Crucify Your Mind, Rich Folks Hoax oder das erschütternd traurige Sandrevan Lullaby – Lifestyles genannt, Musik bei der man sich wünscht, daß sie nie zu Ende geht.
Bleiben abschließend nur noch zwei Dinge festzustellen, nämlich daß das einzige Konzert in Berlin, für das ich meine tote Großmutter verhökert hätte, und das gestern noch als „abgesagt“ angezeigt wurde, heute leider schon ausverkauft ist*. Und daß er angeblich 30 neue Lieder geschrieben hat, auf die ich mich jetzt schon freue, wie ein kleiner Plüschlöwe.
* Soeben sehe ich, es gibt anscheinend doch noch Karten, aber über 70 Euro – halleluja – für so viel Geld muß ein kleiner Löwe lange sein Fell bürsten!

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