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Schlafschlümpfe im Wunderland

So wie ich aussehe, bin ich meistens auch drauf: Lustig, flauschig und ein klein wenig pelzig, dazu noch rücksichtsvoll, hilfsbereit sowie lieb und nett zu jedermann. Während ich mich also tagtäglich bemühe, möglichst nirgends anzuecken, nicht im Weg zu stehen und beim Shoppen meinen Einkaufswagen irgendwo in abgelegenen, dunklen Ecken parke, wundere ich mich immer öfter über diese merkwürdige Spezies, der ich bei meinen wöchenendlichen Einkaufstouren begegne. Eigentlich ärgere ich mich über sie, aber mein ehemaliger Klavierlehrer Achim hat empfohlen, sich über andere weniger zu ärgern und stattdessen zu denken – ei, das ist aber erstaunlich! Also wundere ich mich lieber, statt mich zu ärgern.
     Diese Kreaturen habe ich übrigens Schlafschlümpfe getauft, und heute fand ich bei Kaufland heraus, daß sich deren Anzahl synchron zur Zeitnot verhält, der man momentan unterworfen ist. Je eiliger man es hat, desto gehäufter ihr Auftreten. Und man erkennt sie auch sofort an ihrem Verhalten: Versucht man, seinen Einkaufswagen möglichst schnell durch die Gänge des Einkaufszentrums zu steuern, kommt garantiert sofort hinter einer Ecke ein Schlafschlumpf hervorgesprungen und blockiert mit langsamem Umherschlendern das zügige Vorwärtskommen. Gern parken sie auch ihre Einkaufswagen nebeneinander im Gang, sodaß es unmöglich ist, sie einfach zu umfahren, während sie gedankenverloren, der Welt entrückt und fasziniert von all den tollen, bunten Dingen in den Regalen, vor sich hinstaunen. Was um sie herum passiert, wird in diesem Moment völlig ausgeblendet, man könnte hinter ihnen splitterfasernackt herumspringen, sie würden es nicht bemerken. Wirklich, ich hab’s ausprobiert! Selbst wenn man sie anspricht, wachen sie nicht auf und wandeln fröhlich weiter durchs bunte Warenwunderland.
     Auf keinen Fall sollte man nach mehrfach erfolglosem Ansprechen ihren Wagen eigenmächtig zur Seite rollen, darauf reagieren Schlafschlümpfe sehr empfindlich. Sie mögen es nicht, aus ihren schönen, bunten Träumen gerissen zu werden. Das überlasse man lieber der Kassiererin, deren Bekanntgabe der Gesamtsumme den Schlafschlümpfen urplötzlich soetwas wie einen Weckimpuls vermittelt, der sie zu der Erkenntnis gelangen läßt, es wäre nun der richtige Zeitpunkt gekommen, um sich auf die Suche nach dem in irgendeiner Tasche verborgenen Portemonnaie zu machen. Ab da hat man es dann allerdings fast schon überstanden, das Zusammensammeln des passenden Kleingeldes, centgenau abgezählt, dauert erfahrungsgemäß selten länger als fünf Minuten.
     Ehrlich, manchmal habe ich das Gefühl, die da oben machen uns irgendwas ins Trinkwasser! Oder zu wenig davon.