Menü Schließen

Liebe Autonome, …

… liebe Linke, liebe SPD, liebe Tschekisten, liebe Maoisten und liebe sonstige Angehörige des linken Spektrums.
     Der G20-Gipfel ist nun vorüber, drei lange Tage liegen hinter uns. Zeit, Resümee zu ziehen.
     Seid Ihr zufrieden? Hab Ihr erreicht, was Ihr Euch vorgenommen hattet? Ja? Sicher? Ich befürchte nämlich, Ihr habt Euch gemeinschaftlich selbst ins Knie geschossen. Ihr wisst es nur noch nicht. Aber ich weiß es.
     Schaltet doch kurz mal die klumpige, graue Masse, die Ihr dort oben in dem Hohlkörper zwischen den Ohren mit Euch herumschleppt, für eine Moment ein. Habt Ihr Euch je gefragt, wieso der G20-Gipfel dieses Jahr in Deutschland stattfand? Und dann noch ausgerechnet in Hamburg, einer Hochburg der autonomen Linken? Warum nicht in einem der anderen 19 G-Staaten?
     Spielt Ihr Schach? Falls nicht, hier ein kurzgefasster Überblick: Es gibt ein schwarz-weiß-kariertes Spielfeld mit 64 Feldern, darauf stehen sich zwei Armeen gegenüber, bestehend aus verschiedenen Figuren, die unterschiedliche Bewegungen ausführen dürfen. Allerdings reicht es nicht, zu wissen, wie die einzelnen Figuren bewegt werden dürfen. Wenn man gewinnen will, muss man vor allem Strategie und Taktik erlernen, um herauszufinden, was der Gegner vor hat, und zwar möglichst viele Züge im Voraus.
     In der Politik gibt es Institute und Organisationen, die sich ausschließlich mit solchen Themen beschäftigen, Voraussagen erstellen und detaillierte Pläne entwerfen. Wäre es möglich, dass es einen geheimen Grund gab, den Gipfel dieses Jahr in Deutschland abzuhalten?
     Aber nein, nicht doch, oder? Das wären ja Verschwörungstheorien!
     Sehen wir uns mal die Details an: Es ist Wahljahr. In rund zwei Monaten treten die Parteien zur Bundestagswahl an. Zur Zeit regieren Konservative zusammen mit der SPD in einer großen Koalition, was die Konservativen aber nicht so mögen, weil die SPD immer mal wieder querschießt. CDU und CSU wollen natürlich lieber alleine regieren. Also wie zum Teufel bekommt man die Sozen weg vom goldenen Futtertrog, und wie gewinnt man mehr Stimmen, um alleine regieren zu können?
     Ganz einfach: Durch einen „Putsch“ von links. Man muss nur einen Honigtopf aufstellen, so groß, dass er nicht mehr als Falle zu erkennen ist, und dann lässt man das gesamte linke Spektrum hineintappen.
     Erster Zug, weiß: Die bei den Linken verhassten Vertreter des entfesselten globalen Kapitalismus werden eingeladen, um am brenzligsten Punkt überhaupt, in der Nähe des Hamburger Schanzenviertels, eine Veranstaltung abzuhalten. Welch hinterlistige Provokation!
     Erster Zug, schwarz (wie passend zum schwarzen Block!): Reflexhaft und ohne nachzudenken werden Gegendemonstrationen angemeldet und durchgeführt.
     Zweiter Zug, weiß: Die Polizei weist entsprechend geltendem Gesetz auf das Vermummungsverbot hin.
     Zweiter Zug, schwarz: Wie nicht anders zu erwarten und wie vermutlich von den globalen Planungsstrategen des konservativen Establishments voraus­berechnet, weigern sich die Mitglieder des schwarzen Blocks, ihre Masken abzulegen.
     Dritter Zug, weiß: Die Polizei setzt sich mittels Eingreifen durch.
     Dritter Zug, schwarz: Den Radikalen brennen die Sicherungen durch. Es wird demoliert, gebrandschatzt und Gewalt gegen Polizisten ausgeübt. Die Gegenseite muss nur noch die Kamera draufhalten und die Bilder im Internet und den Medien verbreiten. Mit etwas Glück strecken die etablierten Medien die Berichte zu dem Thema noch über ein paar Wochen oder buddeln sie kurz vor den Wahlen wieder aus.
     Vierter Zug, weiß: Die Polizei tut, was sie tun muss.
     Vierter Zug, schwarz, der dümmste Zug überhaupt: Verschiedene Vertreter der linken Szene plappern sichum Kopfund Kragen. Sie entlarven sich selbst als rücksichtlose, egoistische, vollkommen weltfremde Spießer.
     Die Mächtigen dieser Welt stellten eine gut getarnte Falle auf, und das gesamte linke Spektrum von SPD (auch wenn sie kaum noch linke Ideen vertritt) bis Mao Tse Tung latschte voll hinein! Diese drei Tage werden Euch am 24. September tausende von Wählerstimmen kosten. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg!
     Schach matt in vier Zügen.