Menü Schließen

Endlich enttarnt!

Seit nunmehr 30 Jahren begleite ich mehr oder weniger kopfschüttelnd die Entwicklungen der Computerindustrie. Mein erster Kontakt mit den magischen Elektronikchips war ein Atari 800 XL mit Datasette. Für die jüngeren unter Euch, die das nicht mehr kennen – es handelte sich dabei um ein Compact-Cassetten-Gerät, aber nicht für Musik, sondern für digitale Daten. Für die noch jüngeren, die nicht wissen, was eine Compact Cassette ist: Googelt doch einfach mal!
     Wenig später kreuzte ein Schneider-PC meinen Weg, kurz darauf der erste richtige PC mit DOS und Windows 3.11. Von da an ging’s bergab.
     Nein, kleiner Scherz, tatsächlich ging es rasant bergauf! Mit Windows 95 brachte Microsoft ein Betriebssystem auf den Markt, das mich staunen ließ. Zum ersten Mal musste ich nicht mehr mit Speicherverteilung in Autoexec.bat und Config.sys herumhantieren, um entweder die eine oder andere Applikation vernünftig laufen lassen zu können. Alles lief ohne Probleme, selbst 3D-Spiele!
     Inzwischen hat der Markt sich drastisch weiterentwickelt, fast jeder trägt in der Jackentasche ein kleines Gerät mit Farbdisplay spazieren, das mit seinen Fähigkeiten Dinge ermöglicht, die vor 30 Jahren noch undenkbar schienen. Leider tauchte auch die eine oder andere bizarre Entwicklung auf und verschwand sang- und klanglos wieder im Dickicht der IT-Geschichte. Stellvertretend seien hier das gruselige Microsoft Zune, das verstörende Windows Media Center sowie das lächerliche Windows Mobile 7 genannt, welches mit seinen unpraktischen, platzverschwendenden Kacheln das ebenso benutzerunfreundliche Windows 8 kopierte.
     Und wie es der Zufall will – tadaaa – alle drei Unfälle verdanken wir nur einem einzigen Mann: Joe Belfiore. Alles, was dieser Unhold verzapft hatte, löste bei mir nur verständnisloses Kopfschütteln aus. Jedes Mal wusste ich instinktiv sofort – das wird nix, wunderte mich darüber, wieso bei Microsoft das anscheinend niemand sehen konnte und behielt jedes Mal recht.
     Nun verlässt er also Microsoft, der Joe, zieht sich ins Privatleben zurück und wird zukünftig nur noch beratend tätig sein. Ich frage mich, ob das eine ernstgemeinte Drohung ist. Wäre ich damals Chef bei Microsoft gewesen, hätte ich ihn bereits für den Zune ins Privatleben zurückgeschickt. Und zwar für immer.