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Der mathematisch modellierte Traum vom Glück

Es gibt diese heimliche, unausgesprochene Hoffnung, die tief im Herzen vieler Männer schlummert: Eines Tages tritt sie in unser Leben — eine Traumfrau, die nicht nur aussieht wie frisch aus einer Haute-Couture-Kampagne, sondern auch noch im Besitz eines Kontostands ist, der selbst einen Hedgefonds-Manager erröten lässt. Frauen träumen gern vom Märchenprinzen, wir Männer hingegen dürfen ja wohl auch von Märchenprinzessinnen träumen, oder?
     In Dubai, eines meiner Lieblingsurlaubsziele, scheint dieser Traum nicht völlig abwegig. Hier soll die Millionärsdichte höher sein als fast irgendwo sonst auf der Welt, und tatsächlich wirkt die Stadt wie ein Magnet für alles, was funkelt und glänzt. Kürzlich knackte ein Berliner (oder eine Berlinerin?) den Eurojackpot in Höhe von 120 Millionen Euro. Seitdem lässt mich der Gedanke nicht los, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass dieser Gewinn vielleicht an einen modelhaften Traum-Engel gegangen ist und ich sie in meinem nächsten Dubai-Urlaub zufällig kennenlerne. Warum in Dubai und nicht in Berlin, was viel näher an Dingenskirchen gelegen ist? Nun, das könnt ihr hier nachlesen.
     Nicht zehn Millionen, nicht zwanzig, nein — es muss natürlich die volle Dröhnung sein, der maximal mögliche Jackpot, so groß, dass man beim Aussprechen fast schon das Echo hört. Doch was sagt die Mathematik dazu? Sie sagt erst einmal: „Vergiss es.“ Aber da wir Zahlenfreunde hartnäckig sind, rechnen wir trotzdem nach:
     Die Chance, den Eurojackpot überhaupt zu knacken, liegt bei etwa 1 zu 140 Millionen. Schon dieser erste Schritt klingt so hoffnungsvoll wie eine Diät in der Adventszeit. Doch damit nicht genug: Es geht nicht um irgendeinen Gewinn, sondern um exakt 120 Millionen Euro. Seit Einführung der Jackpot-Obergrenze wurde diese Summe nur in wenigen Fällen tatsächlich erreicht und ausgespielt. Auf die gesamte europäische Bevölkerung umgelegt ergibt das eine Prävalenz von etwa 1 zu 57 Millionen, jemals so ein Ticket in Händen zu halten.
     Und nun zur Schönheit: Ein Top-Model muss es sein. Das weibliche Gegenstück zu Brad Pitt, George Clooney und Tom Selleck. Eine glatte 10 von 10. Wir wollen großzügig behaupten – eine unter tausend Frauen erfüllt diesen makellosen Standard. Schon treibt jede einzelne Bedingung die Unwahrscheinlichkeit weiter in die Höhe – die Chance, dass all diese Faktoren zufällig zusammentreffen, wird immer kleiner.
     Doch wir sind noch nicht fertig und verlegen das Szenario nach Dubai. Die Stadt empfängt jährlich rund 18,7 Millionen internationale Besucher. Aus Deutschland reisen davon ungefähr 600.000 an. Rechnet man das auf die Hauptstadt herunter, sind etwa 4,3 Prozent davon Berliner, also rund 25.800 pro Jahr. Bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von vier Tagen ergibt sich, dass an einem beliebigen Tag gerade einmal rund 280 Berliner gleichzeitig in Dubai unterwegs sind. Setzt man das ins Verhältnis zu den etwa 3,7 Millionen Menschen, die sich zu einem Zeitpunkt in der Stadt aufhalten, so beträgt die Wahrscheinlichkeit, dort auf eine Berlinerin zu treffen, etwa 1 zu 13.000.
     Und jetzt multiplizieren wir die Dinge, die nicht zusammenpassen wollen: 1 zu 140 Millionen, um den Jackpot zu knacken. 1 zu 57 Millionen, dass dieser Gewinn überhaupt exakt 120 Millionen betrug. 1 zu 1000, für das Top-Model-Gesicht. 1 zu 13.000, dass die Person gerade in Dubai herumspaziert, während man selbst dort Urlaub macht. Heraus kommt eine Gesamtwahrscheinlichkeit im Bereich von 1 zu zehn bis hundert Billionen, je nach Annahme.
     Aber damit ist die Rechnung noch nicht zu Ende. Schließlich könnte sich die Traumfrau auch für eines der anderen tausend beliebtesten Touristenziele der Welt entscheiden. Vielleicht flaniert sie lieber über die Champs-Élysées in Paris, nippt an einer Kokosnuss auf Bali, bestaunt die Pyramiden von Gizeh, fotografiert den Times Square in New York oder liegt einfach entspannt am Strand von Phuket. Und ich müsste — rein zufällig — ebenfalls genau dort sein. Dieser „1000er-Faktor“ multipliziert die Unwahrscheinlichkeit noch einmal nach oben, und plötzlich bewegen wir uns im Bereich von zehn bis hundert Trillionen. Bereits eine davon hat 18 Nullen.
     Natürlich würde ich bei so einer Begegnung vermutlich an der Hotelbar sitzen, mein Portemonnaie leer wie der Kühlschrank eines Studenten, während sie neben mir mit einer schwarzen Kreditkarte jongliert, deren Limit mein Jahresgehalt als Werbeschnuffi mühelos verschlucken könnte. Aber auch das gehört zur Romantik dieser Rechnung: die Vorstellung, dass sich zwei Welten kreuzen, die eigentlich nie zusammenpassen sollten — und es trotzdem tun könnten.
     Kurz gesagt: statistisch betrachtet ist die reiche Traumfrau im Urlaub zu treffen unwahrscheinlicher als ein Kamel im Fahrstuhl des Burj Khalifa. Aber unmöglich ist es nicht. Mathematik lügt nicht, doch sie lässt ein kleines Fenster offen, durch das die Hoffnung blinzelt. Und solange dieses Fenster existiert, darf man weiterträumen. Denn am Ende der Rechnung steht kein nüchterner Bruch, sondern ein freundliches Augenzwinkern: Die Wahrscheinlichkeit liegt bei etwa 1 zu ein paar Dutzend Trillionen. Und das lässt doch hoffen.