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Die Rückkehr der NVA-Zombies

Linke-Politiker Dietmar Bartsch und Sepp Müller von der CDU haben das geschafft, was niemand für möglich hielt: Statt die Truppe mit Hightech-Drohnen, flugtauglichen Helikoptern oder funktionierender Bürokratie auszustatten, kommt jetzt der wahre Gamechanger – die Rückberufung ehemaliger NVA-Soldaten als Reservisten! Ja, richtig gelesen. Die Alterskohorte 54+ macht sich kampfbereit.
     Oberstleutnant a. D. Heinrich „der Harte“ Hackedicht, 98 und aktiv beim Militär seit dem Volkssturm, meldet sich freiwillig zurück zum Dienst. „Mir juckt’s schon wieder in den Krampfadern!“, erklärt der inzwischen fast hundertjährige Alt-Offizier mit leuchtenden Augen, während er stolz seinen neuen Sport-Aktiv-Action-Rollator in Tarnfleck vorführt. „Die jungen Spunde sollen bloß nicht denken, ich wär zu alt! Mit dem Katheter in der Hose, ‘nem Humpen Karo-Malzkaffee und ein paar Knusperbrotscheiben im Bauch schreie ich die noch heute in die Wand rein!“ Er sei bereit, als Bataillonskommandeur in Eggesin wieder das Kommando zu übernehmen – „auch wenn ich den Standort nur noch auf Google Maps finde, was ich nicht kann, weil ich mich mit Computern nicht auskenne.“ Die größte Herausforderung sei nicht der Feind im Osten, sondern „dieser verdammte Treppenlift in der Kaserne, der immer blockiert ist, wenn’s zum Frühappell geht.“ Aber kein Problem: „Notfalls scheiß ich die Truppe vom Pflegebett aus zusammen. Megafon hab ich ja noch von der letzten Rentnerdemo gegen das Patientenrechtegesetz.“
     Auch Fähnrich a. D. Dimitri „der Umdenker“ Durchblick, 76, will’s noch mal wissen: „Damals war ich Stabsverbindungsbeauftragter für die deutsch-sowjetische Truppenfreundschaft“, erzählt er melancholisch, „aber heute ist mir klar: Die Freundschaft ist vorbei, jetzt wird wieder der russische Arsch versohlt!“ Dann präsentiert er mit wachsweißen, zittrigen Händen sein selbstbesticktes Abzeichen „NVA reloaded – für Frieden und Vaterland 2.0“. Er sieht seine Teilnahme am Reaktivierungsprogramm als „historischen Beitrag zur politischen Wende im dritten Akt“. Immerhin sei es „eine unfassbare Ehre, ausgerechnet die Bundeswehr bei der Verteidigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu unterstützen, die wir früher aus ideologischen Gründen ablehnten, aber jetzt aus Rentenaufbesserungsgründen ziemlich geil finden.“
     Wehrdienst-Interessent Rainer Zufall, 54 und seit knapp vier Jahrzehnten arbeitslos, will endlich raus aus dem nervenzerfetzenden Alltag. Er war der Mann, der beim Einigungsvertrag glatt durch die Ritzen fiel: Genau am 3. Oktober 1990 wurde er 18 Jahre alt – zu spät für die NVA, zu früh für die Bundeswehr. „Ich war quasi das Bermuda-Dreieck der Wehrpflicht.“ Jetzt, mit 54 Jahren, zwei Scheidungen und sechs halbwüchsigen Kindern (an deren Vornamen er sich nicht mehr genau erinnern kann), sieht er im Wehrdienst die letzte Bastion der Selbstverwirklichung. „Auch meine zweite Exfrau sagt, ich tauge zu nichts – darum will ich’s ihr zeigen. Bei der Bundeswehr krieg ich wenigstens eine Uniform, die mir Respekt verschafft. Und ein paar Mahlzeiten ohne großes Geschrei.“ Er hofft auf einen Einsatz „weit weg vom Familiengericht“ und meint: „Wenn’s sein muss, kämpfe ich auch an der Ostflanke – Hauptsache, ich darf nicht zurück nach Hause.“
     Die Idee, NVA-Veteranen zu reaktivieren, ist so zukunftsweisend wie ein Röhrenfernseher mit Antennenkabel. Wer braucht schon junge, ausgebildete Rekruten, wenn man auch ein paar fitte Rentner mit Magenbypass, Ehrenmedaille und Kaltem Krieg im Blut in die Kaserne stellen kann?