Soeben habe ich mich auf einem meiner Streifzüge durch die Internetprärie auf leisen Mokassinsohlen an ein buntes, funkelndes Etwas herangeschlichen, welches sich sogleich als ein scheinbar nur noch in meiner Erinnerung existierender Werbespot aus den frühen Neunzigern entpuppte. Erfreulicherweise war Manitu so gnädig, ihn in der extramegasuperultralangen Art-Directors-Cut-Version herbeizuzaubern.
Auch wenn ich mich nicht erinnern kann, jemals mit den beworbenen Pelzjägern in ihren Planwagen Handel betrieben zu haben, ist es trotzdem mein absoluter Lieblingswerbefilm, weil sich die Mässitsch erstaunlicherweise sehr zurückhält und die bildschönen Bilder wie auch die romantische Musik perfekt für Träumer wie mich geschaffen sind, um darin, wie in den ewigen Jagdgründen, für immer zu versinken.
Anonymisiertes Zitat aus einer Stellenanzeige:
„XYZ ist ein expandierendes Unternehmen mit mehreren Standorten in A, B und C. Wir bieten unseren Kunden ein breites Spektrum an diesem und jenem.
Zur Verstärkung unserer Zentrale in A suchen wir eine/n Mitarbeiter/in für den Bereich Marketing, EDV und Online-Shop mit folgendem Aufgabengebiet und Anforderungen:
Deine Aufgaben im Bereich Marketing:
– Konzeption und Durchführung von Marketing-Kampagnen für unsere Zielgruppe
– Design und Erstellen von Werbematerialien
– Aktualisierung bzw. Platzierung des POS-Materials
– Umsetzung von Visual-Merchandising
– Aktivitäten zur Absatzförderung
– Entwicklung kreativer Verkaufsförderung am POS
Deine Aufgaben im Bereich Internet und Online-Shop:
– Strategische (Weiter-) Entwicklung der Unternehmenshomepage
– Weiterentwicklung und Pflege des Onlineshop-Systems
– Begleitung der technischen Umsetzung für den Online-Shop
– Weiterentwicklung der Online-Marketing-Strategie und Ausbau entsprechender Instrumente
– Delegation der Aktualisierung neuer Artikel für den Online-Shop
– Konkurrenzanalyse, Online-Werbemaßnamen und Marktbeobachtung
– SEM & SEO, Google AdWords
Unsere Anforderungen:
– Verständnis im Bereich Marketing
– Eigenmotivation und offener Kommunikationsstil
– Planungs- und Organisationstalent
– Erfahrung in der Entwicklung graphischer Konzepte und Screendesign
– Sicherer Umgang mit Bildbearbeitungsprogrammen, Vorbereitung auf Druckvorstufen
– Kenntnisse und Erfahrung in HTML, CSS, PHP und MySQL, Webshop-Systemen wie
z. Bsp.: Xt-Commerce
– Software-Kenntnisse in MS-Office und Outlook
– Grafikprogramme, wie Corel Draw, Adobe Flash, Illustrator und Photoshop
– Grundkenntnisse im Webhosting und der Verwaltung (FTP, Mail-Accounts, Administration bei 1&1)
– Lernbereitschaft neuer Softwareprogramme, wie z.B. unser Warenwirtschaft-System
und Google Sketch Up
Unser Angebot:
– abwechslungsreiche und kreative Tätigkeit
– modern eingerichtetes Arbeitsumfeld
– gründliche Einarbeitung und freundliches Team
– leistungsgerechte Verdienstmöglichkeit
– 30 Std./Woche, ausbaufähig auf Vollzeit“
Soso. Sie suchen also einen Marketingonlineshopmanagekonzeptionsuchmaschinen-
optimierinformatikwebdesigngrafikadministrator. Und das alles in einer 30-Stunden-Woche.
Lieber Herr XYZ: Der Grund, warum Ihr diese Stellenanzeige schon seit rund eineinhalb Jahren anscheinend erfolglos schaltet, ist, so eine Person gibt es nicht! Es handelt sich hierbei sogar um sich teilweise widersprechende Berufe. So sind Grafiker und Informatiker nicht nur unterschiedliche Berufe, sie werden sogar von unterschiedlichen Menschentypen ausgeübt. Grafiker sind eher kreative Künstlertypen und Informatiker meistens rationale Mathematiker-Typen. Und die einen wollen nicht programmieren, die anderen nicht gestalten. Weshalb es auch extrem schwer ist, Webdesigner zu finden, die beides hervorragend können.
Und was die 30-Stunden-Woche angeht: Ich selbst arbeite gerade als Marketing- und Onlineshopmanager. Ich gestalte, verwalte, konzeptioniere, delegiere, ich jongliere gleichzeitig mit bis zu zehn verschiedenen Projekten. Vierzig Stunden pro Woche.
Und nein – es ist nicht zu schaffen. Weswegen nun auch endlich ein Onlinemarketingmanager eingestellt wurde, der mir das Marketing abnimmt, sodaß ich mich nun auf die Gestaltung konzentrieren kann. Und selbst das ist nur schwer zu schaffen.
Ich persönlich würde ja vorschlagen, als erstes mal einen intelligenten Personalschef einzustellen. Dann löst sich der Rest ganz von selbst.
Ach und noch was: Ernstzunehmende Grafiker arbeiten nicht mit Corel Draw.
Was wir immer schon irgendwie ahnten aber nicht genau wußten, ist nun offiziell: Der deutsche Geheimdienst überwacht den E-Mail-Verkehr. Oder anders formuliert – er öffnete im Jahr 2010 rund 37 Millionen elektronische Briefe, um nach bestimmten Wörtern, wie beispielsweise „Bombe“ zu suchen. Ohne gerichtlichen Durchsuchungsbefehl selbstverständlich.
Allerdings gibt es eine ganz einfache Möglichkeit, das Treiben der Schlapphüte zu beenden. Wenn 82 Millionen Bundesbürger die Wörter „Atombombe bauen“, „Giftgas im Keller mischen“, „Bundeskanzlerin ermorden“ und „Terrorfürst stürzt Freiheit und Demokratie“ in ihre Signatur schreiben und tagtäglich an ihren E-Mail-Verkehr anhängen, dürfte das einzige, was die Geheimniskrämer dann noch registrieren, ein stetiges Ansteigen der Prozessortemperatur ihrer Überwachungscomputer und ein zunehmend schriller werdendes Kreischgeräusch der CPU-Kühler-Ventilatoren sein.
In diesem Sinne: Giftgas, U-Bahn, Terrorist, Iran, Atombombe, Merkel, ermorden, töten, Bundespräsident, Nordkorea, Berlin-Marzahn, einstürzende Neubauten, Kommunismus.
Viel Spaß, Jungs!
Die verlorengeglaubte Stimme von Hochstrom-Achim ist zusammen mit ihm wieder aufgetaucht. Der ehemalige Sänger der Berliner Band High Voltage singt jetzt bei The AC/DCs, einer AC/DC-Coverband, die bereits in den vergangenen Jahren bei der jährlichen Veranstaltung in der Berliner Kulturbrauerei durch ein besonders hohes Niveau in der Darbietung von Musik und Gestus des australischen Originals auffiel.
Als Aufwärmer kam aber zunächst die Band Dast, welche die Songs … sagen wir mal … „recht locker“ interpretierte, was man durchaus noch als künstlerische Freiheit gelten lassen könnte. Schwieriger wird das hingegen bei der Sängerin, die zwar über eine ausgesprochen kräftige Rockstimme und jede Menge Bühnenpräsenz, aber leider nicht über die richtige Stimmlage für AC/DC-Songs verfügt und deshalb gern mal eine Oktave tiefer singt, was in etwa so sinnvoll ist, als wenn bei Mozarts Klavierkonzert für zwei Pianos Nr. 365 einer der Pianisten ständig danebengreift und statt der Partitur zu folgen lieber ein wenig herumexperimentiert. Wenn die Stimme nicht stimmt, stimmt eben das ganze Lied nicht, was wiederum die Fans verstimmt.
Etwas besser machten es dagegen die drei Jungs von LTP, wobei man hier bei der Beurteilung der Darbietung um einiges großzügiger sein darf, was auf einer besonderen Konstellation der Zusammensetzung der Band beruht. Diese besteht nämlich nur aus drei Musikern, der Rhythmusgitarrist fehlt gleich ganz, was die Arbeit für Gitarristen Ole doppelt erschwert, und der Gesang ausgerechnet von Schlagzeuger Calle übernommen wird, was getrost als physische und mentale Meisterleistung gewertet werden darf. Durch einige Albernheiten zwischendurch tendierte das Ganze jedoch ein wenig in Richtung Kirmesparty.
Erst The AC/DCs zeigten beeindruckende eineinhalb Stunden lang, was möglich ist, wenn die richtigen Leute zusammentreffen und als Band eine perfekte Einheit bilden. Achim Scholz sang fast besser als das Original Bon Scott und sowieso besser als Brian Johnson. Die Band spielte die herrlichen Stücke der Alben Powerage, High Voltage und Let There Be Rock aus den Siebzigern nahezu in CD-Qualität und damit in einer unglaublichen Perfektion, die ihresgleichen sucht. Gitarrist Rangus zappelte sich dabei in schweißtreibender Millimeterarbeit die Seele aus dem Leib und spielte selbst die schwierigsten Gitarrenläufe Note für Note präzise wie ein Uhrwerk. Die Kopie früherer AC/DC-Konzerte ging sogar soweit, daß nach einem heißen Strip dem Publikum der blanke Hintern präsentiert wurde. Eigentlich fehlte nur noch der Ritt auf Achims Schultern durch das Publikum.
Der Conférencier hatte anschließend durchaus recht, als er sagte, die Jungs hätten die Meßlatte nun aber ganz schön hoch gelegt. Der Meinung war ich auch und verließ das Konzert noch vor Ende der anschließenden Pause, um das soeben Gehörte unverändert mitzunehmen, denn besser als The AC/DCs es tun, kann man das australische Original nicht nachspielen.
Ein in der deutschen Geschichte einmaliges Verbrechen: Eine ganz kleine Clique ehrgeiziger, gewissenloser und zugleich unvernünftiger und verbrecherisch dummer Journalisten hat heute in der Wulffsschanze ein Attentat auf den Führer verübt. Der Führer lebt, ist aber schwer beschädigt.
Wuff!!!
Die ersten musikalischen Klänge, an die ich mich erinnern kann, stammen von dem Lied „Schlafe, mein Prinzchen“, das ursprünglich Wolfgang Amadeus Mozart zugeschrieben, tatsächlich jedoch von Bernhard Flies komponiert wurde und aufgrund der schlüpfrigen Zeile „nur aus der Zofe Gemach hört man ein schmachtendes „Ach“. Was für ein „Ach“ mag das sein? Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein.“ nach heutigen Maßstäben schon das Potential birgt, das unschuldige Kind nachhaltig zu traumatisieren*.
Aus den Siebzigern sind mir dann Erinnerungsfetzen von ABBA und der Band Dawn mit „Tie A Yellow Ribbon ‚Round The Ole Oak Tree“ hängengeblieben, einer amerikanischen Gruppe, die außer mir vermutlich kein Schwein kennt. Mir ist heute noch rätselhaft, wie diese aus dem kapitalistischen Ausland stammende Musik in das DDR-Röhrenradio meiner Eltern gelangen konnte. Aber auch aus der ostdeutschen Musikszene ist gelegentlich was hängengeblieben, beispielsweise Mucks „Isabelle, komm setz Dich auf mein Bärenfell“, was mit der schmutzigen Phantasie eines verdorbenen Erwachsenen auch schon recht zweideutig ist.
Musikalisch so richtig aufgewacht bin ich dann aber erst in den Achzigern, wenngleich sich der erste Kontakt noch etwas schwierig gestaltete: Ein Mitschüler hatte über Beziehungen das in der DDR nur unter dem Ladentisch erhältliche AC/DC-Album „Highway To Hell“ ergattert und spielte mir die einzelnen Titel kurz an, bis ich „weiter“ sagte. Hinter den magischen vier Buchstaben mit dem Blitz dazwischen mußte sich doch irgendein faszinierendes Geheimnis verbergen, ansonsten hätte man sie damals nicht in jede Schulbank eingeritzt. Der letzte Titel „Night Prowler“ auf Seite Zwei erweckte dann immerhin genügend Interesse, um sich die Mühe zu machen, ihn mittels eines an den Lautsprecher gelehnten Mikrofons auf Kassette zu bannen. Aber die Initialzündung gab es erst später auf einer Klassenfahrt nach Brandenburg: Auf dem Zeltplatz trieben sich Jungs aus den benachbarten Dörfern herum, vermutlich um unsere coolen Stadtmädels kennenzulernen, was uns aber nicht weiter störte, denn einerseits interessierten wir uns damals noch nicht so sehr für Mädels und andererseits waren die Geräusche, die aus den mitgebrachten Kassettenrekordern der Dorfjugend an unsere Ohren drangen, tausendmal interessanter. Es handelte sich um die AC/DC-Alben aus den Siebzigern. Diese raue, kratzige, schmutzige Stimme, die sämtlichen Klischees über ästhetischen Gesang widersprach, gepaart mit einer erdigen, schleppenden, harten und verzerrten Musik hatte eine Wirkung, als würde einem direkt vor der Nase ein echt abgefahrenes UFO aus den Weiten des Weltraumes in einem spektakulären Ballett seine spinnedürren, rostigen Landebeine ausklappen. Die Stimme des Sängers Bon Scott klang wie ein rasselnder, klappernder Motor, so alt, kaputt und fremdartig und dennoch so überaus sexy. Ich interessierte mich später auch noch für andere Heavy-Metal-Bands, aber das hielt nicht lange, denn ich durchschaute schnell das affige Männlichkeitsgehabe mit all seiner theatralischen Symbolik wie Totenköpfen, Leder und Bergen von Nieten.
AC/DC hingegen waren anders. Auch wenn sie ihre Bühnenkarriere unter dem pfauenhaften Sänger Dave Evans zunächst mit albernen Kostümen begannen, fanden sie mit Bon Scott doch schnell zurück zum Kern der Sache – der Musik. So, wie sie auch auf die Straße gingen, in Jeans und Turnschuhen, so standen sie auch auf der Bühne. Sie waren … echt … und sind es bis heute geblieben.
Später tourte ich dann als Roady und Techniker mit einer rollenden Diskothek durch’s Land, was meinen Musikgeschmack erheblich erweiterte. Heute höre ich fast alles, von Rock und Pop bis hin zur Klassik. Manches ist vergangen und vieles geblieben. Aber mit AC/DC-Songs kann man mich noch immer hinter der computergesteuerten Gasetagenheizung hervorlocken.
Wer einen Wettstreit der besten deutschen AC/DC-Coverbands erleben und die guten alten Songs aus den Siebzigern noch mal hören möchte, hat am kommenden Samstag, dem 18. Februar dazu die Gelegenheit. Im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei findet wieder das alljährliche „Tribute to AC/DC“ statt. Die letzten Jahre hat sich das immer gelohnt, auch wenn nicht jede Band an das Original heranreicht. Vor zwei Jahren kamen Back in Black (oder Back to Black?) aus Thüringen und borgten sich Achim, den ehemaligen Sänger der Berliner Band High Voltage aus. Die Band spielte millimetergenau die alten Stücke nach, und Achim hatte als einer der wenigen auftretenden Sänger die passende Stimme: wie ein rasselnder, klappernder Motor. Alt, kaputt, fremdartig und dennoch so überaus sexy.
* Wenn eine automatische Rechtschreibkorrektur aus „traumatisieren“ „traumatischeren“ macht, sollte sie vielleicht doch noch mal zur Schule gehen.
Allen Statistiken nach habe ich mit Anfang 40 mein halbes Leben bereits hinter mir. Und auch wenn es bisher verschont blieb von Krieg, Hunger und Leid, so war es doch nicht unbedingt übermäßig gesegnet von Glück, Gesundheit und Wohlstand, sondern eher geprägt von Sehnsüchten, Entsagungen, unerfüllten Träumen, Verzicht und dem täglichen Kampf um Anerkennung, beruflichen Erfolg und privates Glück.
Ein unermüdlicher Zulieferer für Wünsche und Sehnsüchte ist sicherlich auch das Fernsehen. Wann immer ich Leute, wie die blonde Erbin einer weltumspannenden Hotelkette, deren Namen zu nennen ich mich weigere, weil ich befürchte, unverzüglich durch die Gemeine Hirnmuchte hinweggerafft zu werden, oder die Pelzmodenschickeria in St. Moritz sehe, die nichts Besseres mit sich anzufangen weiß, als mit den neuesten Millionärsspielzeugen herumzuprotzen, kann ich nur deprimiert mit dem Kopf schütteln und mein Schicksal verfluchen, das mich an meine armselige Existenz gekettet hat, von der ich mich weder durch meinen Beruf noch durch meine gescheiterte Selbständigkeit befreien konnte, und die mich auch leider nicht in eine vermögende Familie hineingeboren hat, mit deren finanziellem Polster ich mir ein erquicklicheres Leben leisten könnte. Und da mich weder Rolex noch Rolls Royce interessieren, wäre das viele schöne Geld, was bei oben genannten Subjekten so sinnlos verplempert wird, bei mir so viel besser aufgehoben. Kürzlich auf Arte der Bericht über die Uhrmacher von Le Locle, vor zwei Wochen auf 3Sat eine Beschreibung herrlicher Gärten in Südfrankreich. Am Donnerstag ebenfalls auf 3Sat die Sendung „Insel aus einer anderen Zeit“, eine Dokumentation über den Aufbruch in Kuba. Und soeben auf Eins Extra ein Reisebericht über den Lago Maggiore in der Schweiz. Es gibt so viele interessante Orte auf der Welt, die ich noch nicht gesehen habe und die ich vielleicht nie sehen werde, weil ich die ganze Zeit damit verbringen muß, meine armselige Existenz mit einem Job zu finanzieren, der mich aufgrund meiner teils unerträglich primitiven Kollegen furchtbar nervt, der aber zum Bezahlen der alltäglichen Rechnungen nun mal notwendig ist. Geld mag vielleicht nicht glücklich machen, aber es hat einen entscheidenden Vorteil: Finanzielle Unabhängigkeit. Hat man Geld im Überfluß, kann man ein ganz anderes Leben führen und ist durch viel weniger Zwänge eingeschränkt.
Hätte ich viel Geld, würde ich reisen. Ich würde mir die ganze Welt ansehen, und ich würde mir dafür richtig Zeit nehmen. Ich würde mich drei Stunden lang am Zürcher Boulevard auf eine Bank setzen und auf den See starren. In Havanna würde ich mir die Tanzschule von Lizt Alfonso anschauen, deren Tänzer und Tänzerinnen spektakuläre Vorführungen bieten. Und in Dubai würde ich jeden der 828 Meter des Burj Khalifa eigenhändig nachmessen. Ich würde fotografieren, mich mit Leuten unterhalten, vielleicht ihre Sprache lernen, Museen und Galerien besuchen und unendlich viel Neues lernen.
Deswegen habe ich mich nun entschlossen, diese Stellenanzeige aufzugeben:
Ich bin ein gutsituierter, überdurchschnittlich gebildeter, recht passabel aussehender Mann, Anfang Vierzig, verfüge über ein hervorragendes Allgemeinwissen und interessiere mich für unendlich viele Dinge. Vor allem bin ich neugierig auf die Welt und suche deshalb einen
Sie sind intelligent, wißbegierig und interessiert an einer Weltreise, oder einfach daran, mir eine Weltreise zu finanzieren. Sie verfügen über ausgesprochen reichhaltige finanzielle Möglichkeiten und möchten diese unbedingt mit mir teilen.
Wenn Sie sich in der Beschreibung wiedererkennen, freue ich mich über Ihre Bewerbung. Senden Sie diese bitte an sunny.burnett (ät) live.de.
Ihre Bewerbung wird selbstverständlich vertraulich behandelt, jedes Schreiben wird beantwortet.
Ich bin gespannt, wie ein Flitzebogen!
Wer, wie ich, Uhren liebt, wird diesen Film mögen: Die hochinteressante Geo-Reportage begleitet Uhrmacher-Studenten an der Technischen Hochschule von Le Locle in der französischen Schweiz. Noch sieben Tage lang kann man dabei zuschauen, wie die Studenten das Restaurationshandwerk an unersetzlichen Uhren lernen und dabei glückliche und weniger glückliche Momente durchleben. Natürlich bei Arte.
Ende der Achziger, als ich gerade mitten in meiner Lehre zum Einzelhandelskaufmann für Unterhaltungselektronik steckte, damals in der DDR hieß das „Fachverkäufer für Rundfunk, Fernsehen und Elektroakustik“ und war ein angesehener Beruf, besonders, weil man als Verkäufer an alles rankam, also nicht unbedingt an die Mädels, sondern an alles, was es im Handel gab, aber nicht gab. Also über dem Ladentisch. Nur darunter.
Da fällt mir gerade ein, ich habe mal versucht, ein Buch von Günter Grass zu lesen, ich weiß nicht mal mehr den Titel, so wenig hat mich der Schinken beeindruckt. Jedenfalls habe ich nach etwa fünf Seiten das Buch wieder weggelegt, weil die Sätze so lang und unübersichtlich waren, daß man am Ende gar nicht mehr wußte, wie sie überhaupt angefangen haben. Das nur mal zum Nachdenken an alle, die meinen, der Satz mit dem Verkäufer, den Mädels, dem Handel und allem, was es über und unter dem Ladentisch gab, sei kompliziert.
Auf jeden Fall war das damals die Blütezeit des High Fidelity, nie zuvor und niemals wieder danach hatten die Ingenieure soviel Ehrgeiz, Wissen und Können in die Entwicklung der Musiktechnik für den Heimanwender gesteckt, soviel Aufwand bei der Optimierung des Klanges betrieben. Es gab vollautomatische, computergesteuerte Plattenspieler, die vollgepackt mit Sensoren den Höhenschlag einer Schallplatte vorausberechnen und die Bewegung des Tonarms mit jener der Platte synchronisieren konnten. Und es gab Kassettendecks, deren Laufwerke im Inneren komplizierter waren, als mechanische Uhren, wobei diese damals sowieso gerade nicht so angesagt waren, denn wer etwas auf sich hielt, trug eine Digitaluhr.
Der offizielle volkseigene Betrieb RFT ging bei der Entwicklung von DDR-Audiotechnik gänzlich andere Wege. Während die Designer des nichtsozialistischen Wirtschaftsbereichs es aus unerfindlichen Gründen für angebracht hielten, Güter für den Privathaushalt möglichst attraktiv zu gestalten, um im unüberschaubaren Angebot positiv aufzufallen, erteilte Walter Ulbricht dem Formalismus eine Absage, was letzten Endes dazu führte, daß es in der DDR kaum attraktiv gestaltete Produkte zu kaufen gab. Deswegen standen Oliver und ich auch in der Mittagspause häufig im Intershop herum und drückten uns an den Glasscheiben, hinter denen teuflische Hifi-Machwerke des imperialistischen, besonders des fernöstlich-imperialistischen Klassenfeindes verführerisch mit LEDs und Fluoreszenzanzeigen blinkten, die Nasen platt.
Jener Oliver hatte unanständigerweise einen Westonkel, der in einem Anfall von Großmut drei Kataloge bekannter westlicher Elektronikhersteller in einen Umschlag packte und für wertvolles Westgeld in den Osten schickte, um uns mal so richtig zu zeigen, wo der Hammer hängt. Mehr oder weniger interessiert, blättere ich nach der Schule in Olis Zimmer die beiden Kataloge von Pioneer und Technics durch, um als letztes den Katalog der Firma in die Hand zu nehmen, von der ich bis dato noch nie etwas gehört hatte.
Es war Liebe auf den ersten Blick. So wie damals mit Annette, die ich als etwa 12-Jähriger in dem kleinen Fischerdorf Freest traf. Oder Silvia mit den blonden Haaren und den grünen Katzenaugen, die ich im „Treffpunkt Buchholz“ in der Disco kennenlernte und eigentlich hätte heiraten sollen.
Die Hifianlage im Katalog der japanischen Edelschmiede Onkyo (zu Deutsch „Klangharmonie“) leuchtete und funkelte mit tausend grünen Katzenaugen, ein unfaßbarer Anblick für jemanden, der das Siebziger-Jahre-Design von DDR-Stereoanlagen gewohnt ist und unvorbereitet einen solchen Katalog in die Hand bekommt.
Foto: Onkyo
Somit war mein Schicksal besiegelt. Gleich nach der Währungsunion brachte ich mein erstes, sauer getauschtes Westgeld in den erstbesten Hifi-Laden in Westberlin und erfüllte mir meinen ersten großen Traum. Er steht noch heute in meinem Wohnzimmer, schwächelt hier und da ein wenig, das Kassendeck leiert gelegentlich, was aber nicht schlimm ist, weil Kassetten sowieso nicht mehr ganz zeitgemäß sind, auch wenn ich diese Technik abgöttisch geliebt habe. Allein schon der Tuner ist ein Traum: Mit über 40 Tasten und rund 30 Lämpchen gehört er technisch auch zwanzig Jahre nach seiner Herstellung noch zum Besten, was in der Radiotechnik je erdacht wurde. In letzter Zeit litt er vermehrt an sporadischer Vergeßlichkeit, er konnte sich einfach die Stationen nicht mehr merken, was angesichts des katastrophalen Radioprogrammes auch kein großes Problem ist, aber trotzdem wollte ich ihn nicht in diesem traurigen Zustand belassen. Ich besorgte mir eine Anleitung und einen neuen Goldcap-Kondensator für 1,78 Euro. Nach einer guten Stunde basteln, schrauben und löten – Achtung, jetzt kommen wir endlich zum Kern dieses ganzen Geschreibsels hier – hat der Tuner nun wieder ein perfekt funktionierendes Gedächtnis. Ich bin stolz auf mich! Besonders, weil es soetwas Schönes heute gar nicht mehr gibt. Nicht einmal von Onkyo.
Hoffen wir, daß es das Analogradio noch ein paar Jahre gibt, damit ich mich noch eine Weile an den vielen grünen Katzenaugen erfreuen kann.
Dieser Beitrag wurde nicht gesponsort von Onkyo. Aber das ist okay, Jungs! Während meiner aktiven Zeit im Handel habe ich ja jede Menge Zeugs von Euch verkauft und dafür von Peter P. und Alex K. schon mal die eine oder andere Aufmerksamkeit bekommen.
Im alltäglichen Allerlei von langweiligen grauen Gestalten und Möchtegernstars, die mit zweifelhaften Aktionen versuchen, sich aus der Masse herauszuheben, gibt es gelegentlich doch immer wieder mal Menschen, die einen durch unglaubliches Können beeindrucken und sprachlos zurücklassen. Einer dieser Menschen ist Cameron Carpenter aus den USA. Der Musiker hat sich eines der schwersten Instrumente ausgesucht, was nicht nur auf Größe und Gewicht bezogen ist, denn eine Orgel hat, im Gegensatz zum Klavier, nicht nur einen Satz Tasten, die als Manual bezeichnet werden, sondern je nach Bauart gleich mehrere. Und als wenn das nicht schon schwer genug wäre, gibt es auch noch Tasten, die mit den Füßen gespielt werden, die Pedale. Letztere sprechen normalerweise die großen, tiefen Orgelpfeifen an, um das Musikstück mit kräftigen Bässen zu begleiten und werden in der Regel eher in überschaubarem Tempo gespielt. Aber was Cameron Carpenter mit all den Tasten und Pedalen anstellt, ist nicht mehr von dieser Welt. In dem gleich folgenden Video spielt er Chopins Revolutionsetüde, und wer dieses schwierige, extrem schnelle Stück auf dem Klavier beherrscht, ohne sich dabei die Finger zu brechen, darf sich schon zu den wirklichen Könnern zählen und über einen niemals versiegenden Pool an willigen Groupies freuen, die sich nach dem Konzert um die Pflege der geschundenen Finger … äh … kümmern.
Carpenter treibt dieses Stück auf seiner Orgel jedoch auf die Spitze, indem er …
Ach schaut es Euch einfach selber an. Unbedingt sehenswert sind auch noch die beiden Videos auf der Startseite seiner Website. Im ersten beschreibt er in einem Interview, wie er sich fit hält und im zweiten spielt er eine Variation von Mozarts Türkischem Marsch, wobei er teilweise mit einer Hand gleichzeitig über drei Manuale spielt. In sechs Jahren Klavierunterricht habe ich es nicht mal geschafft, ein Manual zu spielen.
Ich gehe dann jetzt mal unter die Dusche, um heimlich zu weinen, während Ihr bitte solange angeschnallt bleibt, bis das Video zum Stillstand gekommen ist:




