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Sunlion unterwegs – weit, weit weg

Hab ich’s nicht gesagt? Ich werde das Burj Khalifa eigenhändig nachmessen. Jeden einzelnen Meter! Aber heute noch nicht! Morgen erst! Ich bin nämlich ganz schön fertig, nachdem ich im Flugzeug natürlich wieder nicht schlafen konnte. Verdammt, ich kann nicht mal zu Hause im eigenen Bett vernünftig schlafen, wie soll das dann in so einer dröhnenden Kiste gehen, wo zudem noch alle fünf Minuten eine hübsche Stewardess vorbeikommt und knuddeln will!?
Ich wollte eigentlich eine komplette Reisebeschreibung machen, mit allem drum und dran und pipapo, also vom Türabschließen bis zum abschließenden Wäschewaschen. Aber dann war der Berliner Hauptbahnhof so schrecklich häßlich und schmutzig, der Zug kam 20 Minuten zu spät und das Wetter war oll. Da hatte ich plötzlich auch einen Bock mehr. Also begnüge ich mich mit ein paar wenigen Schnappschüssen und Eindrücken.
Zum Beispiel von Dubai. Das Wetter hier ist göttlich, wer da keine hundert Jahre alt wird, macht irgendetwas falsch. Der Empfang am Flughafen war herzlich, die Einreisebehörde ließ sich viel Zeit und die lange Schlange lange warten. Aber das Warten lohnt sich, denn jeder, der in Dubai aus dem Flugzeug steigt, bekommt eine Armbanduhr aus purem Gold geschenkt, mit 1001 Diamanten besetzt. Anschließend folgt ein netter Transfer zum Hotel, der Mann an der Rezeption jedoch verzog keine Miene, vermutlich hat er gerade eine Wette laufen, wer zuerst lacht, hat verloren. Ich ließ ihn gewinnen, zur Strafe lassen sie mich nun sechs Stunden warten, bis ich gegen Mittags endlich auf’s Zimmer darf.
Ich bin schon dreimal auf der Straße angesprochen worden, woher ich komme. In Berlin müßte man seine Herkunft schon jemandem mit Nachdruck aufdrängeln, und der würde es dann trotzdem nicht wissen wollen. Die Menschen hier sind alle echt entspannt und nett, außer, sie haben gerade gewettet, aber das ist auch kein Wunder bei dem herrlichen Klima. Kuscheligflauschige 29°C, etwas diesig, hohe Luftfeuchtigkeit. Besser geht’s nicht.

In der DDR gab es ja bekanntlich keine Supermärkte. In der DDR gab es Kaufhallen. Während man im Westen wohl eher sagte, ich gehe mal zu Kaisers oder eben in den Supermarkt, hieß es im Osten einfach Kaufhalle. Das ist so fest in uns Ossis verankert, daß wir es heute immer noch sagen. Und seit eben weiß ich auch, warum. Ich war nämlich gerade im Supermarkt gegenüber vom Hotel. Dieser liegt in einem Einkaufscenter, das vermutlich dreimal so groß ist, wie alle Berliner Einkaufscenter zusammen. Und darin dann noch der Supermarkt, für den der Name eigentlich nicht paßt, er müßte eher Ultramarkt heißen, so groß ist er. Es gibt dort von jedem nur denkbaren Artikel tausend verschiedene Sorten, fein säuberlich und millimetergenau mit dem werbewirksamen Etikett nach vorne aufgereiht, so wie man es eben in der Verkäuferschule lernt. Wäre „perfekt“ noch steigerungsfähig, würde ich es „perfekter“ nennen. Dagegen ist der Kaisers bei mir anne Ecke wirklich nur ’ne Kaufhalle. Shoppen in Dubai macht übrigens riesigen Spaß: Egal, was man kauft, das erste Stück ist grundsätzlich kostenlos und die nächsten beiden gibt’s als Gratiszugabe noch obendrauf. Erst das vierte Stück muß bezahlt werden. Darum gibt es hier auch so viele Autos.
Die Straßen sind überall blitzeblank, keine Kippen, keine Hundehaufen (Hunde sind hier wohl nicht so angesagt, zumindest habe ich noch keinen gesehen), stattdessen viele hübsch gestaltete und liebevoll gepflegte Beete. Auch an Sicherheit mangelt es nicht: Man sieht hier fast mehr Sicherheitspersonal als Einwohner. Möglich ist das alles aber vermutlich nur aufgrund der niedrigen Löhne, die Einwohner kommen größtenteils wohl aus Indien und Asien. Jaja, ich weiß, Indien liegt auch in Asien.
In Dubai sieht es aus, wie in einem Disneyland für Architekten. Die meisten Gebäude sind wohl erst in den Neunzigern entstanden, davor gab es hier überwiegend nur Wüste, wenn man den Bildern glauben darf. So kommt es dann zu erstaunlichen Kontrasten zwischen Moderne und Tradition.

Der Blick aus dem Hotelfenster ist übrigens auch ganz nett, da hab ich schon Schlimmeres erlebt, zum Beispiel in Madrid, wo ich in einen Hinterhof schauen mußte, der so eng war, daß ich mich unwillkürlich fragte, wie der komische Schacht in das Haus kommt.

Schade nur, daß sich das Fenster nicht öffnen läßt, so riecht es immer ein wenig muffig. Deswegen verbringe ich soviel Zeit wie möglich im Freien und durfte heute erfreut feststellen, daß die Werbung des Sonnencremeherstellers hält, was sie verspricht. Und auf der berühmten Palmeninsel stellte ich wiederum fest, daß man die eigentliche Palme nicht betreten kann, weil es sich dort um Privatgelände handelt. „The Crescent“ – der Außenkreis – ist hingegen relativ unspektakulär. Das verstehen Taxifahrer übrigens unter dem Begriff „Beach“:

Das ist jedoch nicht weiter schlimm, denn Taxis sind hier sehr preiswert. Eine halbe Stunde durch die Gegend fahren kostet etwa 60 Dirham, das sind rund 12 Euro.
Doch zurück zur Architektur: Dubai ist ein Mekka für Architekturfans. Es ist erstaunlich, wieviele Möglichkeiten es gibt, Hochhäuser gestalten.

Und nur mal nebenbei bemerkt – das flache Gebäude mit dem goldenen Dach ist eine U-Bahn-Station. Wo bei uns die Deutsche Bahn grauenvoll graue Betontrassen hinstellt, sind die überirdischen U-Bahntrassen hier liebevoll bis ins kleinste Detail gestaltet. Jede Parkbank, jeder Gullideckel, jeder Handlauf und jede Laterne sind hier schön und ästhetisch ansprechend. Hinter dem Hotel gibt es einen kleinen Park mit einer Joggingstrecke. Diese ist aber nicht krümelig, wie eine Aschenbahn oder rot angemalt, wie unsere Fahrradwege, nein – sie hat einen rückfedernden Gummibelag, wie eine Turnschuhsohle. Sowas hab ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.

Doch kommen wir nun endlich zum eigentlichen Star und Zweck meiner Reise, dem König von Dubai, dem größten Weltwunder. Zumindest, was die Höhe angeht. Hier versteckt es sich noch:

Und hier auch:

Und hier sowieso:

Doch jetzt – in ganzer Schönheit, in voller Größe, das höchste Gebäude der Welt, ganze 828 Meter (ich hab es zweimal nachgemessen!) pure Eleganz und Anmut, Ladies’n Gentlemen, ich präsentiere das Burj Khalifa:

Ein, für meine Begriffe, wirklich gelungenes Bauwerk …

… neben dem andere Gebäude tatsächlich wie Zwerge aussehen:

Allerdings dürfte es auch gar nicht viel kleiner sein, denn in der Weite der Landschaft verliert sich die Größe ein wenig. Wenn ich am Berliner Alexanderplatz zum Fernsehturm hochschaue, sieht er auch nicht viel kleiner aus. Es ist also immer der Maßstab, der eine Sache über eine andere erhebt.
Natürlich kann man das Gebäude auch besteigen, also nichts wie hin zur Kasse. Die Nachricht auf den flackernden Displays ist leider jedoch ernüchternd: „Today: sold out. Tomorrow: sold out“. Und übermorgen bin ich schon nicht mehr hier. Die Warteschlange ist etwa 100 Meter lang. Nun ja, so ist das eben beim höchsten Gebäude der Welt. Der Eintrittspreis liegt etwa bei 20 Euro. Das Geld hier sieht auch lustig aus:

Die Münzen sind nur mit arabischen Zeichen geprägt und für einen unkundigen Europäer nicht lesbar. Wenigstens die Scheine haben auf der Rückseite auch die uns bekannten Ziffern.
Donnerstag – heute nun ging es noch einmal zurück zum größten Gebäude der Welt, um den – wie sollte es anders sein – größten Wasserspielen der Welt zuzuschauen. Nun ja, sagen wir mal, sie ragen nicht ganz an die Klasse des Gebäudes heran.

Auffallend ist, daß hier kaum Menschen auf den Bürgersteigen zu sehen sind, und wenn doch, bewegen sie sich langsam und gemächlich, besonders die Emiratis in ihren traditionellen, weißen Gewändern. Sie sehen darin fabelhaft aus, stolz und in sich ruhend. Aber Dubai ist kein Land des Laufens, hier fährt man Auto, schon wegen der riesigen Distanzen. Meistens sind es spritschluckende Geländewagen, aber hohe Benzinpreise sind hier an der Quelle kein Problem, es gibt nicht einmal Tankstellen. Stattdessen haben alle Autos an Stelle des Tankdeckels den üblichen Schlauch mit dem Tankstutzen. Man fährt damit einfach irgendwohin in die Wüste, steckt den Stutzen in den Wüstensand und tankt einmal voll.

In Atlantis, einem Freizeitpark rund um das Thema Wasser, gab es eine Handvoll Fische zu sehen, allerdings zu wenige, um die 25 Euro Eintritt zu rechtfertigen. Nun gut, die staubsaugenden Taucher wollen vermutlich auch von irgendetwas leben.

Nur ein Objekt meiner Begierde konnte ich leider nicht genauer inspizieren: Das berühmte Burj Al Arab, welches wie ein Segel an der Küste des indischen Ozeans steht. Gäste, die sich deren Zimmerpreise leisten können, sind anscheinend lieber unter sich. Somit heißt es dann barsch vom Sicherheitspersonal: „no booking – no looking!“. Der freundliche pakistanische Taxifahrer wies mich bereits darauf hin.

Den Ozean zu finden, ist hingegen gar nicht so leicht, weil alles mit Hotels zugebaut ist. Aber wenn man sich am Jumeirah-Hotel vorbeischleicht, steht man dann doch endlich am Strand von Dubai. Ich habe auch kaum zwei Sekunden in ihre Richtung geschaut, schon luden mich die drei Herren freundlich und gestenreich ein, mich zu ihnen zu setzen. Als fremdelnder Großstädter habe ich das höflich zurückhaltend abgelehnt und hoffe inständig, sie damit nicht beleidigt zu haben.

Und genauso habe ich die Bewohner Dubais kennengelernt: Als ein kunterbuntes Miteinander von Nationalitäten und Religionen, alle hier sind höflich, vorsichtig, rücksichtsvoll und tolerant. So verlasse ich Dubai mit etwas Wehmut, aber ich komme bestimmt eines Tages wieder zurück. Aber jetzt muß ich weiter, in vier Stunden startet mein Flugzeug. In ein Land, noch viel weiter weg.

Dieser Beitrag wurde nicht gesponsort von Kaisers. Und leider auch von keinem Millionär (m/w). Die Stelle ist noch immer zu vergeben!

Menschliche Ruinen

Erneut gerät die katholische Kirche wegen sexueller Vergehen in den Fokus. In den Niederlanden wurden Kinder offenbar nicht nur vergewaltigt sondern sogar auf bestialischen Art zwangskastriert.
Das Thema ist mittlerweile eine echte Bedrohung für meine Gesundheit. Beim Anblick des perversen Pfaffenpacks steigt nämlich mein Blutdruck gefährlich an, und in der Hosentasche klappt mein Taschenmesser jedes Mal vollautomatisch auf.

Unsinkbar

Als Regisseur James Cameron 1997 seinen Film Titanic ins Kino brachte, war ich sehr skeptisch, insbesondere, weil mein damaliger Studienkollege Gerd nicht ganz zu unrecht meinte: „Ich kann Dir sagen, wie der Film endet … das Schiff geht unter!“ Nun hatte ich aber damals schon die schlechte Erfahrung mit Camerons Film Abyss gemacht – ich habe ihn absichtlich im Kino verpaßt und mich beim Anschauen der Videokassette dann sehr geärgert, weil der Film in jeder Hinsicht beeindruckend und sehenswert ist. Hinzu kam noch der unsägliche Trailer, der in seiner Kürze und der Szenenauswahl den Film zu einer schnulzigen Liebesgeschichte komprimiert, die dem Film aber in keiner Weise gerecht wird. Trotzdem entschloß ich mich zu einem Kinobesuch und wurde mit einem der spektakulärsten Filme der Filmgeschichte belohnt. Allein im Kino habe ich ihn bisher achtmal gesehen, und unzählige Male im Fernsehen.
Nun ist er also wieder da, in 3D, oder besser gesagt, in Pseudo-3D, denn der Film wurde nachträglich in die dritte Dimension erhoben, „2.8D“ wie Cameron es bescheiden selbst nennt. Deswegen hatte ich auch jetzt wieder Bedenken, schon angesichts des hohen Preises von 12,50 Euro, bei dem ich mich frage, ob die Kassiererin überhaupt die Brille abgezogen hat, die ich von Avatar mitgebracht hatte. Besonders intensive dreidimensionale Effekte versprach ich mir vor allem von den computergenerierten Außenaufnahmen des Schiffes, die ja in digitaler Form vorliegen und problemlos neu berechnet werden können. Aber die Innenaufnahmen? Die Schauspieler? Wird das dann aussehen, wie flache Pappkameraden, die man einfach voreinander herschiebt, so wie man es von alten Filmen aus den Anfängen des 3D-Films kennt?
Mitnichten! Gerade die Innenaufnahmen sind es, die den Betrachter regelrecht vom Kinohocker hauen und in den Film hineinziehen! Die Räume erreichen eine schier unglaubliche Plastizität, die Personen sehen absolut real aus und bewegen sich natürlich im dreidimensionalen Raum, an den Tischen hat jedes Glas, jede Vase ihren präzise zugewiesenen Platz. Besonders gewinnen Massenszenen oder Szenen in den Räumen der 1. Klasse, wo Spiegel an der Wand das ganzen Vorhaben noch deutlich verkompliziert haben dürften, an Realismus.
Der unerwartete Hinterhalt lauert just an einer anderen Stelle: 2010 war ich als Komparse in Babelsberg beim Dreh von Roland Emmerichs „Anonymous“ zugegen. Befindet man sich selbst in der Szenerie, so wirkt das Ganze, wie eine Theateraufführung. Erst die fehlende dritte Dimension und das Spiel der Kamera mit Tiefenschärfe oder -unschärfe erzeugen dann den Eindruck eines Kinofilms. Bei Titanic 3D funktioniert dieser Effekt genau umgekehrt – die Schauspieler verlieren durch die Plastizität erstaunlicherweise an Realismus und sehen mit ihren geschminkten Gesichtern und Kostümen aus wie, nun ja, eben wie Bühnenschauspieler. Allerdings auf einer erschreckend realistischen Bühne!
Beispielsweise, wenn Rose nach Hilfe sucht, um den an die Rohre gefesselten Jack zu befreien. Wenn das Wasser kurz unter der Decke steht, werden die Räume beklemmend eng, man fängt unwillkürlich an, die Luft anzuhalten. Auch der Blick in die langen engen Gänge oder die gigantischen Schiffsmaschinen, von denen in der neuen Version sogar mehr zu sehen ist, weil Cameron dem Film zusätzliche Szenen spendierte. Beeindruckend auch die Szene, als Rose am Heck des Schiffes steht, um ins Wasser zu springen, während tief unter ihr das schwarze kalte Wasser vorbeizieht und weit über ihr die Sterne funkeln.
Meine Befürchtungen waren unbegründet. Entweder haben die 3D-Experten einen ganz tollen neuen Trick im Ärmel oder der ursprüngliche Film wurde in weiser Voraussicht heimlich in 3D gedreht. Wer Titanic mag und sich noch nicht daran sattgesehen hat, wird auch in der dreidimensionalen Version voll auf seine Kosten kommen. Somit bleibt nur noch festzustellen – dieser Film ist wirklich unsinkbar!
Hochinteressant sind übrigens auch die Fotos rund um das Thema Titanic, die The Boston Globe anläßlich des 100. Jahrestages der Katastrophe veröffentlicht hat.

Dieser Beitrag wurde nicht gesponsort vom Kino, dessen Namen ich hier deswegen auch nicht nenne. Und das bei 12,50 Euro! Das sind 25 DM! Oder 175 Ostmark!!! Habt Ihr ’se noch alle, Ihr Halunken? Meine bisher teuerste Kinokarte!!!

Shrekk lass nach!

Fast shon wollte ich mich kynstlich aufregen, yber den erneuten gresslichen Vorstoss der Kultusminister. Gewundert hette es mich nicht, nach dem Kaos, das sie mit der letzten Rechtshreibreform angerichtet hatten. Dann fiel mir jedoch noch rechtzeitig das heutige Datum ein!
Shwain gehapt!

So mit Indianer-Zeugs

Soeben habe ich mich auf einem meiner Streifzüge durch die Internetprärie auf leisen Mokassinsohlen an ein buntes, funkelndes Etwas herangeschlichen, welches sich sogleich als ein scheinbar nur noch in meiner Erinnerung existierender Werbespot aus den frühen Neunzigern entpuppte. Erfreulicherweise war Manitu so gnädig, ihn in der extramegasuperultralangen Art-Directors-Cut-Version herbeizuzaubern.
Auch wenn ich mich nicht erinnern kann, jemals mit den beworbenen Pelzjägern in ihren Planwagen Handel betrieben zu haben, ist es trotzdem mein absoluter Lieblingswerbefilm, weil sich die Mässitsch erstaunlicherweise sehr zurückhält und die bildschönen Bilder wie auch die romantische Musik perfekt für Träumer wie mich geschaffen sind, um darin, wie in den ewigen Jagdgründen, für immer zu versinken.

Eierlegende Wollmilchsau gesucht

Anonymisiertes Zitat aus einer Stellenanzeige:

„XYZ ist ein expandierendes Unternehmen mit mehreren Standorten in A, B und C. Wir bieten unseren Kunden ein breites Spektrum an diesem und jenem.
Zur Verstärkung unserer Zentrale in A suchen wir eine/n Mitarbeiter/in für den Bereich Marketing, EDV und Online-Shop mit folgendem Aufgabengebiet und Anforderungen:

Deine Aufgaben im Bereich Marketing:
– Konzeption und Durchführung von Marketing-Kampagnen für unsere Zielgruppe
– Design und Erstellen von Werbematerialien
– Aktualisierung bzw. Platzierung des POS-Materials
– Umsetzung von Visual-Merchandising
– Aktivitäten zur Absatzförderung
– Entwicklung kreativer Verkaufsförderung am POS

Deine Aufgaben im Bereich Internet und Online-Shop:
– Strategische (Weiter-) Entwicklung der Unternehmenshomepage
– Weiterentwicklung und Pflege des Onlineshop-Systems
– Begleitung der technischen Umsetzung für den Online-Shop
– Weiterentwicklung der Online-Marketing-Strategie und Ausbau entsprechender Instrumente
– Delegation der Aktualisierung neuer Artikel für den Online-Shop
– Konkurrenzanalyse, Online-Werbemaßnamen und Marktbeobachtung
– SEM & SEO, Google AdWords

Unsere Anforderungen:
– Verständnis im Bereich Marketing
– Eigenmotivation und offener Kommunikationsstil
– Planungs- und Organisationstalent
– Erfahrung in der Entwicklung graphischer Konzepte und Screendesign
– Sicherer Umgang mit Bildbearbeitungsprogrammen, Vorbereitung auf Druckvorstufen
– Kenntnisse und Erfahrung in HTML, CSS, PHP und MySQL, Webshop-Systemen wie
z. Bsp.: Xt-Commerce
– Software-Kenntnisse in MS-Office und Outlook
– Grafikprogramme, wie Corel Draw, Adobe Flash, Illustrator und Photoshop
– Grundkenntnisse im Webhosting und der Verwaltung (FTP, Mail-Accounts, Administration bei 1&1)
– Lernbereitschaft neuer Softwareprogramme, wie z.B. unser Warenwirtschaft-System
und Google Sketch Up

Unser Angebot:
– abwechslungsreiche und kreative Tätigkeit
– modern eingerichtetes Arbeitsumfeld
– gründliche Einarbeitung und freundliches Team
– leistungsgerechte Verdienstmöglichkeit
– 30 Std./Woche, ausbaufähig auf Vollzeit“

Soso. Sie suchen also einen Marketingonlineshopmanagekonzeptionsuchmaschinen-
optimierinformatikwebdesigngrafikadministrator. Und das alles in einer 30-Stunden-Woche.
Lieber Herr XYZ: Der Grund, warum Ihr diese Stellenanzeige schon seit rund eineinhalb Jahren anscheinend erfolglos schaltet, ist, so eine Person gibt es nicht! Es handelt sich hierbei sogar um sich teilweise widersprechende Berufe. So sind Grafiker und Informatiker nicht nur unterschiedliche Berufe, sie werden sogar von unterschiedlichen Menschentypen ausgeübt. Grafiker sind eher kreative Künstlertypen und Informatiker meistens rationale Mathematiker-Typen. Und die einen wollen nicht programmieren, die anderen nicht gestalten. Weshalb es auch extrem schwer ist, Webdesigner zu finden, die beides hervorragend können.
Und was die 30-Stunden-Woche angeht: Ich selbst arbeite gerade als Marketing- und Onlineshopmanager. Ich gestalte, verwalte, konzeptioniere, delegiere, ich jongliere gleichzeitig mit bis zu zehn verschiedenen Projekten. Vierzig Stunden pro Woche.
Und nein – es ist nicht zu schaffen. Weswegen nun auch endlich ein Onlinemarketingmanager eingestellt wurde, der mir das Marketing abnimmt, sodaß ich mich nun auf die Gestaltung konzentrieren kann. Und selbst das ist nur schwer zu schaffen.
Ich persönlich würde ja vorschlagen, als erstes mal einen intelligenten Personalschef einzustellen. Dann löst sich der Rest ganz von selbst.
Ach und noch was: Ernstzunehmende Grafiker arbeiten nicht mit Corel Draw.

E-Mail-Spam der anderen Art

Was wir immer schon irgendwie ahnten aber nicht genau wußten, ist nun offiziell: Der deutsche Geheimdienst überwacht den E-Mail-Verkehr. Oder anders formuliert – er öffnete im Jahr 2010 rund 37 Millionen elektronische Briefe, um nach bestimmten Wörtern, wie beispielsweise „Bombe“ zu suchen. Ohne gerichtlichen Durchsuchungsbefehl selbstverständlich.
Allerdings gibt es eine ganz einfache Möglichkeit, das Treiben der Schlapphüte zu beenden. Wenn 82 Millionen Bundesbürger die Wörter „Atombombe bauen“, „Giftgas im Keller mischen“, „Bundeskanzlerin ermorden“ und „Terrorfürst stürzt Freiheit und Demokratie“ in ihre Signatur schreiben und tagtäglich an ihren E-Mail-Verkehr anhängen, dürfte das einzige, was die Geheimniskrämer dann noch registrieren, ein stetiges Ansteigen der Prozessortemperatur ihrer Überwachungscomputer und ein zunehmend schriller werdendes Kreischgeräusch der CPU-Kühler-Ventilatoren sein.
In diesem Sinne: Giftgas, U-Bahn, Terrorist, Iran, Atombombe, Merkel, ermorden, töten, Bundespräsident, Nordkorea, Berlin-Marzahn, einstürzende Neubauten, Kommunismus.
Viel Spaß, Jungs!

Gesucht und gefunden

Die verlorengeglaubte Stimme von Hochstrom-Achim ist zusammen mit ihm wieder aufgetaucht. Der ehemalige Sänger der Berliner Band High Voltage singt jetzt bei The AC/DCs, einer AC/DC-Coverband, die bereits in den vergangenen Jahren bei der jährlichen Veranstaltung in der Berliner Kulturbrauerei durch ein besonders hohes Niveau in der Darbietung von Musik und Gestus des australischen Originals auffiel.
Als Aufwärmer kam aber zunächst die Band Dast, welche die Songs … sagen wir mal … „recht locker“ interpretierte, was man durchaus noch als künstlerische Freiheit gelten lassen könnte. Schwieriger wird das hingegen bei der Sängerin, die zwar über eine ausgesprochen kräftige Rockstimme und jede Menge Bühnenpräsenz, aber leider nicht über die richtige Stimmlage für AC/DC-Songs verfügt und deshalb gern mal eine Oktave tiefer singt, was in etwa so sinnvoll ist, als wenn bei Mozarts Klavierkonzert für zwei Pianos Nr. 365 einer der Pianisten ständig danebengreift und statt der Partitur zu folgen lieber ein wenig herumexperimentiert. Wenn die Stimme nicht stimmt, stimmt eben das ganze Lied nicht, was wiederum die Fans verstimmt.
Etwas besser machten es dagegen die drei Jungs von LTP, wobei man hier bei der Beurteilung der Darbietung um einiges großzügiger sein darf, was auf einer besonderen Konstellation der Zusammensetzung der Band beruht. Diese besteht nämlich nur aus drei Musikern, der Rhythmusgitarrist fehlt gleich ganz, was die Arbeit für Gitarristen Ole doppelt erschwert, und der Gesang ausgerechnet von Schlagzeuger Calle übernommen wird, was getrost als physische und mentale Meisterleistung gewertet werden darf. Durch einige Albernheiten zwischendurch tendierte das Ganze jedoch ein wenig in Richtung Kirmesparty.
Erst The AC/DCs zeigten beeindruckende eineinhalb Stunden lang, was möglich ist, wenn die richtigen Leute zusammentreffen und als Band eine perfekte Einheit bilden. Achim Scholz sang fast besser als das Original Bon Scott und sowieso besser als Brian Johnson. Die Band spielte die herrlichen Stücke der Alben Powerage, High Voltage und Let There Be Rock aus den Siebzigern nahezu in CD-Qualität und damit in einer unglaublichen Perfektion, die ihresgleichen sucht. Gitarrist Rangus zappelte sich dabei in schweißtreibender Millimeterarbeit die Seele aus dem Leib und spielte selbst die schwierigsten Gitarrenläufe Note für Note präzise wie ein Uhrwerk. Die Kopie früherer AC/DC-Konzerte ging sogar soweit, daß nach einem heißen Strip dem Publikum der blanke Hintern präsentiert wurde. Eigentlich fehlte nur noch der Ritt auf Achims Schultern durch das Publikum.

Der Conférencier hatte anschließend durchaus recht, als er sagte, die Jungs hätten die Meßlatte nun aber ganz schön hoch gelegt. Der Meinung war ich auch und verließ das Konzert noch vor Ende der anschließenden Pause, um das soeben Gehörte unverändert mitzunehmen, denn besser als The AC/DCs es tun, kann man das australische Original nicht nachspielen.

Absolut echt!

Die ersten musikalischen Klänge, an die ich mich erinnern kann, stammen von dem Lied „Schlafe, mein Prinzchen“, das ursprünglich Wolfgang Amadeus Mozart zugeschrieben, tatsächlich jedoch von Bernhard Flies komponiert wurde und aufgrund der schlüpfrigen Zeile „nur aus der Zofe Gemach hört man ein schmachtendes „Ach“. Was für ein „Ach“ mag das sein? Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein.“ nach heutigen Maßstäben schon das Potential birgt, das unschuldige Kind nachhaltig zu traumatisieren*.
Aus den Siebzigern sind mir dann Erinnerungsfetzen von ABBA und der Band Dawn mit „Tie A Yellow Ribbon ‚Round The Ole Oak Tree“ hängengeblieben, einer amerikanischen Gruppe, die außer mir vermutlich kein Schwein kennt. Mir ist heute noch rätselhaft, wie diese aus dem kapitalistischen Ausland stammende Musik in das DDR-Röhrenradio meiner Eltern gelangen konnte. Aber auch aus der ostdeutschen Musikszene ist gelegentlich was hängengeblieben, beispielsweise Mucks „Isabelle, komm setz Dich auf mein Bärenfell“, was mit der schmutzigen Phantasie eines verdorbenen Erwachsenen auch schon recht zweideutig ist.
Musikalisch so richtig aufgewacht bin ich dann aber erst in den Achzigern, wenngleich sich der erste Kontakt noch etwas schwierig gestaltete: Ein Mitschüler hatte über Beziehungen das in der DDR nur unter dem Ladentisch erhältliche AC/DC-Album „Highway To Hell“ ergattert und spielte mir die einzelnen Titel kurz an, bis ich „weiter“ sagte. Hinter den magischen vier Buchstaben mit dem Blitz dazwischen mußte sich doch irgendein faszinierendes Geheimnis verbergen, ansonsten hätte man sie damals nicht in jede Schulbank eingeritzt. Der letzte Titel „Night Prowler“ auf Seite Zwei erweckte dann immerhin genügend Interesse, um sich die Mühe zu machen, ihn mittels eines an den Lautsprecher gelehnten Mikrofons auf Kassette zu bannen. Aber die Initialzündung gab es erst später auf einer Klassenfahrt nach Brandenburg: Auf dem Zeltplatz trieben sich Jungs aus den benachbarten Dörfern herum, vermutlich um unsere coolen Stadtmädels kennenzulernen, was uns aber nicht weiter störte, denn einerseits interessierten wir uns damals noch nicht so sehr für Mädels und andererseits waren die Geräusche, die aus den mitgebrachten Kassettenrekordern der Dorfjugend an unsere Ohren drangen, tausendmal interessanter. Es handelte sich um die AC/DC-Alben aus den Siebzigern. Diese raue, kratzige, schmutzige Stimme, die sämtlichen Klischees über ästhetischen Gesang widersprach, gepaart mit einer erdigen, schleppenden, harten und verzerrten Musik hatte eine Wirkung, als würde einem direkt vor der Nase ein echt abgefahrenes UFO aus den Weiten des Weltraumes in einem spektakulären Ballett seine spinnedürren, rostigen Landebeine ausklappen. Die Stimme des Sängers Bon Scott klang wie ein rasselnder, klappernder Motor, so alt, kaputt und fremdartig und dennoch so überaus sexy. Ich interessierte mich später auch noch für andere Heavy-Metal-Bands, aber das hielt nicht lange, denn ich durchschaute schnell das affige Männlichkeitsgehabe mit all seiner theatralischen Symbolik wie Totenköpfen, Leder und Bergen von Nieten.
AC/DC hingegen waren anders. Auch wenn sie ihre Bühnenkarriere unter dem pfauenhaften Sänger Dave Evans zunächst mit albernen Kostümen begannen, fanden sie mit Bon Scott doch schnell zurück zum Kern der Sache – der Musik. So, wie sie auch auf die Straße gingen, in Jeans und Turnschuhen, so standen sie auch auf der Bühne. Sie waren … echt … und sind es bis heute geblieben.
Später tourte ich dann als Roady und Techniker mit einer rollenden Diskothek durch’s Land, was meinen Musikgeschmack erheblich erweiterte. Heute höre ich fast alles, von Rock und Pop bis hin zur Klassik. Manches ist vergangen und vieles geblieben. Aber mit AC/DC-Songs kann man mich noch immer hinter der computergesteuerten Gasetagenheizung hervorlocken.
Wer einen Wettstreit der besten deutschen AC/DC-Coverbands erleben und die guten alten Songs aus den Siebzigern noch mal hören möchte, hat am kommenden Samstag, dem 18. Februar dazu die Gelegenheit. Im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei findet wieder das alljährliche „Tribute to AC/DC“ statt. Die letzten Jahre hat sich das immer gelohnt, auch wenn nicht jede Band an das Original heranreicht. Vor zwei Jahren kamen Back in Black (oder Back to Black?) aus Thüringen und borgten sich Achim, den ehemaligen Sänger der Berliner Band High Voltage aus. Die Band spielte millimetergenau die alten Stücke nach, und Achim hatte als einer der wenigen auftretenden Sänger die passende Stimme: wie ein rasselnder, klappernder Motor. Alt, kaputt, fremdartig und dennoch so überaus sexy.

* Wenn eine automatische Rechtschreibkorrektur aus „traumatisieren“ „traumatischeren“ macht, sollte sie vielleicht doch noch mal zur Schule gehen.