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Halbzeit

Gestern um 23 Uhr ins Bett gegangen, um 04.30 Uhr immer noch wach gelegen, gegen fünf Uhr dann endlich eingeschlafen, um sieben Uhr aufgestanden, in der Straßenbahn von zwei Kindergartengangs terrorisiert worden und dann totmüde mit dicken Augen am Computer bei der Dekra die Theorieprüfung absolviert. Was für ein Ergebnis kann man da wohl erwarten?
Tja … nun: Dreißig Fragen, zwölf Minuten … null Fehler!
Bestanden!!! Juchuuu …
Dafür heute Abend in der Fahrpraxis mal wieder bei Rot über die Ampel gefahren (hätte Meister Ralf nicht schnell die Füße gesteckt). Echt blöd!

Gottloser Murks

1979 gelang dem mittlerweile berühmten Regisseur Ridley Scott ein filmisches Meisterwerk, das Maßstäbe setzte und Vorbild für viele weitere Nachahmer wurde. Der Film „Alien“ war so klaustrophobisch und gruselig, daß viele Kinobesucher mit schlotternden Knien und flatternden Nerven den Saal verließen und dessen namentliche Erwähnung auf dem Schulhof bereits ein flaues Gefühl in der Magengrube hinterließ, ohne daß man ihn gesehen hatte. Alien!
Derzeit läuft in den Kinos der Film Prometheus, der die Vorgeschichte der Alien-Saga erzählt und in dessen letzter Szene die Alienkreatur dann auch tatsächlich erstmals auftaucht.
Bis dahin muß man jedoch zwei Stunden lang den größten Schwachsinn erdulden, der jemals durch das Glas der Linse in den dunklen Kasten der Kamera geschickt wurde: In einem futuristischen Raumschiff erwacht nach langer Reise die Crew aus dem Kälteschlaf. Bei der folgenden Lagebesprechung erfahren die Mitglieder zum ersten Mal, um was es bei der Reise eigentlich geht, nämlich die Suche nach den (lächerlich schlecht animierten) Göttern, beziehungsweise den „Konstrukteuren“. Und ich frage mich unwillkürlich, wie dann wohl das Einstellungsgespräch abgelaufen ist: „Wir fliegen drei Jahre im Weltraum herum, aber ich darf Ihnen leider nicht sagen, wieso“? Bemerkenswert sind auch die Weltraumanzüge der Crew – es gibt keine! Jeder hat das an, was er zuletzt auf der Erde trug, bevor er in der Kneipe sein Bier bezahlte und zum Weltraumhafen trampte.
Anscheinend wurden für das Team auch nicht die besten der Besten der Besten ausgesucht, die perfekt miteinander harmonieren und eine professionell agierende, sich ergänzende Einheit bilden, nein-nein – es handelt sich natürlich um egoistische, aggressive, unkollegiale, extrem leichtsinnige, zu unüberlegten Handlungen neigende und vereinzelt auch recht ungepflegt wirkende Individuen. Also halt Menschen wie du und ich, wie man sie eben auf jeder normalen Weltraummission findet.
Kaum ist das Raumschiff gelandet, wird erst mal behutsam und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen die Umgebung abgetastet, nach Lebenszeichen gesucht und vorsichtig ein Schritt nach dem ander…
Ach Quatsch, Klappe auf und raus in die Wüste, wozu mit Sicherheitsmaßnahmen aufhalten? Eine Waffe mitnehmen, zur Sicherheit? Aber nicht doch, das ist ja schließlich eine wissenschaftliche Erkundungsmission!
Was ist das? Oh, eine Höhle! Nein, wir warten nicht erst die Ergebnisse ab, was sich darin verbergen könnte, wir laufen möglichst schnell, möglichst tief hinein und nehmen am besten gleich noch die Helme ab, weil der Computer sagt, die Luft ist rein. Hey, hallo – wir haben hier einen Alienkopf gefunden, den nehmen wir gleich mal mit. Zurück im Raumschiff wird dieser dann sofort untersucht, natürlich ohne Sicherheitsschleusen, ohne durch Glas abgetrennten Untersuchungsraum, wozu auch? Wir sind ja nur auf einem völlig fremden Planeten!
Zwei Crewmitglieder, die sich in der Höhle von der Truppe entfernten, weil sie es plötzlich mit der Angst zu tun bekamen (siehe an, in dieser diffusen Situation hörten sie auf ihren Instinkt!), stehen plötzlich zwei schlangenartigen Wesen gegenüber, aber anstatt sich still zu verhalten und sich zurückzuziehen, tun sie was? Genau: Wie man es auch auf der Erde machen würde, wenn man sich einer unbekannten Schlange gegenübersieht, nähern sie sich den Wesen und strecken ihnen auch noch die Hand entgegen. Schön blöd, wer da nicht zubeißt!
Und so kommt es, wie es kommen muß, die Protagonisten verabschieden sich nach und nach aus der … nennen wir es der Einfachheit halber mal „Handlung“. Recht so, wer sich so haarsträubend dämlich verhält, der soll bitteschön auch aus dem Genpool verschwinden.
Vom Planeten ist übrigens nicht viel zu sehen. Anstatt diese tolle Chance zu nutzen und atemberaubende Welten zu zeigen, verlegt Ridley Scott die Handlung überwiegend in die Höhle und das Raumschiff. Und statt knisternder Spannung gibt es nur überflüssiges Gelabere. Deshalb darf sich der Film nun zu den zehn schlechtesten Filmen zählen, die meine Breitleinwand-Augen je ertragen mußten.

Auto? Mobil!

Nachdem ich aufgrund ungünstig gelegener „Lokäischens“ und rückwärtigen Totalschadens leider keinen einzigen Konzerttermin der besten AC/DC-Kopie der Welt wahrnehmen konnte, hatte ich mich Anfang Juni nun doch endlich dazu entschlossen, mir jenes sagenumwobene Stück Papier zuzulegen, das zu DDR-Zeiten noch 60 Ostmark kostete, für das man heutzutage locker 1800 Euro hinblättern muß (das sind etwa 25.200 Ostmark), und für das manche Menschen bereit sind, zu töten.
Die Rede ist vom Führerschein, und da in meiner engeren Familie sich jahrzehntelang keiner dazu durchringen konnte, mal endlich einen anzuschaffen, habe ich nun das schwere Los übernommen, die Familienehre zu retten. Unter’m Strich wohl eher eine Milchmädchenrechnung, denn für die gesamten Kosten, die man für Pappe, Auto, Versicherung und Reparaturen aufwenden muß, kann man vermutlich 1000 Jahre lang am Stück Taxi fahren. Doch die Abhängigkeit von Bus, Bahn und Mitfahrzentrale wolle ich endlich durchbrechen, und jetzt, gut zwei Monate später, erscheint mir das Vorhaben doch leichter, als befürchtet. Manche Fragen in der theoretischen Vorbereitung sind mitunter etwas unlogisch oder widersprüchlich, und wenn man absolut keine Ahnung von Autos hat, so wie ich, kann man technische Zusammenhänge auch nicht immer gut durchschauen. Da hilft eben nur Lernen!
Aber in der Fahrpraxis mache ich mich jedes Mal besser, das Auto fährt fast von alleine und dem Fahrlehrer neben mir stehen zunehmend weniger Schweißperlen und Sorgenfalten auf der Stirn. Spätestens nachdem ich eine plötzliche Notbremsung meisterhaft absolvierte, hat er wohl etwas mehr Zutrauen in mein Können gefaßt: Minutenlang dackelte ein kleiner, weißer Fiat von einem bekannten Sozialdienst hinter mir her, während ich mit hastigen 33 Kilometern pro Stunde durch eine fünfziger Strecke eilte, um mich dann auf der eher schmalen und leicht ansteigenden Pankower Damerowstraße zu überholen. Und ich freue mich noch darüber, den fiesen kleinen Drängler endlich los zu sein, sage das auch mit einem einsekündigen Seitenblick zu meinem Fahrlehrer, als der miese kleine Köter plötzlich mit rotleuchtenden Augen vor mir steht, um nach links abzubiegen. Ein kräftiger Tritt auf das Eisen in der Mitte brachten den Yeti dann einen halben Meter hinter dem amtlichen Kennzeichen der gemeinen Drängelbremse zum Stehen. Also wenn er sowieso abbremsen muß, um anschließend abzubiegen, hätte er die 200 Meter auch noch ohne zu überholen ausgehalten. Und überhaupt – wieviel Verrückte es dort draußen gibt! Wenn ich mit 49 auf einer fünfziger Strecke unterwegs bin und mit gefühlten 180 km/h und merkwürdig ruckeligen Lenkbewegungen überholt werde, wird mir schon ein wenig mulmig!

Jedenfalls rückt die Frage nach dem richtigen Auto nun langsam in nähere Reichweite, und nach intensiver Beratung durch die Internetcommunity soll es nun doch ein Neuwagen werden, sponsored by Mum. Erstaunlicherweise sind für einen, durch seinen Beruf als Grafiker und Fotograf im Sehen geschulten Ästheten wie mich die Möglichkeiten recht stark eingeschränkt, denn die meisten aktuellen Autos sind häßlich! Unharmonische Linien, merkwürdige Knicke und Falze in Karosserie und Lampen, es ist wirklich zum Jammern. Gelegentlich habe ich den Eindruck, daß Autos umso häßlicher werden, je billiger sie sind. Ein Schalk, wer den Herstellern hier Böses unterstellt! Und die richtig geilen Schlitten sind zwar als Gebrauchtwagen schon günstig zu bekommen, dafür dürfte man aber spätestens bei Fälligwerden der Versicherungsprämie und den unaufhaltsam näherkommenden Ersatzteilkosten ins finale Koma fallen.
Richtig sexy und noch halbwegs erschwinglich könnte aber der kommende Golf 7 werden. Das Design spricht mich wirklich sehr an, und als Zweitürer hat er auch die richtige Alltagsgröße. VW hat anscheinend sogar verschiedene alternative Antriebskonzepte in der Schublade, wobei zu befürchten ist, daß ein elektrischer Golf nicht bezahlbar ist, denn für die grob geschätzt 10.000 Euro mehr, die er im Vergleich zu einem Benziner in der Anschaffung teurer sein dürfte, kann man schon einige tausend Kilometer auf herkömmliche Art zurücklegen. Und die passende Steckdose hat der Parkplatz vor meinem Haus leider auch nicht. Interessant finde ich die Idee, von vier Zylindern zeitweilig zwei abzuschalten, wenn sie nicht benötigt werden, um Benzin zu sparen. Allerdings hatte ich diese Idee als autotechnischer Laie bereits vor über zehn Jahren, wenngleich in etwas abweichender Form, nämlich mit abwechselnd arbeitenden Zylindern, um den Verschleiß gleichmäßiger zu verteilen.
Ich persönlich bin jedoch eher ein bekennender Fan der Kernenergie und hoffe noch immer auf die in den sechziger Jahren propagierten Fahrzeuge mit eigenem Kernreaktor. Soweit ich mich erinnern kann, stammt diese Erfindung von dem japanischen Professor Fukushima, eine Idee, die ihn weltweit mit einem Knall berühmt gemacht hat.

Dieser Beitrag wurde nicht gesponsort von VW. Die Chance solltet Ihr Euch allerdings nicht entgehen lassen! Wie wär’s mit einem gesponsorten Golf 7? Ich verspreche auch hoch und heilig, daß ich ihn hier seligsprechen werde!

Gottesteilchen oder die Frage nach dem Leben, dem Universum und allem anderen

Zweiundvierzig. Laut Douglas Adams und seinem Bestsellerroman „Per Anhalter durch die Galaxis, einem der schrägsten und lustigsten Bücher des bekannten Universums, ist das die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Und auch in den folgenden vier Romanen wird nebenbei immer wieder versucht zu ergründen, was genau die Antwort denn nun eigentlich bedeutet.
Letzten Freitag hatte ich nun durch Zufall eine viel bessere Idee (Geistesblitze leuchten in dunklen Hohlkörpern am hellsten) und verständlichere Antwort auf die letzte aller Fragen. Ich stiefelte, noch immer hinkend und von Schmerzen geplagt, frühmorgens mißmutig zu meinem Arbeitsplatz, dessen einziger Zweck es ist, Geld für den nächsten Dubai-Urlaub herbeizuschaffen, als mir plötzlich in der Nähe vom Anhalter Bahnhof ein Mann mit zwei Kühen aus einem Hausflur entgegenkam. In Wirklichkeit waren es zwei riesige Doggen, gestaltet im schnieken Dalmatiner-Design, weswegen sie aussahen, wie Kühe.
Als Hunde- und Hundehalterhasser schüttelte ich in meiner unnachahmlich-intoleranten Art natürlich gleich wieder den Kopf und fragte mich, wie man nur so bescheuert sein und solche Riesenkühe auch noch zu zweit in einer ausgesprochen rindviehungeeigneten und generell tierunfreundlichen Stadt halten kann. Im selben Moment schossen mir Fragmente des oben erwähnten Geistesblitzes durch den Hohlkörper, so etwa in der Art: „schuf … nach seinem Bilde“! Und als ich die Fragmente mit Hilfe geistiger Gehirnpuzzelei zusammensetzte, erschien mir die Antwort aller Fragen plötzlich so klar und deutlich, wie ein Baum, der einer Dogge ans Bein pinkelt: Im Alten Testament (Genesis 1,26f) heißt es „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde“. Oder anders ausgedrückt, wir sind wie er. Und im Umkehrschluß – er ist genauso wie wir! Genauso klug und ebenso bescheuert. Freundlich oder rüpelhaft. Liebend, hassend, sanft und gewalttätig. Gott ist uns gleich, er ist nicht schlechter aber auch nicht besser als wir Menschen.
Das erklärt doch alles! Also ich meine wirklich alles! Oder?

Kriegs-ABC für Dummies

Der Kommunismus bedroht die Welt? Ein neuer, demokratisch gewählter Präsident bedroht Ihre Geschäftsinteressen? Das Öl im eigenen Land wird langsam knapp? Kein Problem, hier kommt die Lösung: „Kriegs-ABC für Dummies“ – mit Lügen und Intrigen die Medien und den normalerweise friedliebenden Pöbel zackig auf Linie bringen und in den Krieg ziehen lassen. Die ultimative Videoanleitung für den Hobbykrieger und Massenmörder von morgen, jetzt exklusiv in der ZDF-Videothek auf Youtube.

Tip-top!

Auch wenn ich hier immer über unser durchgeknalltes Politikerpack herziehe, die Auswüchse des Raubtierkapitalismus verfluche, dem maroden Gesundheitssystem die hübsche Maske vom häßlichen Gesicht reiße und auch sonst immer nur herummeckere – auf die Berliner Behörden lasse ich nichts kommen. Wann immer ich mit denen zu tun hatte, egal ob Finanzamt, Arbeitsamt, Wohnungsamt, Gewerbeamt oder beim Bürgeramt, stets wurden die Angelegenheiten schnell und zuverlässig erledigt, nie gab es größere Probleme.

Zum Beispiel heute: Am Freitag auf der Webseite des Bürgeramtes Pankow einen Termin vereinbart, heute pünktlich dort erschienen, nach 12 Minuten aufgerufen, Führerschein und neuen Reisepaß beantragt, mit Karte am Automaten bezahlt, nach zehn Minuten war alles erledigt. Supermodern. Ohne Warten. Ohne Bestechung. Ohne Beziehungen und Günstlingswirtschaft. Einfach so.
Das ist doch wirklich mal ein dickes Lob wert, oder? Da hört man aus manchen Ländern ganz andere Geschichten …

Genetisch destruktiv?

Vor einiger Zeit staunte ich in der Puttkamerstraße, nahe der Berliner Friedrichstraße über eine dickbäuchige, etwa einen Meter hohe, bunt bemalte Tonvase, die eines Tages plötzlich auf dem Gehweg vor einer Schule stand. In diesem Augenblick wußte ich bereits, daß sie verloren war. Tatsächlich füllte sich die Vase in den nächsten Tagen zunehmend mit Unrat, irgendwann war dann am oberen Rand eine Stück abgeplatzt, später fehlte die obere Hälfte und bald darauf lag die Vase komplett zerschlagen auf dem Gehweg.
In der TAZ schreibt heute die freie Autorin Isolde Charim über das kürzlich vom Kölner Landgericht erlassene Beschneidungsverbot. In dem Artikel ist die Haltung der Autorin gegen das Verbot, also für die Beschneidung deutlich herauszulesen. Allerdings stehen ihre fadenscheinigen, von religiösem Irrsinn umnebelten Argumente dabei auf wackeligen Beinen, so schreibt sie zum Beispiel: „Für den Gläubigen ist dieses sichtbare Zeichen kein Defekt, der einer Reparatur bedarf“, und meint dabei die nach der Beschneidung fehlende Vorhaut. Liebe Frau Charim, würden Sie auch noch so urteilen, wenn Sie eines Morgens feststellen, daß man Ihnen Klitoris und Schamlippen abgeschnitten hat? Kenne Sie eigentlich neben beschnittenen Männern, denen der Verlust nichts ausmacht auch welche, die sehr wohl ein Problem damit haben? Nun ich schon, und ich kann Ihnen versichern, sie hassen und verfluchen ihre Eltern oder machen ihnen zumindest heftige Vorwürfe. Denn nicht jeder möchte den Weg gehen, der von den Eltern vorgezeichnet ist, egal ob es sich dabei um die Religion oder andere Dinge handelt.
Weiter schreibt sie: „Solche Jahrtausende alten Praktiken – die die Kinder einer Gemeinschaft eingliedern und den Bezug zu den Ahnen garantieren soll – sind nicht durch einen richterlichen Beschluss aufzulösen.“ Sie meinen also, nur, weil Praktiken Jahrtausende alt sind, sind sie richtig und unveränderlich? Wenn dem so wäre, würden wir unser Feuer heute noch mit Feuersteinen entfachen. Ich halte es vielmehr für dringend notwendig, die alten, verstaubten Rituale immer und immer wieder neu zu hinterfragen und auf ihre Sinnhaftigkeit hin abzuklopfen.
Als nächstes folgt das Totschlagargument: „Dann wird die Durchführung der Beschneidungen wieder in die Gemeinden zurückverlegt: vom OP-Saal zurück auf den Küchentisch.“ Nur mal zur Erinnerung: Wir haben unter anderem Gesetze, die Vergewaltigung, Totschlag und Mord verbieten, und die auch nicht hundertprozentig funktionieren. Aber dürfen wir sie deshalb abschaffen? Es wird immer Menschen geben, die sich über Verbote hinwegsetzen, deshalb sollten wir aber trotzdem nicht darauf verzichten. Die Ausrede „Verbot sinnlos, weil dann immer noch …“ ist vermutlich so alt, wie die Verbote selbst und wird immer dann aus der Schublade geholt, wenn es darum geht, auf gute alte Gewohnheiten verzichten zu müssen. Zuletzt war das der Fall bei der Finanztransaktionssteuer („… dann weichen die ja auf andere Marktplätze aus!“), beim Rauchverbot („… dann gibt es ja noch so viel andere schädliche Stoffe, wie Alkohol und Autoabgase!“) und jeweils nach den verschiedenen Amokläufen der letzten Jahre, wenn wieder mal eine Verschärfung des Waffenrechts droht und die Waffenlobby erschrocken aus den kolonialen Ledersesseln aufspringt, mit dem „Argument“, es sei ja nicht die Waffe, die tötet, sondern der Mensch, der den Abzug drückt, und es gäbe ja außerdem noch Messer und Äxte und … und … und …
Das Verbot der Beschneidung ist richtig, es ist Körperverletzung von wehrlosen, schutzbedürftigen Kindern. Wenn sie volljährig sind und es für richtig halten, können sie sich immer noch frei für eine Beschneidung entscheiden. Eine Religion wird an einer Änderung dieser Rituale nicht zerbrechen. Vielmehr sollten sich Anhänger der betreffenden Religionen einfach mal Folgendes fragen: Wenn Gott oder Allah allmächtig, allwissend und weise ist, und in seiner unendlichen Weisheit den Mann erschaffen hat, wie er ist, und zwar mit Vorhaut, wird er sich nicht vielleicht etwas dabei gedacht haben? Könnte es sein, daß sie eine wichtige Funktion erfüllt und doch besser nicht abgeschnitten werden sollte? Wie weit darf Religionsfreiheit gehen? Wenn der Beschnittene sich später für eine andere oder gegen Religion entscheidet, ist er dann nicht in seiner Freiheit eingeschränkt, weil die fremdbestimmt entfernte Vorhaut nicht mehr nachwächst? Und in den Leserkommentaren zum Artikel von Isolde Charim hinterfragt Heribert Hansen sehr richtig: „Wenn ich also jetzt ’ne Religion gründe, deren Erkennungszeichen ist, dass schon kleinen Kindern die Ohren abgeschnitten werden, soll ich das dürfen?“
Mir hingegen drängt sich angesichts des Zeitungsartikels und meiner Beobachtung mit der zerbrochenen Vase nur eine Frage auf: Woher kommt nur diese in uns steckende Zerstörungswut? Dieses destruktive Zerschlagen und Abschneiden, ist das genetisch bedingt? Ist es vielleicht ein wichtiger Baustein für das Vorankommen der Evolution, dient es vielleicht auf besondere Art der Erhaltung der eigenen Spezies? Oder ist es letztendlich doch nur ganz gewöhnliche, handelsübliche Dummheit?
Und – nicht ganz passend zum Thema – aber auch wiederum nicht allzu weit davon entfernt, an all die religiösen Spinner (und damit meine ich auch Verbrecher von der Sorte George W. Bushs), die da meinen, sie müßten ihren allmächtigen (!) Gott/Allah verteidigen, in dem sie Andersdenkende und Ungläubige töten, eine einfache Frage: Wenn Ihr dereinst mal vor Euren Schöpfer tretet und dieser Euch fragt, „Welchen Teil von Du sollst nicht töten, hast Du eigentlich nicht verstanden, mein Sohn?“, was werdet Ihr ihm dann antworten?

Nachtrag vom 14. September: Ein Betroffener schreibt in der Taz über seine Erlebnisse mit und ohne. Ein Bericht der – sozusagen – unter die Haut geht.