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Drei Raubüberfalle in einer Woche

Gestern erzählte meine Mutter eine Gruselgeschichte aus der Nachbarschaft. Bei einem im Paterre wohnenden 92-jährigen Mann wurde am hellichten Tag eingebrochen, während er zu Hause war. Die Gangster stiegen heimlich über das offene Schlafzimmerfenster ein, durchwühlten seine Sachen, nahmen aber nichts mit, weil es bei einem, der in einer Sozialwohnung lebt, nun mal nichts mitzunehmen gibt.
     Der alte Mann selbst schaute zu diesem Zeitpunkt im Wohnzimmer fern und bekam von dem Vorfall gar nichts mit. Erst Nachbarn beobachteten den Einbruch und riefen die Polizei. Und die kam auch … fast sofort … schon nach einer halben Stunde, als die Einbrecher natürlich längst schon über alle Berge waren. Das ist Berlin. Nun also auch im ehemals so sicheren Stadtteil Pankow.
     Doch selbst hier draußen in der Provinz, wo ich nun lebe, ist das Schlafen bei offenen Fenstern in der zweiten Etage extrem gefährlich. Heute früh gegen fünf Uhr wurde ich in meinem Bett von einem blutrünstigen Raubtier angefallen. Es biss mir in die Hand und ließ sekundenlang nicht von mir ab. Ich bemerkte es erst durch eine winzige Quaddel am kleinen Finger sowie einem unangenehmen Jucken, welches mich aus dem Schlaf riss, sich aber durch Azaron-Gel schnell wieder stillen ließ.
     Doch das Trauma werde ich wohl nicht so schnell wieder los. Wann wird das Raubtier das nächste Mal zuschlagen? Kann ich nur noch bei geschlossenen Fenstern schlafen? Brauche ich psychologische Beratung zur Trauma-Bewältigung?
     Direkt nach dem Aufstehen rannte ich im Wohnzimmer in die quer zwischen Wand und Couch gespannte Netzfalle eines weiteren blutrünstigen Raubtiers. Hier half nur sofortige Selbstverteidigung mit dem Staubsauger.
     Verdammte Mistviecher!

Leckerli, selbstgebastelt

Heute möchte ich Euch den Sonntag ein wenig versüßen, mit einem Leckerli, das Ihr gern nachbauen dürft. Ihr benötigt dafür (von unten nach oben) ein paar Frischeiwaffeln, die Ihr im Toaster ein wenig brutzeln könnt, aber erforderlich ist das nicht. Darauf kommt eine dünne Schicht Griespudding, der wiederum mit Zimt bestreut wird. Darüber eine Schicht Apfelmus, und als Krönung ein paar zubereitete Erdbeeren:

Und, Teddy? Willst du auch was? Wie bitte? … miam-miam … ich kann … schmatz … dich gerade nicht hören …

Tiefgläubig

Schon wieder diese unerträgliche pseudowissenschaftliche Schwurbelei einer sogenannten Expertin_Innen*en-erin, genauso schlimm wie zu Coronazeiten. Wenn die Tagesschau vermeldet, dass der Meeresspiegel steigt, kann man dann nicht einfach mal andächtig die Klappe halten, demütig auf die Knie sinken und dem Chefsprecher, Jens Riewa, dafür danken, dass die Wettergrafiken so hübsch tiefrot eingefärbt sind, dass auch der letzte Schwarzweißfernseherbenutzer mitbekommt, wie ernst es um die Menschheit steht? Wenn die da oben sagen, die Erde ist eine Scheibe, wird von gefährlichen Viren heimgesucht, erstickt im CO2-Mief und geht sowieso bald unter, weil Putin und seine russischen Hacker im Internet wüten, woran einzig und allein die AfD schuld ist, dann wird das schon stimmen, da muss man sich gar keine Sorgen machen. Und ich geh jetzt mal los und hol mir schnell noch einen Corona-Booster, mein Arm juckt nämlich schon wieder so komisch.

Blau plus acht

Als ich heute früh nach aktuellen Ergebnissen der Wahl in Thüringen suchte, konnte ich wieder mal nur den Kopf schütteln, angesichts des allgegenwärtigen Grundtenors, für die AfD sähe es gar nicht gut aus und der Aufwärtstrend sei gestoppt. Dabei hat die Partei als einzige drastische Zuwächse zu verzeichnen, mehr als acht Prozent, während alle anderen verloren haben. Die lächerlichen 0,1 Prozent plus bei der CDU verschweigen wir wohl lieber diskret.
     Besonders auffällig war das Fehlen der normalerweise bei Wahlen üblichen bunten Infografiken, selbst bei der Tagesschau. Vielleicht hätten diese die Realität nur allzu deutlich illustriert. Boris Reitschuster hat das heute in Worte gefasst, wie ich sie nicht besser hätte schreiben können.
     Spontan erinnerte mich das Ganze an die Ukraine-Berichterstattung auf N-TV, wo lange Zeit nur Meldungen über russische Verluste und ukrainische Erfolge veröffentlicht wurden, so als stünde der blau-gelbe Endsieg kurz bevor, während der Ukraine allmählich die kampffähigen Soldaten ausgingen.
     Woher aber kommt solch ein … Vorbeischreiben an tatsächlichen Ereignissen? Ist das nur ein Mangel an aktuellen Informationen? Oder Verdrängung der Realität? Größenwahn, geleitet vom Wunsch, mit der Macht der Feder den Verlauf der Geschichte beeinflussen zu können, nach dem Motto, man muss nur ganz fest dran glauben? Eine Art fehlgeleiteter Optimismus?
     Auf jeden Fall war es dasselbe Geschehen, das die DDR in den Untergang führte, weil von „denen da oben“ keiner mehr wusste, was genau eigentlich los ist. Oder es nicht wissen wollte.

Aller guten Decks sind zwei

Nach meinem erzwungenen Umzug musste ich meine neue Wohnung neu einrichten, wobei dieses „musste“ ein Stück weit auf freiwilliger, angenehmer Basis beruht. Denn neue Möbel können auch Spaß machen. So wie im Schlafzimmer, wo bisher nur weiße Schränke und Regale standen, die nun aber im Arbeitszimmer stehen, weshalb was Neues her musste.
     Etwas mehr Farbe, statt ausschließlich Weiß, dachte ich mir und schmückte das Zimmer mit einer modischen Kombination aus Eiche Sonoma und Weiß, was sich hübsch kombinieren lässt mit Silbertönen. Also kramte ich alle meine Hifi-Komponenten aus verschimmelten Kartons im Keller, um sie dekorativ in Szene zu setzen.

Dabei fand ich auch noch eine alte Anlage von JVC, mit einem Kassettendeck mehr als erwartet. Die Dinger waren wegen ihrer unverwüstlichen Zuverlässigkeit bei DDR-DJs sehr beliebt, vor allem das KD-V11. So eines hätte ich gern noch.
     Aber Teddy hat’s mir verboten. Er meint, er könne dann seinen Arm nicht mehr lässig genug ablegen.

Die Menschenfresserin

Ein Blubberkopp, eine Krawallschachtel, direkt unter meinem Bürofenster, machte mir soeben wieder deutlich klar, dass ich Anfang des Jahres die richtige Entscheidung getroffen habe. Er stand auf dem Gehweg und plärrte in einer unbekannten Sprache unverständliches Zeug durch die Gegend, sodass meine Kollegen entsetzt zu den Fenstern sprangen, um sie zu schließen.
     Bereits vor über zwanzig Jahren spielte ich GTA Vice City auf dem PC, ein Spiel, bei dem man sich als Gangster durch die dreidimensionalen Achtziger von Miami bewegt, Autos klaut, „Aufträge“ erledigt und allmählich zum Gangsterboss aufsteigt. Schon damals irritierte mich das Ambiente der programmierten Stadt, denn ständig hörte man von irgendwo her Rufe und Schreie oder wurde auf der Straße von Wildfremden angepöbelt. Was war ich damals erleichtert, dass es im realen Berlin gesitteter zuging.
     Inzwischen hat sich das leider geändert. Die Straßen werden zunehmend bevölkert von Menschen der unangenehmeren Art, die Hauptstadt der Krüppel und Bekloppten. Bestimmte Stadteile trifft es dabei stärker als andere. Die Kriminalität ist weiter gestiegen, auch bundesweit. Mehr als 3000 Messerangriffe, allein in Berlin, sprechen eine deutliche Sprache. Mehr als acht Personen werden in dieser Stadt also tagtäglich mit Messern verletzt (oder sogar getötet). Mein Heimatbezirk Pankow, der Bezirk, in dem ich aufgewachsen bin, hatte in den letzten zehn Jahren mindestens drei Morde zu beklagen. Das ist mehr als in meiner gesamten Lebenszeit davor. Sicher – auch zu DDR-Zeiten gab es gewalttätige Auseinandersetzungen, etwa in Diskotheken, wobei dort oft die Sicherheitsleute selbst die Schläger waren. Aber Messer wurden dabei nicht eingesetzt. Es war einfach nicht üblich, Waffen mit sich herumzutragen.
     Auch anderen Delikte sind besorgniserregend angestiegen. Die Berichte von den Zuständen rund um den Görlitzer Park sind schon beim Lesen kaum zu ertragen.
     Insgesamt hat auch die Lärmbelästigung zugenommen. Da sind zum einen die vielen Autofahrer, die glauben, ständig mit der Hupe kommunizieren zu müssen oder damit Staus auflösen zu können, was ich so bisher nur aus Dritte-Welt-Ländern kannte, wo die Benutzung der Hupe vielleicht nicht so streng reglementiert oder kontrolliert wird. Auch werden Autoradios hemmungslos aufgedreht, als gäbe es niemanden sonst auf der Welt, was mich an meine schlechten Erfahrungen in Dubai erinnert.
     Zum anderen aber auch die Krakeler, die hemmungslos auf der Straße herumbrüllen, sodass es mir vorkommt, als wären all die digitalen Avatare aus GTA Vice City in die reale Welt heruntergekommen oder die Tore der örtlichen Nervenheilanstalten unwiderruflich geöffnet worden.
     Am gravierendsten war jedoch der Krach in meiner unmittelbaren Nachbarschaft. 2005 zog ich aus der zweiten in die fünfte Etage, von einer Anderthalb- in eine Zweizimmerwohnung mit Balkon und herrlichem Ausblick auf den Sonnenuntergang. Doch die Freude über die neue Wohnung währte nicht lange, denn links neben mir zog ein Pärchen ein, unverträglich wie Hund und Katze, hörte laute Musik der übelsten Sorte, fetzte sich unablässig bis hin zu körperlichen Auseinandersetzungen und schwungvollen Einrichtungspositionsveränderungen. Oder anders formuliert: Sie warfen Dinge durch die Wohnung. Auf der anderen Seite, eine Etage tiefer, siedelte ein Junkie, der auch alle paar Wochen einen Rappel bekam und seinerseits die Musikanlage auf Konzertlautstärke drehte, was in einem so hellhörigen Haus wie meinem eine katastrophale Wirkung hat. Mehrere Beschwerden bei der Hausverwaltung nützten nichts, sie scherte sich nicht drum, was ziemlich dämlich ist, denn wenn die netten Mieter aus purer Verzweiflung wegziehen, bleiben irgendwann die doofen übrig, die auch sonst nur Probleme machen. Wie etwa der Jungspund zwei Häuser weiter, der seinen Müll stets aus dem Küchenfenster im dritten Stock entsorgte. Oder der Alkoholiker im Erdgeschoss, der eines Nachts so besoffen war, dass er beim Nachhausetorkeln seinen Haustürschlüssel in der Haustür stecken ließ und dann vor der Wohnungstür seinen Schlüssel vermisste. Also verließ er wieder das Haus, vorbei an seinem in der Haustür steckenden Schlüsselbund, schlug auf der anderen Hausseite ein Fenster ein und schlitzte sich beim Einstiegsversuch die Adern auf, was rund ums Haus und im Hausflur eine beispiellose Sauerei an Wand und Boden hinterließ. Zuletzt zog unter mir ein junger Mann ein, der den ganzen Tag auf dem Balkon kiffte und mir seine giftigen Dämpfe hoch ins Wohnzimmer schickte. Angeblich soll Marihuana eine entspannende Wirkung haben. Schon ulkig, dass das bei mir anders war. Will man das als Vermieter? Sicherlich nicht.
     Dabei ging es ursprünglich sehr gesittet zu, in der Wohnungsgenossenschaft, die zu DDR-Zeiten in den Sechzigern gegründet wurde und ausschließlich Akademiker der Humboldt-Universität als Mieter akzeptierte. Doktoren, Professoren, Wissenschaftler aus allen nur denkbaren Bereichen – Geschichte, Medizin, Rechtswesen und Kunst, allesamt gebildet und zivilisiert. Wie konnte es nur so weit kommen?
     Zuletzt konnte ich meine Wohnung nur noch mit schallschluckenden Kopfhörern, bei geschlossenen Fenstern bewohnen, was ziemlich deprimierend ist. Schließlich, bei meinen letzten Auslandsaufenthalten in Abu Dhabi und Doha, wurde mir bewusst, dass es lebenswertere Orte gibt als Berlin. So traf ich Anfang des Jahres die Entscheidung, hier wegzuziehen.
     Zufällig ergab sich kurz darauf eine glückliche Fügung des Schicksals, die mich schnell aus Berlin weggeführt hat. Ich wohne nun quasi „j. w. d.“, wie der Berliner sagen würde, „janz weit draußen“, im Speckgürtel, wo alle hinwollen, die es in dieser irre gewordenen Stadt nicht mehr aushalten. Hier draußen herrscht zwar auch nicht absolute Ruhe, aber es ist schon viel erträglicher. Morgens kräht hier sogar ein Gockelhahn, so was habe ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört.
     Der ehemalige Berliner Bürgermeister Wowereit prägte für die Stadt vor langer Zeit den Ausdruck: „arm, aber sexy“, und in den Neunzigern war das auch so. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Übriggeblieben sind irrsinnig hohe Mieten, zu wenig Wohnraum, ausufernde Kriminalität, zunehmende Vergewaltigungen, eine unfähige, ideologisch verblendete Politik, unzählige Baustellen und gewaltige Staus ohne Ende, erschütternde Armut, eine zerbröckelnde Infrastruktur und immer mehr Schlaglöcher, die wie zum Ende der DDR hin nicht mehr zeitnah gestopft werden können.
     Darum habe ich einen dringenden Rat an alle, die sich mit dem Gedanken tragen, nach Berlin zu ziehen: Lasst das sein! Ich bin hier geboren und aufgewachsen, ich lebte über ein halbes Jahrhundert in dieser Stadt, ich kenne sie wie meine Westentasche. Berlin ist eine Menschenfresserin! Sie macht nette Menschen kaputt, auf vielerlei Art.
     Man muss nicht gleich nach Doha fliegen, um ein beschauliches Leben führen zu können. Auch in Deutschland gibt es lebenswertere Orte. Potsdam zum Beispiel, Waren/Müritz und Görlitz.
     Also haltet Euch von hier fern! Wenn Ihr Sehnsucht nach Berlin habt, verbringt doch mal ein langes Wochenende hier, oder Euren Sommerurlaub. Aber danach macht, dass Ihr hier wieder wegkommt. Bevor Ihr gefressen werdet.

Das mühsame Leben

Heute Nachmittag saß ich zusammen mit dem 96-jährigen Mann auf der Terrasse seines Hauses, jenem Mann, den ich sein Jahrzehnten bereits kenne, und den ich in den letzten Jahren als immer schweigsamer erleben musste. Ich hatte den Eindruck, dass er müde geworden war, und ungeduldig die Tage zählte, die ihm noch blieben. Vierzig Jahre älter als ich, so viele Jahre mehr Lebenserfahrung, bestehend aus Glück und Schmerz, wer weiß das schon? Der vor andershalb Jahren seinen jüngeren Sohn, meinen ehemaligen Mitschüler, zu Grabe tragen musste, der zweite herbe Verlust, wie ich heute erfuhr.
     So saßen wir also bei Kaffee und Kuchen unter einem leicht bewölkten Himmel, als er plötzlich anfing zu erzählen, seine gesamte Lebensgeschichte, kurz gefasst, nicht allzu ausschweifend und dennoch spannend, packend, erschütternd.
     Mit 16 musste er an die Front, im März ’45, nach Litauen, wo ihn die Rote Armee schon bald überrannte. Er wechselte von einem Gefangenenlager ins andere, meldete ich immer wieder freiwillig für teilweise schwere Arbeiten und lernte so viele interessante Dinge, die ihm später beim Bau seines eigenen Hauses halfen, als er bereits 75-jährig schwere Steine zu Mauern formte, Holzfußböden und Fliesen verlegte und den ein Meter achtzig tiefen Swimmingpool aushub.
     Von Natur aus robust, mit Händen wie Bärenpranken und einer natürlichen inneren Stärke, machte er in der DDR Karriere als Kommissar der Kasernierten Volkspolizei, bis er wenige Jahre später zur Offiziersschule abkommandiert wurde und als Regimentskommandeur tausende Soldaten befehligte. Schon ulkig, dass ausgerechnet seine beiden Söhne nicht gehorchten, wenn er zum Mittagessen rief.
     Genau diese Militärkarriere führte nach der Wende zu weiteren Kämpfen, als die Rentenversicherung ihm wegen „Staatsnähe“, also aktiver Unterstützung des Sozialismus, Rentenpunkte verweigerte. Er gewann vor Gericht, aber wie alle Kämpfe hinterließ auch dieser sicher seine Spuren in der Seele.
     Meine älteste Kindheitserinnerung an ihn ist der Respekt, den seine Gestalt bei mir auslöste, wenn er entspannt, in Offiziersuniform, im Rang eines Obersten, nach der Arbeit die Straße entlangschlenderte. Er erlebte also das dritte Reich, die DDR, die Nachwendezeit, und nun die sich immer weiter zuspitzenden Probleme und Konflikte der Gegenwart.
     Während er erzählte, merkte man ihm an, wie lange er geschwiegen hatte, als die Worte nur bruchstückenhaft, holpernd, nach den richtigen Worten tastend, aus seinem Mund purzelten. Mit den verflossenen Minuten wurde die Sprache flüssiger, er schien Freude daran zu haben, mal wieder zu erzählen, und die anderen Zuhörer am Tisch schwiegen, wagten nicht, ihn zu unterbrechen.
     Ins Stocken geriet er erst wieder, als er auf die schlimmste Erfahrung seines langen Lebens zu sprechen kam, den ersten furchtbaren Verlust, seine erste Frau, die er gefunden hatte, durch einen Zufall. Die Freundin einer Freundin eines Militärkollegen, die er auf einem Ball kennen- und liebenlernte, die kurz darauf an Leukämie erkrankte, eine Krankheit, die in den fünfziger Jahren noch nicht gut behandelbar war, seiner Frau monatelanges Siechtum bescherte, bis die behandelnde Ärztin verkündete, es gäbe keine Hoffnung mehr, und seine Liebe in seinen Armen starb.
     Da kennt man einen Menschen schon so lange und ahnt nichts von den Verheerungen, der Seelenpein, die er mit sich herumträgt.

Auf dem Holzweg

Da stand ich doch heute Mittag mit einem guten alten Freund auf dem hölzernen Bootssteg eines Sees, irgendwo in … Dingenskirchen. Und er erzählte mir von seinem 96-jährigen Vater, was dieser beruflich so alles getrieben hatte, und dass er nach dem Krieg einige Jahre in russischer Gefangenschaft war. Da meinte ich zu ihm, wir hätten ja Glück gehabt, dass sein Vater die Gefangenschaft überlebt hatte, später seine Frau kennenlernte und Kinder bekam, sonst hätten wir – mein Freund und ich – uns nie getroffen.
     Und im Stillen sinnierte ich darüber nach, wie viele Menschen mir im Leben wohl schon begegnet waren, die nie geboren wurden, weil ihre Eltern gar keine Chance hatten, sich kennenzulernen.

Fanatisch

Mich würde wirklich brennend interessieren, was all jene, die vor drei Jahren behaupteten, die Corona-Impfungen seien nebenwirkungsfrei und Ungeimpfte müsste man zum Teufel jagen, heute denken, wenn sie so was lesen. Schämen sie sich? Leugnen sie es? Halten sie weiterhin stur an ihrem immer weiter zerbröckelnden Weltbild fest?

Patriotisch

Kreative Wahlwerbung der patriotischen Art. Wobei das Wort patriotisch in diesem Zusammenhang beinahe schon albern klingt, denn immerhin handelt es sich bei den drei Farben um jene der Flagge des Staates, in dem wir leben.
     Das verschwarzrotgoldete Plakat stammt übrigens von der SPD. Wofür stand die noch mal? Keine Ahnung, hab ich total vergessen. Sie selbst vermutlich auch.
     Die schwarz-rot-goldene Flagge hat übrigens eine lange und interessante Geschichte.