Meine Firma hat sich ein neues Spielzeug zugelegt, da sind unsere Informatiker total scharf drauf. Es heißt Gitea und ist im Grunde so was ähnliches wie ein Internetforum. Nur dass die Entwickler es mit ganz, ganz vielen kryptischen Begriffen gespickt haben, damit Nichtentwickler, welche diese Begriffe nicht kennen, sich ganz, ganz dumm vorkommen.
Einer unserer Informatiker „stellte“ gerade ein neues „Issue“ „ein“, wobei die drei in Anführungszeichen gesetzten Worte für sich allein bereits äußerst rätselhaft sind. Jedenfalls war dieses Issue als Frage an mich gerichtet, also antwortete ich darauf, woraufhin der Fragesteller zurückantwortete. Und unter seiner Antwort erschienen, vermutlich vom Gitea-System, folgende weise Worte:
„Dieser Pull-Request kann automatisch gemergt werden. Es ist kein Schlüssel zum Signieren dieses Commits verfügbar. Dieser Branch enthält nicht die neusten Commits der Basis-Branch. Du bist nicht berechtigt, diesen Pull-Request zu Mergen.“
Sacht ma, Ihr Vöjel, gloobt Ihr ernsthaft, ick koof ma jetz ’n Wörterbuch oda wat?
Ist es nicht modern, fängt es an zu modern.
Sag mal, lieber Onkel Kaufland,
was bringen eigentlich Brillenputztücher, angeboten unter Deiner Hausmarke, wenn sie selbst auch schon Schlieren auf dem Glas hinterlassen? Wie bitte?
Ach so, Du trägst gar keine Brille. Na, dann kannst Du das natürlich nicht wissen.
Sorry, mein Fehler!
Dein Sunlion, geringfügig beschämt

Liebe S-Bahn,
was ist eigentlich so schwer daran, pünktlich zu sein? Man muss doch den Zug einfach nur bei A auf die Gleise setzen, bis Z fahren und zwischendurch bei B, C, D, E, F, G, H, I, J, K, L, M, N, O, P, Q und allen weiteren Stationen kurz anhalten und Fahrgäste ein- und aussteigen lassen. Keine sich stauenden Autos weit und breit, keine Kängurus, die auf den Schienen herumlümmeln, und keine urplötzlich auftauchenden UFOs, die eine reibunglosen Fahrt sabotieren könnten. Warum also standest Du dann heute an mehreren Stationen scheinbar grundlos herum und wartetest … auf was?
Und noch was: Wenn Du schon auf manchen Strecken nur alle zwanzig Minuten fährst, dann sorge doch bitte dafür, dass Du auch von A bis Z durchfährst und nicht nur bis M, wo man wieder aussteigen und auf den nachfolgenden Zug warten muss, der aber auch nur wieder bis O fährt, wo der Zug erneut geräumt wird, bis dann irgendwann der nach Fahrplan nächste reguläre Zug gemächlich eintrudelt und einen bis Z bringt. So was kann man sich bei 5-Minuten-Abständen erlauben, aber nicht bei zwanzig.
Bin extremst angepisst!
Mit verhaltenen aber nicht unfreundlichen Grüßen
Sunlion, der heute wieder mal zwanzig Minuten zu spät zur Arbeit kam
Als EU-weit die Abschaffung der Glühlampen angekündigt wurde, begann bei fast einer halben Milliarde EU-Bürger das großes Zittern. Wer die damals weit verbreiteten Energiesparlampen kannte und die Qualität der gerade erst auf den Markt drängenden LED-Leuchtmittel, der konnte nicht anders, als vorsorglich auch die letzte Kellerecke mit hellen, warm strahlenden Glühlampen vollzustopfen. Wie ein Eichhörnchen hatte auch ich mir für die kommende kalte LED-Jahreszeit eine Kiste mit Halogen-Strahlern gesichert, denn Energiesparlampen waren zu dunkel, ihre Lichtfarbe zu krank, und die damaligen LEDs so unattraktiv funzelig, dass man sie einfach nicht haben wollte, und sich auch nicht vorstellen konnte, das würde sich jemals ändern.
Inzwischen habe ich mein LED-Projekt vollständig abgeschlossen. Alle, aber auch wirklich alle Lampen, angefangen bei den kleinsten G4 bis zur großen E27 sind auf LED-Leuchten umgestellt, perfekt aufeinander abgestimmt mit 3000 K, also nicht zu warm, aber auch nicht zu kühl.
Und ich kann kaum glauben, wie gut sich die Technik inzwischen entwickelt hat! Einige E14 in Tropfenform ballern fette 600 Lumen in die Räume, so viel Licht haben früher selbst Deckenlampen mit drei Halogenleuchten nicht zu leisten vermocht. Dabei verschleudern sie nur lausige drei mit zehn Watt, weshalb es auch keine Sünde ist, einfach ein paar gemütliche Lampen mehr im Raum zu verteilen. Meine fünf Wohnzimmerlampen haben zusammen gerade mal 38 Watt. Das hätte früher nicht mal für eine Halogenlampe gereicht.
Heimlich und beschämt habe ich inzwischen meine Altlampenvorräte in der Recyclingbox des örtlichen Supermarktes entsorgt. Die Dinger hätte ich garantiert nie, nie, nie wieder benutzt.

Wusstet Ihr schon, warum der Albatros Albatros heißt? Nein? Na, dann schaut Euch mal seinen Flugstil an! Sieht total alba aus!
Wann immer ich Paketklebeband nutze, schießt mir derselbe Gedanke durch den hohlen Schädel. Denn jedes Mal reißt beim Abziehen von der Rolle das Band irgendwo ein, und dann muss ich zehn, zwanzig Zentimeter mehr abziehen, als ich eigentlich wollte. Dann sehe ich im Geiste in der Vorstandsetage von Tesa immer die Sektkorken knallen, angesichts ihres teuflischen Husarenstücks, das Klebeband exakt so dick zu machen, dass es Pakete sicher zusammenhält, aber auch exakt so dünn, dass es beim Abziehen von der Rolle einreißt. Ein hübsches Nebengeschäft für den Hersteller, wenn der Kunde nur grob geschätzt drei Viertel des Bandes effektiv nutzen kann.
Noch viel teuflischer ist jedoch das Klebstoff-Entfernungsspray. Damit löst man zum Beispiel Etikettenreste leichter ab, als mit anderen Reinigungsmitteln. Echt clever, den Klebstoff exakt so zu dosieren, dass er hält, was er halten soll, und sich hinterher, wenn er nicht mehr halten soll, nur mit kostenpflichtigem Zubehör entfernen lässt.
Erst verdient man also am Klebstoff und danach am Mittel, das den Klebstoff entfernt.
Teufel noch mal, warum komme ich nie auf solche Ideen?
Ich hatte Mitleid. Boschi, mein alter Kühlschrank, der seit rund dreißig Jahren emsig seiner Arbeit nachging und auch im Sommer, bei über 35°C, nicht schlapp machte, durfte endlich in Rente gehen. Dem Kundendienstmitarbeiter, der sich meinen defekten Geschirrspüler anschaute, fiel mit halbem Ohr bereits am Geräusch des Kühlschranks auf, dass der Kompressor „arg verschlissen“ sei.
In den letzten Wochen wurde das Geräusch immer lauter und gemahnte mich, den alten Herren endlich zu pensionieren, was ich nach einer innigen Umarmung zum Abschied auch schweren Herzens tat.
Der neue Boschi (meine Bosch-Geräte haben alle denselben Spitznamen, außer die Waschmaschine, die heißt Boschuline) ist gut 25 Zentimeter höher als der alte, hat auch zwei Fächer mehr, und dennoch ist das gravierendste Probleme des alten Kühlschranks noch immer nicht verschwunden. Es heißt „Kühlschrank-Schach“ und resultiert aus dem immerwährenden Platzmangel im Inneren des Geräts.
Kennt Ihr das? Ihr wollt etwas neues in den Kühlschrank stellen und müsst dafür erst mal etwas anderes zur Seite stellen, eventuell sogar mehrere Töpfchen, Kännchen, Tässchen oder Becherchen umräumen? Eventuell fliegt sogar was raus, wenn gar kein Platz mehr vorhanden ist. So wie Figuren auf einem Schachbrett umherkommandiert werden. Kühlschrank-Schach eben.
Um für die Teekannen Platz zu schaffen, flogen heute früh die Schokomilch-Vorräte raus. Die sind nämlich homogenisiert und müssen nicht dringend gekühlt werden.
Schachmatt für Schwarz.
Lieber Adi Dassler,
wenn früher, zu DDR-Zeiten, die anderen Mitschüler mit blauem Pelikano-Füllfederhalter, Tikky-Spezial-Feinbleistiften sowie in coolen Levis-Jeans und Adidas-Turnschuhen zur Schule kamen, verursachten Sie damit bei mir ungewollt einen unstillbar glühenden Neid auf all die tollen Dinge aus dem Westen, die ich mir nicht leisten konnte, weil meine Westverwandtschaft nun mal irre geizig oder vielleicht auch einfach nur so irre war, zu glauben, der Sozialismus sei tatsächlich die Krone der gesellschaftlichen Entwicklung, und uns, den sowjetzonalen Ostverwandten werde es schon gut gehen.
Sicher – hungern und frieren mussten wir nicht. Aber kratzige Heiko-Füllfederhalter, Boxer-Jeans und Germina-Turnschuhe machten nun mal nicht glücklich, daher war ich heilfroh, als die D-Mark kam, und somit das bunte Reich der Westwaren auf Erden Einzug hielt. Fortan mutierte ich zum Streifenhörnchen und trug nur noch die schnieken drei Streifen der Weltmarke Adidas an den müffelnden Ostmauken.
Doch nun, über dreißig Jahre später, lieber Adi, würdest Du wohl im Grabe rotieren, wenn Du wüsstest, was die Aktiengesellschaft, deren vorwiegendes Interesse wohl nur noch dem Profit gilt, aus Deiner Schuhmacherbude gemacht hat. Kürzlich wechselte die deutsche Fußballnationalmannschaft den Sponsor und trägt fortan die amerikanische Marke mit dem „Swoosh“, wie sie sich selbst bezeichnet. Aber warum? Lag’s vielleicht an der schlechten Qualität?
Ich hatte sie alle: Samba, Gazelle, Grand Prix, Campus, Chile 62, aber in den letzten Jahren bin ich irgendwie bei LA Trainer hängengeblieben, die Schuhe mit den drei bunten Stöpseln in der Sohle. Die waren mir schon als Ostjungspund aufgefallen, wenn die westlichen Jungspundhorden einen Tagesausflug nach Ostberlin unternahmen und mit ihren bunten Westturnschuhen das trist-graue Stadtbild verschönerten.
LA Trainer gibt es immer noch. Doch leider hat die Qualität enorm nachgelassen. Oder fingen vor über dreißig Jahren die Schuhe auch schon nach zwei bis drei Monaten an, sich aufzulösen? Irgendwem bei Adidas muss doch mal auffallen, dass der Stoff, der für Obermaterial und Innenfutter benutzt wird, nicht robust genug und damit für Schuhe ungeeignet ist. Dabei trage ich sie maximal zwei Stunden am Tag, nämlich auf dem Hin- und Rückweg. Im Büro und zu Hause natürlich nicht, da trage ich Latschen. Sie befinden sich in einem Monat also maximal 60 Stunden an den Füßen, da sollte man doch annehmen, dass sie ewig halten, findest Du nicht? Ich meine, wie würden die Dinger erst aussehen, wenn ich sie den ganzen Tag malträtierte?
Auch die Sohlen sind übrigens ein Witz und nach wenigen Monaten schon so stark abgenutzt, dass nur der Gang zum Schuster oder zur Mülltonne bleibt, was übrigens erstaunlich ist, denn Sohlenmaterialien sind seit langem gut erforscht. Man weiß genau, welches Material welche Eigenschaften hat und mehr oder weniger gut haltbar ist. Die ersten Untersuchungen diesbezüglich gehen übrigens bereits auf die Nazis zurück. Im Konzentrationslager Buchenwald ließ man ausgemerkelte Häftlinge wochenlang einen kreisförmigen Hindernisparcours absolvieren, bestückt mit unterschiedlichen Materialien wie Pflastersteinen, Schotter, Sand usw., um herauszufinden, welche Materialien für Wehrmachtsstiefel am geeignetsten sind.
Wenn Schuhe also heutzutage noch stark verschleißen, so ist das entweder Dummheit oder übersteigertes Profitstreben, im Sinnen von – wenn die Schuhe nicht lange halten, müssen die Kunden eher wieder neue kaufen. Und da hört für mich der Spaß auf! Die LA Trainer sind so teuer, dass sie auf jeden Fall länger halten sollten, als von Ostern bis Pfingsten.
Also, lieber Adi, ich weiß, Du warst Schuhmacher aus Leidenschaft, drum ruf doch bitte mal beim Vorstand an und rücke die Dinge wieder gerade. Qualität ist nämlich wichtig, sonst kaufen die Kunden irgendwann andere Marken, und dann verliert Adidas nicht nur die deutsche Fußballnationalmannschaft.
Die schlechtesten und gleichzeitig teuersten Schuhe meines sportlichen Daseins auf Erden kamen übrigens von Nike. Dort fielen schon nach wenigen Monaten angeklebte Teile der Sohle ab. Außerdem bekamen Sie Löcher im Obermaterial und die Schnürsenkel rissen. So was hatte ich bis dahin noch nie erlebt.
Die besten Schuhe kamen von Asics. Mit denen treibe ich seit acht Jahren Sport im Fitnessstudio, zweimal die Woche, und sie werden dabei hart rangenommen. Inzwischen zeigt sich beim Innenfutter an der Ferse eine harmlose leichte Aufhellung. Eigentlich kaum erwähnenswert.
Vielleicht suche ich mir demnächst doch mal eine neue Lieblingsturnschuhmarke.
Sei dreifach gegrüßt!
Dein Sunlion


