Ich verfluche den Tag, an dem ich mich aus purem Patriotismus bereiterklärte, für das Unternehmen, welches ich seit einigen Jahren mit meinen generalistischen Fähigkeiten beglücken darf, eine neue Reinigungsfirma zu finden. Seit diesem Tag hängt mir das Problem nämlich an der Backe. Die gute alte Frau B., welche sich nebenbei zu ihrer kärglichen Rente etwas dazuverdienen wollte, die freitags stets pünktlich um 17 Uhr zur Reinigung erschien, sodass man die Uhr nach ihr stellen konnte, und die alle Arbeiten in makelloser Qualität erledigte, entschied sich eines Tages, ihre freie Zeit als Rentner zukünftig weniger in den Dienst unseres Unternehmens zu stellen, setzte sich auf die heimatliche Couch und damit zur wohlverdienten Ruhe. Anschließend begann eine Odyssee durch die Abgründe des deutschen Fachkräftemangels. Das damals beauftragte Unternehmen, welches uns Frau B. vorbeigeschickt hatte, konnte keine Ersatzkräfte auftreiben, ließ daher vereinbarte Termine einfach unangekündigt ausfallen, stellte diese aber trotzdem in Rechnung. Nach fristloser Kündigung durch uns und Ausschreibung der freien Stelle meldeten sich erstaunlich viele Interessenten, von denen aber 99,9 Prozent ebenfalls unangekündigt nicht zum vereinbarten Probeputzen erschienen. Mit den verbliebenen 0,01 Prozent kam es dann zum Vertragsabschluss, aber was bedeuten schon Unterschriften auf einem Stück Papier, wenn die zu uns gesandten Reinigungskräfte nicht erscheinen, am falschen Tag vorbeikommen, die vereinbarten Aufgaben nicht ausreichend gut oder gleich gar nicht ausführen oder unsere Belegschaft inklusive Chefetage durch unangebrachtes Duzen in den Wahnsinn treiben. Wenn es nur das wäre, könnte man in heutigen Zeiten, wo selbst seriöse Banken anfangen, sich bei Kunden und potentielle Interessenten ein-Du-schleimen, vielleicht ein oder zwei Augen zudrücken, aber wenn es das einzige ist, was sie gut können, stattdessen aber die Arbeitsergebnisse zu wünschen übrig lassen, dann ist das in höchstem Maße inakzeptabel. Wenn nach dem Reinigen der Toilette auf der blütenweißen Brille ein deutlich sichtbares, dickes schwarzes, etwa vier Zentimeter langes Haar zurückbleibt, und auf dem reinweiß gefliesten Boden ein ebenso dickes, schwarzes, zwanzig Zentimeter langes Haar frohlockt, dann ist die zuständige Reinigungskraft entweder blind oder blöd. Nach nunmehr drei Jahren kämpfen wir mit der dritten Reinigungsfirma diesen scheinbar aussichtslosen Kampf, wobei der nette, sehr engagierte Geschäftsführer Herr R. auch nicht viel ausrichten kann, wenn seine Mitarbeiter einfach nicht erscheinen, sich nicht zurückmelden oder sogar unfähig sind, ihm ihre Kontoverbindung mitzuteilen, damit er den Lohn überweisen kann. Praktisch alle Reinigungskräfte, die er vorbeischickte, kamen nicht aus Deutschland, die letzten vier beherrschten die deutsche Sprache nicht, was nicht zwingend Voraussetzung ist, wenn man sich notfalls auch auf Englisch verständigen kann. Aber selbst dann ist es unverständlich, warum Anweisungen nicht richtig ausgeführt werden. Nachdem der vorletzte Mitarbeiter dreimal nicht erschienen war und weder bei uns, noch bei seinem Chef abgesagt hatte, haben wir nun einen neuen angefordert. Der kam gestern auch zur vereinbarten Zeit, aber mein dringender, dreimal (!) geäußerter Hinweis, aus hygienischen Gründen bitte die zuerst die Küche, danach alles andere, und zuletzt die Toiletten zu reinigen, murmelte nur ein paar Sekunden im hohlen Schädel des Mitarbeiters umher, um ihn anschließend zum WC-Reiniger greifen und in Richtung der Toiletten stürmen zu lassen. Resignierend verbiss ich meine Wut, aber er wollte wohl nur das Reinigungsmittel auftragen, damit es Zeit zum Einwirken hat, denn er kam gleich zurück und fuhr mit der Küchenreinigung fort. Als wären mein dreifacher Hinweis nie geäußert worden, lief er anschließend zu den Toiletten, und – damit fertig – in die Büros, um nun hemmungslos mit denselben Gummihandschuhen und Lappen die potentiell gefährlichen Keime des Feuchtbereichs auf Tischen und Schränken zu verteilen. Herr, um Gottes Willen, lass ausgebildete Fachkräfte vom Himmel regnen!
Ich habe heute mein geliebtes Desktophintergrundfoto von 2019 gegen ein neues ausgetauscht. Das alte stammte vom Werbellinsee, aufgenommen auf dem Bootsanleger der Fischerei. Wenn das Wetter wieder schöner wird, lohnt sich ein Ausflug dorthin, es gibt gebratenen Fisch mit Kartoffeln und Salat oder Kartoffelsalat.
Das neue Bild stammt aus Doha und wurde in der Nähe des Amphitheaters im Katara Cultural Village aufgenommen. Macht sich super mit zwei Bildschirmen nebeneinander! Und ein Ausflug dorthin lohnt sich ebenfalls, es gibt bestimmt auch jede Menge Fisch, nur die Anreise dauert geringfügig länger als zum Werbellinsee.
Schon ulkig, dass sich ausgerechnet die Werteunion, die nach eigenem Verständnis für traditionelle Werte eintritt, mit neumodischer Binnenversalie schreibt. Ein Fehltritt, den kein traditioneller Lektor oder Schriftsetzer jemals zugelassen hätte.
Eigentlich dachte ich, ich wäre in Doha, der Hauptstadt des arabischen Staates Katar, als ich aus der elften Etage meines Apartments bei angenehmen 24°C auf das türkisfarbene Wasser und die eindrucksvolle Kulisse der halbkreisförmigen Katara Towers schaute, die ein wenig an das allsehende Auge aus Herr der Ringe erinnert, und wunderte mich über den hier und da auftauchenden Begriff Lusail. Dann kombinierte ich, es müsse sich um einen Stadtteil von Doha handeln, so wie Pankow ein Teil von Berlin ist. Aber Wikipedia belehrte mich eines Besseren und beschrieb Lusail als einen Ort, direkt neben Doha gelegen, wo die letzte Fußballweltmeisterschaft stattfand, welche ich, wie die meisten Fußballveranstaltungen zuvor auch, schnöde ignoriert hatte. Doch eins nach dem anderen: Die letzten Jahreswechsel hatte ich in den Emiraten verbracht, zuerst in Dubai, dann in Abu Dhabi, beides interessante Städte, die aber von Berlin aus leider noch immer nicht direkt zu erreichen sind, sondern stets nur mit Zwischenstation in Doha. Warum also spare ich mir nicht einfach das Umsteigen und schaue mir stattdessen mal Doha an? Keine schlechte Idee, wie sich herausstellte, denn Klima, Menschen und Kulturkreis sind durchaus vergleichbar mit den beiden anderen arabischen Städten, das sommerliche Winterwetter ist identisch, die Preise ähnlich teuer oder günstig, je nachdem, was man kaufen möchte, und fünfmal am Tag ruft der Muezzin zum Gebet, was dem Orient seinen orientalischen Reiz verleiht, denn außer der Bekleidung der Einheimischen unterscheidet Arabien sich augenscheinlich nicht mehr so sehr vom globalisierten Westen. In den Geschäften gibt es dasselbe wie bei uns, die Jeans, Lebensmittel und Kosmetika stammen entweder aus den USA, Fernost oder von hier, also von einheimischen Betrieben, was bei Milch und Säften geschmacksmäßig keinen Unterschied macht. Sogar tiefgefrorene Erdbeeren habe ich hier in der Tiefkühltruhe gefunden, womit ich meine Ernährung nicht groß umstellen musste. Nur der Bautz‚ner Senf fehlte mir schon sehr, denn der amerikanische schmeckt unangenehm säuerlich, nach Branntwein und Essig. Aber Hauptgrund für meine Flucht aus Berlin war auch dieses Jahr wieder die Abwesenheit von Krawall und Knallerei, denn weder in den Emiraten noch in Katar können Privatleute Feuerwerk erwerben. Das staatlich verordnete Raketenspektakel in Lusail war nach erträglichen sieben Minuten vorbei und auch nur in der Ferne, versteckt hinter Hochhäusern zu bewundern, sodass es ein entspannter Abend wurde. Statt tausender Polizisten wie in Berlin, die sich gewalttätige Straßenschlachten mit Verrückten liefern mussten, was von der deutschen Presse inzwischen schon als normal bezeichnet wird (welch ein Irrsinn!), war hier auf den Straßen nicht ein einziger Polizist zu entdecken. Vor der Handvoll Clubs, die es hier gibt, standen sich, statt langer Besucherschlangen, nur vereinzelte Türsteher die Beine in den Bauch, denn laute Musik, Alkohol und westlich geprägtes Balzverhalten sind in diesen Breiten nicht besonders stark ausgeprägt. Die Menschen spazieren lieber den Boulevard am Meer entlang, genießen diverse Snacks und amüsieren sich im Vergnügungspark mit Riesenrad und Karussells. Demzufolge musste am Folgetag auch nicht erst aufgeräumt werden, denn was da noch herumlag, lag auch vor Silvester bereits herum. So konnte ich ungehindert meiner Auslands-Lieblingsbeschäftigung nachgehen und sandalenbeschuht spazierengehend bunte Bilder erhaschen.
Obwohl es sich bei den zwei Hotels in den Katara Towers um Etablissements der gehobenen Klasse handelt, ist es kein Problem, auch ohne Anmeldung und Buchung die Hotellobby zu betreten, was nicht überall gern gesehen wird, siehe „Sunlions Reiseverführer – Abu Dhabi, Dubai, Mauritius“:
Was für Dubai der Stadtteil Marina ist, heißt in Doha The Pearl Quatar: Auf einer künstlichen Halbinsel eilig hochgezogene „Plattenbauten“ zur Zuwanderer-Massenunterbringung, nicht ganz so hässlich wie einst in Berlin-Marzahn, aber auch nicht viel anders, wenn man mal genau hinschaut. Im Grunde so was wie Hühnerfarmen für reiche Hühner, die dann dicht auf der Stange gedrängt vor sich hin brüten können, abseits der Wohngegenden für Bio-Araber (das Pendant zum Bio-Deutschen), die lieber unter sich bleiben, was man ihnen nicht verübeln kann, angesichts der häufigen Verstöße von Ausländern gegen einheimische Sitten und Gebräuche. Glücklicherweise sind Touristen in Doha noch deutlich in der Unterzahl, weshalb die meisten Wohnungen leerstehen. Wenn man so will, ist Katar noch arabisches Kernland. Auf den Straßen sieht man hauptsächlich arabische Frauen und Männer in ihren typischen traditionellen Gewändern und natürlich viele Gastarbeiter aus dem indischen und pakistanischen Bereich. Von denen bringen es einige offenbar zu enormem Wohlstand, denn die größeren Yachten, die hier vor Anker liegen, können schon mal um die 10 Millionen Euro kosten:
Und jetzt sagt nicht, die Häuser auf dem letzten Foto erinnern nicht an Marzahn!?
Der Reichtum einer Stadt verbirgt sich übrigens nicht nur in den großen Dingen, sondern vor allem in den kleineren Details und offenbart sich nur dem, der ein Auge dafür hat. So kann man überall gepflegte Grünanlagen entdecken, und die Mauern rund um die zahlreichen unterirdischen Parkhäuser sind nicht etwa aus Beton. Auch nicht aus schnöden Ziegeln. Nein, sie sind aus teurem Granit:
Nachfolgende zwei Fotos zeigen eine der berühmt-berüchtigten Einkaufszentren, die in der arabischen Welt allesamt drei Nummern größer ausfallen als in Deutschland, was vermutlich darin begründet ist, dass es hier in der Wüste genug Platz gibt. Unverständlich ist mir jedoch, dass in geschlossenen Räumen meist eine grauenhafte Kälte herrscht, so als hätten die Klimaanlage nur einen Ein- und Ausschalter, aber keine Temperaturregelung. Werte zwischen 18 und 20°C sind hier völlig normal, was erstaunlich ist, denn in Mitteleuropa gelten 22°C als ergonomisch empfehlenswerte Wohlfühltemperatur. Diese wird vom größten Teil der Bevölkerung als angenehm empfunden. Erhöht oder reduziert man sie um nur ein Grad, fangen die Leute an, herumzunörgeln, es sei zu kalt oder zu warm. Und jedes Grad mehr geheizt oder gekühlt verursacht drei Prozent höhere Kosten. Man kann mit diesem Wissen ausgestattet also viel Geld sparen und Leute glücklich machen. Doch hier in Arabien sind die Temperaturen viel höher, man sollte also annehmen, dass in Innenbereichen auch Werte um 24°C als angenehm kühl empfunden werden, wenn draußen im Sommer um die 55°C erreicht werden. Doch dass ich nur ein Foto von drinnen mitgebracht habe, lag nicht allein am frostigen Klima, sondern auch am frostigen Hinweis eines Sicherheitsmitarbeiters, fotografieren mit professionellen Kameras sei nicht gestattet, nur Handyfotos seien erlaubt. Das war jetzt gelogen, in Wirklichkeit war der Mann hinreißend höflich, fragte zuerst in bestem britischen Behavior, wie denn das werte Befinden so sei, und ob es mir etwas ausmache, wenn ich statt meiner fetten Angeber-Spiegelreflexkamera doch lieber ein Smartphone zum Knipsen benutzen würde, denn … Einen Grund konnte er mir nicht nennen, auch die anderen Sicherheitsmitarbeiter an verschiedenen Orten der Stadt nicht, die ebenfalls meine Kamera nicht mochten, weshalb ich zwei Polizisten fragte, ob es denn eine behördliche Weisung gäbe, worauf sie nur verständnislos milde lächelten und versicherten, ich könne fotografieren, was immer ich wolle und jede Kamera dafür nutzen, die mir gefalle, wobei traditionell hier und auch in jedem anderen Land das Ablichten von militärischen Anlagen, Einwohnern ohne deren Einverständnis und im Inneren von Moscheen durch Ungläubige nicht so gern gesehen wird. Ich als Marketing Manager irgendeines beliebigen Unternehmens würde ja eher Handyfotos verbieten, weil Profikameras die qualitativ besseren Fotos liefern, aber wer bin ich schon, dass ich als schnöseliger Hobbyknipser irgendwem irgendwas vorzuschreiben hätte.
Leider konnte ich auf die Schnelle nicht herausfinden, was genau „Corniche“ bedeutet, eine berühmte Person scheint es nicht zu sein, dennoch gibt es Corniche-Straßen sowohl in Dubai, Abu Dhabi als auch in Doha, und immer sind es Straßen an der Küste entlang, wobei Abu Dhabi die schönste hat, es ist nämlich ein gleichnamiger Boulevard mit einem kilometerlangen Strand. Dieser Strand fehlte mir in Doha, öffentliches Baden ist hier anscheinend nicht so verbreitet, was nicht verwunderlich ist, denn dazu müsste man wenigstens Badebekleidung tragen, und die Menschen hier tragen meist traditionelle lange Gewänder, Frauen sind häufig verschleiert, sodass es überraschend wäre, wenn sie am Strand plötzlich im Badeanzug umherspringen täten.
In einigen Stadtteilen findet man westlichen Städten nachempfundene Architekturen, zum Beispiel folgende, der ich aber mangels Erinnerung keinen Namen mehr zuordnen kann. Sogar eine eingleisige Straßenbahn fährt dort, allerdings nicht besonders oft:
Der berühmte Markt Souq Waqif wurde ab dem 19. Jahrhundert errichtet, 2006 renoviert und bietet zwischen unvermeidlichen Souvenirshops auch klassische Geschäfte mit Gewürzen und Düften sowie Restaurants und Cafés. Ein winziges Eis in der Waffel kostete dort umgerechnet freche fünf Euro, weshalb ich mir für den gleichen Wert lieber eine Riesenpackung Vanilleeis im Supermarkt spendierte.
In direkter Nähe des Souq Waqif befindet sich auch das Museum für Islamische Kunst. Da es im Internet genug Bilder der Ausstellung gibt und ich durch meine als Historiker tätigen Eltern ohnehin schon alles gesehen habe, was sich sinnvollerweise in Museen ausstellen lässt, beließ ich es bei einer Bewunderung von außen:
Auch recht interessant ist das Katara Cultural Village; mit seinen alten oder auf alt gemachten Gebäuden ähnelt es ein wenig dem Souq Waqif, aber das macht ja nix, denn man kann es gratis besichtigen. Der Zugang wird, wie sollte es anders sein, natürlich von einem Einkaufszentrum belagert, man kann also das gesparte Eintrittsgeld gleich wieder ausgegeben.
Es gibt dort eine Moschee, die man auch als Ungläubiger betreten darf, ohne augenblicklich zu Staub zu zerfallen. Sogar Fotos sind erlaubt. Ich hatte jedoch den Eindruck, dass meine Anwesenheit inmitten all der Betenden nicht unbedingt angebracht ist und beließ es bei einem kurzen Tête-à-Tête mit Allah. Meinem Wunsch, den prall gefüllten Eurojackpot zu knacken, entsprach er trotzdem nicht. Vielleicht versteht er ja kein Deutsch.
Es war schön, so mitten im Winter etwas warme Sommerluft schnuppern und all die kleinen und großen Probleme tiefgefrostet zu Hause lassen zu können. Nach zweieinhalb Wochen Müßiggang bin ich jedoch auch froh, wieder daheim zu sein. Die Fremde heißt wohl nicht ohne Grund so wie sie heißt, sondern weil sie einem, im Gegensatz zur Heimat, doch immer ein wenig fremd bleiben wird.
Wenn ich so was lese, wird mir Angst und Bange um die Zukunft. Mich erinnert das an den apokalyptischen Spielfilm Strange Days, in welchem kurz vor dem Jahreswechsel 2000 ähnlich krawallartige Zustände auf den Straßen herrschten. Doch im Unterschied zu heute gab es solche Zustände 1995, dem Zeitpunkt der Entstehung des Films, noch nicht. Auch aus Dubai und Abu Dhabi, wo ich die letzten Silvester verbrachte, kann ich über solche Zustände nicht berichten. Im Gegenteil – Polizei war dort nur wenig auf den Straßen zu sehen. Irgendetwas scheint bei uns gewaltig schiefzulaufen. Also wo auch immer Ihr gerade seid: Rutscht gut rein! Bis nachher!
Nachfolgender Text ist für alle glücklichen Besitzer eines Denon-DP-47f-Plattenspielers, die wie ich ein Problem mit dem plötzlich festhängenden Tonarm haben. Allen anderen Lesern empfehle ich meine weniger techniklastigen Beiträge.
Schon seit längerer Zeit bekümmerte mich der Umstand, dass der Tonarm dieses erstklassigen Denon-Vollautomaten nicht mehr vollautomatisch die gewünschten Platten abspielen wollte. Er hing in seiner Halterung fest und benötigte stets einen kleinen Stups, um sich in Bewegung zu setzen. Sämtliche Recherchen im Internet führten ins Leere, und so blieb das Problem bestehen. Plattenhören nur mit Stups. Daher möchte ich an dieser Stelle eine Anleitung für die Behebung des Problems anbieten.
Heute, einen Tag vor Weihnachten, hatte ich endlich mal Zeit, mich wieder damit zu befassen und bastelte am Denon herum, was nicht ungefährlich ist, weil es sich um ein Meisterwerk … ach, fast schon ein Wunderwerk japanischer Ingenieurskunst handelt, ein Gerät aus der Hochzeit der Hifi-Industrie der Achtzigerjahre: Ein Plattenspieler mit quarzverriegelter Geschwindigkeit und servogesteuertem Tonarm. Man muss sich das so vorstellen: Herkömmliche Tonarme bestehen im Wesentlichen aus einem langen Rohr, welches über Achsen und Lager beweglich mit dem Gehäuse verbunden ist. Beim Denon ist der Tonarm mit Sensoren gespickt und motorisch gesteuert. Die technisch beste Art, Schallplatten abzutasten. Hat die Platte einen Höhen- und/oder Seitenschlag durch Verformung und/oder dezentriertes Mittelloch, registrieren die Sensoren die Bewegung des Tonarms, berechnen die Bewegung für die nächste Plattenumdrehung voraus und synchronisieren die Tonarmbewegung mit dem Plattenschlag. Der Arm hat also stets die perfekte Auflagekraft, was man auch hören kann. Meine verzogene „Wish you where here“ von Pink Floyd leiert auf herkömmlichen Plattenspielern ganz erbärmlich, denn durch einen kräftigen Höhenschlag bei Titel 1 wird aus der Synthiefläche von „Shine on your crazy Diamond“ eine Leierkastenorgel, weil die Nadel am Höhenschlag stark eingedrückt wird. Der Denon hingegen spielt die Stelle sauber ab, kein Leiern, stattdessen perfekte Musik! Wegen all dieser komplizierten Technik ist es daher aber auch schwierig und gefährlich, das Gerät zu öffnen und mal eben den Tonarm auszubauen. Eine falsche Schraube gelöst, ein falsches Kabel zu sehr gedehnt oder abgerissen, schon hat man ein Problem, dass sich mangels Ersatzteilen und auch Fachleuten nicht mehr lösen lässt.
Die Strategie ist also, möglichst wenig zu verändern und auseinanderzunehmen. Mit diesem Vorsatz schraubte ich heute den unteren Deckel ab und versuchte mehr oder weniger gut, das innenliegende Kugellager des Tonarms mit Wattestäbchen und WD40 zu reinigen und anschließend zu ölen. Leider brachte dies keine Besserung, der Tonarm hing noch immer fest.
Also schraubte ich alles wieder zusammen und versuchte mit selbstgebasteltem Werkzeug (eine Kreditkarte mit angetackertem Stoff und WD40) das obere Kugellager zu reinigen, was wegen des niedrigen Spalts zwischen Tonarm und Gehäuse fast unmöglich ist. Lediglich das Ölen des Lagers klappte irgendwie mit einem flachen Uhrmacherschraubenzieher. Doch auch das brachte keine Besserung.
Um das Öl besser zu verteilen, schwenkte ich den Arm hin und her, unbeabsichtigt auch hoch und runter. Dabei fiel mir ein knarzendes Geräusch im Bereich des Tonarmlagers auf. Es kam aus dem „Nebenlager“ der Tonarmführung. Diese besteht aus einer Führung (wie ein Kugelschreiber) und einem darin beweglich gelagerten Stift (wie eine Kugelschreibermine). Dieser Stift ist in der Führung gefedert aufgehängt, ragt unten heraus und hat am Ende eine Gummikugel, die auf einer halbkreisförmigen Fläche auf dem Gehäuse gleitet. Ich habe den Stift auf nachfolgendem Foto rot markiert:
Wenn mechanische Teile knarzen, sollte man gut zuhören und es nicht einfach ignorieren, dann wollen sie einem etwas Wichtiges mitteilen, sie betteln dann nämlich lauthals um Schmierung! Also ließ ich von oben einen Tropfen Feinmechanikeröl auf den Stift fallen, drückte in mehrmals hoch und runter … und siehe da – das Knarzen war verschwunden! Der anschließende Test zeigte auch sofort, dass der Tonarm nicht mehr festhing, sondern sich wieder ganz normal bewegte. Nach kurzem Durchdenken ist mir nun auch klar, was genau das Problem gewesen ist: Wenn der Stift sich nicht frei in der Führung bewegen kann, dann kann er im laufenden Betrieb nicht leicht genug in die Führung hineingleiten, er leistet also Widerstand, was sich in erhöhtem Druck der Gummikugel auf die halbkreisförmige Lauffläche bemerkbar macht, was wiederum den Tonarm in seiner Seitwärtsbewegung hemmt. Oder anders formuliert: Der Tonarm läuft mit angezogener Handbremse. Somit würde ich erst mal davon ausgehen, dass das Problem damit gelöst ist. Wenn der Arm sich in ein paar Monaten noch immer frei bewegen kann, wird es das wohl gewesen sein! Vielen Dank noch mal an @Lucky_8473 aus dem Hifi-Forum für das Richten meiner Aufmerksamkeit auf die seitliche Tonarmführung, sonst wäre ich wohl nicht so schnell drauf gekommen!
Drei Jahre lang hab ich keine neue Miss Sunlion auserwählt, weil ich keine Muße hatte für die Muse, aber nun, gerade noch rechtzeitig zum Jahresende, wähle ich eine echte Miss zur Miss Sunlion, nämlich Ève Gilles, die neue Miss Frankreich. Angeblich streiten sich die Herr- und Damenschaften aus dem Land der Liebe über das Ergebnis, die hübsche Ève hat nämlich kurze Haare. Das sollen wohl einige Streitsüchtige als zu woke empfinden, wobei ich mich frage, was eine Kurzhaarfrisur mit Wokeness zu tun hat. Der größte Teil meiner verflossenen Gespielinnen hatte bereits kurze Haare, als es das Wort „woke“ noch gar nicht gab. Und sie hatten deshalb kurze Haare, weil ich da nun mal drauf stehe, denn Frauen mit kurzen Haaren wirken jung und frisch und frech und überaus selbstbewusst. Keine Ahnung, was es da zu streiten gibt. Die charmant-elegant-anmutige Miss Éve Gilles jedenfalls finde ich hübsch und süß und überaus flauschig, ganz im Gegensatz zu all den tätowiert-gepiercten, Springerstiefel tragenden Bauerntrampeln, die inzwischen in Berlin umherstampfen. Und eine echte Bio-Frau scheint sie auch zu sein (da muss man ja heutzutage vorsichtshalber erst mal nachschauen). Daher geht der Titel „Frau mit Esprit“ dieses Jahr an die wundervolle Éve Gilles. Und es ist mir so was von schnurzpiepegal, ob Miss-Wahlen heutzutage noch woke sind oder nicht.
Viva la miss france!
Schaut nur, wie elegant und anmutig dieses märchenhafte Feenwesen dahinschwebt:
Nun hab ich ihn rausgeschmissen. Es reichte. Schnauze voll. Mein Xerox-Farblaserdrucker mochte kein Papier mehr einziehen. Okay, er war acht Jahre alt, aber ist das denn schon Grund genug, hier rumzuzicken? Er hatte doch nichts auszustehen, bei mir zu Hause. Keine tausend Seiten hab ich insgesamt damit gedruckt. Schon der Beginn unserer Beziehung war nicht sehr erfreulich: Das Druckbild war verschoben, ein Nachkalibrieren, wie so oft, für den Benutzer unmöglich. Es sei denn, dieser geht dem Hersteller so lange auf die Kartusche, bis er einem den Zugangscode für das Administratoren-Menü verrät, denn anderenfalls müsste er einen Techniker vorbeischicken, was teurer ist. Mit diesem Geheimwissen ausgestattet, gelang es mir, alles so einzustellen, wie ich es haben wollte. Kommt Zeit, geht Mac, kommt Windows-PC, leider mit einem recht beschissen programmierten Treiber, der alles wieder über den Haufen warf und auch die Farben nicht so wie gewünscht drucken konnte. Mit ein wenig Trickserei konnte ich auch das hinbekommen, aber heute nun mochte er mein Papier nicht mehr, obwohl von edelster Sorte, blütenrein weiß und luxuriös glatt, so wie Printmedien-Designer wie ich es nun mal mögen. Und da hat’s mir dann gereicht! Ich hab ihn rausgeschmissen. Er lehnt nun hochkant an der Wand meiner Garage und wird demnächst im Kofferraum meines geliebten Golfilinchens seine letzte Fahrt antreten, zum Recyclinghof. Ich habe nicht mal den teuren Resttoner rausgenommen, so wütend war ich. Denn mein Entschluss steht fest: Ich kaufe nie, nie wieder einen Drucker! Immerhin war das schon mein vierter! Der erste kam von Epson, ein tausend Deutschmark teurer Tintenstrahlfarbdrucker mit einer Vierfarbpatrone, die immer dann, wenn ich etwas drucken wollte, plötzlich ausgetrocknet war. Auf so was muss man auch erst mal kommen! Der zweite war von Minolta, groß, schwer und furchtbar kostspielig. Und trotzdem von schlechter Qualität, in vielerlei Hinsicht. Danach folgte ein kleiner Xerox, mit recht guten Farben, aber auch verschobenem Druckbild. Dem Übergang zu Windows 10 konnte er mangels passendem Treiber leider nicht folgen. Und nun der dritte Farblaser – schwierig, sperrig, zickig. Irgendwie zeichnet sich für mich allmählich ein Muster ab. Entweder wollen die Hersteller keine guten Geräte produzieren oder sie konstruieren sie absichtlich so schlecht. Sagt mal, Jungs, testet Ihr Eure Produkte eigentlich auch mal, bevor Ihr sie rausschickt? Oder betrifft das nur die billigen Geräte? Denn die teuren in den Copyshops machen ja in der Regel ganz gute Ausdrucke. Nur hat eine Privatperson leider nicht mal eben so zwanzigtausend Euro im Sparstrumpf stecken, um sich so eine Profimaschine anzuschaffen. Wie auch immer, jetzt ist Schluss mit dem Quatsch! Copyshops gibt’s an jeder Ecke, und die drucken mir meine zwei, drei Puppenlappen im Monat für wenig Geld in super Qualität. Dann kauft Eure Drucker doch selbst, Ihr Tonerkasper.
Die Trailer waren eigentlich recht vielversprechend, enthielten aber bereits die wichtigsten, sehenswertesten Szenen. Quasi den ganzen Film im Kurzformat. Leider weiß man das erst hinterher, und nachdem ich mir den gefühlte achtmillionensiebenhundertneunundzwanzigtausenddreihunderfümpfundplumszich Stunden langen Film im Kino reingezogen habe, würde ich das Resümee ziehen: Optisch eindrucksvoll, aber aufgrund der verzettelten, viel zu detaillierten Kleinteiligkeit streckenweise viiiel zuuu laaangaaatmig. Mein Besuch im Samurai-Museum war doch deutlich interessanter.