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Verwirrende Zahlen

Neben vielen anderen kleinen Aufgaben bin ich in dem Unternehmen, welches mich anzustellen sich durchringen konnte, auch für die Vorauswahl der Bewerber zuständig. Nicht, dass ich Leute aussieben dürfte, weil mir deren Nase nicht passt, nein, ich muss nur prüfen, ob bestimmte Schlüsselwörter in der Bewerbung auftauchen, damit es überhaupt sinnvoll ist, sie nach oben durchzureichen. Ihr würdet nicht glauben, was da so alles reinkommt. Manche Bewerber haben durchaus aussichtsreiche Eigenschaften, vergessen jedoch, ihre Kontaktdaten anzugeben.
     Als ich noch zur Schule ging, war das Bewerten von Leistungen einfach. Es gab fünf Noten, von 1 bis 5, also von sehr gut bis beschissen. Das verstand jeder, und das konnte man sich auch merken. Heute läuft das irgendwie anders. Das Zeugnis einer mir vorliegenden Bewerbung enthält Ziffern wie 07, 10, 11 oder 09. Was sie bedeuten, steht nicht dabei. Wenn bei Mathematik also steht: 09, ist das dann gut oder schlecht? Neun auf einer Skala von zehn? Oder hundert? Oder tausend? Oder ist neun extrem schlecht und eine eins, wie früher, ausgezeichnet?
     Da am Ende irgendwie alles zusammengerechnet wird, scheint es sich um Punkte zu handeln, und dennoch steht die Frage im Raum, sind 09 Punkte in Mathematik gut oder schlecht, denn es steht nicht daneben, wie viel man denn maximal erreichen kann. Bei maximal möglichen 20 Punkten wären 09 also unterdurchschnittlich.
     Am Ende gibt es verschiedene Punktsummen und eine Gesamtpunktzahl. 490 Punkte von höchstens 900 Punkten sind verständlich, es handelt sich offenbar um einen mittelguten Wert, der dennoch keine Rückschlüsse über die Qualifikation in den einzelnen Fächern zulässt.
     Meeensch, Leute, wer soll da noch durchblicken?
     Dafür gibt’s von mir ’ne glatte 5!
     Setzen!

Das unaufhaltsame Ende

Über den Niedergang der Kultur wurde schon viel geschrieben, und auch der Niedergang des Römischen Reiches wurde namhaften Historikern zufolge von allerlei Exzessen und Entgleisungen begleitet. Aber wenn ein renommierter Preis, nämlich der Deutsche Fernsehpreis für das Dschungelcamp verliehen wird, eine Sendung, welche den krankhaften Narzismus und/oder die Hilfsbedürftigkeit von drittklassigen, sogenannten Prominenten ausnutzt und sie auf menschenverachtende, teilweise ekelerregende Weise gnadenlos zur Schau stellt, dann ist dieses Land bereits ein ganzes Stück weit vom rechten Pfad abgedriftet. So lasset denn alle Hoffnungen fahren …

Endlich weg!

Wilhelm ist weg! Einer der rätselhaftesten und auf nicht gerade angenehme Weise verrücktesten Kollegen, die mir in meinem Arbeitsleben so begegnet sind, wurde gestern entlassen. Endlich. Es war nicht mehr auszuhalten! Nicht nur aggressive Menschen, die herumbrüllen und Dinge durch die Gegend schmeißen, können ein Problem sein, auch passiv aggressive, die ständig Widerstand leisten, in dem sie sich einfach nicht bewegen, immer wieder mühevoll angeschoben werden müssen, um kurz darauf doch nur wieder zum Stillstand zu kommen, die den vorgegebenen Weg unerwartet verlassen oder gar an den Anfang zurücktrudeln.
     Mit welch bizarren Marotten Wilhelm seine Kollegen zu nerven pflegte, hatte ich in einem anderen Beitrag bereits beschrieben. Selbst bei über 30°C rannte er draußen mit Jacke herum und kam völlig verschwitzt im Büro an. Auf meine Frage, warum er denn die Jacke nicht ausziehe, antwortete er: „Damit man die Schweißflecken auf dem T-Shirt nicht so sieht“, und ließ sich auf Teufel komm raus nicht davon überzeugen, dass ohne die Jacke vielleicht gar keine Schweißflecken entstehen würden.
     Nachdem die Zusammenarbeit nun immer schwieriger wurde, hatte wohl neben der Abteilungs- auch die Geschäftsleitung eingesehen, dass es so nicht weitergehen kann. Man stelle sich vor: Ein Mitarbeiter brütet zweieinhalb Jahre (ja – nicht Tage, Wochen oder Monate, sondern Jahre!) über einer Aufgabe, die jeder andere in spätestens zwei Wochen erledigt hätte. Und niemand weiß, wie weit er damit bereits ist. Auf Nachfragen erhält man die nichtssagende Antwort – das dauert noch. Blöd, dass man erst in der Retrospektive erkennt, wie sehr das Ganze schiefgelaufen ist, denn während man sich auf dem Weg befindet, besteht immer noch die vage Hoffnung, das Ziel könnte morgen oder übermorgen endlich erreicht werden.
     Nun hätte jeder halbwegs intelligente, kommunikative Mensch die Sache garantiert anders angepackt. Er hätte gesagt – sorry, Chef, aber damit kenne ich mich nicht aus. Oder: Naja, ist nicht mein Fachgebiet, aber ich arbeite mich mal rein und gebe in ’nem Monat Rückmeldung. Und er hätte sich gemeldet, sobald absehbar gewesen wäre, dass die Aufgabe nicht in akzeptabler Zeit zu erledigen ist.
     Nicht so Wilhelm. Er übernahm die Aufgabe kommentarlos, ohne Warnung oder Hinweise auf möglicherweise mangelnde Kompetenzen, bastelte zweieinhalb Jahre daran herum, verweigerte jede Auskunft über den aktuellen Stand und die geschätzte Restdauer. Nebenher stapelten sich weitere Aufgaben. Er verweigerte stur jegliche Gesprächs- und Hilfsangebote, ließ Fristen verstreichen, ignorierte Detailabsprachen und Handlungsanweisungen und sabotierte gelegentlich Maßnahmen anderer Kollegen, was erst nach schriftlicher Ermahnung abgestellt wurde. Wie ein störrischer Esel. Unbelehrbar, unkontrollierbar, nicht steuerbar. Bis gestern.
     Nun ist er also weg, und das Büro damit deutlich weniger stressig, ohne die ständig aufgerissenen oder geschlossenen Fenster. Ich bin sehr erleichtert. Ein Problem weniger. Eins von vielen.

Taffe Typen in relaxter Atmo

Am Sonntag fuhr ich ein paar nette alte Leutchens mit dem Golfilinchen in Brandenburg spazieren, und plötzlich fragten 25 Prozent der vier Insassen, was das für tolle Musik sei, die da so angenehm umherplätschere.
     Ja, es gibt tatsächlich eine Handvoll Künstler, die statt der bekannten Musikgenres, bestehend aus Gesang, diversen Instrumenten und Rhythmusstrukturen, Klangwelten erschaffen, also Geräuschkulissen, in die man eintauchen kann, um an unbekannte Orte zu gelangen, fast schon wie beim Beamen. Diese Klangwelten kann man im Hintergrund laufen lassen, um ungestört dem schnöden Alltag zu entfliehen. Sie nerven nicht, sie lenken nicht ab, stattdessen erschaffen sie eine entspannte Atmosphäre.
     Falls Ihr Euch auch mal wegbeamen wollte, seien hier ein paar Alben stellvertretend genannt:

Piep … piep … piep … piep … piiieeep!!!

Guten Morgen, meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist 9 Uhr. Hier ist Radio Sunlion mit den Nachrichten.
     Im Bezirk Berlin-Mitte hat sich ein Wunder ereignet: An der Kreuzung Neue Roßstraße/Alte Jakobstraße wurde ein grauer Technikkasten der Telekom umgesetzt. Er stand jahrzehntelang buchstäblich mitten auf dem Gehweg und blockierte die Passanten beim Vorwärtskommen. Besonders Blinde und Sehschwache dürfte das unerwartet auftauchende Hinternis sehr irritiert haben. Inzwischen steht er an der Seite, blockiert immer noch ein Drittel des Gehwegs, aber immerhin, wir kommen voran, wenn auch nur schrittweise. Offenbar hat bei der Telekom jemand dazugelernt.
     Dazugelernt haben auch die Klimakleber. Sie kleben sich nun nicht mehr direkt an der Kreuzung Prenzlauer Alle/Eberswalder Straße fest, wo die Polizei mit Argusaugen wacht, sondern einfach schon eine Querstraße davor. Staumäßig kommt’s aufs selbe raus. Strafmäßig auch.
     Zum Wetter: Da die Berliner Bäume hartnäckig bemüht sind, Passanten mit Kastanien zu bewerfen, müssen wir wohl davon ausgehen, dass der Sommer vorbei ist. Schade drum.

Schreck lass nach

Heute hab ich zum ersten Mal ’nen Schreck gekriegt. Nee, das stimmt nicht, eigentlich zum zweiten Mal. Den ersten bekam ich, als mir Gas- und Stromanbieter letztes Jahr die neuen Preise genannt hatten. Aber heute war ich beim Bäcker. So ein richtiger, der noch selber backt, wie zu DDR-Zeiten. Echte Berliner Schrippen und leckeres Mischbrot, nicht dieses geschmacklose Industriezeugs vom Discounter.
     Ich kaufe fast immer das Gleiche: Zwanzig Semmeln und zwei runde helle Mischbrote. Die kommen ins Gefrierfach, dann muss ich die nächsten drei Wochen nicht wieder hinlatschen.
     Es ist noch gar nicht so lange her, da bezahlte ich dafür irgendwas um die zehn Euro fuffzich. Dann zogen die Preise etwas an, und es wurden vierzehn Euro nochwas draus. Da hab ich schon geschluckt, und ich meine nicht die leckeren Backwaren. Aber heute wollte die Bedienung ganze neunzehn Euro zwanzig dafür haben! Da ist mir echt die Kinnlade runtergeklappt! Rechnen wir mal:

+ 20 Semmeln × 0,60 € = 12,00 €
+ 2 Brote × 2,85 € = 5,70 €
+ 1 × Blätterteig (als Nervennahrung, angesichts der hohen Preise) = 1,50 €
_____________
= 19,20 Euro

In Deutschmark wären das ganze 38,40 DM! Für zwei Brote, zwanzig Semmeln und ein Stück Kuchen!
     Keine Sorge, ich werde auch weiterhin zum Bäcker Kroll gehen. Die Qualität ist super, die Leute sind nett und fleißig, sie haben es sich redlich verdient und können nichts für die hohen Energiepreise. Und auch nicht für die Misswirtschaft, die Bankenkrise, die sinnlosen, teuren Corona-Maßnahmen, für Korruption und Vetternwirtschaft der Eliten usw.
     Ich weiß aber, wer was dafür kann. Und die kriegen dafür die Quittung, nämlich bei der nächsten Wahl. Ich hoffe, Ihr macht alle mit.

Die Krönung

Heute gab’s Beschwerden. Ich hätte die Bilder der Krönung noch gar nicht veröffentlicht. Die Krönung des neu errichteten Berliner Stadtschlosses. Das stimmt zwar nicht ganz, in einem Fotoforum hatte ich sie bereits kurz nach dem freudigen Ereignis feierlich präsentiert, nur eben nicht hier, in diesem Blog.
     Nichts ist so alt, wie die News von gestern. Und die Bilder der Krönung sind inzwischen schon über drei Jahre alt. Aber vielleicht findet Ihr ja trotzdem Gefallen daran. Das letzte Bild mit dem grünen Dach ist übrigens gephotoshopt, wie man heutzutage sagt. Das Dach ist künstlich eingefärbt, zeigt aber heute schon, wie es in ein paar Jahren aussehen wird, wenn die Kupferplatten Grünspan angesetzt haben werden.

Raus aus den Siebzigern!

Sagt mal, Klimakleber,

und das Adjektiv „liebe“ lass ich mal frech weg, das muss man sich nämlich verdienen.
     Habt Ihr mit der Umfärbung des Brandenburger Tors Eure Ziele erreicht? Tausende Touristen täglich, die Euren Vandalismus leibhaftig entdecken, fotografieren und weltweit präsentieren können, damit alle, aber auch wirklich alle im letzten Winkel dieser Welt sehen können, mit welch ungeeigneten Mitteln eine Handvoll Deppen in Deutschland den Klimawandel zu bekämpfen versucht?
     Davon abgesehen, dass mir das Tor unbunt besser gefallen hat, waren Eure Ziele nicht eigentlich ganz andere? Tempo 100 auf Autobahnen und ein dauerhaftes 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn? Und, wie sieht’s aus damit? Ist Kanzler Scholz geknickt eingeknickt? Hat Verkehrsminister Wissing eiliges Entgegenkommen signalisiert? Nein?
     Werden Sie auch nicht. Niemals. Egal was Ihr anstellt. Auch wenn Ihr, zu Hause, beim geheimen Treffen am Küchentisch, romantisch beleuchtet von ökologisch korrekt manuell hergestellten Kerzen, umringt von Getreuen, gefangen in der eigenen Blase das Gefühl habt, Ihr seid ganz kurz davor: Seid Ihr nicht!
     Egal, ob Ihr Euch festklebt, Dinge besudelt, Gebäude in die Luft sprengt oder Leute ermordet: Ein Staat lässt sich nicht erpressen. Er gibt nicht nach und er verhandelt nicht, er macht höchstens Gefangene: Euch. Würde er nachgeben, wäre das der Startschuss für 83 Millionen Bürger, ebenfalls den Staat zu erpressen, der eine, weil er ein Haus geschenkt haben will und der andere, weil ihm das Gebimmel von Kirchenglocken nicht gefällt.
     Der Staat gibt nicht nach. Diese Erkenntnis stammt aus den Auseinandersetzungen der Siebzigerjahre, stellvertretend ausgefochten von Helmut Schmidt und der RAF. Und wenn Ihr im Geschichtsunterricht besser aufgepasst hättet, wüsstet Ihr das auch.
     Die RAF beging Anschläge, tötete Menschen, sprengte Gebäude in die Luft und erreichte doch keines ihrer Ziele. Im Gegenteil – die Wehrhaftigkeit des Staates wurde durch den Terrorismus sogar noch gestärkt und führte unter anderem zur Gründung der GSG 9, einer Eliteeinheit zur Terrorismusbekämpfung. Die interessante Frage ist nun also, wie weit Ihr die Lage noch eskalieren lassen wollt, bis Ihr endlich mit dem Unsinn aufhört. Wer muss kommen und Euch erklären, dass Ihr einer naiven Illusion erlegen seid,, damit Ihr das endlich glaubt? Die ersten von Euch sitzen bereits im Knast, und wenn sie rauskommen, werden sie weitermachen und wieder in den Knast wandern, dann aber für längere Zeit. Und während sie tagtäglich eine graue Betonwand anstarren, überkommt sie hoffentlich irgendwann die Erkenntnis, dass sie grandios gescheitert sind.
     Warum also den vorgezeichneten Weg nicht einfach verlassen und neue Strategien ausprobieren? Wir wär’s mit einem Studium? Physiker finden vielleicht Wege, die Sonnenenergie besser zu nutzen. Chemiker erfinden womöglich Batterien, die sich blitzschnell aufladen lassen und niemals verschleißen, also ewig halten. Biotechnologen entwickeln eventuell Methoden, die Mikroplastik im Meer verschwinden lassen und das Artensterben bremsen. Das würde uns alle voranbringen, auch Euch. Schlaft mal drüber.

Genervt und daher ohne Grüße

Sunlion

Endlich aufgelegt!

Der in Deutschland weithin berüchtigte Telefonhersteller Gigaset hat Insolvenz angemeldet. Mich wundert das nicht, denn schon seit Jahren ärgere ich mich über die unausgereifte Benutzerführung und sporadisch auftretenden Mängel diverser Gigaset-Produkte. Fast in jedem Büro, in dem ich aufgrund chronischer Armut mit meinem Hintern Bürosessel plattzusitzen genötigt worden war, existierten ein oder üblerweise sogar mehrere dieser Folterinstrumente, wobei man fairerweise erwähnen sollte, dass auch andere Hersteller von Bürotelefonen generell nicht mehr alle Löcher in der Wählscheibe haben, denn auch deren Geräte sind meist eine einzige Zumutung.
     Schon vor Jahren hatte ich privat ein japanisches Produkt angeschafft, nur um kein Gigaset-Gerät kaufen zu müssen. Dieser Japaner war recht formschön, funktional, clever programmiert und äußerst langlebig, bis er Anfang dieses Jahres trotzdem den Geist aufgab. Inzwischen stellt dessen Hersteller leider keine Telefon mehr her, also suchte ich nach einem Ausweg, oder anders formuliert – nach einem Umweg, um nicht auf Gigaset zurückgreifen zu müssen.
     Zum Glück bot AVM, der Hersteller der allseits beliebten Fritzboxen, eine schlaue Alternative: Mit einer Fritzbox ist es möglich, Festnetztelefonate über ein beliebiges stinknormales Smartphone zu führen. Und das funktioniert tatsächlich, man sollte es kaum glauben! Somit genießt man den Komfort eines modernen Handys inklusive Touchscreen, vorhandenem Adressbuch und Lieblingsklingeltönen.
     Ehrlich: Lieber gebe ich zschnölfzig Euronen für eine Fritzbox aus, als auch nur ein Gigaset-Telefon geschenkt zu kriegen.
     Sorry, Jungs, aber diesmal habt Ihr’s endgültig vermasselt!

Dieser Beitrag wurde nicht gesponsert von AVM. Und auch nicht von Gigaset.