Soeben lärmte mein Handy wie verrückt los, das wilde Getute stresste mich dermaßen, dass ich nur panisch versuchte, den Ton irgendwie abzustellen. Er verstummte, als ich wie gewohnt die auf dem Sperrbildschirm angezeigte Meldung einfach zur Seite wischte. Eine anschließende Inspektion ergab keinen Hinweis auf die Nachricht, die offenbar so wichtig war, dass sie urplötzlich mit lautem Getöse über mich herfiel. Weder SMS noch andere Nachrichtendienste lieferten mir sachdienliche Antworten.
Was war passiert? Ganz einfach: Bund und Länder haben heute ihre Warnmittel für Katastrophenfälle erprobt, unter anderem werden Warnmeldungen an Handys versandt und Sirenen aktiviert. Blöd nur, dass das niemand versteht, der nichts davon weiß, das Handy kaum bedienen kann, die rudimentäre Nachricht auf dem Sperrbildschirm nicht versteht und nach dem Anmelden nirgendwo auf dem Handy einen erklärenden Hinweis findet. Bricht gerade der Dritte Weltkrieg aus? Befinden sich Atomraketen soeben im Anflug auf Berlin? Ist eine neue tödliche Corona-Variante unterwegs, die selbst FFP2-Masken durchbricht? Wurde ein tollwütiger Biber gesichtet? Wir wissen es nicht. Blöd gelaufen, wie inzwischen so vieles in diesem Land, das anscheinend nur noch von Dilettanten „verwaltet“ wird.
Sirenen waren hier in Berlin übrigens auch keine zu hören. Warum? Weil es keine mehr gibt! Die einwandfrei funktionierenden Sirenen aus DDR-Zeiten, die immer samstags pünktlich um 13 Uhr getestet wurden, hatte man bereits in den Neunzigern abmontiert, weil „die da oben“ der Ansicht waren, dass in ach so friedlichen Zeiten Sirenen überflüssig geworden sind. Auch damals also waren bereits Dilettanten am Werk.
Nanu? Ein deutsches Gericht entscheidet gegen das System? Na, wenn das mal keinen Shitstorm gibt! Mit Köttelgröße bis fünf Zentimeter Durchmesser und akutem Sumpfarsch für die nächsten drei Jahre.
Der Techi gestern im Berliner Rickenbackers kannte anscheinend nur den Regler für die roten Lampen, daher sind meine Bilder vom Konzert der AC/DCs Tribute Band leider etwas rotlastig. Die Stimmung war spektakulär, die Massen sind ausgeflippt und die Band hat sich mal wieder selbst übertroffen. Sie spielten das komplette Album „Highway to Hell“, inklusive „Night Prowler“, das ich so noch nie live gehört habe, nicht mal beim Original, und welches mir vor über 40 Jahren den Zugang zu AC/DC verschaffte.
Auch heute Abend spielen sie wieder dort, wer also Bock auf Rock hat, sollte das nicht verpassen.





































Na, das wurde aber auch Zeit! Endlich eine Uhr, die mich zum sonntäglichen Picknick im Marianengraben bis zum bitteren Ende begleiten kann. Die Rolex Deepsea Challenge ist bis 11000 Meter wasserdicht! In Worten: Elftausend. Also 11 Kilometer Wassertiefe. Bisher musste ich meine Omega Seamaster Planet Ocean Ultra Deep, die nur bis 6000 Meter wasserdicht ist, immer auf halber Wegstrecke an einem Korallenast bis zum Wiederaufstieg zwischenparken. Dank Rolex ist das nun nicht mehr nötig.
Nein, natürlich habe ich keine Omega, die den Gegenwert eines Kleinwagens hat. Meine Taucheruhr von Citizen schafft gerade mal 200 Meter Wassertiefe, was aber vollkommen ausreicht, um im Urlaub an den schönsten Stränden der Welt gefahrlos im seichten Wasser vor sich hinzugammeln. Der Tiefenrekord im Gerätetauchen liegt übrigens bei 332 Metern. Da frage ich mich, wozu eine Uhr dann bis 6000 Meter und darüber hinaus wasserdicht sein muss. Ich vermute mal, wer sich so etwas kauft, trägt die Uhr bis maximal 1,80 Meter Wassertiefe, im eigenen Swimmingpool, gleich hinterm Haus. Und benutzt außerdem lächerliche Nassrasierer mit „fünf Klingen plus einer“.
Seit nunmehr 30 Jahren begleite ich mehr oder weniger kopfschüttelnd die Entwicklungen der Computerindustrie. Mein erster Kontakt mit den magischen Elektronikchips war ein Atari 800 XL mit Datasette. Für die jüngeren unter Euch, die das nicht mehr kennen – es handelte sich dabei um ein Compact-Cassetten-Gerät, aber nicht für Musik, sondern für digitale Daten. Für die noch jüngeren, die nicht wissen, was eine Compact Cassette ist: Googelt doch einfach mal!
Wenig später kreuzte ein Schneider-PC meinen Weg, kurz darauf der erste richtige PC mit DOS und Windows 3.11. Von da an ging’s bergab.
Nein, kleiner Scherz, tatsächlich ging es rasant bergauf! Mit Windows 95 brachte Microsoft ein Betriebssystem auf den Markt, das mich staunen ließ. Zum ersten Mal musste ich nicht mehr mit Speicherverteilung in Autoexec.bat und Config.sys herumhantieren, um entweder die eine oder andere Applikation vernünftig laufen lassen zu können. Alles lief ohne Probleme, selbst 3D-Spiele!
Inzwischen hat der Markt sich drastisch weiterentwickelt, fast jeder trägt in der Jackentasche ein kleines Gerät mit Farbdisplay spazieren, das mit seinen Fähigkeiten Dinge ermöglicht, die vor 30 Jahren noch undenkbar schienen. Leider tauchte auch die eine oder andere bizarre Entwicklung auf und verschwand sang- und klanglos wieder im Dickicht der IT-Geschichte. Stellvertretend seien hier das gruselige Microsoft Zune, das verstörende Windows Media Center sowie das lächerliche Windows Mobile 7 genannt, welches mit seinen unpraktischen, platzverschwendenden Kacheln das ebenso benutzerunfreundliche Windows 8 kopierte.
Und wie es der Zufall will – tadaaa – alle drei Unfälle verdanken wir nur einem einzigen Mann: Joe Belfiore. Alles, was dieser Unhold verzapft hatte, löste bei mir nur verständnisloses Kopfschütteln aus. Jedes Mal wusste ich instinktiv sofort – das wird nix, wunderte mich darüber, wieso bei Microsoft das anscheinend niemand sehen konnte und behielt jedes Mal recht.
Nun verlässt er also Microsoft, der Joe, zieht sich ins Privatleben zurück und wird zukünftig nur noch beratend tätig sein. Ich frage mich, ob das eine ernstgemeinte Drohung ist. Wäre ich damals Chef bei Microsoft gewesen, hätte ich ihn bereits für den Zune ins Privatleben zurückgeschickt. Und zwar für immer.
Soeben rief mich mein Chef auf dem Handy an und schimpfte über die blöde Technik. Nur wenige Minuten zuvor hatte er bereits zweimal versucht, mich auf dem Bürotelefon zu erreichen, doch es klingelte nicht, und er vernahm auch keinerlei Signale im Hörer. Exakt in diesem Moment, während ich mit ihm sprach, klingelte das Bürotelefon, mit dem Namen des Chefs auf dem Display. Völlig entgeistert starrte ich das Gerät an, das nach wenigen Sekunden den Anruf beendete, um gleich darauf ein zweites Mal zu klingeln, wieder mit dem Chef im Display. Wir beide mussten herzlich lachen, über diesen Anruf aus der Vergangenheit, der auf mysteriöse Weise doch noch zu mir, dem Empfänger, durchgedrungen war.
Ich frage mich, was wohl passiert wäre, wenn ich rangegangen wäre. Hätte ich mich mit dem Chef der Vergangenheit unterhalten können, während ich gleichzeitig mit dem Chef der Gegenwart sprach? Und hätte ich die Geräte aneinandergehalten, hätten die beiden Chefs dann miteinander plaudern können?
Schade, dass wir das nun nie erfahren werden.
Kennt Ihr das? Da begegnet euch ein Mensch, einmal in tausend Jahren, der Euch auf Anhieb toootaaal sympathisch ist? Den Ihr gern kennenlernen, und mit dem zusammen Ihr gern ein Bierchen oder Colachen trinken und im Park auf einer Bank den aktuellsten Kinofilm diskutieren würdet? So einer ist mir gerade begegnet! Der Techniker, den Dell bei mir vorbeigeschickt hatte, um meinen zickigen, bluescreenmarrodierenden Computer wieder auf Linie zu bringen, war mit seinem Lächeln, seinem entspannten Wesen und seiner Freundlichkeit eine so angenehme Erscheinung, dass ich nun, wo er wieder weg ist, ein wenig geknickt bin. Wäre ich schwul, würde ich sagen, ich hab mich gerade verliebt.
Liebe Polizisten,
die Ihr da gerade an der Kreuzung Mollstraße/Greifswalder Straße so lieb und brav und tatenlos auf die angeklebten Aktivisten aufpasst, während sich rundherum ein Stau von biblischen Ausmaßen gebildet hat, kleiner Tipp von mir: Klebstoff hält um so besser, je mehr Zeit man ihm zum Einwirken gibt. Wenn Ihr diese Leute, deren passiv-aggressives Verhalten recht unlöblich, wenngleich ihr Ansinnen, die Welt zu retten, vielleicht sogar verständlich ist (ein Verhalten, das man bei vielen Radikalen beobachten kann), und die damit einer Menge Leute eine Menge Probleme aufhalsen, weil diese zu spät zur Arbeit kommen. Wenn Ihr diese Leute also möglichst ressourcen- und nervenschonend dort wieder wegbekommen wollt, wäre es ratsam, möglichst schnell damit zu beginnen, bevor Asphaltbelag und Betonköpfe eins geworden sind.
Mit freundlichen Grüßen
Sunlion Sonniglöw‘
Staatlich geprüfter adhäsionaler Kohäsionsbeauftragter
Die Lage bei den Geschlechtskrankheiten ist laut Berliner Zeitung „außer Kontrolle“! Das spiralförmig gewundene Bakterium Treponema pallidum schraubt seine süffüllütüschen Gichtkrallen wieder vermehrt und rücksichtslos in Pus und Mumus. Wir Experten von der Fanatischen Gesundheitsfront (FGF) empfehlen dringendst Maskenpflicht, Pflichtümpfung und einen knallharten Lockdown. Wer ümpft, lebt länger!
Und ansonsten juckt mich das wie Sau!
Boschi ist tot. Naja, nicht richtig tot. Aber schwer verletzt. So schwer, dass der Techniker davon abriet, ihn noch mal wiederbeleben zu wollen.
Siebzehn Jahre lang hat Boschi tapfer das für mich erledigt, was ich nicht mehr tun wollte. Auch mal nachts, während ich schlief. Meine Mutter quälte mich immer damit, als ich noch halbwüchsig und von ihr abhängig war. Während sie das Geschirr per Hand abwusch, musste ich es abtrocknen und dabei Russisch-Vokabeln üben. Konjugieren, deklinieren, und das bei einer Sprache, die sechs Fälle kennt! Kein Wunder, dass ich Abwaschen nicht mochte. Dennoch kaufte ich mir von meinem ersten Westgeld zunächst meine Traum-Hifi-Anlage, die ich auch heute noch besitze und verehre. Boschi kam erst später hinzu, als ich die wöchentlich bedenklich anwachsenden Geschirrstapel leid war.
Dabei war Boschi recht simpel gestrickt: Ein- und Ausschalter sowie ein Drehknopf, mit dem man eines von vier Programmen auswählen konnte. Mehr gab es nicht. Und das reichte auch vollkommen aus, um den Geschirrstapel vollautomatisch in den Zustand absoluter Reinheit rückzuführen. Man glaubt gar nicht, dass anschließend nur das simple Ausräumen des Spülers noch nerven konnte!
Nun ist er also weg. Zwei nette polnische Lieferfahrer nahmen ihn mit, als sie den neuen brachten. Vielleicht nehmen sie sich seiner ja an und finden einen Weg, die defekte Umwälzpumpe doch noch kostengünstig zu ersetzen und ihm so eine zweite Chance zu bescheren.
Der neue Geschirrspüler zeigt mir nun überdeutlich, wie lange siebzehn Jahre sein können, denn es hat sich viel verändert. Statt Schalter und Drehknopf protzt er mit 14 Tasten, einer Menge Lämpchen und einem tollen Display mit Zeitanzeige und vielen Extrasymbolen. Außerdem kann ich ihn über mein Handy steuern. Wenn ich will.
Leider macht das alles die Bedienung nicht einfacher. Somit ist dieser Geschirrspüler das erste Küchengerät, für dessen Bedienung ich eine Anleitung lesen muss, die ich aber selbst nach mehrfachem Lesen nicht gleich verstanden habe, und wovon ich das meiste mir wohl auch nicht werde merken können. So wird von den ganzen tollen Features vermutlich nur das Eco-Programm zum Einsatz kommen, das ist nämlich voreingestellt, wenn ich den Einschalter betätige. Da muss ich nur noch auf Start tippen, dann läuft die Sache. Eigentlich wollte ich doch einfach nur Geschirr abwaschen. Wobei die Betonung auf „einfach“ liegt.
Schade. Ich habe vergessen, von Boschi noch ein Abschiedsfoto zu machen, zur Erinnerung an siebzehn gemeinsame Jahre, in denen er mir „einfach“ das Leben etwas erleichtert hat. Siebzehn Jahre. Vergangen wie im Flug. Ob der neue auch so lange durchhält? Ich bin mir nicht sicher, wenn ich ihm so in sein Terminatorgesicht schaue.

