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Drei gleichzeitig

Dass ich die schwedische Band Röyksopp total super finde, hatte ich vor acht Jahren bereits kundgetan. Nicht jedoch, dass sie eine der wenigen Bands sind, die mit der Zeit immer besser wurden, statt wie die meisten Musiker ein tolles erstes Album herauszubringen, an das sie später nicht mehr anknüpfen können, um dann allmählich wieder in der Versenkung zu verschwinden. Röyksopps erstes Album war eher … sagen wir mal – ganz nett. Die echten Superhits folgten erst später.
     Um 2014 erklärte die Band plötzlich, keine weiteren Alben mehr veröffentlichen zu wollen, was mich todtraurig stimmte, angesichts des unglaublichen Potentials der zwei talentierten Musiker. Letztes Jahr dann, völlig unerwartet und von mir bis vor kurzem unbemerkt, brachten Röyksopp mit Profound Mysteries 1, 2 und 3 gleich drei Alben gleichzeitig auf den Markt, und alle drei reihten sich in das Schema der sich allmählich steigernden Hitqualitäten ein, denn sie sind fabelhaft.
     Die Videos sind übrigens auch klasse!

Mitten ins Gesicht

Heute früh war ich bei meinem Zahnarzt, einem alten, klapprigen Greis mit tattrigen Händen, der von seinen fast noch minderjährigen Gehilfinnen zweimal pro Tag mittels Elektroschock wiederbelebt werden muss, weil das Jenseits ihn bereits mit Nachdruck auf die andere Seite hinüberzuziehen bemüht ist. Und der so schwer verständlich redet, weil ihm das Gebiss dabei ständig nach unten klappt.
     Jedenfalls bemühte sich dieser Ogygiant, mir nuschelnd zu vermitteln, ich hätte Zahnschwein, während mir seine Spucke ins Gesicht spritzte. Ich hätte auch schreiben können – in den offenen Mund, aber ich wollte die geschätzten Leser nicht gleich hinfortekeln.
     Zahnschwein also. Und das mir als Vegetarier*!
     Während ich also bemüht war, den Würgereflex zu unterdrücken, begann mein altersdementes Gehirn loszurattern und all die Fragen zu verarbeiten, die plötzlich aus dem Nichts aufpoppten, wie Pilze nach einem Spätsommergewitter: Muss ich das Schwein bei irgendeiner Behörde anmelden? Muss es geimpft werden? Auch gegen Corona? Bedarf es einer bestimmten, artgerechten Haltung? Und zählt es noch zu den Haus- oder schon zu den Nutztieren?
     Das muss ich jetzt alles erst recherchieren. Dabei hab ich für so was gar keine Zeit.
     Blöder Zahnarzt!

* Nee, nicht wirklich. Ich liebe Fleisch. Am liebsten schön blutig, noch mit Fell dran.

Ist alt, kann dann weg

Letzten Sonntag habe ich einen ganzen Stapel alter Klassikschallplatten von meinen Eltern mitgenommen, weil die sie nicht mehr hören wollen und ich neugierig auf Unbekanntes war. Die ältesten Scheiben stammten aus den Sechzigern und waren noch in Mono aufgenommen.
     Unglaublich, dass man sich früher so was anhören konnte! Nicht nur die knisternden Tonträger an sich, auch die Aufnahmetechnik damals war aus heutiger Sicht eine blechern scheppernde Katastrophe. Aber selbst nach Schallplatten-Maßstäben gute Aufnahmen, im DMM-Verfahren produziert, wollte ich mir einfach nicht anhören, weil meine inzwischen auf digitale, störungsfreie, hochdynamische und kristallklar aufgenommene Quellen geeichten Ohren die schlechtere Schallplattenqualität einfach nicht mehr ertragen. Nebenbei bemerkt lauschte ich mit einem Denon AH-D9200. Dieser phänomenal gut klingende Kopfhörer deckt schlechte Aufnahmen gnadenlos auf, wie mit einer hochauflösenden Lupe, es klingt also nochmal um einiges schlimmer als mit einem durchschnittlichen Hörer.
     Also gehen die Platten morgen wieder zurück und werden am Ende wohl in der Kunststoffabteilung des örtlichen Recyclinghofes landen. Ich hoffe, die Künstler, so sie denn überhaupt noch leben, können mir diesen Kulturvandalismus verzeihen … irgendwann einmal.

Dieser Beitrag wurde nicht gesponsored von Denon. Leider. Auch nicht von DMM … oder so. Höchstens von meinen Eltern … vielleicht … ein kleines bisschen … mit einem Teller warme Suppe.

Ooch dit is Bärlin!

Da bin ick doch neulich mibm Schüff uffe Spree rumjeschübbat, vom historüsch’n Haf’m ßum Müggelsee, oda fast bis da, weil via Schtundn nämlüsch nich ausreich’n tun … asso für hin un‘ ßurück..
     Is schon voll knorke, wat man da allet so sehn kann. Unsa Schkibba, ’n echt kuula Tühb (ledsdid Bild), hatte ooch ’ne janze Menge ßu aßehln, ßum Beischbühl, wat die schick’n Wohnung’n in die schick’n Hoisa so kost’n tun. Aaaltaaa! Viatausend Oiro für ’ne Dachwohnung! Da würd mir gleech janz blümerant im Kopp! Wer hat denn so viel Jeld? Also icke nüch!
     Kiekt ma, hier:

Genugtuung!

Ich habe meiner Bank gekündigt! Welch eine Genugtuung!
     Meine erste „Westbank“ nach der Wende war – für mich als Berliner ganz selbstverständlich – die Berliner Bank. Das Konto kostete damals bereits eine ordentliche Stange Geld, wie viel genau, weiß ich nicht mehr, ist ja auch schon dreißig Jahre her. Ansonsten war ich ganz zufrieden, bis die Bank einen dummen Fehler machte: Sie hielt sich nicht an eine mündliche Vereinbarung. So etwas nennt man Vertrauensbruch.
     Zu dieser Zeit tauchte die Advance Bank auf, eine glitzernde Verheißung im Finanzsektor, denn sie kostete erstmals kein Geld. Alle Konten, alle Karten, alle Transaktionen komplett kostenlos! Für einen Sparfuchslöwen wie mich natürlich ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte, und ein Zustand, so wie er eigentlich sein sollte: Ich gebe der Bank mein Geld, sie verleiht es weiter und lebt von den Zinsen, die sie dafür erhält.
     Ein himmlischer Zustand, leider zu schön, um wahr zu sein, fanden jedenfalls die Chefs des übergeordneten Bankhauses, der Dresdner Bank, und wickelten irgendwann die Advance Bank ab, natürlich nicht, ohne vorher die Kunden übernommen und nach einer kurzen Frist alles gebührenpflichtig gemacht zu haben.
     Erneuter Umzug! Glücklicherweise gibt es immer jemanden, der eine entstandene Lücke füllen kann, damals war das die DKB, eine Tochter der Bayrischen Landesbank. Bei ihr war wieder alles kostenlos, der Service war perfekt, es gab Konten ohne Ende, Karten ohne Limit und jeden Tag Champagner (für die Chefetage).
     Diesmal jedoch näherte sich das Unglück in Form von gesellschaftlicher Veränderung. Bei der DKB übernahmen die Ideologen das Ruder und fingen an, Kunden unvermittelt zu duzen, Texte zu gendern und Gebühren zu erheben. Meine Beschwerde, direkt an den Vorstandsvorsitzenden, wurde natürlich von einer vorgeschalteten Instanz beantwortet. Es sei ja das „nette, freundliche Du“, hieß es im Antwortschreiben. Und man wolle alle Geschlechter ansprechen sowie Minderheiten sichtbar machen, also der übliche Unsinn, den man zu hören bekommt, wenn Leute keine Ahnung haben, zumindest nicht von Grammatik.
     Nein, liebe Ideologen von der DKB, es ist eben nicht das freundliche Du, das Ihr … Verzeihung, das Sie verwenden. Es ist das unfreundliche, das unverlangte, aufgezwungene, das Adolph Freiherr Knigge nachts nicht schlafen lassen würde. Das freundliche Du ist jenes, dass man nach einem netten Abendessen, wenn man sich besser kennen- und schätzengelernt hat, einvernehmlich vereinbart; wenn man festgestellt hat, dass man auf derselben Wellenlänge ist und sich gern wieder treffen und mehr miteinander unternehmen möchte. Und selbst dann gibt es noch Regeln, die in den … sagen wir mal – vornehmeren Kreisen noch immer eine Rolle spielen: Der Ältere bietet dem Jüngeren das Du an, und der Höhergestellte dem Untergebenen. Das heißt, mein Chef kann mir das Du anbieten, weil er mein Chef und außerdem älter ist, aber nicht umgekehrt. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine ehemalige Nachbarin, Frau Hoffmann, eine resolute alte Dame, zeitlebens schwer behindert, aber lebensfroh, gebildet und hoch anständig. Als ich volljährig wurde, fing sie plötzlich an, mich zu siezen, was mich sehr irritierte, und mein Angebot, mich einfach weiter zu duzen, hatte sie energisch abgelehnt. Das gehöre sich nicht und sei eine Frage des Anstands.
     Ganz besonders entsetzlich sind aber die neuen Geschäftsbedingungen, Produktbeschreibungen und Vereinbarungen der DKB, gedruckt in winziger Schrift, ohne Brille kaum noch zu lesen, und auch ohne das schwachsinnige Gegendere bereits schwer zu verstehen.
     Entscheidend für mich war jedoch letztendlich der Umstand, dass nun auch die DKB, genau wie damals die Berliner Bank, sich einfach über eine telefonisch getroffene Vereinbarung hinweggesetzt hat. Ein schwerer Vertrauensbruch, der nur mit einer Kündigung beantwortet werden konnte. Wie mir geht es übrigens auch vielen anderen Kunden. Lest Euch mal die Bewertungen bei Trustpilot durch. Da rollen sich einem ja die Fußnägel auf!
     An echter Kritik scheint die DKB gar nicht interessiert zu sein, sonst hätte das Textfeld, in welchem bei Kündigung nach einer Begründung gefragt wird, etwas mehr Platz als nur für drei, vier kurze Sätze.
     Vielleicht wäre es besser, der DKB-Vorstand schmeißt die Ideologen raus und stellt stattdessen erfahrene Banker ein. Vielleicht komme ich dann wieder zurück. Bis dahin weiß ich auch, was meine neue Bank so für Unfug treibt. Bei Trustpilot kommt sie ebenso schlecht weg wie die DKB. Aber wenigstens duzt sie mich nicht.

Kreisvariationen

Ich habe nach Sichtung der Bilder meines Heiligendamm-Urlaubs vom letzten Jahr festgestellt, dass sich bei Sonnenuntergängen das eigentlich interessante, oft dramatische Szenario meist ganz hinten, weit weg abspielt. So klein, dass man es im Gesamtbild gar nicht mehr so richtig wahrnimmt. Daher hatte ich dieses Jahr beschlossen, diese Dramatik so weit wie möglich heranzuholen, technisch umgesetzt mit dem fast noch zu kurzen Telezoomobjektiv Sigma 70–300 und anschließend teilweise vergrößert.
     Über mehrere Tage hinweg fotografierte ich die Naturgewalt, und dazu gehört eben auch, dass dieser Kreis, das atomfeurig leuchtende Ding dort am Horizont, manchmal nicht zu sehen ist.

Kinder vs. Erwachsene

Neulich, an der Ostsee, ist mir was Merkwürdiges passiert: Ein etwa sechsjähriges Mädchen stand am Ufer des sturmgepeitschten Meeres, hob beschwörend die Arme, warf ihre Krallenhände wiederholt nach vorn in Richtung der tosenden Brandung und schrie einen ziemlich schrillen, langgezogenen Schrei in Richtung der Wellen, so als würde sie versuchen, das Meer zu beschwören und zur Ruhe zu zwingen.
     Etwa drei Kilometer weiter versuchte, vollkommen unabhängig von diesem Geschehen, ein vielleicht zehnjähriges Mädchen genau dasselbe, mit fast den gleichen Bewegungen und Schreien.
     Wie mag das zusammenhängen? Angeboren? Evolutionär überliefert? Genetisch bedingt? Zu viel Harry-Potter-Filme? Oder so was wie Quantenverschränkungen?
     Selbstverständlich griffen die Eltern nicht ein und fragten die Kinder mal, was sie denn damit bezweckten und ob sie denn erfolgreich seien. Sehr zum Unmut der anderem, erholungssuchenden Strandbesucher.
     Aber was soll’s, es sind halt Kinder. Solange sich das nicht zur Marotte auswächst, ist alles gut.