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Perle des Ostens

Hab ich Euch schon von Görlitz berichtet? Meine Vorfahren stammen aus dieser östlichsten Stadt Deutschlands, im Länderdreieck Deutschland, Polen und Tschechien. Sie lebten im östlichen Teil, der nach 1945 an Polen ging und heute Zgorzelec heißt.
     Görlitz hatte Glück: Die Stadt überstand den Krieg fast ohne Zerstörungen. Die Bomben fielen 100 Kilometer weiter und machten Dresden dem Erdboden gleich. Was der Krieg nicht schaffte, hätte fast die Misswirtschaft der DDR erledigt. Statt die jahrhundertealten Häuser zu sanieren, baute man lieber hässliche Plattenbauten im Norden der Stadt, die Altstadt verfiel. Gerade noch rechtzeitig kam die Wende und somit die nötigen Millionen, um all die vergammelnden Baudenkmäler zu retten. Sowohl die EU als auch private Spender füllten die Görlitzer Stadtkasse. Ein anonymer Spender beglückte die Stadt über längere Zeit mit einer Million jährlich, und ausnahmsweise gelangte das Geld nicht in die Hände von korrupten Dilettanten, sondern besorgten Fachleuten, die behutsam und mit viel Geschmack aus den Ruinen wahre Meisterwerke erschufen. Auch wenn noch einige Bruchbuden verblieben sind und nicht alles gerettet werden konnte, ist der sanierte Rest ein einzigartiges, märchenhaftes Juwel, quasi ein sächsisches Auenland, weil die vielen Gebäude aus verschiedenen Jahrhunderten, auf natürliche Weise nebeneinander gewachsen, eine einzigartige Mischung ergeben, die man sonst nirgendwo findet, und die Fotografen wie mich in Entzücken versetzt. Auch die Lage ist für Touristen ideal, man muss gar nicht weit laufen, um all die Sehenswürdigkeiten zu erkunden, alles liegt dicht beieinander. Am besten startet man am Bahnhof und flaniert dann nach Norden, die Stadtteile im Süden sind zwar ganz hübsch, aber nicht wirklich spektakulär, außer vielleicht das Villenviertel in der Goethestraße.

Vom Bahnhof also am besten die Berliner Straße hinunter bis zum Postplatz, dieser alleine ist mit seinem Springbrunnen und den Sitzbänken eine Reise wert. Dort zeigt die Stadt, die nur wenige Jobs zu bieten, dafür aber viel Arbeitslosigkeit und wenig Steuereinnahmen zu verkraften hat, dass man eine Stadt auch mit wenig Geld attraktiv gestalten und in Schuss halten kann.

Gleich nebenan steht das alte Kaufhaus, momentan zwar geschlossen, dafür aber als Filmkulisse auch aus internationalen Produktionen bekannt, zum Beispiel in der Komödie „Grand Hotel Budapest“. Die Stadt trägt daher auch den Beinamen „Görliwood“.

Dahinter der mit seinem modernen Brunnen und den klobigen Pflanzenkübeln verunstaltete Demianiplatz, benannt nach dem ehemaligen Bürgermeister, der als kluger Stadtvater den Grundstein für diese schöne Stadt legte und von den Görlitzern deshalb noch immer sehr verehrt wird. Er sollte heutigen Bürgermeistern als herausragendes Beispiel für vernünftige Stadtplanung dienen.
     Wegen des hässlichen Brunnens darf man als Besucher ruhig pikiert die Nase in die Höhe recken und stattdessen den Dicken Turm bewundern.

Von dort ab erspare ich mir weitere Ratschläge, denn die Sensationen liegen in alle Richtungen verteilt. Als Stichwörter seien nur Theater, Kaisertrutz, alte Kaserne, Viadukt, diverse Kirchen und der Friedhof mit seinen Uraltgräbern genannt.

Über die Neiße führt die Altstadtbrücke hinüber in den polnischen Teil der Stadt. An beiden Enden gibt es jeweils eine Eisdiele, ich empfehle jedoch die auf der polnischen Seite, dort wird das Eis nämlich selbst zubereitet und ist ausgesprochen köstlich.

Auch außerhalb der Stadt gibt es jede Menge spannende Ziele, wie etwa den Berzdorfer See, einen gefluteten Tagebau, an dessen Ufer man mit dem Auto entlangfahren und direkt daneben parken kann (leider kostenpflichtig), um zu baden oder zu tauchen. Es heißt, auf dem Grund in siebzig Metern Tiefe soll noch der Berzdorfer Kirchturm stehen, dafür übernehme ich allerdings keine Gewähr. Und um den See herum postiert gibt es einen Aussichtsturm zu besteigen und den ehemaligen Bagger zu bestaunen.
     Bei Königshain gibt es einen Steinbruch, an dem sich beim ins Wasser springen schon so mancher verletzt hat. Beinbruch im Steinbruch.

In Polen kann der neue Niedów-Staudamm bewundert werden. Nach einem Hochwasser im Jahr 2010 brach der Damm und führte zu heftigen Überflutungen. Klein aber fein.

Weitere beliebte Ausflugsziele sind Bautzen mit einer fast ebenso prächtigen Altstadt und Liberec auf der tschechischen Seite, mit spektakulärer Architektur und einem Fernsehturm auf dem Berg Jeschken.
     Viel Action also, für so eine kleine Stadt wie Görlitz. Gäbe es dort genügend Jobs, könnte ich mir glatt vorstellen, dorthinzuziehen. Berlin ist inzwischen einfach viel zu nervig und unattraktiv geworden. Dort unten, im Südosten läuft das Leben deutlich entspannter und gesitteter ab.
     Mal sehen. Kommt Zeit, kommt Lottogewinn.

     

Entführt!

Ich wurde von Außerirdischen entführt! In echt! Kein Scherz! Sie kamen mit ihren UFOs vorbei, nahmen mich mit und machten Experimente mit mir. Zum Glück konnte ich die fliegenden Untertassen zwecks erkennungsdienstlicher Maßnahmen knackscharf ablichten. Die Fotos stelle ich den internationalen und intergalaktischen Behörden hiermit gern zur Verfügung.
     Ach, und liebe Außerirdischen: Wenn Ihr mal wieder vorbeikommt, dürft Ihr mich gern wieder abholen. Die Experimente haben echt Spaß gemacht, besonders das mit der … mit dem … mit den … na, Ihr wisst schon.

Geiz ist geil!

Ich war gerade tanken. Für 1,28 Euro pro Liter Super. Echt paradiesische Preise hier in Zgorzelec, dem polnischen Teil von Görlitz. Erstaunlich, dass es im westlichen Teil, kaum zwei Kilometer weiter, überhaupt noch Tankstellen gibt, bei gut 70 Cent mehr pro Liter. Wovon leben die eigentlich? Viel verdienen können sie wohl nicht, wenn sie nichts mehr verkaufen. Aber vielleicht tanken sie auch in Polen, dann gleicht sich das wieder aus.

Verwirrende Zahlen

Neben vielen anderen kleinen Aufgaben bin ich in dem Unternehmen, welches mich anzustellen sich durchringen konnte, auch für die Vorauswahl der Bewerber zuständig. Nicht, dass ich Leute aussieben dürfte, weil mir deren Nase nicht passt, nein, ich muss nur prüfen, ob bestimmte Schlüsselwörter in der Bewerbung auftauchen, damit es überhaupt sinnvoll ist, sie nach oben durchzureichen. Ihr würdet nicht glauben, was da so alles reinkommt. Manche Bewerber haben durchaus aussichtsreiche Eigenschaften, vergessen jedoch, ihre Kontaktdaten anzugeben.
     Als ich noch zur Schule ging, war das Bewerten von Leistungen einfach. Es gab fünf Noten, von 1 bis 5, also von sehr gut bis beschissen. Das verstand jeder, und das konnte man sich auch merken. Heute läuft das irgendwie anders. Das Zeugnis einer mir vorliegenden Bewerbung enthält Ziffern wie 07, 10, 11 oder 09. Was sie bedeuten, steht nicht dabei. Wenn bei Mathematik also steht: 09, ist das dann gut oder schlecht? Neun auf einer Skala von zehn? Oder hundert? Oder tausend? Oder ist neun extrem schlecht und eine eins, wie früher, ausgezeichnet?
     Da am Ende irgendwie alles zusammengerechnet wird, scheint es sich um Punkte zu handeln, und dennoch steht die Frage im Raum, sind 09 Punkte in Mathematik gut oder schlecht, denn es steht nicht daneben, wie viel man denn maximal erreichen kann. Bei maximal möglichen 20 Punkten wären 09 also unterdurchschnittlich.
     Am Ende gibt es verschiedene Punktsummen und eine Gesamtpunktzahl. 490 Punkte von höchstens 900 Punkten sind verständlich, es handelt sich offenbar um einen mittelguten Wert, der dennoch keine Rückschlüsse über die Qualifikation in den einzelnen Fächern zulässt.
     Meeensch, Leute, wer soll da noch durchblicken?
     Dafür gibt’s von mir ’ne glatte 5!
     Setzen!

Das unaufhaltsame Ende

Über den Niedergang der Kultur wurde schon viel geschrieben, und auch der Niedergang des Römischen Reiches wurde namhaften Historikern zufolge von allerlei Exzessen und Entgleisungen begleitet. Aber wenn ein renommierter Preis, nämlich der Deutsche Fernsehpreis für das Dschungelcamp verliehen wird, eine Sendung, welche den krankhaften Narzismus und/oder die Hilfsbedürftigkeit von drittklassigen, sogenannten Prominenten ausnutzt und sie auf menschenverachtende, teilweise ekelerregende Weise gnadenlos zur Schau stellt, dann ist dieses Land bereits ein ganzes Stück weit vom rechten Pfad abgedriftet. So lasset denn alle Hoffnungen fahren …

Endlich weg!

Wilhelm ist weg! Einer der rätselhaftesten und auf nicht gerade angenehme Weise verrücktesten Kollegen, die mir in meinem Arbeitsleben so begegnet sind, wurde gestern entlassen. Endlich. Es war nicht mehr auszuhalten! Nicht nur aggressive Menschen, die herumbrüllen und Dinge durch die Gegend schmeißen, können ein Problem sein, auch passiv aggressive, die ständig Widerstand leisten, in dem sie sich einfach nicht bewegen, immer wieder mühevoll angeschoben werden müssen, um kurz darauf doch nur wieder zum Stillstand zu kommen, die den vorgegebenen Weg unerwartet verlassen oder gar an den Anfang zurücktrudeln.
     Mit welch bizarren Marotten Wilhelm seine Kollegen zu nerven pflegte, hatte ich in einem anderen Beitrag bereits beschrieben. Selbst bei über 30°C rannte er draußen mit Jacke herum und kam völlig verschwitzt im Büro an. Auf meine Frage, warum er denn die Jacke nicht ausziehe, antwortete er: „Damit man die Schweißflecken auf dem T-Shirt nicht so sieht“, und ließ sich auf Teufel komm raus nicht davon überzeugen, dass ohne die Jacke vielleicht gar keine Schweißflecken entstehen würden.
     Nachdem die Zusammenarbeit nun immer schwieriger wurde, hatte wohl neben der Abteilungs- auch die Geschäftsleitung eingesehen, dass es so nicht weitergehen kann. Man stelle sich vor: Ein Mitarbeiter brütet zweieinhalb Jahre (ja – nicht Tage, Wochen oder Monate, sondern Jahre!) über einer Aufgabe, die jeder andere in spätestens zwei Wochen erledigt hätte. Und niemand weiß, wie weit er damit bereits ist. Auf Nachfragen erhält man die nichtssagende Antwort – das dauert noch. Blöd, dass man erst in der Retrospektive erkennt, wie sehr das Ganze schiefgelaufen ist, denn während man sich auf dem Weg befindet, besteht immer noch die vage Hoffnung, das Ziel könnte morgen oder übermorgen endlich erreicht werden.
     Nun hätte jeder halbwegs intelligente, kommunikative Mensch die Sache garantiert anders angepackt. Er hätte gesagt – sorry, Chef, aber damit kenne ich mich nicht aus. Oder: Naja, ist nicht mein Fachgebiet, aber ich arbeite mich mal rein und gebe in ’nem Monat Rückmeldung. Und er hätte sich gemeldet, sobald absehbar gewesen wäre, dass die Aufgabe nicht in akzeptabler Zeit zu erledigen ist.
     Nicht so Wilhelm. Er übernahm die Aufgabe kommentarlos, ohne Warnung oder Hinweise auf möglicherweise mangelnde Kompetenzen, bastelte zweieinhalb Jahre daran herum, verweigerte jede Auskunft über den aktuellen Stand und die geschätzte Restdauer. Nebenher stapelten sich weitere Aufgaben. Er verweigerte stur jegliche Gesprächs- und Hilfsangebote, ließ Fristen verstreichen, ignorierte Detailabsprachen und Handlungsanweisungen und sabotierte gelegentlich Maßnahmen anderer Kollegen, was erst nach schriftlicher Ermahnung abgestellt wurde. Wie ein störrischer Esel. Unbelehrbar, unkontrollierbar, nicht steuerbar. Bis gestern.
     Nun ist er also weg, und das Büro damit deutlich weniger stressig, ohne die ständig aufgerissenen oder geschlossenen Fenster. Ich bin sehr erleichtert. Ein Problem weniger. Eins von vielen.

Taffe Typen in relaxter Atmo

Am Sonntag fuhr ich ein paar nette alte Leutchens mit dem Golfilinchen in Brandenburg spazieren, und plötzlich fragten 25 Prozent der vier Insassen, was das für tolle Musik sei, die da so angenehm umherplätschere.
     Ja, es gibt tatsächlich eine Handvoll Künstler, die statt der bekannten Musikgenres, bestehend aus Gesang, diversen Instrumenten und Rhythmusstrukturen, Klangwelten erschaffen, also Geräuschkulissen, in die man eintauchen kann, um an unbekannte Orte zu gelangen, fast schon wie beim Beamen. Diese Klangwelten kann man im Hintergrund laufen lassen, um ungestört dem schnöden Alltag zu entfliehen. Sie nerven nicht, sie lenken nicht ab, stattdessen erschaffen sie eine entspannte Atmosphäre.
     Falls Ihr Euch auch mal wegbeamen wollte, seien hier ein paar Alben stellvertretend genannt:

Piep … piep … piep … piep … piiieeep!!!

Guten Morgen, meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist 9 Uhr. Hier ist Radio Sunlion mit den Nachrichten.
     Im Bezirk Berlin-Mitte hat sich ein Wunder ereignet: An der Kreuzung Neue Roßstraße/Alte Jakobstraße wurde ein grauer Technikkasten der Telekom umgesetzt. Er stand jahrzehntelang buchstäblich mitten auf dem Gehweg und blockierte die Passanten beim Vorwärtskommen. Besonders Blinde und Sehschwache dürfte das unerwartet auftauchende Hinternis sehr irritiert haben. Inzwischen steht er an der Seite, blockiert immer noch ein Drittel des Gehwegs, aber immerhin, wir kommen voran, wenn auch nur schrittweise. Offenbar hat bei der Telekom jemand dazugelernt.
     Dazugelernt haben auch die Klimakleber. Sie kleben sich nun nicht mehr direkt an der Kreuzung Prenzlauer Alle/Eberswalder Straße fest, wo die Polizei mit Argusaugen wacht, sondern einfach schon eine Querstraße davor. Staumäßig kommt’s aufs selbe raus. Strafmäßig auch.
     Zum Wetter: Da die Berliner Bäume hartnäckig bemüht sind, Passanten mit Kastanien zu bewerfen, müssen wir wohl davon ausgehen, dass der Sommer vorbei ist. Schade drum.

Schreck lass nach

Heute hab ich zum ersten Mal ’nen Schreck gekriegt. Nee, das stimmt nicht, eigentlich zum zweiten Mal. Den ersten bekam ich, als mir Gas- und Stromanbieter letztes Jahr die neuen Preise genannt hatten. Aber heute war ich beim Bäcker. So ein richtiger, der noch selber backt, wie zu DDR-Zeiten. Echte Berliner Schrippen und leckeres Mischbrot, nicht dieses geschmacklose Industriezeugs vom Discounter.
     Ich kaufe fast immer das Gleiche: Zwanzig Semmeln und zwei runde helle Mischbrote. Die kommen ins Gefrierfach, dann muss ich die nächsten drei Wochen nicht wieder hinlatschen.
     Es ist noch gar nicht so lange her, da bezahlte ich dafür irgendwas um die zehn Euro fuffzich. Dann zogen die Preise etwas an, und es wurden vierzehn Euro nochwas draus. Da hab ich schon geschluckt, und ich meine nicht die leckeren Backwaren. Aber heute wollte die Bedienung ganze neunzehn Euro zwanzig dafür haben! Da ist mir echt die Kinnlade runtergeklappt! Rechnen wir mal:

+ 20 Semmeln × 0,60 € = 12,00 €
+ 2 Brote × 2,85 € = 5,70 €
+ 1 × Blätterteig (als Nervennahrung, angesichts der hohen Preise) = 1,50 €
_____________
= 19,20 Euro

In Deutschmark wären das ganze 38,40 DM! Für zwei Brote, zwanzig Semmeln und ein Stück Kuchen!
     Keine Sorge, ich werde auch weiterhin zum Bäcker Kroll gehen. Die Qualität ist super, die Leute sind nett und fleißig, sie haben es sich redlich verdient und können nichts für die hohen Energiepreise. Und auch nicht für die Misswirtschaft, die Bankenkrise, die sinnlosen, teuren Corona-Maßnahmen, für Korruption und Vetternwirtschaft der Eliten usw.
     Ich weiß aber, wer was dafür kann. Und die kriegen dafür die Quittung, nämlich bei der nächsten Wahl. Ich hoffe, Ihr macht alle mit.