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Ganz schön angeschissen!

Holla! Da hätte ich mir doch gerade fast einen Anschiß eingehandelt! Keine zwei Meter von mir entfernt schlug nämlich soeben der unten abgebildete Vollformatflatschen auf dem Gehweg ein. Hätte ich den abbekommen, wäre ich aber ganz schön angekackt gewesen! Weil ich natürlich wissen wollte, welches Arschloch es diesmal wieder auf mich abgesehen hatte, blickte ich sogleich nach oben, doch der Attentäter war nirgends mehr auszumachen. Wohin ich auch blickte – nur schöner blauer Himmel …
     Ach, was soll’s! Drauf geschissen!

Vinyl – ein finsterer Dämon aus der Alten Welt

Ich verstehe überhaupt nicht, wie man sich heute noch freiwillig das Geknackse und Geknistere von analogen Schallplatten antun kann. Wer so wie ich damit aufgewachsen ist, dürfte in der Regel froh sein, wenn er sich damit nicht mehr befassen muß. Viel spannender finde ich da eher das technische Prinzip der Tonband­aufnahme, insbesondere in Gestalt der handlichen Compact Cassetten. Wobei damit weniger die lieblos zusammengeklatschen Audiozombies vom VEB ORWO Wolfen gemeint sind, sondern eher die schnieken, heißen, sexy Oriental-Models aus Japan. Für eine Chromsubstitut-Kassette von TDK warf ich gern mal mein ganzes Taschengeld in die schmierigen Hände zwielichtiger Hifi-Dealer, denn die für sieben D-Mark im Intershop gehandelten Haben-Wollen-Produkte waren für mich als Westverwandte-loser Ossi unerschwinglich, also bettelte ich Kollegen an, die mir für im Kurs 1:7 umgetauschte 50 Ostmark die begehrte Tonbanddroge besorgten. Natürlich höchsten medizinischen Standards genügend, hygienisch sauber eingeschweißt.
     Viel schwieriger war es hingegen, vernünftige Geräte zu bekommen, denn die in der DDR hergestellten Kassettendecks waren ebenso häßlich wie technisch anfällig. Dank meines damals aufgeübten Berufes als Fachverkäufer für Rundfunk, Fernsehen und Elektroakustik – so die sperrige offizielle Bezeichnung – konnte ich auch einen Blick hinter die realsozialistische Einzelhandelsfassade werfen: Bestimmt jedes dritte Kassettengerät war schon nach kurzer Zeit defekt, entweder schon beim obligatorischen Vorführen während des Verkaufsvorganges (das war in der DDR so vorgeschrieben – alles mußte ausgepackt, angeschlossen und vorgeführt werden), oder es kehrte schon nach wenigen Tagen als Reklamation wieder in den Laden zurück.

     Daher schien es nach der Wende undenkbar, ein technisches Gerät ungeprüft zu kaufen und in seiner geschlossenen Verpackung mit nach Hause zu nehmen, einfach weil man sich als Ossi nicht vorstellen konnte, daß derart komplizierte Technik auch so zuverlässig konstruiert sein konnte, daß sie anstandslos funktionierte.
     Kassettendecks aus dem Ausland waren aber nicht nur deswegen so beliebt, sie sahen auch besser aus und hatte oft erstaunliche Eigenschaften. So gab es bei manchen Geräten beispielsweise eine automatische Titelsuchfunktion: Während des Abspielvorganges, bei gedrückter Play-Taste, mußte man einfach nur die Vor- oder Rücklauftaste drücken, schon suchte das Laufwerk automatisch nach der nächsten oder vorigen Pause zwischen zwei Titeln. Anfangs kam mir das ebenso absurd wie phantastisch vor – zwei Tasten zur gleichen Zeit gedrückt, das gab es bei den Laufwerken aus hiesiger Produktion überhaupt nicht.

     Also erzielten Kassettendecks aus Japan, selbst in gebrauchtem Zustand, in Zeitungsannoncen und staatlichen An-und-Verkaufläden absolute Phantasiepreise. Die einfachsten Einsteigergeräte von JVC, wegen ihrer Zuverlässigkeit besonders bei DJs beliebt und geschätzt, erreichten Preise von rund 1400 Ostmark, was etwa zwei durchschnittlichen Monatsgehältern entsprach. Ein extrem seltenes Doppeldeck konnte schon mal bis zu 2600 Ostmark kosten. Später arbeitete ich bis kurz vor der Wende auch in einem solchen Geschäft am Rosenthaler Platz (arbeitstechnisch die glücklichste Zeit meines Lebens) und ergatterte eine dieser seltenen Raritäten. Unterm Ladentisch selbstverständlich!
     Aber bereits als Teenager interessierte mich die Kassettentechnik, konnte man mit ihr doch beim Radiohören auch gleich die neuesten Hits mitschneiden, denn westliche Schallplatten waren ebenfalls Raritäten im Osten. Nachdem ich nach langem, ungeduldigem Warten endlich einen gebrauchten, halb defekten Sonett-Monorekorder besorgen konnte (mein Gott, war das ’ne Klapperkiste), weckte dieser kuriose Repräsentant ostdeutscher Unterhaltungselektronik trotz seiner traurigen Gestalt anscheinend dennoch den Neid eines damaligen Freundes. Mit reichlich vorhandener, reicher Westverwandschaft. Und was tat die reiche Westverwandschaft? Tröstete den armen Neffen im Osten mit dem größten, fettesten, begehrenswertesten und teuersten Ghettoblaster, der im Intershop zu finden war. Einem Sharp GF-8989H, damaliger Preis – exakte neun­hundert­neunund­neunzig Westdeutsche Mark. Eine für mich damals in unerreichbaren Sphären angesiedelte Zahl.

     Ich schätze mal, nur wer damals in derselben Lage stecke wie ich, kann ermessen, welch schmerzhaften, brennend-glühenden Neid dieses perfekt konstruierte, makellos durchgestylte Fernost-Produkt bei mir erzeugte. Es stammte aus der Hochzeit japanischer Audiotechnik und war mit allen Raffinessen ausgestattet, die ein tragbarer Rekorder damals aufweisen konnte: Dolby B, Metall-Band-tauglich, Soft-Touch-Tasten, Vier-Wege-Lautsprecher-System und natürlich APSS – automatischer Titelsuchlauf. Zwei Tasten gleichzeitig drücken! Wie absurd und gleichzeitig phantastisch! Und wie traumatisch für mich armseligen, Boxer-Jeans- und Germina-Turnschuh-tragenden Ostjungspund!
     Vor einigen Jahren gelang es mir dann, bei Ebay eines dieser Heiligtümer zu ersteigern (und fragt bloß nicht, was ich dafür bezahlt habe!). Aber erst jetzt ist es mir gelungen, das Gerät auch wieder zum Laufen zu bringen. Denn Antriebsriemen leiern mit der Zeit aus, Gummirollen verhärten, und Ersatzteile sind schon lange nicht mehr erhältlich. Man muß sich also durchwurschteln und nach passenden Teilen aus anderen Quellen suchen. Bei Gummi-Meyer wurde ich dann endlich fündig, die benötigten drei Riemen und drei Reibradgummis hatte er in den annähernd passenden Größen vorrätig. Nur ein Gummirad mußte noch mittels Cutter passend zugeschnitten werden.

     Nach einer Stunde intensiver Bastelei hatte ich die Gummiteile dann endlich am richtigen Platz, da stieg beim ersten Testlauf sofort der uralte Motor aus. Nach dem Einbau eines Ersatzmotors riß die Elektronik der Laufwerksplatine die gleichgerichteten Hufe hoch, starb den Hitzetod und krallte sich im Suizidwahn gleich noch die Gerätehauptsicherung. Fast hätte ich das als böses Omen gewertet, doch es waren noch nicht alle Alternativen ausgeschöpft. Der Trend geht ja immer mehr zum Zweitrekorder, weshalb ich im Wohnzimmer noch ein Ersatzgerät zum Ausschlachten bereithielt. Mit der dort entnommenen Platine nebst Sicherung kam das Laufwerk dann endlich in die Gänge. Allerdings streikte die Endabschaltung der Wiedergabe noch ein Weilchen. Nach intensivem Studium der Laufwerksfunktionen konnte ich aber einen zu schlaffen Gummiriemen als Störenfried ausmachen, nach dessen Austausch die Kassetten nun endlich so abgespielt werden, als wäre der Rekorder soeben frisch im Intershop gekauft worden. Hurra!!!
     Gelernt habe ich bei dieser nervenaufreibenden Aktion zweierlei: Zum einen, welch großartige Ingenieurskunst sich in solch einem Laufwerk verbirgt. Denn die zwischen Motor, Schwungmasse, Zahnrädern, sowie den vielen Hebeln, Gummiriemen und Reibrädern wirkenden Kräfte müssen extrem fein aufeinander abgestimmt sein. Bereits die leicht reduzierte Spannkraft eines ausgeleierten Riemens, die mit der Zeit glattgeschliffene Oberfläche der Rutschkupplung oder die verlorengegangene Haftreibung eines Gummirades können einem gehörig den Tag vermiesen. Und zweitens – ich habe ein weiteres Kindheitstrauma endlich erfolgreich aufgearbeitet! Dafür beglückwünsche ich mich!

Hartz-4-Sanktionen sind offenbar verfassungswidrig

Wer in der unglücklichen Lage ist und Hartz 4 beziehen muß, kann schon aufgrund geringer Vergehen von den Jobcentern sanktioniert werden. Das heißt, ihm werden die finanziellen Leistungen gekürzt, was die betroffenen Personen oftmals in existenzbedrohende Schwierigkeiten bringt. Das dürfte mittlerweise wohl auch jedem bekannt sein.
     Aber wußtet Ihr schon, daß das Bundesverfassungsgericht bereits im Jahr 2010 in einem Urteil diese Sanktionen für verfassungswidrig erklärt hat? Also ich nicht! Ich verlinke hier mal eine Word-Datei (Vorsicht, erstmal auf Viren prüfen!), in der dieses Urteil detailliert beschrieben und kommentiert wird. Also wenn das tatsächlich alles so stimmt, dann dürften vermutlich alle, die jemals von ihren Jobcentern sanktioniert wurden, die verweigerten Zahlungen nachfordern. Und wem das heute passiert, der sollte sich das Dokument mal ausdrucken und zusammen mit dem Widerspruch ans Jobcenter schicken. Auf deren Antwort wäre ich echt gespannt …
     Mal sehen, was mein Anwalt dazu sagt.

SPD-Chef Gabriel läßt die Hosen herunter

Und wieder einmal zeigt die Arbeiterklassenverräterpartei SPD mit Sigmar Gabriel an der Spitze ihre häßliche, undemokratische Fratze: Angesichts der Präsidentenwahl in Österreich fällt Gabriel nichts Besseres ein als: „Alle demokratischen Parteien sollten nun gemeinsam Hofers Wahl zum Staatschef verhindern.“ Daß es sich dabei nicht nur um eine Einmischung deutscher Politiker in die inneren Angelegenheiten Österreichs sondern auch um eine Mißachtung der demokratische gefällten Entscheidung der österreichischen Bevölkerung handelt, kommt ihm anscheinend nicht in den Sinn. Aber was erwartet man auch von Berufspolitikern, die einzig und allein ihren Machterhalt ganz oben auf die politische Agenda gesetzt haben, und denen die Bedürfnisse der Bevölkerung völlig am Arsch vorbeigehen.
     Aber je weniger lernfähig Gabriel und Konsorten sind, desto besser für uns, denn dann werden sie bei nächster Gelegenheit angesichts der katastrophalen Wahlergebnisse ebenso bedröppelt aus der Wäsche gucken, wie ihre ösiländischen Kollegen am letzten Sonntag.

Mein netter Nachbar

Bis vor ein paar Jahren besuchte ich regelmäßig die Lokalrunde, allerdings nicht den traurigen Haufen alter Säufer in der Kneipe um die Ecke, die sich mittlerweile in eine Anwaltskanzlei transformiert hat, sondern eine Veranstaltung mit Musik und Kleinkünstlern, die kreativ tätig sind und Berlin mit ihren humorvollen Texten beglücken. Eine Zeit lang lief die Veranstaltung im Café Moskau, aber das machte irgendwann zu und ich verlor die Lokalrunde aus den Augen.
     Jetzt isse aber wieder da, wächst und gedeiht, und gestern nun waren wieder zwei alte Bekannte von den Berliner Lesebühnen mit dabei, nämlich Tube, dessen skurrilen Humor ich von allen bisher gehörten Autoren am liebsten mochte, und Spider, dessen Werke ich auch schon des Öfteren genießen durfte.
     Zufällig bin ich nun über einen Beitrag von Spider gestolpert, aus dem ich entnehme, daß er wohl hier bei mir in der Nähe wohnt, denn der Bäcker, den er beschreibt, befindet sich gar nicht so weit weg. Und die Empfindungen, die er mit seinem Text vermittelt, entsprechen auch meinen Erinnerungen an die Zeit in der DDR, als ich kleiner Stippi frühmorgens zum Bäcker gescheucht wurde, um Brötchen zu holen, und wo ich mich meistens in einer langen Schlange gedulden mußte, bis ich endlich drankam. Auch heute bildet sich früh wieder eine lange Schlange vor dem Bäcker, aber anders als damals weiß ich die Backwaren viel mehr zu schätzen, denn was es ansonsten so in Supermärkten und sogenannten Backshops im Angebot gibt, verdient in meinen Augen weder die Bezeichnung Brot noch Brötchen.
     Spider ist sozusagen mein netter Nachbar, und ich damit sein netter Nachbar. Und als der nette Nachbar, der ich bin, könnte ich Euch natürlich verraten, wo man den leckeren Bäcker findet. Aber als der egoistische Scheißkerl, der ebenfalls in mir steckt, vermeide ich das lieber, einfach aus der Befürchtung heraus, die Schlange könnte sonst noch viel länger werden.
Aber wenigstens reinhören dürft Ihr mal, ich denke, das ist okay:

Ein deutlicher Wink des Schicksals

Ich bin ja, trotz einiger Rückschläge in letzter Zeit, noch immer felsenfest davon überzeugt, daß uns das Schicksal unterwegs durchs Leben kleine Hinweise zusendet, um uns auf den rechten Weg zu führen. Mit kurzen Beispielen unterlegt habe ich das auch in meinem Buch beschrieben, im Abschnitt „Niemandsland“.
Gestern nun war es mal wieder soweit: Seit Anfang dieses Monats steht mein geliebtes Golfilinchen nämlich sicher geschützt in einer Garage hinterm Haus, was man in einer Großstadt wie Berlin durchaus als Sechser im Lotto bezeichnen darf. Gleich am ersten Tag lernte ich den weisen alten Mann kennen, der die Garage neben mir hat, und in seiner unendlichen Weisheit und unerschöpflichen Lebenserfahrung riet er mir sogleich, die offenen Türen unbedingt mit den dafür vorgesehenen Stangen zu sichern, damit der Wind sie nicht zuschlägt. Doch als der leichtsinnige, fast fünfzigjährige Jungspund, der ich nun mal bin, schoß ich seine Warnung natürlich in ebendiesen. Also in den Wind.
     Gestern nun, auf dem Weg in die Sonntagssonne, öffnete ich die Garagentüren, schoß in den Wind, setzte mich ins Auto und ließ den Motor an. Vorsichtshalber, induziert durch eine düstere Vorahnung, elektrokurbelte ich noch das Fenster herunter, um im Ernstfall die sich schließende Tür mit der Hand aufhalten zu können.
     Leichter Druck aufs Gas, doch eine höhere Macht ließ mich die Kupplung weiter gedrückt halten …
     Peng!!! Mit lautem Knall hämmerte der in den Wind geschossene Wind die Tür gegen den Rahmen. Wäre ich nur eine Sekunde früher losgefahren, hätte die aus schwerem Holz gefertigte Tür mir den Kotflügel zertrümmert. Schwein gehabt!
     Ja, liebe Schicksalswinke – ich verspreche, Euch in Zukunft etwas ernster zu nehmen! Wenn Ihr mir versprecht, Euch mir gegenüber noch etwas deutlicher zu offenbaren.

„The Jungle Book“ oder „Gehört nicht in Kinderaugen!“

Wenn Samstagnachmittag über den Schwarzweißfernseher meiner Eltern die Flimmerstunde mit Prof. Flimmrich flimmerte, und zufällig mal wieder die russischen Märchenfilme mit der Hexe Baba Jaga und ihrem sich auf einem Hühnerbein drehenden Hexenhäuschen liefen, dann empfand ich etwa Zehn­jähriger das schon als ziemlich gruselig. Wie gruselig muß dann ein nicht mal fünfjähriges Kleinkind einen perfekt animierten, dreidimensionalen Tiger empfinden, der hinter Mogli, dem minderjährigen Haupthelden des gerade angelaufenen Kinofilms „The Jungle Book“ hinterherjagt?
     Anscheinend ziemlich gruselig, denn die Kleinkinder um mich herum verfielen bei den etwas heftigeren Szenen jedesmal in hektisches Angstgeplapper, das auch durch gutes Zureden der begleitenden Eltern nicht einzudämmen war.
     Das Buch las ich übrigens auch schon in frühestem Kindesalter, und ich fand es sehr spannend, wortgewaltig und bildhaft, also ganz so, wie ein gutes Buch sein sollte. Allerdings habe ich sowohl den Verlauf der Geschichte als auch die eher verhaltende „Äktschn“ etwas anders in Erinnerung, als sie sich heute im Film präsentierte. Sagen wir mal, gegen den Film ist das Buch eher ein Laumann. Es kommt nicht eine Sekunde Langeweile auf, einfach weil es ständig etwas zu entdecken gibt. Und überhaupt, die Tiere: Perfekt animiert und vollständig verschmolzen mit der realistisch wirkenden Umgebung, so daß es unmöglich ist, zu sagen, was davon noch real gefilmt und was im Computer entstanden ist. Etwa in der Szene, wo Mogli auf dem Bär sitzend den Fluß entlangschwimmt. Während man im Film „Titanic“ die am Schiffsrumpf entlangplätschernden Wellen noch eindeutig als computeranimiert zu identifizieren vermochte, so bewegt sich der flauschige Bär völlig natürlich im klaren Wasser, mit nassem Pelz, Licht­reflex­ionen und Piapapo. Dazu noch ein paar lustige Sprüche („das ist keine Dschungelregel, das ist Propaganda!“) und ein „heißes“ Finale, schon hat man einen unterhaltsamen Familienfilm. Vorausgesetzt, man läßt die Kinder zu Hause.
     Unbedingt bis zum Schluß ansehen sollte man sich auch den Abspann, dort durften sich die 3D-Animateure nämlich nochmal so richtig schön kreativ austoben!

Der Sultan und der giftige Gartenzwerg

Das Wichtigste gleich zum Anfang: Ich mag sie nicht. Alle beide. Nicht den türkischen Präsidenten Erdogan – irgendwie erinnert der mich an Stalin. Also schon rein optisch. Und auch nicht Jan Böhmermann. Er ist ein Nichts. Eine Null. Eine Witzfigur. Ein pubertierendes, dürres Jüngelchen. Ein giftiger Gartenzwerg, der sich das Maulaufreißen nur darum erlauben kann, weil er von Sicherheits­schleusen und Wachleuten sicher geschützt im kuschelwarmen Fernsehstudio sitzt. Müßte er sein lockeren Sprüche vis-à-vis den Opfern seines Spottes wiederholen, würde er vermutlich keine Silbe herausbekommen, denn er sieht mir eher nicht danach aus, als würde er die unvermeidlichen Erwiderungen zehn Runden lang durchstehen.
     Ich finde auch seinen Humor nicht komisch. Aber das muß ich ja nicht, die Geschmäcker sind halt verschieden. Doch was er da in seinem … nennen wir es ersatzweise ruhig mal „Gedicht“, solange bis uns etwas Besseres dafür einfällt. Was er da neulich abgesondert hat, dürfte mit Satire eigentlich nichts mehr zu tun haben. Diejenigen, die sich jetzt hinstellen und laut „Satire darf alles“ in die Welt rufen, sollten sich mal genau überlegen, ob sie diese Meinung immer noch vertreten würden, wenn ein guter Freund, der Lebenspartner, die Eltern, die Kinder oder gar sie selbst die Zielscheibe dieser Beleidigungen geworden wären. Und zwar öffentlich im Fernsehen und vor tausenden Zuschauern. Man mag über Erdogan denken, was man will, doch derartige Angriffe hat niemand verdient, auch er nicht. Neben den Gesetzen, welche die Pressefreiheit, die Freiheit der Kunst und auch der Satire behandeln, gibt es auch noch Gesetze, mit denen ehrverletzende Beschimpfungen und Beleidigungen geregelt werden. Und das ist auch gut so, denn man stelle sich vor, jeder könnte jeden beschimpfen und ungestraft damit durchkommen, indem er hinterher behauptet, das sei doch bloß Satire gewesen. Unsere Gesellschaft würde wohl erheblich darunter leiden, denn niemand hätte mehr die Möglichkeit, juristisch gegen solche Angriffe vorzugehen. Mobbing in der Schule, auf der Arbeit und im Alltag, das alles wäre dann nicht mehr juristisch zu ahnden.
     Aber das alles wollte ich nur mal beiläufig erwähnen, was mich derzeit wirklich brennend interessiert, ist Folgendes: Jetzt, nachdem Jan Böhmermann bekanntgegeben hat, vorerst zu pausieren, wovon lebt er da eigentlich? Bekommt er sein vermutlich fürstliches Gehalt, bezahlt aus dem allseits beliebten Rundfunkbeitrag, also auf Kosten des Steuerzahlers, auch weiterhin oder muß er Flaschen sammeln gehen? Gefährlich wäre Letzteres auf jeden Fall nicht, denn er hat ja nun Polizeischutz. Auch auf Kosten des Steuerzahlers.
     Halt, noch was, nur für die Anwälte: Das Nichts, die Null, die Witzfigur, das pubertierende, dürre Jüngelchen und der giftige Gartenzwerg sind selbstverständlich Satire!

Am Vorabend der Revolution

Bereits in meinem Buch schrieb ich, daß soziale Ungerechtigkeiten in Frankreich stets ein heißes Eisen sind und zu mehr oder weniger heftigen Aus­ein­ander­setzungen führen. Nun isses also mal wieder soweit, die Nachrichten vermeldeten soeben, daß es in Frankreich zu schweren Ausschreitungen kam. Die Regierung unter Staatspräsident Hollande versucht wohl gerade, eine Arbeitsrechtsreform durchzusetzen. Laut Medien sollen die Ausschreitungen bereits revolutions­ähnlichen Charakter gehabt haben. Kein Wunder, könnten die Folgen für die französischen Arbeitnehmer doch ähnlich verheerend sein, wie für deutsche Arbeitnehmer die Agenda 2010, die in den unmenschlichen und unerträglichen Hartz-4-Gesetzen gipfelte, und zwar mit allen drastischen Nebenwirkungen, wie Sklaverei durch Androhung von Sanktionen, 1-Euro-Jobs und daraus resul­tierender Armut durch zu niedrige Renten, die übrigens auf Grund der Renten­anpassung mittlerweile auch Menschen mit ganz normalem Einkommen betrifft. Wie etwa mich.
     Fragt sich nur, warum es in Deutschland nicht auch entsprechende Reaktionen auf der Straße gab, als die Agenda umgesetzt wurde. Wie die Schäfchen ließen wir uns von SPD und Grünen zur Schlachtbank führen, und die Gewerkschaften machten munter mit.
     Aber vielleicht mahlen die deutschen Arbeitnehmermühlen einfach nur etwas langsamer, denn wenn man den aktuellen Umfragen Glauben schenken darf, so steht es um die etablierten Parteien derzeit gar nicht gut. Die SPD schrammelt teilweise schon unterhalb der 20-Prozent-Marke entlang und die Grünen dümpeln irgendwo bei der Hälfte dahin, gleichauf mit der AfD. Die hat übrigens ver­sprochen, Hartz 4 abzuschaffen und durch eine „aktivierende Grund­versorgung“ zu ersetzen. Dies wird allerdings von unterschiedlichen Seiten teilweise recht hart kritisiert, insbesondere mit Blick auf die vorgeschlagene Privatisierung der Arbeits­losenversicherung. Die Kommentare reichen von „Abschaffung des Solidargedankes“ bis hin zum „Abbau des Sozialstaates“. Es bleibt also offen, ob das, was derzeit schon unmenschlich und schlimm ist, noch viel schlimmer werden kann. Immerhin ist die Sozialhilfe ja noch im Grundgesetz verankert. Also wenn mich das mal nicht beruhigt …