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Wenn das Schiff wieder in See sticht

Die meisten Künstler sind mir sympathisch. Besonders mit Musikern kam ich schon immer gut zurecht. Mein ehemaliger Klavierlehrer, einer der nettesten Menschen dieses und auch jedes anderen Planeten, hat heute geheiratet. Und auch seine Frau – eine ausgesprochen nette und bezaubernd schöne Frau mag ich sehr. Sie sah hinreißend aus in ihrem Brautkleid, einem langen, leicht gerafften, weißen Kleid mit einer korsettartigen Weste darüber, die mit goldenen, ineinander verschlungenen Mustern bestickt war und in der Sonne ein wenig wie Gold schimmerte. Derart geschmückt sah diese schlanke, hochgewachsene Frau aus, wie eine Märchenfee.
Unter den vielen Gästen waren auch noch weitere Musiker, unter anderem zwei Saxophonisten, ein Chellist, mit dem ich mich auch stets sehr gut unterhalten kann, und noch ein Pianist, der bereits durch seine Ausstrahlung aus der Masse hervorsticht und selbst schwierige Werke wie die Revolutionsetüde von Chopin meisterhaft beherrscht und auf der heutigen Party mit angenehmer Hintergrundmusik die Gäste unterhielt. Bekanntlich spielte Chopin ja zu seiner Zeit bereits höhere Töchter schwach, und auch unserem Pianisten konnten die weiblichen Besucher heute nicht widerstehen. Eine schnatterhafte, junge Dame hielt dem Blick in seine blauen Augen dann tatsächlich nicht lange Stand und tauschte bereits nach kurzer Zeit mit dem Meister die Telefonnummern aus.
So erlebte ich endlich mal wieder einen angenehmen Tag mit interessanten Menschen, und als ich mich schließlich auf den Heimweg machte, spielte die Jukebox meines Golfilinchens zum Abschied einen guten alten Titel von Karat, sodaß ich mir vorkam, wie ein Seemann, der Abschied feierte und seine geliebte Familie verläßt, um wieder in See zu stechen. Zurück in eine kalte, graue und stürmische See …


Karat – Auf den Meeren 1979 – MyVideo

Die Zeit heilt alle Wunden

So um die Wendezeit hatte ich eine Freundin, und in der Nacht des Mauerfalls waren wir gerade sehr intensiv mit uns selbst beschäftigt, weshalb wir von dem großen historischen Ereignis nichts mitbekamen und ich am nächsten Tag vollkommen überrascht war, zu hören, die Grenze sei nun für jedermann zu überqueren. An diesem Morgen kam ich nämlich zu spät zur Arbeit, weshalb das Thema bei den anderen Kollegen bereits durch war. Ich wunderte mich beim Blick aus dem Fenster einfach nur über den ungewöhnlich schwachen Verkehr am Straußberger Platz, worauf einer der Mitarbeiter sagte, die seien bestimmt alle im Westen. Schon klar … im Westen!
Die Beziehung mit dem Mädel hielt allerdings nicht lange, doch wir waren auch später noch freundschaftlich verbunden, und eines Tages lud sie mich dann zu einer Gartenparty ein, mit anschließender Übernachtung. So lagen wir also in der mittelgroßen Gartenlaube mit etwa 12 Personen, und ich konnte wie üblich nicht einschlafen. Irgendwer stellte dann mitten in der Nacht den CD-Player an, aus dem Sinead O’Connors Debütalbum dudelte, leise zwar, aber dennoch störend. Und nach wenigen Minuten war mir auch klar, was das Ganze sollte: Die Musik sollte wohl die Sexgeräusche übertönen, welche von zwei Pärchen ausgingen, darunter auch meine Exfreundin mit ihrem neuen Freund.
Danach mochte ich Sinead O’Connor irgendwie nicht mehr so gern hören. Aber heute, also 25 Jahre später, gefällt mir die Musik plötzlich wieder. Demnach scheint das Sprichwort wohl zu stimmen – die Zeit heilt alle Wunden.

God grant me the serenity to accept the things I can not change,
courage to change the things I can,
and the wisdom to know the difference

Wissenschaftlicher Disput

Auf ZDF-Info läuft gerade die interessante Dokumentation „Der letzte Kampf der Riesen“, in der das rätselhafte Aussterben der Mammuts thematisiert wird. Neueste Forschungen versuchen derzeit zu beweisen, daß die Mammuts durch einen Meteoriteneinschlag ausgestorben sind, was anhand von winzigen Metallsplittern in Steinen, Stoßzähnen, Knochen und anderen Überresten aus der damaligen Zeit bewiesen werden soll. Das Fehlen eines Einschlagkraters wird übrigens damit erklärt, daß die damals über dem Kontinent liegende, dicke Eisschicht die Aufprallenergie abgeschwächt haben soll.
Bemerkenswert finde ich jedoch die Tatsache, daß all die Wissenschaftler aus den vielen, unterschiedlichen Fachgebieten völlig verschiedene Ansichten zu dem Thema haben und diese auch nachvollziehbar beweisen können, zum Beispiel sollen die damals auf der Erde lebenden Menschen die Mammuts so stark bejagt haben, daß am Ende keiner mehr übrig war. Ich wette, die Sanitärindustrie könnte auch den Beweis erbringen, daß die Mammuts schlicht und einfach totgepinkelt wurden.

The Idol of my Childhood

Es war 1983, wir pickeligen Ost-Teenies hatten nur die Wahl zwischen „Schlager der Woche“ mit dem genialen Lord Knut und „Hey Music“ mit Jürgen Jürgens (beides lief auf eigentlich verbotenen Westradiosendern) – da verkündigte der Lord zum ersten Mal seinen Namen … und zunächst sprach er ihn deutsch, also wie I, statt korrekt in Englisch, wie Ai: Billy Idol. Sein erster Hit „Rebell Yell“ yellte mir sofort sympathisch in den Ohren, und ich weiß noch genau, wie ich jede Woche erneut zum Lord betete, er möge sich erbarmen und den Titel immer und immer wieder spielen, damit ich mit meinem buckeligen Sonett-Monorekorder die Chance hatte, den Song in einigermaßen vertretbarer Qualität aufzunehmen, wobei der Rekorder an den Fehlversuchen eigentlich völlig unschuldig war, weil ich mich einfach nur zu blöd anstellte, den Aussteuerungsregler, der gleichzeitig als Klangregler fungierte, vernünftig einzustellen. Es war die Hochzeit der Popmusik, viele Bands, von denen damals noch gar nicht absehbar war, ob sie mal groß rauskommen würden oder nicht, wie etwa Depeche Mode, tummelten sich mit unglaublich kreativer Musik in den Hitparaden, der immer erschwinglicher werdende Synthesizer machte diese Revolution möglich. Es gab jede Woche etwas Neues, massenweise Futter für die Musikkassetten, und niemals war Radiohören spannender.
Billy Idol war anders: Er war rotzig, frech, punkig und trotzdem nicht schmuddelig, Edelpunk nannte man das damals. Irgendwie schaffte er es wie kein zweiter, die Hörer entweder magisch anzuziehen oder abzustoßen. Ich mochte ihn jedenfalls, kurzzeitig trug ich sogar die gleiche Frisur wie er, nur blondieren – das traute ich mich dann doch nicht. Sein fieses Peitschenschnurlächeln und die zur Schau getragene Coolness eines Jungspundes waren so abstoßend wie faszinierend zugleich. Und diese Musik … White Wedding, Don’t Need A Gun und Flesh for Fantasy brachten einfache jede Party zum Kochen.
Gestern nun habe ich den Mann zum ersten Mal live gesehen. Er spielte in der Zitadelle Spandau vor geschätzten 3000 Zuhörern, und was dieser fast 60-Jährige da auf der Bühne abzog, war einfach nur spektakulär. Billy ließ sich nicht lange bitten und tobte, tanzte, sprang und sang schon nach wenigen Minuten mit freiem Oberkörper auf der großen Bühne herum. Entweder ist er ein Außerirdischer oder er ernährt sich sehr gesund und treibt täglich Sport, denn ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Mann seines Alters in so guter Verfassung gesehen zu haben. Seine mehr als 30 Jahre Bühnenerfahrung sind deutlich spürbar, er kämpft um wirklich jeden Fan und gibt allen das gute Gefühl, von ihm … von IHM … bemerkt worden zu sein. Auch seine Bandkollegen sprühen nur so vor guter Laune und widmen selbst den weit neben der Bühne stehenden Fans ihre Aufmerksamkeit. Natürlich wurden auch jede Menge Idol-Devotionalien verteilt, Billy warf ein paar signierte Pappteller wie Frisbeescheiben ins Publikum, Steve verschenkte seine Plektren, und außerdem gab es noch ein paar Trommelstöcke und Playlisten als Andenken. Der Sound war perfekt, die Performance äußerst beeindruckend, so sollte ein Konzert sein. Und dann noch dieses markante Gesicht … ohhh, diese Stimme … ich glaube, er ist wirklich ein Außerirdischer.

Fotos: Stoffhase/Sunlion

Nur bedingt visionär

Einige von Euch werden das vielleicht kennen: Gelegentlich kann man vage in die Zukunft schauen, zum Beispiel denkt man an jemanden, der dann plötzlich anruft oder so. Am Freitag hatte ich mal wieder so eine Vision: Ich joggte gerade in meinem Fitneßstudio auf dem Laufband, als mir plötzlich auffiel, daß der in meinen Ohrhörern vor sich hinplärrende, zufallsgesteuert ausgewählte Musiktitel erschreckend langweilig war. Gleichzeitig murmelte mir die Melodie von Depeche Modes „It’s no good“ durch den Schädel, und als ich auf die Forward-Taste tippte, kam doch tatsächlich genau dieser Titel. Und das bei einer Chance von 4103 (vorhandenen Titeln) zu 1.
Hochmotiviert von solch spektakulärem Sehergeschick fuhr ich nach dem Training sogleich in den nächsten Lottoladen und füllte einen Schein komplett aus.
Und, was soll ich Euch sagen? Ich gewann … nüscht!
Garstiges Schicksal!

Gaucklersülze

Der einfältige alte Mann hat mal wieder sein Freiheitsgesülze abgesondert: Zu einer aktiven Politik Deutschlands zur Konfliktlösung gehöre auch, „den Einsatz militärischer Mittel als letztes Mittel nicht von vornherein zu verwerfen“. Was ja seit dem Vietnamkrieg ausnahmlos perfekt funktioniert hat. Wenn Gauck solche Reden hält, fällt mir immer spontan das Zitat eines berühmten, deutschen Philosophen ein … wie hieß er doch gleich …? Ach ja, richtig – Udo Lindenberg: „… und der Pfaffe wie immer seinen Segen gibt!“

Bedeckt gehalten

Beim Heimweg vom Parkplatz zum Fernsehsessel schaute ich mal wieder neugierig in fremde Fenster und entdeckte einen Jungspund in seiner Küche am Fenster stehend. Draußen sind 33°C, sein Fenster liegt genau auf der Sonnenseite, aber er … er hat natürlich ein Basecap auf. In der Wohnung. Bei 33 Grad Hitze. Und Sonnenschein.
Ach so, vermutlich als Sonnenschutz.
Nee … alles klar, Kommando zurück, jetzt hab ich’s verstanden!

Fahrschulprüfungsfrage Nr. 1009:

Der Führer eines Kraftfahrzeugs ist verpflichtet, sich vor Fahrtantritt vom ordnungsgemäßen Zustand seines Fahrzeugs zu überzeugen. Nennen Sie einen Grund, warum diese Maßnahme wichtig ist.
Richtige Antwort: Ich nenne sogar zwei Gründe*:

* Soeben auf meinem Parkplatz entdeckt. Was die wohl verbrochen haben? Führerschein weg? Raten nicht bezahlt? Wer weiß …

Angewandte Physik

Die Tagesschau vermeldete soeben, daß am Sonntag 35°C werden. Das bedeutet dann wohl, daß ich meine computergesteuerte Heizung wieder einschalten muß, die ist nämlich auf exakt 22°C eingestellt. Das dürfte um einiges angenehmer sein.