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Rock-Zombies

Ich finde es echt erschreckend, was Alkohol und Rockmusik aus Menschen machen. Da werden handelsübliche Spießer, die sich tagsüber im Büro vermutlich ganz normal benehmen, zu völlig enthemmten, jeder Kontrolle beraubten Zombies, die sich selbst und ihre Umgebung anscheinend völlig ausblenden, während sie Getränkebecher durch die Gegend werfen, mit den Armen um sich schlagen und wild herumspringen, ohne Rücksicht auf Verluste. Das erinnerte mich spontan an Knorkators Song „Für meine Fans“: „… stattdessen seh‘ ich jeden Tag erbärmliches Proletenpack“.
Da steht man auf der geilsten Party der Welt und hat trotzdem schon nach kurzer Zeit das dringende Bedürfnis, einfach nur noch schnell nach Hause zu fahren. Schade, daß es immer ein paar Arschlöcher geben muß, die einem die gute Laune vermiesen.

Fahrschulprüfungsfrage Nr. 1009:

Sie fahren im dichten Feierabendverkehr, es bildet sich zähfließender Verkehr. Wie können Sie die kurzen Wartezeiten beim Anhalten des Fahrzeugs sinnvoll nutzen?
Richtige Antwort: Ich überprüfe den Zustand meiner Zahnhygiene und korrigiere wenn nötig mit Zahnseide.
Soeben hinter mir beobachtet.
Kein Witz!

Angst vorm gelben Strahl

Soeben in der Berliner Abendschau: Die Freßbuden am Breitscheidplatz rund um die Gedächtniskirche müssen weg. Die Stadt ist der Ansicht, daß es dem Gedanken des Denkmalschutzes widerspricht, wenn es rund um die Kirche aussieht, wie auf ’nem Rummelplatz. Der Pfarrer der Kirche befürchtet nun, daß durch das Wegfallen der Selbstkontrollen durch die Budenbesitzer das Gelände wieder unter zunehmender Verwahrlosung leiden könnte, beispielsweise weil Passanten gegen die Kirche pinkeln.
Also als ich das hörte, dachte ich so bei mir – da sind die jetzt bestimmt ganz schön angepißt!

Muh mir!

Lieber Onkel Kaufland,

wenn ‚de statt des Eiskaffees von Hochland vielleicht doch lieber wieder den von Muh einkaufen tätest, wäre ich Dir sehr verbunden. Der von Hochland schmeckt nämlich eher määähhh statt muh. Danke!

Dein Sunlion

Die Stille, die niemand will

Wie funktioniert das eigentlich? Einen Menschen dazu zu bringen, die angeborene Tötungshemmung zu überwinden und andere Menschen umzubringen? Und was passiert mit denen, die als Soldaten in Kriege geschickt werden?
Der Dokumentarfilm „The Ground Truth – der Irakkrieg und seine Soldaten“ beantwortet diese Fragen mit eindringlicher Intensität. Die amerikanischen Soldaten berichten von ihrem Irakeinsatz und dem Leben danach zu Hause und zeigen dabei eine erstaunliche Selbstreflektion über die von ihnen begangenen Verbrechen, die nur leider viel zu spät kommt, weil die Menschen, die sie getötet haben, nicht wieder lebendig werden. „Die Stille, die Leere zwingt einen zu der schmerzhaften Selbstprüfung, die niemand will.“
Damit ist dieser Film eine Pflichtlektüre für jeden, der darüber nachdenkt, zur Armee zu gehen und mit der Waffe in der Hand durch die Welt zu marodieren.

„Lone Survivor“ oder „Die Blödheit verliert immer“

Derzeit läuft in den Kinos der amerikanische Kriegsfilm Lone Survivor, nominiert für den Oscar und mit ein paar anderen Auszeichnungen geadelt. Es soll ja Leute geben, die hassen es, wenn man ihnen vorher schon die Überraschung verdirbt und verrät, wie die Sache ausgeht. Deshalb werde ich freundlicherweise an dieser Stelle mal nicht erzählen, daß nur einer überlebt. Upps … sorry!
Jedenfalls erzählt der Film die auf Tatsachen basierende Geschichte einer Navy-Seals-Einheit, die auszog, das Fürchten zu lernen. Quatsch … die auszog, um einen berüchtigten Talibanführer zu entführen. Quasi eine Einheit aus lauter Talibanführerentführern. Braucht man für sowas eigentlich einen Entführerschein?
Jedenfalls fliegen die da zu ihrem Einsatzort, krabbeln in ein Tal hinunter auf das Dorf zu, in welchem sich der Obermufti versteckt hält. Sie beziehen Stellung und warten auf den richtigen Moment, der jedoch nicht kommt, weil ihnen ein falscher Moment dazwischenkommt, und zwar in Form eines alten Mannes, eines Jungen, eines zornigen Jugendlichen und einer Ziegenherde. Die amerikanische Trotteltruppe fliegt natürlich auf und überwältigt die drei Ziegenhirten. Und nun kommt der Knackpunkt: Was machen wa denn nun mit denen? Der Offizier vom Dienst sieht dank seiner eingeschränkten intellektuellen Kapazitäten nur drei Möglichkeiten:
1. Die Ziegenhirten werden am Baum angebunden, verbunden mit dem Risiko des Verhungerns und Verdurstens oder der Möglichkeit, von Wölfen gefressen zu werden. Aber die Truppe könnte sich über den Berg zurückziehen und die Aktion abblasen.
2. Die Ziegenhirten werden laufen gelassen und die Truppe zieht sich zurück. Dies hat den Nachteil, daß die Freigelassenen unten im Dorf die Taliban verständigen und diese dann die Verfolgung aufnehmen.
3. Die Ziegenhirten werden getötet und das Team setzt seine Operation fort.
Nach hitziger Diskussion lassen die Seals die drei Gefangenen laufen, und so kommt es, wie es kommen muß: Nach kurzer Zeit sind sie von einer großen Anzahl Taliban umzingelt und in heftige Feuergefechte verwickelt. Nachdem schon einiges Blut den Berg hinabgeflossen ist, kommen die Seals auf die dämliche Idee, einen Abhang hinunterzuspringen, wobei sie sich heftig überschlagen und die halbe Ausrüstung verlieren. Erstaunlich, daß anschließend überhaupt noch jemand am Leben ist. Aber offenbar hielten das alle für eine spektakulär gute Idee, sodaß es kurz darauf noch einmal versucht wird, diesmal aber an einem mit großteiligem Geröll übersäten Abhang. Aua!
Es folgt eine Aneinanderreihung dämlicher und wenig preisverdächtiger Dialoge:
„Sind wir tot?“
„Negativ!“
„Uns geht’s gut, oder?“
„Scheiße, ja! Wir sind zäh!“
Nun wird es weinerlich:
„Falls ich draufgehe, mußt du dafür sorgen, daß Indi …“, vermutlich sein Weibchen, „… erfährt, wie sehr ich sie liebe und daß ich mit meinen Brüdern gestorben bin und daß mich das mit Stolz erfüllt!“
In den Kinosesseln beginnt nun auch langsam das Sterben, nur daß dies niemanden mit Stolz erfüllt.
Irgendwann funktioniert plötzlich das Satellitentelefon wieder und der verbliebene, zerfetzte Rest der amerikanischen Dorfdeppen ruft nach Luftunterstützung, die kommt dann auch mit ihren furchteinflößenden, supermodernen und erschütternd schlecht gepanzerten Chinook-Transporthubschraubern. Einer davon wird sogleich mit einer Panzerfaust abgeschossen, was trotz fehlender Panzerung möglicherweise hätte vermieden werden können, wenn man doch einfach mal die hintere Transportklappe geschlossen hätte, welche das Geschoß oder zumindest dessen Explosionsenergie durch die Schräge eventuell nach unten abgeleitet hätte. Aber nöö – mit offener Klappe fliegen ist ja viel cooler – wieder 38 Tote mehr in einem Krieg, der niemandem nützt, am wenigsten den Soldaten.
Es kommt wie es kommen muß, alle Navi-Seals werden abgeschlachtet, bis auf einen, der von ein paar Afghanen gerettet wird, was diese wiederum selbst in Gefahr bringt, weil sie sich nun mit den Taliban anlegen müssen. Es kommt zu einem Gefecht zwischen der Dorfbevölkerung und den Taliban, welche letztendlich durch den Einsatz amerikanischer Truppen verjagt werden, was man aus der Realität auch eher anders kennt. Unterm Strich bleibt also nur die Erkenntnis, daß mal wieder viele Menschen sterben mußten, weil die Amerikaner sich in Angelegenheiten einmischten, die sie eigentlich nichts angingen. Und wieviele davon noch leben könnten, wenn die bescheuerten Seals am Anfang der Geschichte noch über eine vierte Möglichkeit nachgedacht hätten: Die drei Ziegenhirten auf dem Rückweg einfach ein Stück mitnehmen, bis sie ungefährliches Gebiet erreicht haben und sie dann laufenzulassen. Aber okay – kluge Menschen würden auch nicht freiwillig in einen Krieg ziehen.
Bleibt letztendlich nur noch die Frage offen, welcher Witzbold auf die Idee gekommen ist, einen überzeugten Pazifisten wie Peter Gabriel mit einer Coverversion von David Bowies Superhit „Heros“ für den Abspann dieses Kriegsfilmes auszuwählen.
Und wieder zwei Stunden meiner kostbaren Lebenszeit sinnlos verplempert …