Soeben in der Tagesschau: Die Banken, insbesondere die deutschen Banken, halten eine Umschuldung Griechenlands durchaus für machbar. In der Diskussion ist ein Austausch von Krediten gegen Kredite, die erst in sieben Jahren zurückgezahlt werden müssen. Allerdings verlangen die Banken dafür mehr Sicherheiten. Sie wollen, daß nicht nur Griechenland für die Rückzahlung garantiert, sondern … jetzt raten Sie mal … genau! Auch alle anderen Euroländer. Oder anders formuliert: Wir!
Sowas nennt man dann wohl „Lizenz zum Gelddrucken“.
Die Schmierlappen der Bild-Zeitung entlarfen ihren Werbeslogan „Bild Dir Deine Meinung“ einmal mehr als Lüge, in dem sie in einem Artikel wieder ordentlich vom Leder ziehen und den ehemaligen Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden nicht nur in die schmuddelige Sex-Ecke zerren, sondern auch noch mit beleidigenden und diffamierenden Begriffen bezeichnen, die zum Bild-Standardrepertoir zählen und im Zusammenhang mit abscheulichen Vorgängen des öfteren auftauchen. So gibt es ein paar Grundwörter, wie etwa Teufel, Monster oder Gangster, die je nach Situation mit einem weiteren Substantiv beliebig kombiniert werden. So wird aus dem Teufel beispielsweise mal ein Terrorteufel oder ein Sexteufel, ersatzweise ein Sexmonster, besser noch ein Sex-Monster, also mit Bindestrich, damit das Wort Sex deutlicher hervortritt. Und damit wird die Bewertung der Nachricht gleich mitgeliefert, egal, welche Haltung man zum 11. September, dem Afghanistankrieg und Osama Bin Laden haben mag, er hat gefälligst ein Terrorteufel zu sein, weil die Schmierfinken der Bildredaktion das so wollen. Von wegen „Bild Dir Deine Meinung“!
Am 11. Juni nun schreibt die Bild also: „mehr als fünf Wochen nach dem Tod … kommen ganz andere Leidenschaften ans Licht. Laut bin Ladens erster Ehefrau war der Al-Qaida-Chef die reinste Sex-Maschine.“ Und weiter: „Der US-Journalistin Jean Sasson erzählte sie, wie sie und ihr Mann sich früher nächtelang im Schlafzimmer vergnügt hätten. Immer wenn der Terror-Teufel von seinen Dschihad-Ausflügen zurückkehrte, sei er erst einmal mit ihr im Bett verschwunden.“ „… im Luxus-Versteck im pakistanischen Abbottabad … fanden die Ermittler nach dessen Tod … eine Flasche „Avena“. Der Sirup aus Hafer gilt als natürliches Potenzmittel …“
Bin Laden also nicht nur ein Terrorteufel … Verzeihung, ein Terror-Teufel, sondern auch noch ein Sex-Monster?
Wie war das damals, als Freundin 37.0 noch bei mir wohnte und ich von meinen täglichen „Terror-Feldzügen“ nach Hause kam? Haben wir gebetet? Haben wir keusch zu Abend gegessen? Nein! Wir sind übereinander hergefallen und haben uns geliebt, als gäbe es kein Morgen. Macht mich das zum Sex-Monster? Meine Freundin meinte „Ja“.
Bin Laden also nur ein ganz normaler Typ von Nebenan, wie Du und ich, und selbst als Muslim mit seinen 20 Kindern noch gottesfürchtig den Grundsätzen der Bibel gehorchend: „Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde …“ (Mose, Kapitel 1/28)
Amen!
Zur EHEC-Krise nun ein Kommentar von Gernot Hassknecht von der Rezepteseite der Sport-Bild.
Fragt sich nicht ganz zu Unrecht Gesine Borcherdt und zieht innerlich vermutlich dasselbe Fazit, wie ich: Man muß nicht in jedem Club Mitglied sein.
Den hier habe ich schon am 23. Mai geschrieben aber wohl vergessen, ihn abzuschicken. Naja, egal, wird ja nicht schlecht:
Die USA, einer der größten Verursacher von Treibhausgasen, werden erneut von einer gewaltigen Tornado-Serie heimgesucht. In den letzten Jahrzehnten, aber besonders in den letzten zehn Jahre haben extreme Wetterphänomene weltweit rasant zugenommen. Und nun denken wir mal noch zehn, zwanzig Jahre weiter …
Soeben stand eine Frau vor meiner Wohnungstür, etwa Mitte 30 und mit magentafarbenen Haaren. Sie wollte wissen, ob ich an DSL-Produkten der Deutschen Telekom interessiert sei. Ich mußte ihr leider mitteilen, daß ich schon mal Telekom-Kunde war und diese mich als langjährigen Kunden aufgrund von Unfähigkeit verloren hat. Und das kam so:
Vor fast genau sechs Jahren wollte ich kein DSL. Ich wollte nur meinen Null-Acht-Fünfzehn-Telefonanschluß ummelden, ich war nämlich umgezogen. Vom ersten in den fünften Stock. Im selben Haus. Von unten nach oben.
Leider gab es auf der Webseite der Telekom eine Ummeldeseite, auf der es keinen Null-Acht-Fünfzehn-Telefonanschluß zur Auswahl gab. Stattdessen aber jede Menge tolle DSL-Angebote: „T-DSL XXL: Tagsüber für 0,815 Cents telefonieren, dafür am Wochenende kostenlos, aber nur zu fünf Freunden.“ „T-DSL Sunshine: 4711 Telefonnummern zum Mitnehmen, aber nur wenn die Sonne scheint, sollte es regnen, bleibt man besser Zuhause.“ „T-DSL 2000 Deluxe: Montags zum Einheitspreis von 10 bis 12.30 Uhr, Dienstags dann das Doppelte aber nur mit Mutti, Vati kann Mittwochs umsonst telefonieren, dafür muß er aber rüberkommen …“
Eventuelle Ungenauigkeiten in den Produktbeschreibungen bitte ich zu entschuldigen, schließlich sind seitdem schon eine Menge Bytes die Telefonleitung hinuntergeflossen. Auf jeden Fall gab es in der Liste gefühlte 20 Angebote, eines komplizierter als das andere, und keines davon meinen Bedürfnissen entsprechend. Dabei lernt heute schon jeder Verkäufer: „Biete dem Kunden ein Produkt, und er wird sich nach weiteren umschauen. Biete ihm zwei Produkte, und er wird sich wahrscheinlich für eines von beiden entscheiden. Biete dem Kunden drei Produkte, und er hat genügend Wahlmöglichkeiten. Biete dem Kunden mehr als vier Produkte und er wird verwirrt das Geschäft verlassen, ohne zu kaufen.“
Dazu noch die unergründlichen Unternehmenssparten Telekom, T-Online, T-Home …
Wer also hat bei der Telekom zum Thema Marketing das Sagen? Schon beim optischen Auftritt habe ich ernsthafte Bedenken. Ich meine … Magenta? Ein Blick in die Statistik hätte dem verantwortlichen Art Director gezeigt, daß sie eine der unbeliebtesten Farben ist. Und das bei einem Unternehmen, welches aus der Deutschen Bundespost hervorgegangen ist, eine Behörde, die zu den unbeliebtesten der Welt gezählt haben dürfte, und die in den letzen Jahren Millionen von Kunden verloren hat, allein im Jahr 2010 waren es über zwei Millionen.
Anfangs hatte ich noch den Verdacht, der kürzlich von uns gegangene Designguru Professor Kurt Weidemann könnte seine Finger im Spiel gehabt und der Telekom absichtlich ein abstoßendes Design verpaßt haben, um sich für seine schlechten Erfahrungen mit dem Unternehmen zu rächen, die ja irgendwie jeder mal in seinem Leben gemacht hat. Und Weidemann war für seine despektierliche Art bekannt, es hätte also gepaßt.
Aber er war’s nicht. Und somit werden wir wohl nie mehr ergründen, wer für das Debakel der Telekom verantwortlich ist. Aber das müssen wir auch nicht.

Das T-Symbol auf dem Bürogebäude hinter meinem Haus ist schon lange abmontiert, die Frau mit den magentafarbenen Haaren hat das Haus längst verlassen, vermutlich hat sie keine Beute gemacht. Und ich werde mich jetzt entspannt zurücklehnen, in die kuscheligen Arme von Alice und noch ein paar von meinen E-Mails lesen.
Dieser Beitrag wurde nicht gesponsored von Alice.
Und schon gar nicht von der Telekom.
Vorgestern habe ich mir die ersten beiden Alben von Frankie Goes To Hollywood heruntergeladen, legal selbstverständlich. Und nach intensivem Zuhören muß ich meinem alten Freund Oliver nun doch recht geben: Die Musik ist unvergleichlich kreativ, außergewöhnlich, bombastisch und klingt selbst heute noch kein bißchen unmodern. Nur, daß Oliver das schon vor 25 Jahren erkannt hat, während ich mein Gehirn damals lieber mit Heavy Metal massiert habe, was aber weiter keinen Schaden angerichtet hat, da mein Gehirn damals ständig auf Stand-By war.
Also, Oli … Du hattest recht und ich entschuldige mich!
Menschen essen Tiere. Das stört niemanden, außer vielleicht ein paar Vegetarier. Und halt die Tiere. Manche Menschen essen auch Menschen, wenngleich das mittlerweile wohl eher ein wenig aus der Mode gekommen ist, weswegen ich auch völlig unbekümmert bin, wenn meine Freundin, die ich nicht habe, zu mir sagt: „ich hab Dich zum Fressen gern“.
Viele Tiere fressen auch Tiere. Das stört niemanden, nicht einmal Vegetarier. Wenn aber Tiere Tiere fressen, die von Menschen an sie verfüttert werden, stört das jemanden? Vermutlich nicht, solange es keiner weiß. In den Neunzigern aber tauchten plötzlich merkwürdig zuckende und elendig verreckende Rinder auf. Sie starben an BSE, einer Krankheit, die das Gehirn befällt und von verfüttertem Tiermehl verursacht wird. Nun sind Rinder dummerweise Pflanzenfresser, man hat also quasi Vegetarier mit Tieren zwangsernährt. Dies stört – und darüber sind wir uns nun mittlerweile wohl alle einig – nicht nur Vegetarier.
Tausende Tiere wurden vorsichtshalber getötet, und die EU beschloß ein Verbot von Tiermehl. Die Seuche ebbte langsam ab.
Arte brachte soeben die Nachricht, daß in Frankreich Tiermehl wieder zugelassen werden soll, wenn auch nicht für Rinder. Wenn’s nicht so traurig wäre, daß die Menschheit nichts aus ihren Fehlern lernt, würde ich an dieser unpassenden Stelle noch einen passenden Witz erzählen.
Ach was soll’s: Steht ein Mann früh morgens in der Küche, starrt in den offenen Kühlschrank und sagt: „Hab ich heute Nacht das ganze Rindfleisch gefressen oder der Hund? Gott, ich hab’n Kopf, wie’n Sieb, ich hab ja gar keinen Hund!“
Nein, nicht um meine Generation sollte es gehen, also um die Generation, der man in Disko und Bahn bereits einen Stuhl anbietet, die nicht mehr zum Friseur geht, weil es nichts mehr zu schneiden gibt und die beim Anblick einer halbnackten Cheerleaderinnen-Gang nur noch das starke Bedürfnis verspürt, sich auf der Stadionbank schlafenzulegen, weil sie mittlerweile den Testosteronspiegel einer Nachttischlampe hat.
Es sollte um die Generation von mittlerweile über 40 in Afghanistan erschossenen deutschen Soldaten gehen, die genaue Zahl war auf die Schnelle leider nicht aufzugooglen. Und auch heute hat’s wieder geknallt, fünf Verletzte, ein Toter. Mehr als vierzig Familien in Deutschland, die jetzt mit dem Verlust leben müssen. Ganz zu schweigen von den Familien, die jetzt mit den traumatisierten Zurückkehrern leben müssen. Und wofür? Wofür? Für die Verteidigung der deutschen Freiheit am Hindukusch?
Darum sollte es in diesem Text gehen. Und darum, daß man das Mindestalter für Militärangehörige per Grundgesetz auf 24 Jahre anheben sollte, weil es dann nicht mehr so einfach ist, junges und naiv-dummes Kanonenfutter für die Schlachtbank zu rekrutieren, weil das gewisse Mehr an Lebenserfahrung vielleicht dazu führt, das verlogene Politikergesocks zu durchschauen und ihren Krieg selber kämpfen zu lassen.
Darüber wollte ich schreiben.
Aber nöö … ich hab keine Lust. Es ändert sich ja doch nichts. Dann laßt Euch halt abschlachten, in einem Krieg, den – wie sonst auch – niemand gewinnen kann, und von dem einer ganz bestimmt nicht profitiert: Die Soldaten.
Nein, ich hab keine Lust, das Wetter ist schön, mein Fahrrad scharrt schon ungeduldig mit den Reifen.
Aber eins noch, Politiker: Bei der nächsten Wahl erinnere ich mich an Eurer Treiben! Wenn auch alle um mich herum dem kollektiven Vergessen anheimfallen mögen und die Chefin meiner Lieblingsfriseuse die CDU wählt, weil sie Ursula von der Leyen „so schau“ findet, ich vergesse nicht!
Versprochen!
Seit Mitte Mai wütet in Deutschland die „EHEC-Welle“! In den letzten zwei Wochen sind bis zum heutigen Tag zirka 280 Personen an HUS erkrankt, etwa zehn sind gestorben. Und alle Medien stürzen sich auf das Ereignis, als gäbe es kein Morgen.
Im selben Zeitraum sind in Deutschland etwa 2800 Menschen an den Folgen des Alkohols gestorben, 74000 jährlich. Jahr für Jahr.
Merkwürdig, über die schreibt niemand etwas.
Panik?
