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Wollen Männer stinken?

Liebe Tante Nivea,

Du bewirbst doch gerade diese neue Creme für Männer, nich‘? Weißt Du, ich mag Dich wirklich gerne, nicht nur aufgrund Deiner tollen Fellpflegeprodukte, sondern auch wegen der süßen Häschen, die immer durch die Werbung hoppeln. Aber bei dieser Creme hatteste diesmal wohl nicht so die richtige Inspiration.
     Die Dose an sich ist wirklich toll, keine Frage, schön geriffelt, damit die werkzeugaffinen Männerhände was zum Begrabbeln haben, der Deckel wird abgeschraubt, statt nur schnöde hochgehoben, so als würde man den Tankdeckel seiner Sattelzugmaschine öffnen. Soweit ganz gut eingefühlt in die herbe Männerseele. Die Creme zieht auch blitzschnell ein und hinterläßt keine verräterisch glänzenden Spuren auf der Haut. Welch kerniger Cowboy gibt schon gern zu, daß er das Bad nicht nur zum Pullern benutzt? Nur leider fühlt sich die Haut nach ein paar Minuten wieder ganz ausgetrocknet an.
     Der eigentliche Schmierpunkt, äh Verzeihung – Knackpunkt ist aber dieser bestialische, unangenehm stechende Gestank. So als wäre dem Parfümeur versehentlich die ganze Flasche statt nur drei Tropfen der kostbaren Essenz in den Mischbehälter gekippt. Oder der arme Mann hat sich im Laufe seines langen Parfümeurs-Berufslebens sämtliche Geruchsrezeptoren totgeschnüffelt. Mir jedenfalls tränen da sofort die Augen, und die Nasenschleimhaut schwillt in Sekunden an, wie das Schlauchboot einer schnellen Eingreiftruppe, die zum Kampfeinsatz ausrückt.
     Ich hab den Inhalt jetzt einfach im Mülleimer entsorgt und die hübsche Dose mit Florena-Creme aufgefüllt. Und ich hoffe, Du bist mir deswegen nicht böse!
Hab Dich lieb!

Dein Sunlion

Steingrau

Soeben habe ich beschlossen, ich werde eine Partei gründen. Der Begriff „Betonköpfe“ ist in der Politik leider schon belegt, daher werde ich sie stattdessen „Die Grauen“ nennen. Diese Partei versteht sich als das exakte Gegenteil zu den Grünen, insbesondere was den Umgang mit der Natur angeht. Sie setzt sich nämlich für die komplette Abholzung der Regenwälder ein. Und nicht nur das, sie kämpft auch für den großzügigeren Einsatz von Insektenvertilgungsmitteln und Unkrautvernichtern. Waldbrände werden nicht mehr gelöscht, sondern gefördert. Aussterbende Arten bekommen den Gnadenstoß mit der Schrotflinte, die Meere werden leergefischt, Wiesen trockengelegt und Blumenhändler eingesperrt. Wo auch immer ein Grashalm auftaucht, werden schnelle Eingreiftruppen mit Hacke, Flammenwerfer und Betonmischmaschine losgehetzt. Und wenn am Ende die Mission erfüllt und jede nur erdenkliche freie Fläche mittels Beton und Asphalt in einen Parkplatz umgewandelt wurde, dann muß ich mich hoffentlich auch nicht mehr darüber aufregen, daß keine 24 Stunden nach der letzten Autowäsche mein armes Golfilinchen schon wieder vollflächig von frühlingslustumtriebigen, notgeilen Pflanzen bestäubt wurde.

Nachtrag vom 11. Mai: Mein Golfilinchen ist heute süße zwei Jahre alt geworden! Happi Börsdäi, mein kleiner pazifikblauer Wonneproppen!

Glückskeks im Löwenpelz

Da sämtliche sanften Alternativen leider noch immer nicht zu einer besseren Durchlüftung meiner Löwennase führten, habe ich mich nun doch noch einmal zu einer Operation entschlossen. Neben der blutigen Korrektur der Nasenscheide­wand, die ich glücklicherweise schon vor langer Zeit hinter mich brachte, gibt es auch noch die etwas schonendere Variante der Laserconchotomie. Die durfte ich bereits vor über zwanzig Jahren kennenlernen und hatte sie als Albtraum in Erinnerung: Eine Horde weißgekleideter Zombies fesselt den Patienten auf einer harten, ekelgrünen Liege, sprüht dann eine schmerzhaft brennende Flüssigkeit in die Nase, kippt einen Eimer Gel hinterher und penetriert anschließend die Schleimhaut mit einem Laser, dessen Brennpunkt sich anfühlt, als würde jemand mit einer glühenden Nadel in der Nase herumbohren. Und jedesmal wenn er eingeschaltet wird, steigt eine stinkende Qualmwolke aus den Nasenlöchern.
     Nein, nichts für zart besaitete Plüschlöwenseelen, deshalb bat ich die Ärzte diesmal um ’ne Wagenladung Propofol, und was soll ich sagen – das Zeug ist saugeil! Die umwerfend nette Anästhesistin, die normalerweise nur Kinder narkotisiert, läßt ihre Freundlichkeit selbstverständlich auch lustigen Stofftieren angedeihen, sodaß diese schließlich den kleinen, harmlosen Pieks der spitzen Kanüle kaum noch erwarten können. Als nächstes gibt es ein zusätzliches Medikament, das läßt die Umgebung irgendwie ganz ulkig verschwimmen, danach kommt der Kollege der netten Anästhesistin, beglückt den zunehmend verwirrten Patienten mit einer Sauerstoffmaske, und zuletzt wird das leckere Propofol gereicht, dessen Wirkung so schnell … daß man … gar … nicht mehr …
     Das beste aber ist das Aufwachen: Man ist relativ flott wieder wach und fühlt sich wie ein Glückskeks, der gerade von einer lustigen Gebäckparty nach Hause kommt. Alles was die Ärztin mir noch mitzuteilen hatte, fand ich in diesem Moment irgendwie umwerfend witzig und spektakulär interessant.
     Vom Ergebnis der Operation ist momentan übrigens noch gar nichts zu spüren. Keine Schmerzen, keine Schwellungen, als wäre überhaupt nichts passiert. Wenn das so bleibt, bin ich sehr zufrieden. Schaun ‚mer mal! Schnief!

Klar wie Kristall

In letzter Zeit häufen sich schon wieder die Diskussionen darüber, was eigentlich besser klingt, Schallplatte oder CD. Die Berliner Zeitung beispielsweise feierte kürzlich das Comeback der Schallplatte. Und im Hifi-Forum schlagen sich die jeweiligen Jünger schon seit Jahren gegenseitig die Köpfe ein.
     Während sich hier auf meinem Plattenspieler eine Ausgabe von Ariolas Super-20-Hit-Sensation von 1984 dreht, die nebenbei bemerkt völlig untersteuert ist, weil es nun mal nicht so einfach ist, zehn Musiktitel von durchschnittlich vier Minuten Länge auf eine Seite zu pressen, die eigentlich nur für 25 Minuten gedacht ist, und darum die Gesamtlautstärke abgesenkt werden muß, damit die Ampitude der Rillenauslenkung geringer ist, mehr Rillen nebeneinanderpassen und somit das Rauschen des Vinyls deutlicher hörbar wird, erinnere ich mich an die guten alten Zeiten der Siebziger und Achtzigerjahre, als Vinyl neben bespielten Kassetten und Radiosendern die einzige Quelle für Musik war. Bereits damals ärgerte ich mich über jedes Knistern und Knacken. Beim Überspielen auf Kassette hatte ich ständig die Hand am Aussteuerungsregler, um die Titel am Ende schnell ausblenden zu können, bevor das Knistern der Leerrillen die Aufnahme versaut. Zusammen mit DJ Eddy legte ich die Hits der Achtziger im Treffpunkt Buchholz und vielen anderen Jugendclubs und Privatveranstaltungen der ostdeutschen Repubik auf. Die Vorsichtsmaßnahmen um zu verhindern, daß sich die Vibrationen der tanzwütigen Gesellschaft auf die Plattenspieler übertrugen, müssen aus heutiger Sicht und angesichts des bekanntermaßen erschütterungs­unempfindlichen MP3-Formats äußerst bizarr anmuten: Zwei furchtbar dicke Schaumstoffunterlagen unter den Spielern und gelegentlich bei gewissen, berüchtigten Musikstücken aus dem kapitalistischen Ausland einen Bodyguard vor der „Brücke“, um die pogenden, herumfliegenden Punks vorsorglich aufzufangen, bevor sie auf dem Tonarm aufschlagen.
     Die Erlösung überkam mich etwa 1988 im An- und Verkaufgeschäft am Rosenthaler Platz, wo ich zu der Zeit in der Technikabteilung arbeitete, als uns ein Kunde einen uralten Siemens-CD-Player verkaufte. Er hatte nur eine einzige CD von der Band Imagination und mangels Devisen keinen weiteren Nachschub an digitalen Tonträgern in Aussicht. Ich erinnere mich noch heute, nach fast dreißig Jahren, genau an diesen kristallklaren, messerscharfen, ultradynamischen, absolut rausch- und knisterfreien Klang, der von dieser alienartig anmutenden, verchromten Zauberscheibe erzeugt wurde. Wer dieses Ereignis nie erleben durfte, wird wohl niemals begreifen, warum Vinyl nichts weiter ist, als ein uralter Dämon aus einer längst vergangenen Welt. So etwa wie ein Faxgerät aus den Siebzigern.
     Es bleibt abschließend nur noch festzustellen, daß die eingangs erwähnte Frage auch eigentlich nicht richtig gestellt ist, denn was besser klingt, CD oder Schallplatte, ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Der eine mag rot, der andere grün, darüber kann man sich nicht streiten, und selbst dann müßte es eher heißen, welchen Klang man als besser empfindet. Nein, die eigentliche Frage müßte eigentlich korrekt lauten – welcher von beiden Tonträgern klingt gar nicht! Damit ist nicht gemeint, daß sich Tonmeister, Masteringspezialisten und Produzenten auch gern mal technische Schnitzer erlauben, sowohl bei Vinyl als auch CD. Es ging nämlich in der gesamten Geschichte der Musikaufzeichnung, von der Wachswalze bis zur digitalen Computerdatei nie um den Tonträger an sich, sondern ausschließlich darum, die Klänge von der Bühne oder aus dem Studio ins heimische Wohnzimmer zu transportieren. Die ersten Versuche Leonardo da Vincis – Dose auf, Musik rein und Deckel drauf, brachten leider nicht die gewünschten Ergebnisse, sodaß man später andere Verfahren entwickeln mußte. Und von all denen ist die digitale Speicherung nun mal die beste Methode, denn nur sie ist die einzige, bei der die verwendeten Tonträger selbst nicht zu hören sind. Gar nicht. Null. Nix. Denn sie sind nicht digital verschlüsselt, also können sie auch nicht entschlüsselt werden. Und das ist der entscheidende Punkt. Nur die Musik ist zu hören. Und genau die wollen wir doch, oder?

Ist Gunther Krichbaum eine Ratte?

Soeben hat der Vorsitzende des Europaausschusses Gunther Krichbaum (CDU) in der Heute-Sendung Russland als flohverseuchten Hund bezeichnet. Für einen Politiker und Diplomaten, selbst wenn man Russland nicht mag, eine unverschämte verbale Entgleisung. Wenn Russland ein Hund ist, was ist dann Krichbaum? Eine Ratte?
     Er sollte besser zurücktreten, bevor er zurückgetreten wird.

Triple Nightmare

Heute Nacht träumte ich von einem iPad. Es war mit einer Schutzfolie zellophaniert, so wie die Oberfläche einer Hochglanzbroschüre. An einer Stelle bildeten sich Bläschen, weshalb ich versuchte, daran herumzupolieren, was aber letztendlich dazu führte, daß die gesamte Schutzfolie sich ablöste, die Gehäuse­teile nicht mehr zusammengehalten wurden und verschiedene Innereien einschließlich des Akkus aus dem Gehäuse heraushingen. Dann wachte ich auf und stellte fest, ich hab ja gar keine iPad.
     Ich schlief wieder ein und landete im nächsten Alptraum. Ich sitze in einem Zug, die Kontrolleure kommen und ich finde meine Fahrkarte nicht. Sie sind nett, überprüfen zunächst die Karten aller anderen Fahrgäste, während ich damit beschäftigt bin, in meinen Taschen zwischen tausenden von Notizzetteln, Dokumenten und Papieren nach dieser blöden Fahrkarte zu suchen, obwohl ich sie auf der Hinfahrt noch hatte. Nach geträumt-gefühlter dreistündiger Suche riß den Kontrolleuren wohl der Geduldsfaden. „Tja, dann müssen Sie leider mit uns aussteigen“. Ich wachte auf und stellte fest, ich hab gerade keine Auto, das ist nämlich in der Werkstatt.
     Danach konnte ich nicht mehr einschlafen, ich blieb also liegen, bis um halb Sieben, stand auf und stellte fest, ich hab ja gar keine Zeit mehr, denn die Uhren wurden wieder mal umgestellt.
     Was für eine Nacht!

Ein Hauch von Revolution

Bei der Eröffnung der EZB-Zentrale in Frankfurt gab es bereits erste gewaltsame Proteste. Wie üblich wird die Veranstaltung natürlich von der Polizei beschützt, was eigentlich absurd ist, denn die EZB ist mit ihrer Gelddruck- und Banken­rettungspolitik mit dafür verantwortlich, daß es den Staaten schlecht geht, und damit auch den Bürgern dieser Staaten. Überall fehlt das Geld, auch bei der Polizei. Stellen werden abgebaut, die Polizisten sind unterbezahlt, unterbesetzt und überarbeitet. Oder um den Kreis zu schließen – die Polizisten beschützen diejenigen, die mitverantwortlich sind für ihre desaströse Situation. Eigentlich sollten sie sich um 180 Grad drehen und mit ihren Knüppeln die Banker zusammenprügeln.