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Keine Wahl

Mein bester Freund Holger hatte vor langer, langer Zeit mal mit seiner damaligen Lebensabschnittsbegleiterin einen Disput darüber, daß er gelegentlich auf ihre Vorschläge schroff antwortete: „So’n Quatsch!“ Nach einigem Hin und Her einigten sie sich dann darauf, daß er stattdessen lieber mit dem diplomatischen Satz „Glaubst du das wirklich?” antworten sollte. Letztendlich funktionierte das aber auch nicht sehr lange, weil sie genau wußte, was er eigentlich ausdrücken wollte, wenn er sagte – glaubst du das wirklich?
Liebe SPD, glaubst Du wirklich, die Menschen in diesem Land gehen nicht mehr wählen, weil es zu wenig Wahllokale gibt oder ein Wahltag zu kurz ist? Wirklich? Ehrlich? Ganz sicher?
Wollt Ihr wissen, was ich von Eurem Vorschlag, mobile Wahllokale und Wahlwochen einzurichten, halte? Nun denn, seht selbst:

Kein Schnäppchen. Ein Schnapp!

Neulich regte ich mich doch über den unangemessen hohen Preis eines Bademantels auf. Seitdem hab ich immer mal wieder in verschiedenen Geschäften nach günstigen Angeboten geschaut, bisher jedoch ohne Erfolg. Gestern nun streunerte ich eher aus Langeweile durch meinen Lieblings-Supermarkt und verirrte mich dabei auch in die Textilabteilung, die für einen Supermarkt, der überwiegend mit Lebensmitteln handelt, doch ein recht erstaunlich breites Warenangebot hat. Und was sehe ich da in einem der Regale? Bademäntel im Sonderangebot! Schniekes Anthrazit für die Herren und ein flauschiges Rot für die Weibchen. Frotté, 100 Prozent Baumwolle, mit Kapuze und in akzeptabler Verarbeitungsqualität. Nicht für 90 Euro. Auch nicht für 70, 50 oder 30 Euro. Nein – für nur 17,99 Euro! Also wenn das mal kein Schnapp ist.
Na also, geht doch!

PEGIDA – der Auftakt zum dritten Weltkrieg?

Soeben hatte ich einen Geistesblitz, wenn auch vielleicht keinen besonders hellen (beim Duschen hab ich immer die besten Ideen): Was, wenn wirklich eine von oben gesteuerte Verschwörung dahintersteckt und PEGIDA der Versuch ist, mit einem möglichst provokanten Thema Unruhe zu stiften, um letztendlich den Geist der Weimarer Republik wieder heraufzubeschwören? Mit Straßenschlachten und Chaos, um im richtigen Moment den Erlöser zu präsentieren, der mit straffer Hand wieder Ordnung in den Laden bringt? Und der dann, rein zufällig natürlich, gegen Rußland marschiert, ob nun allein oder zusammen mit den anderen Bluthun… upps – ich meinte natürlich – NATO-Partnern. Denn auf Rußland hat’s die NATO ja anscheinend ernsthaft abgesehen.

Wenn der Hintermann amokfährt

Liebe unbekannte ältere Frau,

als Du heute so mit Deinem zertrümmerten Auto entgegen der Fahrtrichtung an der linken Leitplanke standest, umringt von emsigen Helfern, die Dich aus der zerknautschten Blechkiste befreien wollten, die Heckscheibe wie kleine glitzernde Diamanten quer über die Autobahn verteilt, da hast Du gar nicht glücklich, sondern sehr schockiert und hilflos ausgesehen. Ich hoffe, es geht Dir jetzt schon besser und daß Du nicht schlimm verletzt bist. Und ich hoffe auch, daß sie den Übeltäter haben, der Dir hinten reingeknallt ist. Vielleicht springt ja mit etwas Glück auch ein neues Auto für Dich raus.
Ich wünsche Dir alles Gute und schicke viele liebe Grüße!

Dein Sunlion

Wenn das Navi amokfährt

Lieber Onkel Volkswagen,

Dein Navi mit dem hübschen Namen Discover Pro ist ja an sich nicht schlecht, und die Dame, die mich durch die Gegend schubst, hat auch eine recht nette Stimme, aber so ganz helle im Oberstübchen isse irgendwie nicht, kann das sein? Wieso leitet sie mich im dicksten Berufsverkehr mitten durch die Großstadt, wenn die von mir ausgewählte Option „schnellste Strecke“ eindeutig bedeuten würde, den Autobahnring rund um die Stadt zu nehmen, zumal die Auffahrt keine zwei Kilometer entfernt vor der Haustür liegt? Und wieso gibt es in den Optionen neben „Tunnel, Fähren und Mautstraßen meiden“ nicht auch noch „Innenstädte meiden“? Und warum schnallt die Dumpfbacke mit der netten Stimme es selbst dann noch nicht, wenn ich auf der A10 bereits drei Kilometer vor der Abfahrt auf die A13 bin und leitet mich einfach schon vorher von der Autobahn ab, durch den Feierabendverkehr einer kleinen, engen Vorstadt mit all ihren Ampeln, Staus und Baustellen, nur um mich dann eine halbe Stunde später doch auf die A13 zu lotsen? Nur mit dem Unterschied, daß ich nun mittlerweile mehr Sprit verbraucht und mehr Zeit und Nerven verloren habe? Ich meine – überleg doch mal – solche Aktionen sind ja nicht nur unökonomisch und dumm, sondern auch echt gefährlich. Also wegen der Tobsuchtsanfälle des Fahrers, wenn er merkt, daß er von der wohlstimmigen Dumpfbacke an der Nase herumgeführt wird!
Ach und nochwas: Wenn ich ein Ziel eingebe, und dann noch ein Zwischenziel, wieso kann ich nicht einfach vom Zwischenziel auf das Endziel springen, mit einem einfachen Tastendruck, so wie bei einem CD-Player? Testet Ihr die ganze Softwarescheiße eigentlich auch irgendwann mal richtig, bevor Ihr das in den Handel bringt? Sowas muß doch irgendwem mal auffallen! Und komm mir jetzt nicht mit „Bedienungsanleitung“! Ich bin zwar bestimmt nicht das hellste Licht im Leuchter, aber während ich nach zwei Tagen lediglich wieder vergessen habe, was dort stand, können sich die meisten anderen Fahrer vermutlich nicht mal mehr erinnern, wohin sie eigentlich die Anleitung verlegt haben. So eine Funktion muß einfach und intuitiv zu bedienen sein.
Also lieber Onkel, kümmere Dich mal bitte darum. Du willst doch nicht, daß Dein flauschiger Lieblingsenkel irgendwann mal im Straßengraben endet, gelle? Oder? Nich‘?

Liebe Grüße
Dein Sunlion

Wenn dem Drucker sein Laserstrahl verlischt

Liebe Druckerhersteller,

mein geliebter Xerox-Laserdrucker, den ich vor etwa sieben Jahren günstig erstand, und der für das bißchen Knete so viel mehr konnte als sein mehr als zehnmal so teurer, ungeliebter Vorgänger von Minolta, bereitet sich nun so langsam auf seinen letzten Ritt vor, hin zu seinen Ahnen. Da ich nicht weiß, was genau ihm fehlt, und das Experimentieren mit neuen Ersatzteilen im ungünstigsten Fall teurer wäre als ein neuer Drucker, habe ich heute mal ein paar Eurer Webseiten besucht und bin, ehrlich gesagt, entsetzt.
Sagt mal, hab Ihr sie noch alle? Ihr protzt da rum mit der Anzahl der Drucke pro Minute, überschlagt Euch mit dem Anpreisen der geringsten Dauer, bis das erste Blatt im Auswurf liegt und versucht außerdem noch, Euch gegenseitig im Vorlügen von irgendwelchen ökologisch korrekten Daten zu übertreffen. Aber mal ehrlich – das alles interessiert kein Schwein! Denn hier geht’s nicht um einen Pokal in Schnelligkeit, Würzekürze oder Energiesparen, sondern ums Drucken. Das heißt, wichtig sind Farbtreue, die unterstützten Druckersprachen – hat er echtes Postscript oder nicht, unterstützt das Gerät Euroskala-Emulationen, wertet es Farbprofile aus, und wie hoch ist die horizontale und vertikale Abweichung des Druckbildes von der Blattmitte. Glaubt Ihr denn echt, daß ich erstmal alle Eure Druckertreiber installiere, um mich durch die ganzen Optionen durchzuklicken? Und Du Xerox … ja Du, komm mal her: Wieso haben die Nachfolger des Phaser 6120 all diese Optionen nicht mehr, obwohl sie genauso teuer sind? Ja, wie jetzt „ich dachte, ich wußte, ich, ich, ich …“. Die Ausreden kannste echt steckenlassen!
Dann kauf ich halt keine Drucker mehr!
Ihr Arschgeigen!

Ohne freundliche Grüße
Eurer Sunlion

Die erstaunliche Geschichte vom überraschenden Sieg des Sozialismus

Im Sommer 1989 nahmen die Flüchtlingsströme gigantische Ausmaße an. Bürger der Bundesrepublik, die enttäuscht waren vom starren und unmenschlichen Gesellschaftssystem des Kapitalismus, riskierten ihr Leben auf der Flucht nach Ungarn über die Grenze Österreichs, und dann weiter in die DDR. Die österreichische Grenzpolizei hatte nach 40 Jahren begonnen, den Grenzzaun abzumontieren. Der menschliche Kollaps führte die Bundesrepublik an den Rand des Zusammenbruchs. In den Unternehmen fehlten wichtige Fachkräfte, Familien zerfielen, Häuser und Wohnungen blieben leer und verlassen zurück. Im November 1989 putschte sich Gerhard Schröder an die Macht, Helmut Kohl wurde unehrenhaft in den Ruhestand geschickt. Sein unschlüssiges Zaudern und das Ausbleiben wichtiger politischer Entscheidungen zum Dahinsiechen der deutschen Wirtschaft waren nicht länger zu verantworten. Nicht nur die deutsche Infrastruktur war marode, auch die europäischen Nachbarn waren aufgrund von galoppierender Arbeitslosigkeit und die Unsummen, die durch das zerstörerische Wettrüsten verursacht wurden und die nun bei sozialen und kulturellen Projekten fehlten, finanziell völlig ruiniert. Der Sozialismus hatte gesiegt!
In den darauffolgenden Wahlen wählten die desillusionierten Bundesbürger erstmalig die in ganz Deutschland angetretene SED mit dem Generalsekretär des Zentralkomitees, Vorsitzenden des Ministerrates und Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker an der Spitze, an die Regierung. Das Wahlergebnis von 99,91 entsprach nicht ganz den Erwartungen der Parteiführung, insbesondere der schlechte Wert in Bayern von nur 99,89 Prozent sorgte für diese unschöne Verzerrung, aber die Genossen sahen dies als Herausforderung. Die Menschen in den westlichen neuen Bundesländern wollen von den Vorzügen des Sozialismus eben erst überzeugt werden. Knapp ein Jahr später wurden die beiden deutschen Staaten wiedervereinigt, und alle jubelten und freuten sich, endlich würde es wieder bergauf gehen. Besonders die hochwertigen Konsumprodukte der volkseigenen Produktion wie etwa der formschöne Farbfernseher Color-Vision RC6073 vom VEB Robotron Radeberg oder die begehrten Küchenprodukte vom VEB Plaste und Elaste Schkopau fanden im Westen Deutschlands großen Anklang.
Nicht ganz so präsent in der Zeitung Neues Deutschland und der Aktuellen Kamera waren die im Hintergrund ablaufenden Verhandlungen, welche die Wiedervereinigung überhaupt erst ermöglichten. Erich Honecker und Michael Gorbatschow mußten den ehemaligen Mitgliedern der aufgelösten NATO unter Führung der von einer schweren Rezession gepeinigten USA versichern, daß die Warschauer-Pakt-Staaten ihre Aktivitäten nicht auf weitere Staaten westlich der deutschen Grenzen ausdehnen würden.
2014: Dank der klugen und weitsichtigen Politik des ersten schwarzen Präsidenten der USA, Barack Obama, haben sich die USA wirtschaftlich wieder erholt. Dank seines eisernen Willens und einer straffen Hand gelang es dem Präsidenten, die ausufernde Korruption durch Lobbyisten, insbesondere der Waffenhersteller, dramatisch einzudämmen. Er schuf erstmalig eine staatliche Gesundheitsversicherung für Jedermann, und dank Rückgabe der privatisierten Öl- und Gasvorkommen in staatliche Hand sprudeln die Steuereinnahmen wie nie zuvor. Renten und Gehälter von Rentnern, Beamten und Soldaten können wieder gezahlt werden, und es bleibt noch genügend Geld übrig, um die Gesellschaft zu modernisieren und weiterzuentwickeln.
Doch oh weh: Das für seine aggressive Auslandspolitik berüchtigte Rußland hat erst jüngst seine Militärausgaben auf 861 Milliarden Dollar erhöht. Da Rußland für eine Reihe von Kriegen und Umsturzversuche verantwortlich gemacht wird, vor wenigen Jahren erst bombardierte Rußland ohne Grund die Bevölkerung des Iraks und ersetzte den mißliebigen Dikator Saddam Hussein durch eine Marionettenregierung, um die Ölvorräte des Landes besser plündern zu können, fing die friedliebende amerikanische Regierung zunehmend an, sich Sorgen zu machen. Der Warschauer Pakt war in den letzten 25 Jahren ungeniert weiter nach Westen vorgerückt, ganz Europa sowie Mexiko bekannten sich nun zu der militärischen Vereinigung. In Kanada gab es einen von Rußland unterstützten Putsch, angeblich hatte der russische Geheimdienst mehr als fünf Milliarden Dollar in Oppositionelle investiert. In der Folge kam es zu einem Bürgerkrieg zwischen südkanadischen Separatisten, die lieber weiter den American Way of Life beschreiten wollten, und den nordkanadischen Regierungstruppen, welche vermehrt Ortschaften und die Zivilbevölkerung im Süden bombardierte, um den weiteren Zerfall Kanadas zu verhindern.
Die Vereinigten Staaten sind bekannt für die vielen berühmten Schachweltmeister, welche die glorreiche amerikanische Gesellschaft hervorgebracht hat, und so tat die Regierung auch in dieser brenzligen Situation einen überraschenden Schachzug: Aufgrund des unerwarteten politischen Tauwetters zwischen Kuba und den USA hielten die Amerikaner zusammen mit der kubanischen Regierung Wahlen in Kuba ab und gliederten das kleine Karibikland zum Schutz ihres Marinestützpunktes in Guantanamo als 51 Staat den Vereinigten Staaten an. Dies entfachte einen Sturm der Entrüstung in der östlichen Medienlandschaft, von Annektion und Landraub war die Rede, und sofort setzten sich die Mitgliedsstaaten des Warschauer Paktes zusammen und verhängten Sanktionen gegen die USA. Gleichzeitig gaben sie weitere Investitionen in ihr Atomwaffenprogramm bekannt, sie beschlossen außerdem die Lieferung leichter und schwerer Waffen in die kanadische Krisenregion, sowie die Einrichtung einer schnellen Eingreiftruppe und die dauerhafte Stationierung weiterer Truppen in Nordkanada. Verbunden mit dem von Rußland an der mexikanischen Grenze forcierten Aufbau eines Raketenabwehrschirms zur Abwehr von iranischen Raketen eine alles in allem doch recht bedrohliche Situation für die Sicherheitsinteressen Amerikas.
Und jetzt fragen wir uns doch alle mal … wie würden die USA wohl reagieren?