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Der geträumte Tropfen

Ich hatte gerade einen krassen Traum, der fühlte sich so echt an, daß ich geneigt bin zu vermuten, mich als Schlafender in Paralleluniversen aufzuhalten, denn soetwas kann sich doch ein Gehirn nicht live von selbst zusammenreimen:
Ein palästinensischer Mann um die Fünfzig mit Halbglatze sitzt in einem schlecht beleuchteten Krankenhaus auf einer Liege, spielt Gitarre und singt dazu mit heller Stimme ein Lied in klassischem Rock-’n‘-Roll-Format. Aus dem Hintergrund sagt eine Stimme, damit solle er unbedingt mal eine Platte aufnehmen. Der Sänger greift hinter sich in einen großen Plattenstapel und zieht ein LP heraus, auf deren Cover die gleiche Szene als Foto abgebildet ist, in der wir ihn gerade sehen, also auf einer Krankenhausliege sitzend und Gitarre spielend. Plötzlich wechselt die Szenerie um ihn herum, er sitzt auf einem Klappstuhl vor dem nördlichen Ausgang des U-Bahnhofs Senefelder Straße und singt sein Lied, aus dem Ausgang kommt ein älterer, gut beleibter Rocker mit Jeansweste, langen Haaren und grauem Bart, biegt um den Ausgang herum und wirft im Vorbeigehen eine Münze in das Sammelgefäß des Sängers. In dem Moment, wo die Münze seine Hand verläßt, stoppt der Ton und die Szene wird in Zeitlupe abgespielt. Man kann der Münze quasi beim Fallen zuschauen. Als sie in den Boden den Gefäßes berührt, erzeugt sie ein lautes metallisches Geräusch, das nach allen Seiten nachhallt. Im selben Moment fällt mir ein Wassertropfen auf den Kopf. Ich bin zunächst irritiert, ohne darauf zu reagieren. Plötzlich fällt mir ein weiterer Tropfen auf den Kopf und langsam realisiere ich, daß ich aufwachen sollte, um nachzuschauen, was da von meiner Schlafzimmerdecke tropft. Ich rüttle mich aus dem Schlaf, was ja nicht ganz einfach ist, solange der Körper noch durch sedierende Substanzen gelähmt ist, öffne die Augen und streiche mit der Hand über meinen Kopf, um die nasse Stelle zu finden. Ich schalte das Licht an und schaue zur Zimmerdecke, aber dort ist nichts. Es war nur ein Traum.
Vor langer Zeit las ich mal in einem wissenschaftlichen Magazin, man könne nur in Schwarzweiß träumen. Was für ein Unsinn! Ich träume in Farbe, mit realistischen Special-Effects, 5.1-Surround-Sound und Berührungssimulation. Fehlte eigentlich nur noch der Geruchseffekt.

Es ist beschlossene Sache

Das Golfilinchen kommt weg! Es wird verkauft. Verschenkt. Verschrottet. Es muß Platz schaffen für meinen neuen Traum. Größer, breiter, länger. Und in so einer göttlichen Farbe – ein echter Traumwagen! Wer so ein Auto besitzt, der zeigt nicht nur, daß er es sich leisten kann, sondern auch, daß er reich genug ist, um es nicht ernst zu nehmen. Und mit Miss Piggy wollte ich schon immer mal in der Garage allein sein …

Berühmt, ohne es zu wissen

Es gibt Fernsehsender, die kennt kein Schwein. Es gibt Musiker, die kennt auch kein Schwein. Und es gibt Geschichten, die sind so unglaublich, daß die Akteure, die darin vorkommen, sie selbst nicht glauben können. Der weitgehend unbekannte Sender Servus TV erzählte gestern die unglaubliche Geschichte des weitgehend unbekannten Musikers Rodriguez, der mit allem gesegnet war, womit ein guter Musiker üblicherweise gesegnet sein sollte: einer tollen Stimme, guten Texten und berührenden Melodien. Nur mit einem war er anscheinend nicht gesegnet – Glück. Womit er sich einreiht in die lange Liste hervorragender Künstler, denen Gott, das Schicksal oder der Große Grüne Arkelanfall einfach den Erfolg nicht gönnen. Vielleicht auch mochten die Amerikaner nicht die trostlose, todtraurige Abbildung ihrer alltäglichen Wirklichkeit, oder zu der Zeit war schlicht und ergreifend Latino-Musik nicht so angesagt, wie in dem Film vermutet wurde. Jedenfalls verschwand Rodriguez nach zwei wie Blei in den Plattenläden herumliegenden Alben wieder in den Tiefen der Musikgeschichte, bis …
Aber das schaut Ihr Euch lieber selbst an. Sonst glaubt Ihr mir das sowieso nicht. Und ehrlich – diesen Film solltet Ihr nicht verpassen!

Wohin mit dem Weihnachtsgeschenk?

Wer zu Weihnachten unerwartet viel Geld erhalten hat und nicht weiß, wohin damit, dem eröffnen sich zwei Möglichkeiten: Entweder er macht mich damit reich und glücklich oder er spendet es an den Schweizer Kinderarzt Beat Richner, der in Kambodscha mehrere moderne Krankenhäuser gebaut hat, die er durch Spenden finanziert, um armen Kindern zu helfen:

Zur Ansprache des Bundespräsidenten

„Machen wir unser Herz nicht eng mit der Feststellung, daß wir nicht jeden, der kommt, in unserem Land aufnehmen können. Ich weiß ja, daß dieser Satz sehr, sehr richtig ist. Aber zu einer Wahrheit wird er doch erst, wenn wir zuvor unser Herz gefragt haben, was es uns sagt, wenn wir die Bilder der Verletzten und Verjagten gesehen haben. Tun wir wirklich schon alles, was wir tun könnten?“

Nein lieber Bundespräsident, tun „wir“ nicht! Wie wäre es, wenn der Westen endlich aufhört, überall in der Welt aufgrund wirtschaftlicher Interessen seine schmutzigen Spielchen zu spielen und andere Länder ihren eigenen Weg finden läßt, anstatt sie in Abenteuer zu zwingen, die dann schiefgehen, so wie in Afghanistan und dem Irak. Auch die EU-Subventionspolitik führt dazu, daß beispielsweise Menschen in Afrika in die Armut getrieben werden und dann keinen anderen Ausweg sehen, als in die vermeintlich „reichen“ Länder Europas zu fliehen. Das Problem ist nur, daß es hier auch immer mehr Menschen gibt, denen es immer schlechter geht. Und auch Flüchtlinge müssen ja irgendwo wohnen, nur wo – wenn es weder bezahlbare Wohnungen noch Flüchtlingsheime gibt. Somit hat sich auch die Armut mittlerweile globalisiert, und wenn dann arme Flüchtlinge auf von Armut bedrohte Deutsche treffen, wen wundert es da, daß die Vorbehalte gegenüber Zuwanderern immer mehr zunehmen? Denn wie sonst auch, profitiert von der verfehlten Politik mal wieder nur eine Seite – die großen Unternehmen, während die Bürger den entstandenen Schaden ausbaden müssen. Niemand verläßt freiwillig gern seine Heimat, nur wenn er dort nicht mehr menschenwürdig leben kann, bleibt ihm keine Wahl.
Diesen Zusammenhang in Ihrer Rede zu erwähnen, lieber Bundespräsident, hätte ich noch als nützlich empfunden, aber vermutlich sieht man das anders, wenn man ein fürstliches Gehalt bezieht, ein prächtiges Schloß bewohnt und durch zuverlässige Sicherheitsbeamte geschützt und in Watte gepackt von den Problemen dieses Landes abgeschirmt wird.
Und das Geschwurbel: „Ich weiß ja, daß dieser Satz sehr, sehr richtig ist. Aber zu einer Wahrheit wird er doch erst, wenn wir zuvor unser Herz gefragt haben …“ sollten Sie noch mal analysieren, denn so wie ich das verstehe, ergab die Befragung Ihres Herzens nicht das beabsichtigte, für die Öffentlichkeit vorzeigbare Ergebnis.

Chodorkowskis dunkle Vergangenheit

Heute berichtete die Tagesschau, daß der ehemalige deutsche Außenminister Genscher sich mehrfach intensiv für die Freilassung des in Rußland in Ungnade gefallenen Oligarchen Chodorkowski eingesetzt hat. Der vom Westen als Kreml-Kritiker und Oppositioneller beweihräucherte Chodorkowski hat jedoch – genau wie die inhaftierte Ukrainerin Timoschenko – eine dunkle Vergangenheit, an die ich an dieser Stelle noch einmal erinnern möchte.

Jauchzet, frohlocket!!!

Johann Sebastian Bachs „besinnliches“ Weihnachtsoratorium, in meiner Kindheit immer zu Weihnachten gespielt von einem mörderisch quäkenden Monoplattenspieler, scheppert mir selbst heute noch im Ohr herum. Um wieviel erträglicher ist doch hingegen die Musik des dritten Jahrtausends: Für wirklich besinnliche Stimmung empfehle ich dieses Jahr Lauge und Baba Gnome aus Dänemark. Bei der Musik fallen einem garantiert nicht die Ohren vom Stamm!

Nase verstopft – was nun?

Seit meiner Kindheit habe ich Probleme mit der Nase: Erst war es häufiges Nasenbluten, welches durch Verätzen der anfälligen Blutgefäße durch Säure gestoppt werden sollte. Mit Anfang zwanzig folgte eine Laserbehandlung, bei der Teile der zu großen Nasenmuscheln weggebrannt wurden. Und mit dreißig kam der größte Eingriff – eine Korrektur der Nasenscheidewand, um mehr Durchlaß zu schaffen, für mehr Luft. Die ständigen Behandlungen haben ein Schlachtfeld hinterlassen, und die verbrannte und verätzte Schleimhaut ist noch immer nicht bereit, die lebensnotwendige Luft in ausreichendem Maße in den flauschigen Löwenkörper zu lassen.
Kürzlich war ich nun wieder beim HNO-Arzt, der tat das Übliche – reinschauen, beim Anblick des Leichenberges den Kopf schütteln und einen Allergietest durchführen, um dem Grund für den Luftengpaß zu Leibe zu rücken. Erstaunlicherweise scheinen die diagnostischen Möglichkeiten der modernen Medizin damit schon ausgeschöpft zu sein, ein Abstrich beispielsweise, mit anschließender Laboruntersuchung, kommt anscheinend schon nicht mehr in Frage. Ärzte sind so furchtbar unkreativ, daß es mich wundert, wie die Menschheit überhaupt so weit kommen konnte, denn wenn jeder Arzt immer nur nach alten Büchern diagnostiziert, die von Autoren von älteren Büchern abgeschrieben wurden, die von Autoren von noch älteren Büchern abgeschrieben wurden, dann dürfte es eigentlich keine moderne Medizin geben, weil wir als heilige Heiler noch immer Formeln murmelnd ums Lagerfeuer springen. Vielleicht bin ich als Kassenpatient aber auch einfach nur nicht solvent genug, um weiterreichende Untersuchungen zu rechtfertigen.
Jedenfalls habe ich das Vertrauen in die Ärzteschaft schon seit langem verloren und mich Alternativen zugewandt, die sich oftmals als erstaunlich wirkungsvoll zeigen. Speziell das Nasenproblem behandle ich nach einem Tip meiner Exexexexexexexexexexexexexexexexexexexexexexexexexexex-Freundin schon seit zwanzig Jahren mit Nasenspülungen, die sogar von Ärzten der etwas kreativeren Sorte empfohlen werden. Das warme Salzwasser spült Pollen, Staub und Rückstände aus dem Nasenraum, befeuchtet die Schleimhaut und sorgt so für mehr frische Luft. Aber das flauschige Sonnengelöwe wäre nicht der kreative Plüschpuschel der es ist, wenn es nicht auch ein bißchen experimentieren würde! Ich erinnerte mich an die Aussage meiner ehemaligen Physiklehrerin, das Riechen an einer Flasche mit Ameisensäure würde beim Beginn einer Erkältung deren Ausbreitung verhindern. Woher nun aber bekomme ich genügend Ameisen, die sich für meine Menschenversuche melken lassen? Egal – Säure ist Säure – Zitronensaft tut es auch! Und tatsächlich: Ein Schuß Zitronensaft im Salzwasser verhindert wirksam die Entstehung von Erkältungen! Eine Spülung pro Tag, am besten abends, hat die Infektanfälligkeit bei mir von fünf bis sechs Erkältungen pro Jahr auf eine reduziert. Und die akute, unangenehme Entzündungsphase dieser einen verbliebenen Erkältung läßt sich mit mehrfachen Spülungen pro Tag auf 36 Stunden verkürzen. Zusätzlich zu Salz und Zitrone hilft ein Schuß „Bepanthol Körperlotion“ beim Bekämpfen der Entzündung.

Leider hat sich das Problem mit der angeschwollenen Nasenschleimhaut beim abendlichen Zubettgehen auf diese Weise bisher nicht großartig verringern lassen. In ganz krassen Fällen half da nur der Griff zum Nasenspray, was dem Zustand der Schleimhaut auch nicht gerade zuträglich ist, denn auf diese Weise entstehen Abhängigkeiten und irreparable Schäden. Doch dank meiner Experimentierfreudigkeit habe ich jetzt anscheinend ein Wundermittelchen entdeckt, welches die Nase abschwellen läßt und bisher – nach dreiwöchigem Versuch – keine negativen Auswirkungen zu haben scheint: Ein etwa drei Zentimeter langer Streifen „Florena, glättende Körperlotion mit Sheabutter und Bio-Arganöl“ in der Nasenspülung aufgelöst, macht die Nase für viele Stunden frei! Die Wirkung ist so verblüffend und überraschend, daß ich es kaum glauben kann! Endlich abends wieder ins Bett legen, ohne stundenlanges Hin-und-Hergedrehe, weil die unten liegende Seite sofort zugeschwollen ist. Ob mir davon irgendwann mal der Puschel abfällt, wird sich zeigen, aber momentan, besonders bei der monatelangen trockenen Heizungsluft, scheint mir diese Methode eine sehr gute Alternative zum schädlichen Nasenspray zu sein. Und vielleicht wird in den Lehrbüchern der unkreativen Ärzte dereinst stehen: Wer hat’s erfunden? Genau – der Flauschige!