Menü Schließen

Grüße aus den Achtzigern

Mein kleiner, bunter Lieblingsstoffhase mit den lustigen Knopfaugen, K. aus L., hat mir überraschend ein Päckchen geschickt, mit einem sogenannten analogen Tonträger, auch bekannt unter dem Namen „Schallplatte“.
Liebe Kinder, die natürliche Lässigkeit, mit der Ihr heute bereits im zarten Alter von vier Jahren sündhaft teure Handys und MP3-Player mit Euch herumtragt, ist noch nicht sehr lange so selbstverständlich wie es vielleicht aussehen mag, sondern das Ergebnis eines langen, harten (Schul-) Klassenkampfes in den Straßen und auf den Barrikaden gegen den schlechten Klang und für bessere Wiedergabebedingungen, angeführt auch durch eure Eltern und Großeltern. Ist Euch eigentlich klar, wie viele Vinylbäume vor dreißig Jahren für eine einzige Schallplatte abgeholzt wurden? Und wie viele unschuldige Teddybären für solch eine gefütterte Jeansjacke sterben mußten?
Eines dieser ethisch und moralisch fragwürdigen Tonprodukte steckte also in dem Päckchen, angefüllt mit der schönsten Popmusik, die ein Plattenspieler jemals aus der Rille kratzen durfte. Die Band Propaganda hatte in den Achtzigern erstaunlicherweise nur ein einziges Album produziert (die Remixe nicht mitgezählt) und erzielte damit einen weltweiten Erfolg. Stücke wie P:Machinery und Dr. Mabuse waren gigantische Hits und wurden in jeder Disko rauf- und runtergespielt. Und heute kann ich diesem kleinen Weltwunder noch einmal beim Drehen zuschauen. Vielen Dank lieber Stoffhase, für diese schöne Überraschung!
Vielleicht sollte ich auch mal wieder über den Flohmarkt schlendern und in Plattenkisten wühlen, ein weiteres Weltwunder fehlt mir nämlich noch, auch wenn ich es in digitaler Mega-Ultra-Qualität bereits auf meinem Computer habe.

Offline

My internet is over the ocean. Eine Großstörung, meint der freundliche Herr von der Störungsstelle. In meiner Kindheit bedeutete der Unterschied zwischen klein und groß nicht weniger, als ans Bein gepinkelt oder Hose voll, wobei keines von beidem weniger unerfreulich ist. Oder mit anderen Worten: Ich bin mal wieder mächtig angearscht. 

Nun sitze ich hier also an diesem trüben Sonntagvormittag und habe kein Internet, außer dem dünnen „Schläuchle“ übers Handy. Was mache ich denn nun am besten? Ein Leben ohne Internet? Das geht einfach nicht! Bin ich vielleicht süchtig? Vielleicht sollte ich mal nach ersten Anzeichen googlen? Oder der Suchthilfe ein paar Fragen per E-Mail stellen?
Ach nee, geht ja nicht! Ich hab ja kein Internet. 

Parken auf dem Balkon

Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht: Findige Architekten bauen neuerdings Häuser mit Fahrstühlen, die groß genug sind, um das eigene Auto in die bewohnte Etage zu hieven, wo man es dann direkt auf dem Balkon abstellen kann. So hat man es immer in Sichtweite und kann ihm beim Rosten zusehen.
Wäre ich reich, ich würde sofort das oberste Stockwerk mieten! Also los – spendet Leute, spendet! Oder wollt Ihr wirklich die Verantwortung dafür übernehmen, daß mein Golfilinchen auf einem schnöden, öffentlichen Parkplatz vor sich hingammelt?

Fit wie ein Germina-Turnschuh

Ein Taschenrechner ist heutzutage nichts Besonderes. Jeder hat sowas in seinem Handy. Und im Ein-Euro-Laden gibt es die Minicomputer für 99 Cents zu kaufen. Made in China. Aber als ich noch zur Schule ging, das war kurz nach dem Aussterben der Saurier, war ein Taschenrechner ein heißbegehrtes, elektronisches Wunderwerk, für das man sich alle zehn Finger abgeschnitten hätte, denn die benötigte man ja dann ohnehin nicht mehr zum Zählen, und die Tasten des Rechners kann man auch mit der Nasenspitze tippen.
Ich selbst habe noch in der Schule die Bedienung eines Rechenstabes erlernt, und wenn man nicht unbedingt drei Nachkommastellen benötigte, waren die Dinger auch erstaunlich genau. Aber sie waren so furchtbar uncool! Taschenrechner waren da irgendwie anders, sie hatten damals noch leuchtende LED-Anzeigen und knackende Tasten, Annett – die hübsche Tochter einer Arbeitskollegin meiner Mutter – hatte so ein Teil, mit einem externen Netzteil, um nicht ständig die teuren 9-Volt-Batterien kaufen zu müssen. Allein schon dafür hätte ich sie geheiratet!
Und irgendwann, als es fast schon zu spät war, weil meine Schulzeit sich dem Ende neigte, bekam auch ich einen Taschenrechner, hergestellt in Fernen Osten, allerdings nicht in China, die rechneten damals noch mit Abakussen.
Gestern nun habe ich bei einem Bekannten eine echte Rarität entdeckt, den ersten offiziellen Schultaschenrechner der DDR, der damals subventioniert und gegen behördliche Genehmigung zum Preis von etwa 120 Ostmark an die lernende Bevölkerung verkauft wurde. An sich nichts Weltbewegendes, außer vielleicht, daß bei diesem Gerät noch nie die Batterie gewechselt wurde und er nach über 25 Jahren noch immer funktioniert. Wenn man den tollen Geheimtrick, der sich dahinter verbirgt, damals doch nur für die Erhaltung der sozialistischen Gesellschaft entdeckt hätte – so manche unangenehme Erfahrung wäre uns heute vielleicht erspart geblieben.
Und manch positive sicher auch.

Hände hoch!

Wer sitzt bei Konzerten seiner Lieblingsband so dicht am Geschehen, daß er die Füße auf die Bühne stellen muß, Hände hoch? Wer kann bei seiner Lieblingsband einen Wunschtitel bestellen, welchen sie dann auch tatsächlich extra einübt und mit auf die Playlist setzt, Hände hoch? Wer kennt die Musiker seiner Wunschband mittlerweile so gut, daß ihm der Rhythmusgitarrist seine liebste Trophäe schenkt – einen Original-AC/DC-Dollarschein von einem Livekonzert des australischen Originals – Hände hoch?

Das letzte offizielle Konzert der AC/DCs Tribute Band dieses Jahres im Rickenbackers war wieder einmal voll und laut und spektakulär. Auch die dank süßem Nachwuchs derzeit pausierende Rhythmusgitarristin Sara schaute extra vorbei und rockte ordentlich mit, allerdings nur als Zuschauer. Aber beim Anblick der Spielvirtuosität von Leadgitarrist Ralph jucke es ihr in den Fingern, bald wieder selbst auf der Bühne zu stehen, erzählte sie mir in der Pause, und verriet mir auch, daß sie in nur vier Jahren gelernt habe, so gut Gitarre zu spielen. Eine wirklich beeindruckende Leistung wenn ich bedenke, daß ich es in sechs Jahren Klavierunterricht kaum zu nennenswerten Erfolgen gebracht habe.
Nun ist also erst mal Winterpause, wie soll ich das nur aushalten ohne meine Lieblingsband? Zeigen sich da nicht bereits die ersten Entzugserscheinungen … Händezittern … Schweißausbrüche?

Kaufrausch

Soeben in der Berliner Abendschau vermeldet: Am Leipziger Platz entsteht ein neues Einkaufszentrum.
Na Gott sei dank, da bin ich aber froh! Es gibt ja in der Gegend noch keine Einkaufsmöglichkeiten. Außer vielleicht direkt daneben am Potsdamer Platz. Und nicht allzuweit entfernt massenweise in der Friedrichstraße. Und am Alex.
Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Meldung der Abendschau – neues Einkaufszentrum pleite.