Der Überwachungsstaat läßt die Hosen herunter: In den USA mußten nun zwei Anbieter sicherer E-Mails schließen, offenbar aufgrund von Druck und Einschüchterungsversuchen der amerikanischen Regierung. Ist ja auch klar, wer die ganze Welt überwachen will, hat keine Zeit, E-Mails zu entschlüsseln. Was soll man da noch sagen … außer: „Was für ein Scheißland!“
Moskau hat sich entschieden, Edward Snowden – dem Mann, der die Verfehlungen seines Heimatlandes USA öffentlich machte, Asyl zu gewähren. Darüber ist US-Präsident Obama nun enttäuscht – Russland falle in die Denkweisen und Mentalitäten des Kalten Krieges zurück.
Das sagt ausgerechnet der Mann, der den schlimmsten Verbrecherverein der Gegenwart anführt. Manchmal kommen mir die Amis vor, wie ein dumpfbackiger Straßenschläger, der jedem aufs Maul haut, der sich nicht wehren kann, aber wenn es mal schief geht, dann fängt er an zu jammern und sich zu beschweren.
Sehr interessant übrigens auch die derzeitigen Schließungen der Botschaften wegen Terrorgefahr. Ob die sich wohl manchmal fragen, wieso gerade ihre Botschaften im Visier von „Terroristen“ sind?
Bei der diesjährigen Wahl zur „Musik mit Esprit“ gab es ja in letzter Sekunde doch noch einen Überraschungssieger. Dennoch will ich Euch nicht den ursprünglich geplanten Siegerkandidaten vorenthalten. Es handelt sich dabei um 1 Giant Leap, ein Projekt, an dem weltweit viele Musiker zusammenarbeiteten. Die Organisatoren packten ihr Tonstudio in den Rucksack und durchreisten die Welt. Jeder Musiker trug seinen Teil dazu bei, und am Ende wurde alles zu einem Ganzen zusammengefügt. Das schönste Stück daraus ist für mich The Way You Dream, mit Michael Stripe von REM und der indischen Sängerin Asha Bhosle. Es gibt dazu sogar noch ein interessantes Video, allerdings fehlt dort am Beginn des zweiten Teils der herzzerreißende Gesang.

Einst stand der Lebensmittelhändler mit der Teekanne für Qualität und Frische. Er übernahm vor gut zehn Jahren den abgewirtschafteten Spar-Markt, der gut zehn Jahre zuvor die abgewirtschaftete DDR-Kaufhalle übernommen hatte, nicht weit von meiner Wohnung entfernt. Teekanne investierte sogar noch mal ordentlich Geld in den Schuppen und hübschte ihn etwas auf, was Spar leider sträflich vernachlässigt hatte. Aber Sparmaßnahmen zur Effizienzsteigerung hinterlassen überall ihre Spuren, die bunte Markenvielfalt der frühen neunziger Jahre ist mittlerweile einem grauen, langweiligen Einheitsbrei aus Axe und Coca Cola gewichen. Genau wie in der DDR. Nur daß die Marken damals Action und Club Cola hießen.
Die Läden heutzutage sind zwar immer noch brechend voll, aber willst Du etwas Besonderes, Außergewöhnliches kaufen, mußt Du Dir die Hacken ablatschen. Wie neulich, als ich einen zweiten Wäschetrockner für den Balkon kaufen wollte. Einfachstes Modell in Weiß? Keine Chance! Gleiches Modell, aber mit knallroten, blauen oder grünen Beinen, die gab’s billig überall. Aber nicht in Reinweiß. Ist das nun schon zuviel verlangt? Vermutlich steckt ein ganz einfaches Kalkül dahinter: Stell ein paar häßliche Billigprodukte hin, dann kaufen die Kunden vielleicht die teureren, besser aussehenden Markenprodukte.
Doch zurück zur Teekanne: Nachdem schon seit Jahren meine Lieblingsprodukte in den verschiedensten Bereichen immer mehr aus dem Programm verschwinden, läßt nun auch noch die Qualität des kümmerlichen Restes nach. Zum Beispiel eben bei den Erdbeeren: Zunächst freute ich mich noch über den relativ günstigen Preis, aber als ich nach einer Schale griff, explodierte ein gigantischer Schwarm kleiner Fruchtfliegen mitten in mein Gesicht hinein.
Fliegen ernähren sich auf folgende Weise: Da sie nur flüssige Nahrung zu sich nehmen können, lösen sie mit ihrem Mageninhalt die Nahrung auf, stampfen sie zu einem Brei und saugen die verflüssigte Nahrung wieder auf. Und wenn sie gerade mal nicht fressen, dann ficken sie. Nun können wir uns also alle mal einen Moment lang überlegen, was die da wohl gerade auf den Erdbeeren so alles getrieben haben …

Der von mir auf das Problem angesprochene Filialleiter sagte mir zu, er werde sich darum kümmern und es weitergeben, aber sein Hinweis, Erdbeeren seien nicht kühlpflichtig und der unbewegte Gesichtsausdruck machten mir klar, daß sich wohl, wie üblich, nichts ändern wird. Solange die ganzen dummen Äffchen auch weiterhin kommentarlos alles kaufen, was angeboten wird, egal in welcher Qualität, besteht vermutlich kein Handlungsbedarf.
Vielleicht wird es langsam mal wieder Zeit für einen Wechsel. Nach meinem Besuch bei einem in der Nähe befindlichen Supermarkt, der diesen Namen auch verdient, und der mich mit einer erstaunlichen, schon lange nicht mehr erhofften Markenvielfalt überraschte, bin ich doch recht froh, daß ich zum Einkaufen nun auch etwas weiter in der Gegend herumgolfen kann.
Meine Metamorphose vom Radfahrer hin zum Autofahrer ist derzeit fast abgeschlossen, lediglich das herrliche Sommerwetter läßt meine verbliebenen Radfahrergene noch ab und zu rebellieren. Meistens verhindert dann die schmerzhafte Erinnerung an meinen quietschenden, brettharten Ledersattel die Rückkehr zum zweirädrigen Stadium. Als wenn ich’s nicht versucht hätte: Zwei Jahre lang fuhr ich mit dem breitesten, größten und peinlichsten Gelsattel, der zu finden war. Ohne Erfolg – der Hintern tat trotzdem nach wenigen Minuten höllisch weh. Offenbar hatte mein ehemals bester Freund Holger völlig recht, als er sagt, das Gel biete dem Gewicht nicht ausreichend Widerstand und verteile sich an die Stellen, wo weniger Druck herrscht, sodaß man am Ende doch auf dem harten Satteluntergrund sitzt.
Als Autofahrer lerne ich Radfahren nun von der anderen Seite kennen. Welche verschiedenen Fahrertypen es dabei gibt, beschreibt „Die Welt“ in einem fein beobachtenden Beitrag.
Mir persönlich würde es ja schon reichen, wenn Radfahrer nicht nebeneinander oder zwei Meter hin- und herschwankend auf der Straße fahren. Das würde das Überholen für beide Seiten erheblich einfacher und sicherer machen.

Wenn Leadgitarrist Rangus auf Augenhöhe direkt durch das Publikum zappelt, dabei fast über meine Füße stolpert und mir als Dankeschön beinahe den Gitarrenhals seiner Gibson um die Ohren haut, dann wird klar, daß man sich inmitten einer Rock-’n‘-Roll-Party befindet, wie sie direkter, härter und lauter nicht sein kann. So dürften sich in etwa die Konzerte des australischen Originals Anfang der Siebziger auch abgespielt haben. Und tatsächlich hauen die Jungs der Berliner AC/DCs Tribute Band dem im viel zu kleinen Saal des Rickenbackers ausgelassen feiernden Publikum die rauen Riffs um die Ohren, daß es nur so kracht. Zwei Stunden lang spielen die Musiker die wichtigsten Hits der australischen Band AC/DC in spektakulärer Qualität, darunter Dirty Deeds Done Dirt Cheap (auf Wunsch des Publikums sogar ein zweites Mal in der Zugabe), Beating Around the Bush, Shot Down In Flames, Rock ’n‘ Roll Damnation, Riff Raff, Hell Ain’t A Bad Place To Be, Back in Black und natürlich das ultraschnelle Whole Lotta Rosie. Nach ein paar Songs fordert die Sommerhitze dann ihren Tribut – Rangus zieht sich aus! Der obligatorische Strip darf auf keinen Fall fehlen, er gehört schon dazu, seit die Australier die Schuluniformen gegen ihre Gitarren eingetauscht haben – bis auf Angus. Auch Rangus ist natürlich stilecht eingekleidet, sogar mit Schulranzen, aber nach seinem Strip fetzt er nun halbnackt mitten durch die Fans, wo er auch die meiste Zeit anzutreffen ist, denn die Minirockbühne bietet kaum genügend Platz für alle fünf Musiker.

Vielleicht sollte ich doch mal eine anständige Kamera mitnehmen,
dem Handy mangelt es eindeutig nicht nur an Weitwinkel.
Nach einer kurzen Pause startet Rangus erneut durch, diesmal – dank kabelloser Technik – auf dem Bartresen stehend, zu einer weiteren Stunde Rockgeschichte, perfekt dargeboten und messerscharf gezupft, während Sänger Achim sich die Seele aus dem Leib schreit, Schlagzeuger Dennis seinen Puls trommelt, Bassist Chris sein stabiles Fundament darunterlegt und der für die gerade glückliche Mutter gewordene Sarangus eingesprungene Rhythmusgitarrist Dominik dem Klangkörper den letzten Feinschliff verpaßt. Letztendlich schafft es nur die unerbittlich vorrückende Zeit, die vielen Zugaben zu beenden, denn das Rickenbackers liegt inmitten von Wohnhäusern, länger als bis Mitternacht sind Konzerte der metallverarbeitenden Zunft nicht erlaubt.
Just in dem Moment, wo ich ein Foto machen will, auf dem die Interaktion der Band mit dem Publikum zu sehen ist, schiebt sich das Publikum dazwischen, um ein Foto von der Band zu machen.
Bandleader Rangus verriet mir in der Pause noch zwei Geheimnisse, die so furchtbar geheim sind, daß sie noch nicht mal auf der bandeigenen Homepage zu finden sind – zwei weitere Konzerttermine in unmittelbarer Reichweite: Am 03. August im Bi Nuu in Berlin (Bi Nuu übrigens der Titel eines Albums der Berliner Band Ideal), und am 27. September auf dem Altstadtfest in Frankfurt/Oder. Das Konzert am 10. August in Kühlungsborn soll übrigens „in größerem Rahmen“ stattfinden. Bleibt nur zu hoffen, daß es dann dort auch eine größere Bühne gibt, dort gehören die Jungs mit ihrer atemberaubenden Performance nämlich hin. Bleibt als Fazit des gestrigen Abends nur noch zu sagen: Mehr Rock geht nicht!
Frau V. ist gestorben. Meine ehemalige Nachbarin aus dem ersten Stock – jetzt wohne ich im vierten – war schon um die Neunzig und etwas klapprig, und ließ sich daher immer von der Volkssolidarität das Mittagessen bringen. Nun stand es ungegessen vor ihrer Wohnungstür. Drinnen lief noch das Radio, wie immer ein französischsprachiger Sender.
Manchmal machte sie einfach die Tür nicht auf. Überhaupt war sie in vielen Dingen recht eigenwillig. Vor fünfzehn Jahren, als immer noch ein paar Vertreter glaubten, hier im Osten könne man prima Haustürgeschäfte machen, klingelten an ihrer Wohnungstür zwei Herren, Staubsaugervertreter, streng überwacht durch mich und meinen Türspion. Die zwei sahen … eher unsympathisch aus, Männer um die Dreißig und von der gehetzten Sorte, den Druck der Umsatzvorgaben im Nacken und mit ihrer Einwandbehandlungsliste rhetorisch bis an die Zähne bewaffnet. Aber sie hatten nicht mit Frau V. gerechnet: „Frau V., wir haben hier mal ein tolles Teppichreinigungsprodukt gratis für Sie …“, einer der Herren überreichte ihr eine Flasche. „Oh, vielen Dank, sehr nett von ihnen!“ sagte Frau V., nahm die Flasche und schloß die Tür. Der Vertreter klopfte an die Tür, zog die Stirn in Falten und hatte wieder seinen gehetzten Gesichtsausdruck aufgesetzt … „Frau V.? Hallo?“ Nein, diese Tür würde sich nie wieder für ihn öffnen. Er hatte versagt. Ich konnte mich nur schwer zusammenreißen, um hinter meiner schützenden Tür nicht laut loszuprusten, denn auch für mich kam das sehr überraschend, hatte ich doch eher erwartet, die alte Dame vor den windigen Gestalten und ihren zwielichtigen Staubsaugergeschäften beschützen zu müssen.
Frau V. war die perfekte Nachbarin: Immer freundlich und zurückhaltend, wenn man sich traf, tauschte man drei oder vier Sätze aus, dann ging jeder wieder seiner Wege. Sie mischte sich nicht in fremde Angelegenheiten, hörte nicht laut Musik, sie tratschte nicht herum, sie machte keine Probleme.
Doch nun stand ihr Essen ungegessen vor der Tür. Mein Klopfen verhallte ungehört in den Etagen des Hauses. Abends sah ich dann zwei Damen in Zivil ihre Wohnung untersuchen, an der Tür hinterließen sie einen Aufkleber vom Polizeipräsidenten.
Liebe Frau V., danke für Ihre angenehme Nachbarschaft! Ich werde sie gern in Erinnerung behalten.
Als wenn es die Ärmsten unserer Gesellschaft nicht schon schwer genug haben, so müssen sie sich jetzt auch noch von staatlicher Seite verhöhnen lassen: Das Jobcenter Pinneberg schlägt Hartz-4-Empfängern unter anderem doch ernsthaft vor, sie sollen ihre Möbel verkaufen! An welche von den vielen, hochwertigen und gerade nicht in Benutzung befindlichen Designermöbeln haben die Herrschaften da im Speziellen gedacht?
Da fehlen mir … einfach nur noch die Worte …
Gestern kam mir in einer Seitenstraße ein Motorrad vom Typ „Fettes Teil“ entgegen, und als wir aneinander vorbeifuhren, fing der schwitzende, dicke, alte Mann plötzlich an, mich zu beschimpfen. Aber das ist verständlich: Bei herrlichstem Sommerwetter – ich mit T-Shirt, kurzen Hosen und Sandalen bei offenem Fenster in meinem luftigen Golfilein, und er eingepackt in eine dicke schwarze Lederbekleidung, auf dem Kopf einen schweren Helm, auf einem glühenden Stahlklotz sitzend. Das kann einem schon mal den Verstand zerkochen. Und das Ganze nennt sich dann „Freiheit“!
Also ich könnt’s nicht!
Nachdem – auch für mich völlig überraschend – weder Maryam noch Aleksandra meinen Avancen nachgegeben und mich geheiratet haben, ist mein Herz nun wieder frei für eine neue Liebe und den nächsten Flirtversuch.
Schon seit längerem habe ich nicht nur eines meiner Augen auf sie geworfen, ihre scheue Art und ihr süßes Lächeln haben mich von Anfang an in den Bann gezogen, und da ich designtechnisch mindestens in der Brad-Pitt-Liga mitspiele, dürfte es auch kein bißchen anmaßend sein, eine solch göttinnenhafte Lichtgestalt um ihre Hand zu bitten. Letztendlich erklärt sich mir nun auch, warum sie in der diesjährigen Liste der 100 schönsten Frauen nicht aufgeführt war: Göttinnen spielen in einer anderen Liga. Allein schon beim Blick in ihre Augen geht man unwillkürlich in die Knie, um zu beten. Anzubeten.
Der Titel „Frau mit Esprit“ geht dieses Jahr an die unvergleichliche Claire Forlani.
