Menü Schließen

Verrannt in Ideologien

Als Apple-Chefdesigner Jony Ive vor einigen Monaten in einem Interview seine Abscheu gegenüber skeuomorphem Design bekanntgab und einen entsprechenden Strategiewechsel ankündigte, ahnte ich bereits, was mit zukünftigen Produktgenerationen auf Apple-Kunden zukommen würde. Manchmal ist es gar nicht so schwer, vage die Zukunft vorauszusehen.
Mit Skeuomorphismus bezeichnet man den Umstand, daß Produkte etwas vorgeben, was sie nicht sind. Ein Schrank beispielsweise kann aussehen, wie aus Holz gefertigt, obwohl er tatsächlich aus Plastik besteht, beklebt mit einer Dekorfolie, auf welche eine wie Holz aussehenden Oberfläche aufgedruckt ist. Auch glänzender, wie Aluminium aussehender Kunststoff ist ein bei vielen Produkten häufig anzutreffendes Beispiel. Der Elektronikhersteller Bang & Olufsen ist ein energischer Verfechter gegen den Skeuomorphismus – was aussieht wie Aluminium, muß auch aus Aluminium hergestellt sein.

Auch Apple hat diese Philosophie bei der Produktgestaltung stets umgesetzt. Die Computergehäuse der letzten Generationen waren aus echtem Aluminium gefertigt, was die Produkte hochwertig, robust und wertstabil machte. Jony Ive setzte sich nun auch für die Weiterentwicklung dieser Philosophie im Softwarebereich ein. Die Nachahmung von plastisch anmutenden Tasten oder Symbole mit Schatten beim iPhone-Betriebssystem sowie die Lederimitation samt pseudo-abgerissener Blätter beim Kalenderprogramm von Mac OS waren Ive ein Dorn im Auge. Und so sah ich am Horizont bereits ein glattgeschliffenes, eindimensionales Betriebssystem hervordämmern.
Gestern nun wurden auf der Entwicklerkonferenz WWDC die neuen Produkte vorgestellt, und natürlich kam es, wie es kommen mußte, wenn Designer sich in Ideologien verrennen: Das Design des neuen iPhone-Betriebssystems iOS 7 wirkt flach, eindimensional und unübersichtlich. Wo früher (simulierte) Tasten einen eindeutigen Hinweis darauf gaben, wo man hintippen muß und was nur zum Lesen gedacht ist, herrscht nun das Chaos von zusammen in einen Topf geworfenen Bedienelementen in Form von Textlinks sowie Überschriften und Textelementen, alles nur schwer voneinander zu unterscheiden. Nur wer sich bereits mit iPhones auskennt, wird intuitiv wissen, wohin er tippen muß, um die gewünschte Funktion auszulösen.
Worin genau besteht nun eigentlich Ives Irrtum? Daß ein Holzgehäuse auch wirklich aus Holz erschaffen sein sollte, darüber kann man geteilter Meinung sein. Ein Produkt mit Kunststoffgehäuse und holzbedruckter Oberfläche ist möglicherweise preiswerter zu produzieren. Und mir persönlich ist ein federleichter, preiswerter Fön mit chromglänzendem Kunststoffgehäuse wahrscheinlich lieber, als fünfmal so teuer und dreimal so schwer, dafür aber aus echtem Aluminium. Doch nachvollziehen kann ich diesen designideologischen Ansatz durchaus und begrüße ihn da, wo es sinnvoll ist. Völliger Unsinn ist der Verzicht auf skeuomorphe Elemente hingegen bei der Gestaltung der Softwareoberfläche, und zwar aus einem ganz simplen Grund: Es ist völlig egal, was der Bildschirm anzeigt … Aluminiumdesign, Holzoberfläche, Lederimitat oder einfach nur weißer Text auf grauem Hintergrund – alles, was ein Display anzeigt, ist eine Simulation! Jedes Element, ob nun dreidimensionale Taste, Mauszeiger, Textlink, buntes Hintergrundfoto, all das wird zusammengesetzt aus roten, grünen und blauen Pixeln. Es ist also gar nicht möglich, hier etwas aus echten Materialien darzustellen. Somit treten bei der Gestaltung der Softwareoberfläche gänzlich andere, wichtigere Parameter in den Vordergrund, wie Benutzerfreundlichkeit, Übersichtlichkeit und Funktionalität. Mir persönlich gefällt zum Beispiel die aluminiumfarbene Oberfläche von Mac OS, sie paßt nämlich perfekt zum Alugehäuse von iMac und Macbook Pro. Aber die Geschäftigkeit in einschlägigen Internetforen zeigt, daß es in diesem Punkt durchaus Verbesserungsbedarf gibt. Warum kann der Benutzer nicht zwischen zehn oder zwanzig verschiedenen Designs wählen? Warum kann er sich nicht sein eigenes Design erstellen? Warum merkt sich der Finder nicht die Darstellung der einzelnen Ordner? Ein Foto-Ordner nützt mir in der Listenansicht recht wenig, ein Ordner mit Textdokumenten ist in der Coverflow-Ansicht möglicherweise unpraktisch. Warum kann ich im Jahr 2013 noch immer nicht die dämlichen Systemsounds verändern? Bei Windows ist das seit 1995 möglich! Warum findet Spotlight viele Dokumente nicht, zeigt mir stattdessen aber Unmengen von Daten, die augenscheinlich nichts mit dem Suchbegriff zu tun haben? Warum gibt es bei iTunes kein Coverflow mehr? Selbst der Medienplayer in meinem Golf 7 hat mittlerweile Coverflow! Warum wird die zufallsgesteuerte Musikwiedergabe (iTunes DJ) nicht mehr ständig als Wiedergabeliste angezeigt sondern nur mit einer zusätzlichen Aktion?

Es gäbe viele Baustellen, an denen Apple etwas verbessern könnte. Anstatt das bisher recht gute Design der Software durch zweifelhafte Ideologieansätze zu verschlimmbessern wäre Vorsicht angebracht, denn die Konkurrenz ist mittlerweile aufgewacht. Auch wenn viele Bestandteile, wie das Navigieren durch Listen mit einem Fingerstrich, bei Apple geklaut sind.

Warnung vor dem schnellen Wilhelm

Achtung-Achtung! Es folgt eine wichtige Durchsage:
Bei übermäßigem Verzehr, besonders in Form von damit gesüßten Getränken, kann das von mir so vollmundig angepriesene Sucolin dazu führen, daß man vom schnellen Wilhelm ersucht wird. Nee, warte mal … vom flinken Fridolin besucht wird. Nee, auch nicht. Verdammt, wie hieß denn der Kerl gleich noch mal?
Ach, jetzt hab ich’s. Es kann dazu führen, daß man vom flotten Otto heimgesucht wird. Und außerdem könnte es sein, daß man anschließend zwei Stunden damit beschäftigt ist, die Keramik zu putzen. Und zwar selbst, denn in dem pyramidal-desaströsen Zustand dürfte sich da selbst Elli Schubberstiel trotz all ihrer Menschenliebe und Selbstlosigkeit weigern, das wieder in Ordnung zu bringen. Oder wie Charlies Haushälterin Berta sagen würde: „Also ich mach das nicht weg!“

Wie konnte ich nur?

Mein Gott, wie konnte ich nur? Wie nur konnte ich dieses wundervolle Lied 18 Jahre lang übersehen?
Anne Clark entdeckte ich 1984 in einer Schuldisko in der Otto-Grotewohl-Schule in Berlin Pankow, ein paar ziemlich cool gekleidete Typen mit Anzug und Hüten tanzten zu „Our Darkness“, damals eine völlig neuartige Form von Musik, eine Mischung aus Computersounds und Sprechgesang. Nach und nach besorgte ich mir die ersten Schallplatten zum Überspielen auf Kassette, und gleich nach der Wende gehörten die CDs selbstverständlich mit zu meinem Repertoire. Mit „Unstill Life“ stieg ich dann aus, die Musik wurde mir mit den vielen Streicher-Arrangements zu klassikartig.
Und nun entdecke ich, daß Anne Clark mit dem 1995 erschienenen Album „To Love and Be Loved“ doch wieder zu alter Form zurückgefunden und diese sogar noch sanft modernisiert hat! Daraus das Stück „The Key“ – was für ein wundervolles, poetisch-melancholisches Kunstwerk! 18 Jahre lang übersehen! Wie konnte ich nur!

Kriegserklärung

Heute war ich bei Ikea. Natürlich gehört auch ein Restaurantbesuch dazu, um meine geliebten Köttbullar zu genießen. Ich also ran an den Tresen, die hübsche Bedienung kümmerte sich freundlich lächelnd um den vor mir stehenden Kunden und wurde plötzlich durch einen anderen Mitarbeiter abgelöst. Vielleicht mußte sie dringend ein körperliches Bedürfnis befriedigen oder sie mochte mich nicht – egal, jedenfalls übernahm ihren Job ein Mitarbeiter, welcher der Kleidung nach wohl eher im Management arbeiten dürfte, denn er trug ein gestreiftes Hemd, im Gegensatz zu den anderen am Tresen bedienenden Personen. Auch er bediente mich freundlich, reichte mir meinen Teller mit den dunklen Fleischklößchen auf Kartoffelbrei, dazu noch ein Schälchen mit Gemüse. Ich zahlte, setzte mich und fing an zu essen und dachte die ganze Zeit, irgendetwas stimmt hier nicht, das schmeckt heute so merkwürdig fade.
Und dann plötzlich überkam mich die ungeheuerliche, bleischwere, unerträgliche, alles vernichtende und zerstörende Erkenntnis, was in diesem Moment gerade schief lief: Preiselbeeren!
Der Manager hat die Preiselbeeren vergessen!
Köttbullar ohne Preiselbeeren!
Köttbullar ohne Preiselbeeren?
Köttbullar ohne Preiselbeeren!
Das geht gar nicht! Das ist Blasphemie! Das ist das Ende! Das ist wie Paris ohne Eiffelturm! Das ist wie Dubai ohne Burj Khalifa! Das ist wie Sommer ohne Sonne! Eine Beleidigung! Das bedeutet unausweichlich Krieg!
Schweden, ich komme!

Weiterbildungsmaßnahme

Nachdem ich die vergangenen zwei Wochen sinnvoll dazu genutzt habe, um in der näheren und ferneren Bekanntschaft ein wenig mit meinem neuen Spielzeug herumzuprotzen, daraufhin jede Menge Lob- und Neidbekundungen sowie eindeutige, zweideutige und auch unzweideutige Angebote erhalten und auf diese Weise meinen sozialen Status weiter gefestigt habe, kann ich mich nun wieder um die wichtigen Dinge des Lebens (und des Universums) kümmern: Welche Autowaschanlage ist am günstigsten? Wie mogele ich mich an den offenen Türen bei Carwash vorbei, um die kostenlosen Staubsauger zu nutzen, ohne vorher durch die kostenpflichtige Waschanlage fahren zu müssen? Aber am wichtigsten: Wie spare ich Kraftstoff?

Nachdem das orale Tankabsaugen von Autos aus der Nachbarschaft zu gewissen Spannungen im unmittelbaren Umfeld geführt hat, bin ich nun doch lieber dazu übergegangen, Internetkurse zu belegen und dabei über diese Weiterbildungsmaßnahme gestolpert. Ich dachte immer, wenn ich langsam und sanft beschleunige, mit etwa 1200 bis 1800 U/min, spare ich mehr Kraftstoff, als wenn ich ordentlich drauflatsche. Dem ist aber offenbar nicht so. Der theoretischere Teil 2 ist noch etwas ausführlicher und auch sehr interessant.

Koma

Schon gewußt, daß das Annagram von Koma ausgerechnet Amok lautet? An Tagen wie diesem bin ich mir nicht sicher, welcher der beiden Auswege der tröstlichere ist.
Im November hatte ich drei Schränke bestellt, Sonderanfertigungen und alle per Muster farblich aufeinander abgestimmt. Als nach fünfmonatiger Wartezeit nur zwei der Schränke geliefert wurden, ahnte ich bereits, daß dieses Abenteuer gründlich schiefgehen wird. Natürlich kam es, wie es kommen mußte: Heute, zwei Monate später, kam der dritte Schrank in einer anderen Farbe, mit falschen Knöpfen und außerdem beschädigt. Laut Serviceteam des Händlers könnte es nun wieder fünf Monate dauern, bis der indische Hersteller den Fehler behoben und den neuen Schrank per Containerschiff zu mir geschickt hat.
Am Montag gab ich bei meiner Ärztin ein Formular meiner Krankenkasse ab, bei dem eine Handvoll Felder auszufüllen sind, zuzüglich Stempel und Unterschrift. Gestern war ich erneut zur Stelle, um das Formular abzuholen. Es war noch nicht fertig – na gut, kein Problem, komme ich einfach später wieder. Heute rufe ich vorsorglich an und erfahre endlich, daß die Ärztin sich da „keinen Reim drauf machen“ könne, ich müsse schon vorbeikommen. Und das war am Montag noch nicht bekannt? Nach einer Stunde rief sie mich dann endlich ins Sprechzimmer und füllte ohne weitere Umstände den Zettel aus. Vermutlich wollte sie mich nur mal wiedersehen.
Meinliebesmeineigenmeinschaaatttzzz parke ich am liebsten hinterm Haus, aber mangels Parkplätzen in der Gegend entbrennen stets heiße Kämpfe um diese begehrten Plätze, so daß ich schon überlegt habe, ob ich nicht mal mit einer Schachtel Streichhölzer die Straße hoch und runter gehe, um (Park-)Platz zu schaffen. In Berlin fällt das vermutlich gar nicht weiter auf. Vorhin, nach meinem Termin im Fitneßstudio, war mein Lieblingsparkplatz natürlich schon wieder besetzt. Eine bizarre Tussi stand dort mit ihrem uralten Renault, der nur noch vom Lack zusammengehalten wurde und diskutierte mit einem Mann, der mit seinem Auto daneben stand. Meine Frage, ob sie gleich wegfahren und ich dort parken könne, wurde verneint, der Renault bleibe da jetzt erst mal stehen. Ich parke also vor dem Haus, laufe die fünf Treppen zu meiner Wohnung rauf, und habe noch nicht mal die Schuhe ausgezogen, da sehe ich beide plötzlich wegfahren.
Soweit das Auge reicht, nur Krüppel und Bekloppte! Wie bitte soll man sich da entscheiden? Koma oder Amok? Und dann heißt es nachher wieder, er hatte seine Taten vorher im Internet angekündigt …

Teure Luft

In dem Baumarkt, dessen Namen wir hier nicht nennen, suchte ich heute nach einem kleineren Wasserkanister aus Kunststoff. Ich fand ihn in der Gartenabteilung, 5 Liter Fassungsvermögen und ohne Inhalt für 12,99 Euro. In der Autoabteilung fand ich anschließend einen ähnlichen Wasserkanister mit Wasser (destilliert), ebenfalls 5 Liter Fassungsvermögen, für 2,49 Euro.
Also wer sich sowas ausdenkt …