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Rad-Rat

Meine Metamorphose vom Radfahrer hin zum Autofahrer ist derzeit fast abgeschlossen, lediglich das herrliche Sommerwetter läßt meine verbliebenen Radfahrergene noch ab und zu rebellieren. Meistens verhindert dann die schmerzhafte Erinnerung an meinen quietschenden, brettharten Ledersattel die Rückkehr zum zweirädrigen Stadium. Als wenn ich’s nicht versucht hätte: Zwei Jahre lang fuhr ich mit dem breitesten, größten und peinlichsten Gelsattel, der zu finden war. Ohne Erfolg – der Hintern tat trotzdem nach wenigen Minuten höllisch weh. Offenbar hatte mein ehemals bester Freund Holger völlig recht, als er sagt, das Gel biete dem Gewicht nicht ausreichend Widerstand und verteile sich an die Stellen, wo weniger Druck herrscht, sodaß man am Ende doch auf dem harten Satteluntergrund sitzt.
Als Autofahrer lerne ich Radfahren nun von der anderen Seite kennen. Welche verschiedenen Fahrertypen es dabei gibt, beschreibt „Die Welt“ in einem fein beobachtenden Beitrag.
Mir persönlich würde es ja schon reichen, wenn Radfahrer nicht nebeneinander oder zwei Meter hin- und herschwankend auf der Straße fahren. Das würde das Überholen für beide Seiten erheblich einfacher und sicherer machen.

Minirock – hautnah

Wenn Leadgitarrist Rangus auf Augenhöhe direkt durch das Publikum zappelt, dabei fast über meine Füße stolpert und mir als Dankeschön beinahe den Gitarrenhals seiner Gibson um die Ohren haut, dann wird klar, daß man sich inmitten einer Rock-’n‘-Roll-Party befindet, wie sie direkter, härter und lauter nicht sein kann. So dürften sich in etwa die Konzerte des australischen Originals Anfang der Siebziger auch abgespielt haben. Und tatsächlich hauen die Jungs der Berliner AC/DCs Tribute Band dem im viel zu kleinen Saal des Rickenbackers ausgelassen feiernden Publikum die rauen Riffs um die Ohren, daß es nur so kracht. Zwei Stunden lang spielen die Musiker die wichtigsten Hits der australischen Band AC/DC in spektakulärer Qualität, darunter Dirty Deeds Done Dirt Cheap (auf Wunsch des Publikums sogar ein zweites Mal in der Zugabe), Beating Around the Bush, Shot Down In Flames, Rock ’n‘ Roll Damnation, Riff Raff, Hell Ain’t A Bad Place To Be, Back in Black und natürlich das ultraschnelle Whole Lotta Rosie. Nach ein paar Songs fordert die Sommerhitze dann ihren Tribut – Rangus zieht sich aus! Der obligatorische Strip darf auf keinen Fall fehlen, er gehört schon dazu, seit die Australier die Schuluniformen gegen ihre Gitarren eingetauscht haben – bis auf Angus. Auch Rangus ist natürlich stilecht eingekleidet, sogar mit Schulranzen, aber nach seinem Strip fetzt er nun halbnackt mitten durch die Fans, wo er auch die meiste Zeit anzutreffen ist, denn die Minirockbühne bietet kaum genügend Platz für alle fünf Musiker.


Vielleicht sollte ich doch mal eine anständige Kamera mitnehmen,
dem Handy mangelt es eindeutig nicht nur an Weitwinkel.

Nach einer kurzen Pause startet Rangus erneut durch, diesmal – dank kabelloser Technik – auf dem Bartresen stehend, zu einer weiteren Stunde Rockgeschichte, perfekt dargeboten und messerscharf gezupft, während Sänger Achim sich die Seele aus dem Leib schreit, Schlagzeuger Dennis seinen Puls trommelt, Bassist Chris sein stabiles Fundament darunterlegt und der für die gerade glückliche Mutter gewordene Sarangus eingesprungene Rhythmusgitarrist Dominik dem Klangkörper den letzten Feinschliff verpaßt. Letztendlich schafft es nur die unerbittlich vorrückende Zeit, die vielen Zugaben zu beenden, denn das Rickenbackers liegt inmitten von Wohnhäusern, länger als bis Mitternacht sind Konzerte der metallverarbeitenden Zunft nicht erlaubt.

Just in dem Moment, wo ich ein Foto machen will, auf dem die Interaktion der Band mit dem Publikum zu sehen ist, schiebt sich das Publikum dazwischen, um ein Foto von der Band zu machen.

Bandleader Rangus verriet mir in der Pause noch zwei Geheimnisse, die so furchtbar geheim sind, daß sie noch nicht mal auf der bandeigenen Homepage zu finden sind – zwei weitere Konzerttermine in unmittelbarer Reichweite: Am 03. August im Bi Nuu in Berlin (Bi Nuu übrigens der Titel eines Albums der Berliner Band Ideal), und am 27. September auf dem Altstadtfest in Frankfurt/Oder. Das Konzert am 10. August in Kühlungsborn soll übrigens „in größerem Rahmen“ stattfinden. Bleibt nur zu hoffen, daß es dann dort auch eine größere Bühne gibt, dort gehören die Jungs mit ihrer atemberaubenden Performance nämlich hin. Bleibt als Fazit des gestrigen Abends nur noch zu sagen: Mehr Rock geht nicht!

Frau V.

Frau V. ist gestorben. Meine ehemalige Nachbarin aus dem ersten Stock – jetzt wohne ich im vierten – war schon um die Neunzig und etwas klapprig, und ließ sich daher immer von der Volkssolidarität das Mittagessen bringen. Nun stand es ungegessen vor ihrer Wohnungstür. Drinnen lief noch das Radio, wie immer ein französischsprachiger Sender.
Manchmal machte sie einfach die Tür nicht auf. Überhaupt war sie in vielen Dingen recht eigenwillig. Vor fünfzehn Jahren, als immer noch ein paar Vertreter glaubten, hier im Osten könne man prima Haustürgeschäfte machen, klingelten an ihrer Wohnungstür zwei Herren, Staubsaugervertreter, streng überwacht durch mich und meinen Türspion. Die zwei sahen … eher unsympathisch aus, Männer um die Dreißig und von der gehetzten Sorte, den Druck der Umsatzvorgaben im Nacken und mit ihrer Einwandbehandlungsliste rhetorisch bis an die Zähne bewaffnet. Aber sie hatten nicht mit Frau V. gerechnet: „Frau V., wir haben hier mal ein tolles Teppichreinigungsprodukt gratis für Sie …“, einer der Herren überreichte ihr eine Flasche. „Oh, vielen Dank, sehr nett von ihnen!“ sagte Frau V., nahm die Flasche und schloß die Tür. Der Vertreter klopfte an die Tür, zog die Stirn in Falten und hatte wieder seinen gehetzten Gesichtsausdruck aufgesetzt … „Frau V.? Hallo?“ Nein, diese Tür würde sich nie wieder für ihn öffnen. Er hatte versagt. Ich konnte mich nur schwer zusammenreißen, um hinter meiner schützenden Tür nicht laut loszuprusten, denn auch für mich kam das sehr überraschend, hatte ich doch eher erwartet, die alte Dame vor den windigen Gestalten und ihren zwielichtigen Staubsaugergeschäften beschützen zu müssen.
Frau V. war die perfekte Nachbarin: Immer freundlich und zurückhaltend, wenn man sich traf, tauschte man drei oder vier Sätze aus, dann ging jeder wieder seiner Wege. Sie mischte sich nicht in fremde Angelegenheiten, hörte nicht laut Musik, sie tratschte nicht herum, sie machte keine Probleme.
Doch nun stand ihr Essen ungegessen vor der Tür. Mein Klopfen verhallte ungehört in den Etagen des Hauses. Abends sah ich dann zwei Damen in Zivil ihre Wohnung untersuchen, an der Tür hinterließen sie einen Aufkleber vom Polizeipräsidenten.
Liebe Frau V., danke für Ihre angenehme Nachbarschaft! Ich werde sie gern in Erinnerung behalten.

Mach Dich nackig!

Als wenn es die Ärmsten unserer Gesellschaft nicht schon schwer genug haben, so müssen sie sich jetzt auch noch von staatlicher Seite verhöhnen lassen: Das Jobcenter Pinneberg schlägt Hartz-4-Empfängern unter anderem doch ernsthaft vor, sie sollen ihre Möbel verkaufen! An welche von den vielen, hochwertigen und gerade nicht in Benutzung befindlichen Designermöbeln haben die Herrschaften da im Speziellen gedacht?
Da fehlen mir … einfach nur noch die Worte …

Armer Irrer

Gestern kam mir in einer Seitenstraße ein Motorrad vom Typ „Fettes Teil“ entgegen, und als wir aneinander vorbeifuhren, fing der schwitzende, dicke, alte Mann plötzlich an, mich zu beschimpfen. Aber das ist verständlich: Bei herrlichstem Sommerwetter – ich mit T-Shirt, kurzen Hosen und Sandalen bei offenem Fenster in meinem luftigen Golfilein, und er eingepackt in eine dicke schwarze Lederbekleidung, auf dem Kopf einen schweren Helm, auf einem glühenden Stahlklotz sitzend. Das kann einem schon mal den Verstand zerkochen. Und das Ganze nennt sich dann „Freiheit“!
Also ich könnt’s nicht!

Frau mit Esprit

Nachdem – auch für mich völlig überraschend – weder Maryam noch Aleksandra meinen Avancen nachgegeben und mich geheiratet haben, ist mein Herz nun wieder frei für eine neue Liebe und den nächsten Flirtversuch.
Schon seit längerem habe ich nicht nur eines meiner Augen auf sie geworfen, ihre scheue Art und ihr süßes Lächeln haben mich von Anfang an in den Bann gezogen, und da ich designtechnisch mindestens in der Brad-Pitt-Liga mitspiele, dürfte es auch kein bißchen anmaßend sein, eine solch göttinnenhafte Lichtgestalt um ihre Hand zu bitten. Letztendlich erklärt sich mir nun auch, warum sie in der diesjährigen Liste der 100 schönsten Frauen nicht aufgeführt war: Göttinnen spielen in einer anderen Liga. Allein schon beim Blick in ihre Augen geht man unwillkürlich in die Knie, um zu beten. Anzubeten.
Der Titel „Frau mit Esprit“ geht dieses Jahr an die unvergleichliche Claire Forlani.

Musik mit Esprit

Da denkste, Du hast schon alles gesehen und nichts kann dich mehr beeindrucken, da zieht das Schicksal doch wieder einen seiner Trümpfe aus dem Ärmel. Eigentlich sollte der diesjährige Titel „Musik mit Esprit“ an einen ganz anderen Musiker gehen, aber die drei folgenden Künstler haben das Ruder gerade noch zu ihren Gunsten herumgerissen. Keine Ahnung, wer die sind und was die wollen, aber bei der Interpretation eines berühmten Songs bekommt man einfach Gänsehaut. Der Sieg geht dieses Jahr somit an die Band DMK:

Wehe, Du faßt mein Eis an!

Schon seit längerer Zeit fällt Volkswagen immer wieder durch witzige Werbespots auf, beispielsweise zum Thema Drehzahlmesser oder Parkassistent.
Nun gibt es ein paar Werbeclips für den neuen Golf GTD, welche – vorbildlich nach dem Marketinggrundsatz „Zeige die Wirkung und nicht das Produkt!“ – die herausragende Beschleunigung des Fahrzeugs anschaulich darstellen. Das muß man sich auch erst mal trauen!
Unbezahlbar: Der Blick des kleinen Mädchens:

Dumm ist der, der Dummes tut.

Dieses bekannte Zitat stammt von dem berühmten amerikanischen Philosophen … ähm … wie hieß er doch gleich … ach ja, genau – Forest Gump, und beschreibt wohl zweifellos die Situation, welche sich in einer amerikanischen Behörde ereignet hat: Wegen zweier mit Viren befallender Computer wurde, um auf Nummer Sicher zu gehen, Hardware im Wert von 170.000 Dollar vernichtet. Doch nicht nur Computer fielen der Zerstörungsorgie zum Opfer, auch Drucker, Mäuse und Kameras mußten dran glauben.
Erstaunlich, daß nicht gleich noch die Mitarbeiter … sagen wir mal … „neutralisiert“ wurden!

Asyl für Edward Snowden

Die Bundesrepublik Deutschland hat den Asylantrag von Edward Snowden abgelehnt. Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Snoden hatte illegale Abhörpraktiken des amerikanischen Geheimdienstes NSA aufgedeckt und wird seitdem von den USA als Verräter gesucht.
Da die amerikanische Politik zunehmend faschistische Tendenzen aufweist, müßte sich die deutsche Regierung, angesichts der eigenen Geschichte, eigentlich verpflichtet fühlen, Snowden Asyl zu gewähren.
Da ich die Ablehnung für eine peinliche Fehlentscheidung halte, habe ich beschlossen, Edward Snowden in meinen eigenen vier Wänden symbolisch Asyl zu gewähren. Und ich fordere alle Blogger und Webseitenbetreiber, die ebenfalls dieser Ansicht sind, auf, sich mir anzuschließen, um ein Signal zu setzen, gegen den ausufernden Überwachungswahn der Regierenden.