Menü Schließen

Gebt uns mehr Fleisch!

Ich sitze gerade an der Gestaltung einer Broschüre und quäle mich mal wieder durch abertausende von nutzlosen Stockfotos. Dabei handelt es sich nicht um Fotos, auf denen Stöcke abgebildet sind, sondern um Fotos, die nicht extra beim Fotografen beauftragt wurden, sondern nach Themen geordnet bereits bei Online-Fotoanbietern fix und fertig „in stock“ – also auf Lager – vorrätig sind.
Und genau dieses „fix und fertig“ macht mich jedesmal auf’s Neue fix und fertig, denn die produzierenden Fotografen sitzen anscheinend daheim in ihrem Kämmerlein und versuchen sich als großartige Künstler, indem sie die Bilder perfekt bis auf die letzte Hautpore vorbereiten und glattbügeln, bis es nicht mehr den kleinsten Makel zu bemäkeln gibt. In gewisser Weise kann ich das in meiner Eigenschaft als Gelegenheitsprofifotograf (was nicht mehr bedeutet, als daß ich nicht nur privat knipse, sondern hin und wieder auch beruflich schnappschieße, in mal mehr und mal weniger guter Qualität) durchaus nachvollziehen und begrüße es da, wo es mir beim Nachbearbeiten den Aufwand reduziert. Aber als Gestalter raufe ich mir regelmäßig die Haare, denn ich kann nur in den seltensten Fällen etwas mit fertig beschnittenen Fotos anfangen.
Um ein Bild in ein Broschüre zu integrieren, benötige ich flexible Ränder, sowohl zur Seite hin, als auch nach oben und unten, allein schon um das Bild registerhaltig mit dem danebenstehenden Text zu arrangieren. Manchmal benötige ich Fotos im Hoch- und manchmal im Querformat. Das funktioniert aber nur, wenn um das Motiv herum möglichst viel „Fleisch“ ist, also Hintergrund, den ich dann im Layoutprogramm beliebig weit aufmachen oder zuziehen kann, indem ich den Objektrahmen vergrößere oder verkleinere. Oft scheitert die Verwendung eines spektakulär gut gelungenen Fotos einfach daran, daß ich es nicht in mein Layout einarbeiten kann. Gelegentlich gelingt es mir dann, wie bei untenstehendem Beispiel, mit Hilfe des Bildbearbeitungsprogrammes drumherum noch Hintergrund zu generieren, indem ich den vorhandenen Hintergrund mehrfach kopiere und so um das Motiv herum positioniere, daß es nicht auffällt. Ich klebe also das wieder an, was die Fotografen übereifrig weggeschnitten haben. Aber das klappt halt nicht immer. Deswegen, liebe Profifotografen: Gebt uns mehr Fleisch! Bitte nicht immer die Fotos so eng beschneiden, das können wir Grafiker auch selbst! Nur hinterher etwas drankleben … das wird schwierig!

Fotos: Fotolia

Goodbye!

Der Löwe durch die Gegend tigert …

Nee, Moment mal, ein Löwe tigert ja gar nicht, der löwt doch!
Also, nochmal:

Der Löwe durch die Gegend löwt
und seinem Golfi Reifen köft.
Als Winterstiefel angedacht
hat er sie heut gleich angebracht
Dann wurd‘ es aber Mitternacht
drum hat der Löwe sich gedacht
wie er nun dieses Reimgemacht,
ganz elegant zu Ende bracht‘!

Ich glaub, ich fang nochmal an:

Sag zum Abschied leis‘ „Goodbye“!
Der Sommer nämlich ist vorbei.
Der Winter ist uns einerlei.
Die Sommerreifen, fast noch neu,
trag ich nun in den Keller rein.
Dort ruh’n sie sanft bis Mitte Mai
und freu’n sich schon auf’s Golfilein.
Mit dem dann wieder frank und frei
ich durch die Gegend eierei.

Mein Gott, ich sollte echt Dichter werden.

Sie haben Post!

Nach langer Zeit und völlig unerwartet hat er mir nun doch noch geantwortet, unser aller Meisterbürger. Natürlich nicht persönlich, sondern über einen seiner Helfershelfershelfershelfer dessen Cousine seine Sekretärin. Und zwar:

“Bezirksamt Pankow von Bärchen*
Abteilung Stadtverwicklung
Tiefbau- und Nochtieferplanung
Stadtverwicklung
Bezirksoberchefchen
Dessen Cousine seine Sekretärin
Bezirksamt Pankow von Bärchen
Postfach 08154711, 12345 Bärchen (Postanschrift)
(keine Ahnung, warum das alles doppelt auftaucht)

Herrn
Sunlion Sonniglöw`

Sehr geehrter Herr Sonniglöw‘,

ich bedanke mich für Ihr Schreiben vom 11.08.2013 an den Bezirksbürgermeister Herrn Meisterbürger und möchte Sie als … ich kürz‘ das jetzt mal … zuständigkeitshalber folgend informieren.
Auf Grund der Haushaltssituation … nur noch eingeschränkt … müssen Arbeiten bevorzugt werden, die … gesetzlicher Verpflichtungen zu gewährleisten … Verkehrssicherheit … Gefahrenstellenbeseitigung … Kinderspielplätzen … Straßenbäume … Grünanlagen. Diesen Verpflichtungen … für Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen … Gesamteindruck der Stadt sicher förderlich … aber nicht immer in ausreichendem Maße Geld … leider … Einschränkungen … Erscheinungsbild … geschilderten Bereich … bemerkbar.
Die Beseitigung von Wildwuchs … beauftragt … größte Teil … abgearbeitet … Instandsetzung … Gehweg … Frühjahr … Überprüfung … Parkplatz … Regenabläufe … frei gespült … Ergebnis … offen.
Ich kann Ihnen aber versichern … kein Wasser im angegebenen Bereich … stehen wird.“

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen
gez. Bezirksoberchefchen

Also dit find ick ja jetzt mal mächtich knorke, uast schau und voll geil, dit sich hier noch mal wat tut, wa? Oder auf Hochdeutsch: Damit habe ich gar nicht mehr gerechnet. Das Unkraut in der Gegend ist tatsächlich stellenweise gekürzt worden, wobei mit das eher aussieht, als wäre es wieder gemäht, statt gerupft worden. Der Gehweg ist nächstes Jahr erst dran und beim Parkplatz mußte ich gestern noch mit dem Schlauchboot zum Auto paddeln. Aber das macht nichts, wir haben ja Oktober, die Schlechtwetterzeit ist ja … längst … vorbei …
oder?

*Namen und Orte wurden zum Schutz der Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten unkenntlich gemacht.

Wie die Zeit vergeht

Neuerdings, wenn ich meinen Blog aufrufe, sehe ich immer öfter eine Werbung zum Thema „Pflegestufe 1, 2 oder 3. Wir informieren Sie über Ihre Ansprüche zu Pflegehilfsmitteln“. Ob die mir damit irgendetwas sagen wollen?
Gott, ich fühle mich manchmal so furchtbar alt.

Dr. Dilettant

Ich bin soeben, kurz vor dem Ausschalten des Fernsehers, versehentlich bei der ARD-Krankenhaus-Serie „In aller Freundschaft“ gestrandet. Was für ein Kontrast zu meiner Lieblingsserie „Dr. House“. Im Grunde genommen dasselbe wie „Dr. House“. Nur halt mit ganz viel Vicodin. Und ein paar Sanogran. Dazu noch Donormyl, Zolpidem, eine Handvoll Allunapret, eine Prise Ardeysedon und noch ein paar andere Schlaftabletten. Gemixt mit einem kräftigen Schuß LSD und einer Nase voll Koks. Verdünnt mit einem Glas Johnny Walker. Wenn man den schon so lange kennt wie ich, darf man ihn auch Jim nennen. Und vermutlich ist die Serie ohne diesen Cocktail auch kaum zu ertragen.
Unfaßbar – diese Langatmigkeit, dieser Mangel an Dramatik, das unnatürliche, pathetisch-theatralische Gehabe (schauspielern kann man das nun wirklich nicht nennen) sowie die völlige Abwesenheit von Atmosphäre und Stimmung durch die knallhell erleuchtete Szenerie, die anscheinend generell ein Markenzeichen der deutschen Film- und Fernseh-„Kunst“ ist. So als wenn den Beleuchtern beim Studium beigebracht wird – „viel hilft viel!“
Und für so was zahlt man dann GEZ.
Zum Glück gibt es ja an meinem Fernseher einen Ausschalter.
Klick!
Aus!

Yacoubas Wunder

Als besonders erfrischend empfand ich vor kurzem die Nachricht, daß die Zuschauerzahlen bei Sat1′ Promi-Big-Brother dramatisch eingeknickt waren. Mir persönlich war schon immer rätselhaft, wie man nur seine wertvolle Lebenszeit dazu verschwenden kann, um einem Rudel halbgarer Irrer beim Existieren zuzuschauen. Selbst eine Pamela Anderson, die dem Container für viel Geld noch einen Besuch abstattete, um die Quotenpleite abzuwenden, hätte bei mir nicht einen Funken Interesse wecken können, weil die pure Anwesenheit von silikonhupgenudelten, blondierten Simpelchen bei mir eher so eine Art panische Fluchtreaktion auslöst, statt den Fortpflanzungstrieb zu aktivieren.
Bisher ist es mir auch stets gelungen, das Treiben der Möchtegernpromis jeglicher Couleur aus meinem Blog fernzuhalten, weil ich finde, daß man Sondermüll nicht auch noch öffentlich erwähnen sollte, weil man sich sonst ebenfalls der schleichenden Verblödung der Menschheit mitschuldig macht. Doch heute möchte ich da eine Ausnahme machen, denn die Sat1-Resteverwertung kann mir wunderbar als Kontrast dienen, um zu illustrieren, wer für mich die wirklichen Stars dieser Welt sind. Im ARD-Weltspiegel lief gestern eine Reportage über Yacouba, einen alten Mann in den Siebzigern, der vierzig Jahre seines Lebens damit verbrachte, herauszufinden, wie man die Wüste begrünen könnte, und der tatsächlich einen Weg fand. Mit seiner Methode ist er nun berühmt geworden, sie wird von den Vereinten Nationen zum Nachahmen empfohlen, und auf einer Konferenz in Südkorea war er als Gastredner eingeladen.
Im Laufe seines Lebens hat er tausende von Bäumen gepflanzt und so der Wüste ein gutes Stück Land abgetrotzt.
Was für ein Star!

Ein Haus verbreitet Angst

In Duisburg kann man derzeit miterleben, welche Probleme häufig durch Zuwanderer entstehen. Dabei sind die Zuwanderer selbst aber nur ein Teil des Problems, viel schwerer wiegt die totale Ahnungslosigkeit der Politik, die keine Strategien zur Hand hat, um das Chaos in geregelte Bahnen zu lenken. „Unser Ziel ist es, die Roma über die Stadt zu verteilen“, na wenn das mal kein genialer Geistesblitz ist – wir verteilen die Probleme schön überall in der Stadt, damit alle etwas davon haben! So blöd muß man erst mal sein.
Und dann wundert sich die Politik, wenn die Bewohner von Stadtteilen, in denen Flüchtlingsheime entstehen sollen, vor lauter Angst Schwarz und Weiß* nicht mehr unterscheiden können und dagegen protestieren.
Sind bestimmt nur alles Nazis!

*Und damit ist nicht die Hautfarbe gemeint!

Rock ’n’… aua, nicht so laut!

… wo bin ich?
Was bin ich?
Und was mach ich da, wo ich jetzt bin?
Wie komme ich hierher?
Wieso ist es schon so spät?
Was ist das da für eine bleischwere Kugel auf meinem Hals?
Und wieso ist sie noch nicht heruntergefallen?
Woher kommt nur dieses fiese Piepen auf der linken Seite?
Piiieeep!
Aua!
Hör auf, geh weg!
Zu hell, zu laut!
Ich muß wohl gestern abend sofort ins Koma gefallen sein. Oder war es heute früh?
Was bedeutet das – „früh“?
Es regnete. Gestern Abend. Das weiß ich noch. Und direkt neben mir stand ein großer, schwarzer Kasten. Da kam irgendwas raus.
Etwas Lautes.
Etwas fuuurchtbar Lautes!
Ha, jetzt weiß ich’s wieder, das war ein Lautsprecher.
Ein großer Lautsprecher!
Ein fuuurchtbar groooßer Lautsprecher.
Und da kam Musik raus.
Laute Musik.
Fuuurchtbar laute Musik!
Und neben dem Lautsprecher stand eine Bretterbude. Daneben noch ein Lautsprecher. Ein fuuurchtbar groooßer Lautsprecher. Aus dem kam auch etwas raus. Etwas furchtbar Lautes!
Aua, mein Kopf!
Was war das nur für eine Bretterbude?
Ja genau, das waren die Bretter, die die Welt bedeuten!
Ich war wohl auf einem Konzert. Ja, jetzt fällt’s mir wieder ein, auf einem Rockkonzert. Mit der besten AC/DC-Coverband der Welt. In … äh … vorsichtig denken, dann tut es nicht so weh … Frankfurt/Oder.
Und es war höllisch kalt. Und höllisch laut. Und höllisch gut!
Deswegen gehe ich nächste Woche gleich wieder hin.
Aua!