Ich hab soeben eine interessante neue Videoplattform entdeckt. Dort gibt es Musikvideos am laufenden Band, bunt gemixt mit allen möglichen Stilen und anscheinend werbefrei (zumindest während meines kurzen Besuchs). Eine nette Idee, um sich nebenbei berieseln zu lassen oder Neues zu entdecken. Horch!
Der beste Spruch bei der gestrigen Heute-Show zur neuen Personalie Hartmut Mehdorn beim Berliner Flughafen: „Der ist 70! Ob der die Eröffnung noch erlebt?“
Und dann schon der Name: Hart. Mut. Und am Ende „Dorn“. Also wenn der kein Macher ist, weiß ich auch nicht.
Die Zahlen behaupten, mein Blog hätte achtmal mehr Leser in Japan als in Österreich. Das erstaunt mich jetzt aber sehr! Haben die in Österreich denn noch kein Internet? Vielleicht haben sie ja nicht mal Strom!? Oder können die einfach nur nicht richtig Deutsch?
Auf jeden Fall an dieser Stelle mal ein herzliches „konichiwa“ in das Land der aufgehenden Sonne. Japan steht auch noch auf meiner Reisewunschliste. Apropos Reisen: Wo bleibt eigentlich mein Millionär? Haben die etwa auch kein Internet oder sind die einfach nur geizig?
Na, nee … laß mal, ich kann’s mir schon denken …
Ich könnte ihm eine Webseite gestalten, mit dem Erscheinungsbild eines Global Players. Ich könnte sie sogar programmieren. Den Auftritt eines Alphatiers. Eines breitschultrigen Weltklasseboxers, der mit federndem Schritt die Hauptpromenade entlangspaziert und dem jeder hinterherschaut. Für den gleichen Preis! Aber der Kunde will die Website lieber „so wie die da, oder diese, und die ist auch ganz hübsch!“ Allesamt Mittelmaß, langweilig und einfallslos.
Hier sitze ich nun, mit dem Gehirn von der Größe eines Planeten*, prall gefüllt mit bunten Bildern, spektakulären Ideen und preisgekrönten Entwürfen**. Umgeben von Kleingeistern und Krämerseelen. Ich hätte auch Kosmonaut werden können. Oder Entdecker. Bezwinger der Welten. Star-Chirurg. Hitkomponist. Schauspieltitan. Mathegenie. Oder Dichterfürst. Die Welt stand mir offen!
Aber nöö, ich mußte ja unbedingt Grafiker werden.
Verpatzt! Welch trauriges Schicksal!
* Diese Phrase wurde gesponsort von Douglas Adams
** Hab gerade einen 1. Platz errungen: Beste Printanzeige 2012 in einer italienischen Zeitschrift. Ich darf sie aber leider nicht zeigen.
Die meisten Menschen, insofern sie sich noch nicht das Gehirn weggesoffen oder zugekokst haben, verfügen über einen fein justierten Sinn, wieviel eine Ware oder eine Dienstleistung wert ist.
Wobei – wenn ich’s mir recht überlege, dürfte diese Behauptung wohl keiner ernstzunehmenden wissenschaftlichen Untersuchung standhalten. Und überhaupt, was kümmern mich fremde Leute?
Auf jeden Fall aber verfüge ich über einen fein justierten Sinn, was Preise angeht.
Öhm … nee, eigentlich auch nicht. Ich fürchte, auch diese Behauptung würde wohl keiner tieferen Begutachtung standhalten. Mir fällt nämlich gerade ein, daß in einem meiner Schubfächer eine Armbanduhr herumliegt, die über einen eingebauten Wecker verfügt und in einer berühmten Schweizer Manufaktur hergestellt wurde. Die kostet heute gebraucht immer noch soviel, wie ein gebrauchtes Auto der Oberklasse mit 100.000 Kilometern auf der Uhr. Und dann trage ich sie noch nicht mal.
Auf jeden Fall habe ich heute zum zweiten Mal einen Einkauf abgeblasen, weil mir der Preis unangemessen hoch erschien. Das erste Mal war bei mir die rote Linie überschritten, als der Preis für eine kleine Schachtel Tic Tac die magische Grenze von 50 Cents überschritt. Anfang der Neunziger kostete so eine Schachtel noch 50 Pfennige. Heute bezahlt man bei Kaisers dafür 69 Cents, und ich meine, daß der Inhalt auch noch geringer ist, als vor 20 Jahren. Ein Verzicht, der mir schwerfällt, denn ich liebe Tic Tac. Selbst wenn die Schachtel schon längst geleert ist, verbreitet das Vanille-Pfefferminz-Aroma noch seine magische Wirkung.
Heute nun wollte ich bei Kaufhof einen neuen Bademantel kaufen, weil mein alter mittlerweile blaue Fusseln auf der frisch geduschten Haut hinterläßt. Was dazu führt, daß ich sofort wieder duschen muß, um mich anschließend wieder in meinen fusselnden Bademantel zu kuscheln. Ein Teufelskreis.
Jedenfalls kosteten die Bademäntel, die diese Bezeichnung auch verdienen, doch glatt 99 Euro! Hallo? Kaufhof? Geht’s noch? Das sind 200 DM! Für ein bißchen Frotteestoff! Und so kompliziert ist ein Bademantel ja nun auch nicht zu nähen!
Also echt, ihr habt’se ja wohl nicht mehr alle! Dann lauf ich halt nackt in der Bude rum!
Interessante Diskussion mit Ralph Boes, einem Hartz-4-Empfänger, der sich absichtlich sanktionieren läßt, um die Unmenschlichkeit der grundgesetzwidrigen Hartz-4-Gesetze aufzuzeigen. Er erzählt dabei aus seinem Alltag und erklärt die Sinnlosigkeit der aktuellen Gesetzgebung.
Liebes Google,
ich schätze Deine Ratschläge durchaus, denn meistens liegst Du damit richtig, selbst dann, wenn ich gelegentlich nicht einmal die Frage richtig formulieren kann, weil ich einfach zu wenige Details über das habe, was ich suche. Aber Dein in letzter Zeit zunehmendes Mißtrauen gefährdet unsere Partnerschaft. Du bezichtigst mich ungewöhnlichen Datenverkehrs und versagst mir Deine Zuneigung. Wann immer ich mich vertrauensvoll mit meinen Fragen an Dich wende, verweigerst Du mir den Zutritt und läßt mir von Deinen Türstehern entwürdigende Captcha-Fragen ausrichten.
Deshalb jetzt nochmal ganz klar, laut, deutlich und öffentlich, sodaß es jeder hören kann: Ich habe mir woanders nichts weggeholt! Keine Viren und keine Würmer! Ich schütze mich beim Datenverkehr stets mit Mac OS X. Und als zusätzlichen Schutz noch mit „Little Snitch“ als Firewall. Die würde mir sofort melden, wenn ein Programm versucht, nach Hause zu telefonieren oder automatische Anfragen zu versenden. Hättest Du eigentlich wissen können. Bist doch sonst immer so schlau. Gleichwohl surfe ich über eine dynamische IP-Adresse. Second-Hand-Ware sozusagen. Trödelmarkt. An- und Verkauf. Schon benutzt. Was also mein Vorgänger damit so für Sauereien angestellt hat, weiß ich nicht, dafür solltest Du mich aber bitte nicht verantwortlich machen.
Also hör endlich auf, mich in Sippenhaft zu nehmen. Die ständige Fragerei nervt gewaltig! Ansonsten wechsele ich nämlich zu Deinem ungeliebten Bruder Bing. Der ist zwar nicht ganz so schlau und seine leicht debilen Antworten sind gelegentlich nicht sehr hilfreich. Dafür stellt er aber keine Fragen, und seine Tür steht immer offen.
Seit Januar ist der Dienstagabend leerer als gewohnt. Dienstag war immer Doktor-House-Tag. Für House verschob ich alle Termine auf andere Wochentage, mit dem Hinweis, ich hätte noch einen Arzttermin. Keine einzige Folge habe ich verpaßt. Sechs Jahre lang begleitete mich das House-Team einmal pro Woche mit tollen Geschichten, spannenden Rätseln und einer handwerklich makellosen Qualität, die den Vergleich mit teuren Hollywood-Kinofilmen nicht zu scheuen braucht. Als Beispiel sei hier nur die Bus-Crash-Szene genannt, die für eine Serie doch mit verhältnismäßig großem Aufwand gedreht wurde. Auch die üblicherweise schwierigen Dialoge beanspruchten meine volle Konzentration. Die drehten sich nämlich nicht nur um medizinische Belange, sondern wechselten parallel zwischen privaten Animositäten hin und her, so daß man schnell mal den Faden verlor. Aber das machte nichts, ich mag es, wenn Fernsehsendungen intelligenter sind als ich. Dabei stolperte ich eher aus Zufall über die Serie, da ein ehemaliger Mitarbeiter mir „Monk“ empfahl, ich jedoch eine Stunde zu früh einschaltete.
Und dann dieser Hauptdarsteller: Hugh Laurie, ein Star, wie er im Buche steht! Nicht nur, daß er ein großartiger Schauspieler ist, nein – er spielt auch noch Klavier und Gitarre wie ein junger Gott. Alles zusammengenommen eine Ansammlung von Talenten, von denen sich andere sogenannte Stars noch eine Scheibe abschneiden können.
Somit bleibt mir also nur noch, mich dienstags mit dem Brachial-Genital-Humor von Two an a half Men zu trösten, bis jemand vielleicht mal auf die glorreiche Idee kommt, mir die DVD-Sammlung von Dr. House zu schenken.
Ist Ihnen schon mal Ihre Armbanduhr kaputtgegangen? Und … haben Sie diese gleich selbst repariert? Vermutlich nicht, oder? Und als es im Bauch bedenklich ziepte, haben Sie da beherzt zum Messer gegriffen und sich am Blinddarm operiert? Ich schätze mal, Sie sind zum Arzt gegangen. Oder der Flug in den Urlaub – sind Sie ins Cockpit geklettert und haben das Flugzeug selbst geflogen? Wohl eher nicht. Es gibt Berufe, da weiß man instinktiv, daß man besser die Finger davon lassen und einen Fachmann konsultieren sollte.
Und es gibt das Marketing. Wobei ich den Begriff etwas großzügiger fassen und die Gestaltung mit einbeziehen möchte. Gestalten kann jeder. Eine Ausbildung ist dazu nicht notwendig. Kreativität reicht völlig aus, dazu einfach einen handelsüblichen Computer und die vorletzte, preisreduzierte Corel-Draw-Version vom Grabbeltisch – schon kann’s losgehen. Glauben zumindest die meisten. Ein Layout entwerfen? Einen Satzspiegel einrichten? Ach, wozu denn, wir klatschen die Gestaltungselemente einfach alle auf das weiße Blatt und schieben so lange daran herum, bis es irgendwie hübsch aussieht. Intimabstand der Elemente? Nie gehört! Zeilenlänge einhalten? Zeilenabstand passend zur Schrift? Vorder- und Rückseite registerhaltig?
Oder die Marketingregeln: „Benimm Dich wie ein Star, dann wirst Du auch behandelt, wie ein Star“, oder „Zeige die Wirkung und nicht das Produkt“. Die Wahrnehmungsreihenfolge? Zuerst auffallen, danach Neugier erzeugen und erst als letztes informieren? So’n Quatsch, wir packen möglichst viele Informationen auf die Titelseite, damit auch ja nichts übersehen wird. Angst als Motiv für Gestaltung.
In den letzten 15 Jahren, in denen ich nun schon in der Werbung arbeite, habe ich immer wieder erlebt, daß Manager, Abteilungsleiter und sonstige fachfremde Mitarbeiter, die noch nie im Leben auch nur einen Buntstift in der Hand hatten, hinter mir stehend auf den Bildschirm geschaut haben und mich anwiesen: „Schieben Sie das doch mal nach rechts … nee doch wieder nach links. Machen Sie das mal größer. Oder kleiner? Ich weiß auch nicht. Was meinen Sie denn als Grafiker?“ Meine Standardantwort lautet dann meistens: „Ich kann Ihnen nicht in fünf Minuten meinen Job erklären!“ Grafiker ist ein Beruf, den man mehrere Jahre studieren oder in der Ausbildung erlernen muß. Was glauben solche Leute eigentlich, was Studenten in dieser langen Zeit so machen, Partys feiern? In Marketing und Gestaltung gelten Regeln, die man kennen muß, Gesetze, die man einhalten sollte. Fachwissen, das sich über Jahrhunderte entwickelt hat oder mit Hilfe moderner Forschungsmethoden gewonnen wurde. Gestaltung besteht nur zu zehn Prozent aus Kreativität, aber zu 90 Prozent aus Fachwissen! Ist Ihnen zum Beispiel schon mal aufgefallen, daß auf den Titelseiten von bunten Illustrierten fast immer blonde Frauen zu sehen sind? Und nun raten Sie mal, warum!
Vor etwa fünf Jahren arbeitete ich mit einer Firma aus dem Veranstaltungsbereich zusammen. Und geriet dabei natürlich mal wieder an zwei Vorgesetzte, die einfach nicht hören wollten, die meinten, es besser zu wissen und lieber anfingen, herumzuprobieren und die jahrhundertelange Entwicklung der Gestaltung noch einmal bei Null zu starten. Nach zwei Monaten gab ich entnervt auf. Ein kluger Freund hat mal zu mir gesagt, mit dummen Menschen kann man nicht diskutieren. Dumme Menschen sind rationalen Argumenten gegenüber nicht zugänglich. Wie recht er hat.
Am Sonntag erfuhr ich, daß besagtes Unternehmen Konkurs anmelden mußte. Wie sehr es mich freut, das zu hören! Und diese Schadenfreude sei mir erlaubt, da die meisten Mitarbeiter wohl von einer Folgegesellschaft, gegründet durch einen Investor, aufgefangen wurden. Insofern traf es also nur die Manager, die das Desaster verschuldet haben. Marketing ist eben kein Spielplatz für Anfänger.
Vermehrt wird in den Medien über die bedenkliche Zunahme von psychischen Erkrankungen berichtet, und darüber, daß immer mehr Menschen psychisch ausgebrannt in Frührente gehen müssen, weil sie den Arbeitsalltag nicht mehr ertragen. Vermutlich haben nur wenige soviel Glück, nach einer relativ kurzen Laufbahn als Kraftwerksingenieur bereits mit 40 Jahren und 1200 Euro pro Monat in Rente gehen zu können, wie ein Bekannter von mir. Das mag nicht viel erscheinen, aber wer in Berlin wohnt, benötigt nicht viel Geld, insbesondere, wenn man zusammen mit der Familie ein Haus gebaut und bereits abbezahlt hat. Für soviel Geld würde ich auch sofort zu Hause bleiben. Der Bekannte wurde auf Arbeit täglich gemobbt, beschimpft und beleidigt, nach ein paar Jahren war die Psyche am Ende, er war krank, depressiv, selbstmordgefährdet und desillusioniert. Nach jahrelanger psychiatrischer Behandlung kam das berufliche Aus – Frührentner. Ein Schicksal, daß ich gut nachvollziehen kann, da ich als im Marketing Beschäftigter immer direkten Kontakt zu Führungskräften habe und in den letzten Jahren so manchen Job hinschmiß, weil es sich meistens um Psychopathen und Neurotiker handelte. Mein derzeitiger Chef ist cholerisch und unberechenbar; ich bemerke zwar, daß er versucht, sich zu beherrschen, aber dennoch bleibt eine unablässige, unangenehme Spannung, die einem den Alltag gehörig vermiesen kann. Unangenehme Themen sachlich zu diskutieren ist schon schwierig, weil ihm sofort der Kragen platzt, wenn ihm etwas nicht paßt. Dazu noch einen Abteilungsleiter, der seine Mitarbeiter ständig beschimpft und beleidigt, schon hat man ein Betriebsklima, daß die Mitarbeiter panisch nach neuen Jobangeboten suchen läßt.
Derzeit fordert eine Gruppe von Forschern und Politikern die Einführung einer 30-Stunden-Woche, und zwar bei vollem Lohn, ein Vorschlag, dem sich entgegenzustellen mir aus unerfindlichen Gründen irgendwie schwer fällt. Anmerken möchte ich aber bei dieser Gelegenheit mal Folgendes: Welcher völlig verblödete, hirnamputierte Vollzombie ist eigentlich jemals auf die Idee gekommen, daß Großraumbüros eine Bereicherung des Arbeitslebens wären? Wenn man nämlich die Überlastung von Mitarbeitern reduzieren möchte, so gehört diese unsoziale Erfindung als erstes verboten. Wer an seinem Schreibtisch sitzt und versucht, einen Text zu schreiben, ein Telefonat zu führen oder einen Kunden zu beraten, während drumherum das Chaos tobt, und dafür reicht schon ein kleines Chaos, wie Gespräche, Telefonate oder Radiosender, bei dem läuft das Gehirn den ganzen Tag lang, ununterbrochen im Burstmodus, weil es gezwungen ist, die überflüssigen Ablenkungen von den wichtigen Aufgaben zu trennen und herauszufiltern. Versuchen Sie mal, einen Text zu schreiben, während Sie ein Radiosender von der Seite vollquatscht, dann wissen Sie, was ich meine. Ich jedenfalls fühle mich nach einem solchen Tag mental so geplättet, daß ich kaum noch Lust habe, nach der Arbeit irgendetwas zu unternehmen. Wie gut haben es da die Beamten in der Arbeitsamtszentrale in der Kochstraße. Wenn ich mittags in der Kantine essen gehe, laufe ich durch die Flure und beneide die Mitarbeiter wegen ihrer Ein-Mann-Büros.
Vor zwei oder drei Jahren übrigens hatte ich mal ein Vorstellungsgespräch bei einem Hersteller von medizinischen Geräten. Der Geschäftsführer führte mich mit stolzgeschwellter Brust durch sein Imperium und verwies auf das moderne Großraumbüro, in dem alle Mitarbeiter „als Team zusammengeschweißt“ arbeiten. Er ermahnte mich auch, nicht so laut zu reden, um die Mitarbeiter nicht zu stören, er selbst sitze übrigens dort hinten in der Ecke und zeigte auf einen durch Glas abgetrennten Bereich.
Schon am nächsten Tag kam die Absage. Vielleicht hätte ich ihn nicht auf diese Widersprüche hinweisen sollen.


