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Vollkommen entrückt

Welch süße Gefühle ein Mensch gefühlt haben, welch tausend Tode er gestorben sein muss, um solche Zeilen dichten, solch eine Melodie komponieren zu können:

Es glitzerten die Sterne,
und Duft entquoll der Erde,
als knarrte die Pforte des Gartens
und Schritte eilten über den Sand.
Sie kam herein voll Wohlgeruch
und sank mir in die Arme.

Oh, süße Küsse, hingeseufztes Kosen,
da über der Schönheit ich bebend die Schleier löste.
Hinfort entschwand auf ewig meiner Liebe Traum.
Die Stunde flog dahin, trostlos nun muss ich sterben!
Nie hab das Leben ich mehr geliebt!

Mehr als man erwartet

Chefchen hat gestern mal wieder einen ausgegeben, diesmal aber nur in kleiner Runde, also ich, er und seine Frau. Zu essen gab’s Ente, was an sich noch nicht der Rede wert ist. Diesmal jedoch schon, denn der Küchenchef hat sich als Dekoration etwas ganz Besonderes ausgedacht:

Neu im Kino: The Substance

61 Jahre alt ist Demi Moore inzwischen, die amerikanische Schauspielerin, die nicht nur mit beeindruckender Schauspielkunst, skandalträchtigen Rollen und illustrem Privatleben auf sich aufmerksam machte, sondern auch durch angebliche Schönheits-OPs, von denen niemand so genau weiß, ob es sie überhaupt gab oder nicht. Genau das, diese Sucht nach jugendlichem Aussehen, ist nun Hauptthema des Films „The Substance“, in welchem sie die Hauptrolle spielt:
     Eine alternde Frau, erfolgreich mit einer Fitness-Sendung im Fernsehen, wird vom Studioboss von heute auf morgen abserviert, weil er was Junges, Frisches sehen und senden will. Sie sucht nach einem Ausweg und findet ihn in einem zwielichtigen Angebot: Einer genetischen Verjüngung. Nach der Erstbehandlung entsteigt ihrem Körper eine jüngere Version ihrer selbst, sie gebiert quasi einen Klon. Mit diesem Klon muss sie sich fortan das Leben teilen, eine Woche darf sie ihr Leben leben, während der Klon komatös zu Hause liegt und eine Woche umgekehrt. Nach exakt sieben Tagen müssen sie ihr Blut per Infusion tauschen, und wehe, der Rhythmus wird nicht eingehalten, dann gerät die Sache aus dem Gleichgewicht und wird richtig übel! Genmanipulation und menschliche Dummheit, was soll schon schiefgehen?
     Natürlich geht es schief, und natürlich wird es übel, sehr übel, denn der junge Klon, berauscht von neuem Ruhm und dem Begehren eines hormonell gesteuerten Twens, denkt gar nicht daran, sich an irgendwelche Pläne zu halten.
     Auf einer Liste der zehn krassesten, verstörendsten Filme, die ich je gesehen habe, erreicht dieser Film locker die Top 3. Sowohl das Thema als auch die künstlerische und technische Umsetzung sind einzigartig, und zwar in mehrerlei Hinsicht. So ist es für den Zuschauer schon sehr fordernd und schmerzhaft, Menschen in wahnhafter Sucht nach Schönheit dabei zuzusehen, wie sie sich Spritzen setzen, selbst Blut abnehmen oder aufgerissene Körper wieder zusammennähen. Der Horror kann überraschend vielerlei Gestalt annehmen, empfindliche Personen sollten daher lieber auf den Film verzichten.
     Dabei hat Kameramann Benjamin Kračun wirklich beeindruckende, irrsinnige Bilder erschaffen, die sich beispielsweise in der überhöhten Garstigkeit des widerlichen Studiobosses, dargestellt von Dennis Quaid, manifestieren. Demi Moore verdient eine Menge Respekt, wenn sie Gesicht und nackten Körper dem Kinopublikum ungeschönt und ungeschminkt offenbart, wie nie zuvor. Aber auch Sarah Margaret Qualley zeigt mit der Darstellung des jüngeren Klons, der eitel und selbstverliebt die Regeln bricht und damit die Katastrophe auslöst, ihr ganzes Können.
     Nebenbei sehe ich – berechtigt oder unberechtigt – in dem Film eine Parabel auf die genmanipulierenden Corona-Impfungen, welche nicht ausreichend getestet unter die Massen gebracht wurden und dort nun ihr verheerendes Werk verrichten. Genmanipulation und menschliche Dummheit, was soll schon schiefgehen?

Wo spielt die Musik?

Bekanntlich prallen im Internet, wo jeder seinen Senf dazugeben kann, die verschiedenen Weltbilder besonders heftig aufeinander. Im Hifi-Forum zum Beispiel kämpfen Gold- und Holzohren verbittert um die einzig reine Wahrheit.
     Goldohren sind jene, denen kein esoterisches Gimmick zu teuer ist, um auch das letzte Quentchen Perfektion aus sündhaft teuren Klangerzeugern zu kitzeln. Da wird schon mal zum Filzstift gegriffen, um den Rand von Audio-CDs grün anzumalen. Holzohren hingegen verweisen dogmatisch auf die Physik und lehnen jegliche Schlangenöl-Klangverbesserungs-Produkte ab.

Ich hingegen bilde mir ein, noch ganz gut hören zu können. Kürzlich erwarb ich ein Vinyl-Doppelalbum von ABBA, weil ich nach meinem Umzug endlich wieder Lust verspürte, meine gute alte Stereoanlage intensiver zu nutzen, und erwischte prompt zwei vollkommen abgeranzte Platten, deren Knistern und Knacken für Feingeister wie mich kaum noch erträglich war, weshalb ich sie kurzerhand zurückschickte.

Heftig und kontrovers diskutiert wird im Hifi-Forum auch, ob unterschiedliche Anschlusskabel einen Einfluss auf den Klang haben. Nach meinem Umzug von Berlin nach Dingenskirchen konnte ich jedenfalls feststellen, dass meine Anlage hier nun viel besser klingt. Der Grund dafür: Überlandleitungen! Die freihängenden Stromtrassen können freier schwingen und sind die ganze Zeit an der frischen Luft, daher wirkt das Klangbild auch viel … luftiger. In Berlin wird der Strom hingegen in Erdleitungen übertragen, welche oft direkt neben Abwasserrohren verlegt sind. Kein Wunder also, dass Musik dementsprechend … beschissen klingt.

Wahlpannen

Nach meinem Umzug nach Dingenskirchen, was zu Brandenburg gehört, war auch ich heute zum Wählen aufgerufen. Oder besser – ich war nicht aufgerufen, denn wie überall im Land, klappt auch hier in Brandenburg nicht mehr alles so, wie es soll, weshalb ich keine Wahlunterlagen erhielt, was aber nicht weiter schlimm ist. Man kann auch nur mit dem Personalausweis im Wahlbüro aufkreuzen. So tat ich und blickte im Wahlbüro 1 in lange Gesichter, denn sie fanden mich nicht in ihrer Liste. In Wahlbüro 2 und 3 dieselben langen Gesichter, aber immerhin eine bunte Übersichtskarte, mit deren Hilfe meine Straße „Wolkengässchen 1“ dem richtigen Wahlbüro zugeordnet werden konnten. Glücklicherweise befanden sich alle vier im selben Gebäude, weshalb sich die zurückzulegenden Wege in Grenzen hielten. Doch auch in Nummer 4 wollte sich keine Freude einstellen, mein Name war nicht auffindbar.
     Während ich so ungewollt einen Auflauf von Wahlwilligen vor dem Eingang verursachte, telefonierte die nette Helferin mit dem heute ausnahmsweise besetzten Bezirksamt, was ihr langes Gesicht plötzlich aufheiterte. Sie blätterte im Hefter bis ganz nach hinten, zur letzten Abteilung „Nachgereichte Einwohner“, letzte Seite, letzte Spalte, unterste Zeile, gleich hinter „Sonstiges“. Dort fand sie den Neu-Brandenburger Sunlion Sonniglöw‘, Wolkengässchen 1, 12345 Dingenskirchen.
     Von da an lief alles wie am Schnürchen, wie gewohnt habe ich bei allen Parteien ein Kreuz gemacht, so geil wie die sind. Nur beim Rausgehen wurde mir ein wenig mulmig, denn eine zwielichtige Gestalt drückte mir eine Wahlzettelkopie in die Hand, mit der Bitte, doch anzukreuzen, was ich angekreuzt hätte, es sei für die Prognosen der ARD. Und ich fragte mich panisch, was denn mit dem Zettel anschließend geschehen würde, denn es war weit und breit keine versiegelte Prognosen-Wahlurne zu entdecken? Hätte er den ausgefüllten Zettel lässig in die Hosentasche geschoben? Eingescannt? Abfotografiert? Wie wollte er sicherstellen, dass die Ergebnisse wirklich anonym bleiben und nicht bestimmten Personen zugeordnet werden können?
     Ich lehnte seinen Wunsch ab. Nicht etwa aus Angst. Sondern vor allem, weil mir der Prognosenwunsch der ARD so was von am Arsch vorbeigeht, das können die sich echt nicht vorstellen. Wenn sie für ihre Hochrechnungen zu wenig Daten haben, dann soll’n ’se halt raten, manipulieren oder einfach dreist lügen. Machen ’se doch sonst auch nicht anders.

Überraschende Wendung

In einem Hifi- und Fernsehen-Internetforum bittet ein Nutzer um Rat, weil sein Fernseher plötzlich keine Sender mehr empfangen kann. Meine Antwort darauf:
     „Rein zufällig sind weltweit alle Fernseh- und Radiosender ihrer Programme überdrüssig geworden und haben sich zeitgleich abgeschaltet. Immer wieder dieselben öden, langweiligen Tatort-Krimis. Stündlich nur negative Nachrichten. Im Radio die immer selben Songs der 80er, 90er und von heute, anschließend der Blitzerservice und auf­merk­sam­keits­heischende Werbung. All das nahezu unverändert seit Jahrzehnten. Hat wirklich irgendwer geglaubt, das könnte ewig so weitergehen?
     Nein! Seit heute ist Schluss! Überall nur noch entspannendes Rauschen im Äther. DJs und Nachrichtensprecher, die sich zum Krankenpfleger umschulen lassen. Auslandskorrespondenten, die heimkehren, Mülltonnen leeren und für saubere Straßen sorgen. Showmaster, die in Obdachlosenheimen ehrenamtlich Suppe austeilen.
Eine neue, verheißungsvoll glitzernde Zukunft liegt vor uns. Greifen wir beherzt zu!“
     Ich hoffe, der Threadersteller hat Humor. Im allgemeinen reagieren Hilfesuchende im Internet nicht allzu verständnisvoll auf Beiträge, die nichts Gehaltvolles zu bieten haben.

Zu selten kontrolliert

In Berlin kann Auto fahren, wer will. Man benötigt weder Führerschein noch TÜV. Der Eindruck könnte sich einem zumindest aufdrängen, denn es gibt kaum Polizeikontrollen. Ich bin elf Jahren durch die Stadt gecruised und wurde nicht ein einziges Mal kontrolliert. Da wird sich der eine oder andere wohl fragen, wozu die ganze Mühe mit Fahrschule und Co, wenn es ja doch niemand merkt?
     Heute nun hat die Polizei mal kontrolliert und fand bei 812 Fahrzeugen 26 Fahrer ohne Führerschein (3,2 Prozent), 50 Autos mit technischen Mängeln (6,15 Prozent) und jede Menge andere Delikte. Ernstzunehmende Statistiker werden wohl mit Kastanien nach mir werfen, aber rechnet man das mal auf die Gesamtzahl von 1,24 Millionen in Berlin zugelassenen Pkws hoch (Lastkraftwagen und Motorräder sind also nicht dabei), so sind derzeit etwa 39.680 Verrückte ohne Führerschein und 76.260 Leichtsinnige mit mangelhaften Schrottkisten unterwegs. Die Strafen für so was sind anscheinend nicht abschreckend genug, weshalb manche anschließend einfach so weitermachen.
     Wie gut, dass ich inzwischen woanders wohne.

Eine homogene Masse

Das kannste Dir nicht ausdenken: Sachsens CDU-Kretschmar fällt seinem Parteikollegen nur drei Tage vor der Wahl in den Rücken und macht Werbung für Brandenburgs SPD-Woidke. Parteien, die sich aufgrund politischer Differenzen einst spinnefeind waren, suchen nun freundetrunken den Schulterschluss mit Bruderkuss, während Stehaufmännchen und frisch gekürter CDU-Kanzlerkandidat Merz am liebsten mit den Grünen kuschelt. Womit wir im Grunde wieder so was haben wie den Einheitsbrei-Einheitsparteienblock der DDR.
     Echt, Leute, und da wundert Ihr Euch, wenn Menschen, die sich nach echter Veränderung sehnen, AfD wählen.