Spätestens seit dem Attentat auf JFK ist allgemein bekannt, wie gefährdet Politiker in der Öffentlichkeit sind. Gestern nun ein Angriff auf Sahra Wagenknecht. Es war zwar „nur“ eine Spritze mit Farbe, aber es hätte auch eine Spritze mit Säure oder Corona-Impfstoff sein können. Oder eine Pistole.
Erstaunlich, dass sechzig Jahre nach JFK Politiker noch immer so schlecht geschützt werden. Keine kugelsichere Kleidung, keine kugelsichere Glaswand wie bei Donald Trump und Barack Obama. Im Grund gehörte auf die Glaswand auch noch ein Glasdeckel, um die potentiellen Ziele gegen Drohnenangriffe zu schützen.
Was für eine gewalttätige, traurige, gottlose Welt.
Der Lebensmittelhändler Edeka verstößt gegen den heiligen Marketing-Grundsatz „Keine Politik im Geschäft“ und macht Stimmung gegen die AfD. Das Unternehmen schreibt in einer Anzeige: „Warum bei Edeka Blau nicht zur Wahl steht“ und „Die Evolution hat uns gelehrt: Blau ist keine gute Wahl.“
Und ich frage mich: Hat sich das Unternehmen schon mal sein Firmenlogo angeschaut? Also wenn das kein Blau ist! Doch was kümmert’s mich, ich kaufe eh nur bei Rot-Weiß-Kaufland, Rot-Weiß-Rewe oder notfalls auch bei Rot-Gelb-Netto. Edeka ist mir einfach zu teuer. Aber wie werden nun wohl AfD-Sympathisanten reagieren, wenn sie die Anzeige entdecken? Wäre möglich, dass es in manchen Bundesländern nun eng wird für Edeka, besonders im blauen Osten, bei dem harten Preiskampf, den sich Lebensmittelhändler liefern. Denn Konkurenz belebt das Geschäft, die Marke ist längst nicht mehr allein in den Städten und auf der grünen Wiese. Ein Supermarkt reiht sich an den anderen.
Ich bin gespannt wie ein Schlumpf, ob die blaue Kampagne nach hinten losgeht. Und wenn schon – Hauptsache strammstehen vor dem Zeitgeist und Haltung zeigen, auch wenn sich dadurch überhaupt nichts ändert! Außer beim Umsatz.
Ist Euch schon aufgefallen, dass Anrufbeantworter inzwischen total out sind? Während sie in den Neunzigern noch das ganz große Ding waren, ich für mich und gute Bekannte kreative, lustige Ansagetexte erfand und man seinen Freunden hemmungs- und rücksichtslos das Band vollgeplaudert hat, besitzt heute praktisch niemand mehr so ein Teil. Und wenn doch, wird es von Anrufern fast panisch gemieden, als würde einem die Zunge abfallen, wenn man versehentlich mal ein Wort zu viel verliert.
Schon ulkig, wie sich die Dinge im Laufe der Zeit so verändern. Vor allem aber würde mich mal interessieren, warum das so ist. Also das mit den Anrufbeantwortern. Falls Ihr die Antwort wisst, sprecht einfach nach dem Piepton. Piiieeep!!!
Offenbar bin ich nicht der Einzige, dem es so geht. Der Berlin, nachdem er über fünfzig Jahre dort gelebt hat, nach seinem Wegzug, mit anderen Augen sieht, wie der Autor Timo Feldhaus in der Berliner Zeitung beschreibt. Der nun all die Müllberge, den Verfall, die kaputten Menschen nicht mehr ignorieren kann. Zweimal pro Woche muss ich mein beschauliches Homeoffice verlassen und zurück nach Sodom und Gomorra reisen, und jedesmal kommt es mir vor, wie eine Reise in ein Dritte-Welt-Land, wobei manche Dritte-Welt-Länder uns inzwischen weit voraus sein dürften.
Aber glücklicherweise ist heute Montag. Morgen erst muss ich wieder dorthin.
Wie nennt man einen Dummkopf, der ins Berliner Umland zieht?
…
…
…
…
…
…
…
Brandenburger Tor!
Hohohooo! Wieder so ein Kalauer, bei dem man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, gelle?
Anfang der Neunziger hatte ich mir die 40-Titel-auf-drei-CDs-Kollektion „The Hits“ zugelegt, zwei Jahre bevor „ABBA Gold“ mit nur halb so vielen Songs ein internationales Revival einleitete. Bei den 40 Titeln waren alle nennenswerten Hits enthalten, mehr als der normale Durchschnitts-nicht-ABBA-Fan vom Dudelfunk im Radio kannte.
Ein interessante Doku über die Entstehung ihres Weltklasse-Hits „Dancing Queen“, bei welcher der Song detailliert seziert und analysiert wird, lud mich später dazu ein, die drei CDs etwas aufmerksamer zu betrachten, unterstützt von einem neuen Kopfhörer, der dank außergewöhnlicher Eigenschaften Musik in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt.
Er hat, statt Plastik, eine superleichte nanobeschichtete Papiermembran, gehalten von einer Gummisicke, was sonst nur bei Lautsprechern Verwendung findet. Diese Kombination ermöglicht die Wiedergabe auch feinster Schwingungen, die bei herkömmlichen Hörern konstruktionsbedingt weggedämpft werden. Im Ergebnis entdeckt man selbst bei Musik, die man schon tausendmal gehört und verinnerlicht hat, neue Details und Feinheiten, unbekannte Klangfarben und Nuancen. Somit klangen die alten Hits wie aufgefrischt und blankpoliert.
Inspiriert durch eine aktuelle Arte-Dokumentation über die schwedische Pop-Legende hatte ich mich Anfang der Woche noch einmal aufgerafft, das Gesamtwerk der Band zu sichten und nach mir bisher unbekannten Perlen zu tauchen. Mit der Veröffentlichung von „ABBA – The Albums“ erhält man nämlich das komplette Gesamtwerk bis auf „Voyage“ von 2021.
Überraschenderweise sind bei den unbekannten Stücken auch einige Rocksongs dabei, wenngleich sich diese eher anhören, wie von einem Popmusiker verfasst, statt von einem echten Rocker aus Fleisch und Blut. Und besonders bei den ersten beiden Alben ähneln viele Stücke doch eher mittelmäßigem Füllstoff, verfasst um die Platten irgendwie voll zu kriegen, als nach echtem Hitpotential. Doch glücklicherweise gehört ABBA zu den Bands, die mit zunehmendem Alter immer besser wurden, wie beispielsweise auch Röyksopp, ebenfalls eine sehr kreative schwedische Band. Somit finden sich die besseren Titel auf den späteren Alben, wie etwa „Like An Angel Passing Through My Room“, bei dem Fridas Hifi-Stimme so richtig zur Geltung kommt, und der von vielen anderen Musikern übernommen wurde.
Es gibt also doch noch einiges zu entdecken, in der Welt der Musik, auch wenn der seelenlose Plastikpop der Gegenwart das nicht vermuten lassen würde.
Seit heute, 08.15 Uhr, bin ich auch offiziell kein Berliner mehr. Pünktlich um acht öffnete das Gemeindeamt von Dingenskirchen seine Pforten, keine fünf Minuten entfernt von meinem Wohnort. Um 08.01 Uhr saß ich mit einer, von einer freundlichen Mitarbeiterin in die Hand gedrückten Wartenummer vor dem zuständigen Büro. Um 08.03 Uhr wurde ich hineingebeten, um mein Anliegen vorzutragen. Ummeldung, Änderung von Personalausweis und Reisepass, Anmeldung für die Wahlunterlagen, das alles erledigt innerhalb weniger Minuten. Kein Termin nötig, keine Wartezeit, außer mir war niemand da. Zur Begrüßung – Handschlag, Blumenstrauß, Zungenkuss für jeden Neu-Brandenburger Bürger. Paradiesische Zustände in Dingenskirchen und totales Gegenteil zum Behördenalbtraum von Berlin. Ich kann mich nur wiederholen: Haltet Euch fern vom Bundeshauptslum! Das Leben in der Provinz ist so viel angenehmer, und die Menschen hier sind so viel freundlicher.
Pünktlich um 08.17 Uhr verließ ich das Amt und schaffte sogar noch die gewünschte S-Bahn, die mich ins Büro bringt, mitten hinein ins Zentrum von Sodom und Gomorra. Berlin ist inzwischen beides.
Meine Lesebrille benötigte neue Gläser. Die alten waren im entscheidenden mittleren Bereich arg zerkratzt, sodass ich nicht mehr so gut damit lesen konnte. Alles sah irgendwie unscharf aus, so wie bei Manfred Mustermann, dessen Brillengläser auch ständig verschmiert sind.
Also ging ich zum dorfeigenen Optiker, der aber im Gegensatz zu den vielen Berliner Optikern nicht sofort für mich Zeit hatte, sondern einen Termin, zwei Tage später anbot. Bei der terminierten Untersuchung war er auch sehr gründlich, und die neuen Gläser machen exakt das, was sie sollen, nämlich scharfe Bilder.
Aus einem unerklärlichen Anfall von Leichtsinn schaute ich mit den neuen Gläsern unvorsichtigerweise in den Spiegel und erblickte das Grauen.
Nach schärfentiefgründiger Überlegung kam ich zu einer wichtigen Erkenntnis: Das Nachlassen der Sehkraft mit zunehmendem Alter kann unmöglich auf eine Fehlfunktion der Augen zurückzuführen sein. Vielmehr handelt es sich wohl um eine Schutzfunktion des Gehirns, damit es von den vielen Fältchen, Spalten und Canyons im Gesicht nicht erschreckt wird.
Manchmal ist die Evolution halt schlauer als angenommen.

Manchmal suche ich dies und das im Internet, und gelegentlich verscherble ich auch was. Zur Zeit will ich eine völlig abgeranzte Europalette loswerden, aber weil ich ja ein erfahrener Werbeschnuffi bin, umschreibe ich den schlechten Zustand natürlich ein wenig. Oder anders formuliert: Ich hänge der nackten Wahrheit ein hübsches Mäntelchen um:
„Zum Verkauf steht diese vorzüglich handgefertigte Europalette im klassisch-modernen Vintage-Design, herausragendes Meisterwerk eines unbekannten sensiblen Holzschnitz-Künstlers und markantes Beispiel für den kulturellen Fortschritt der menschlichen Zivilisation.
Zur Verwendung kamen ausschließlich hochwertigste Materialen. Von fachkundigem Blick ausgewählte Hölzer wie Tanne, Fichte, Kiefer oder Lärche, aber auch Ahorn, Akazie, Aspe, Birke, Buche, Edelkastanie, Eiche, Erle, Esche, Pappel, Platane oder Ulme sind möglicherweise zum Einsatz gekommen. Sie wurden sorgsam geschlagen und geduldig vorgealtert, bis der Zahn der Zeit die gewünschte Oberflächenstruktur erschaffen hatte. Die so entstandenen natürlichen Kerben und Risse runden das authentische Gesamtbild perfekt ab.
Verbunden werden die Leisten durch individuell gefertigte stählerne Nägel, deren Außenfläche mit einer natürlich gewachsenen Patina veredelt wurde.
Nur dank dieser aufwendigen, behutsamen Verarbeitung konnte der wertvolle Vintage-Look dieses seltenen Einzelstückes sichergestellt werden.
Sie haben nun die Möglichkeit, das Meisterwerk für nur einen Euro zu erwerben.“
Ich bin sicher, die verkauft sich wie von selbst.



So viele Jahre gingen ins Land,
nun bis Du schon älter als ein Elefant.
Die werden nur 7O mit etwas Geschick,
da hattest Du wohl im Leben viel Glück.
Eine 9 und ’ne 7 steh’n heut auf der Uhr.
Man fragt sich erstaunt: Wie schafft er das nur?
Mit Stärke und Fleiß und ganz viel Geduld,
ein ruhiges Leben ohne Tumult.
So hast Du die 97 erreicht,
und so schaffst Du auch noch die 100 ganz leicht.
Drum wünsche ich Dir für die nächsten dreien,
Gesundheit, Glück und viel Leckereien.
