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Die Essenz der Kampfkünste

Seit nun schon über dreißig Jahren betreibe ich diverse Kampfkünste. Aber immer, wenn ich auf Partys vor irgendwelchen Mädels damit angeben will, ernte ich beim Erwähnen der Namen der Kampfkünste, derer ich mich befleißigt habe, nur ratlose Blicke. Boxen zum Beispiel kennt vermutlich jeder. Karate auch. Aber was zum Teufel ist Ninjutsu? Daher an dieser Stelle mal eine kleines Kompendium, zur allgemeinen Weiterbildung.
     Karate: Die ehrliche, aufrechte Art, Leute umzubringen. Nachdem man seinen Gegner umgehauen hat und der Verwesungsprozess einsetzt, verneigt man sich mit Respekt und Ehrfurcht vor dem Besiegten. Man stößt mit einem Glas Sake auf sein Wohl an, danach mit einem weiteren und noch einem und noch eins
     Ninjutu ist der Weg der Ninja, das sind die schwarz gekleideten Schattenkrieger aus Hollywood-Filmen, deren Kampfsystem außergewöhnlich grausam und gemein ist. Personen, die das Pech hatten, an oder mit einem Ninja zu sterben, nennen Ninjutsu daher auch „The dirty Way of Killing“. Im Grunde ist es dasselbe wie Karate, nur eben schmutzig, fies und hinterlistig. Nachdem man seinen Genger umgehauen hat, verneigt man sich nicht mit Respekt und Ehrfurcht, sondern beschimpft ihn noch unflätig, verhöhnt ihn in seiner Niederlage, streckt ihm die Zunge raus und verschickt unanständige Handy-Nachrichten an seine Hinterbliebenen, am besten rund um die Uhr.
     Wing Tsun stammt aus der unüberschaubar großen Kung-Fu-Familie, erfunden von einem kleinen Mann namens Ip Man, was auf chinesisch „Kleiner Mann“ bedeutet. Die hervorstechendste Eigenschaft von Wing Tsun sind stundenlange Kloppereien, an deren Ende der Gegner unvermittelt vor Lachen zusammenbricht. Im Grunde so, wie im Kino – epische Schlägereien, aber keiner blutet.
     Jeet Kune Do ist eine Ableitung aus dem Wing Tsun. Erfunden hat das Zeug der berühmte Bruce Lee. Nachdem er wegen rüpelhaften Benehmens bei seinem Wing-Tsun-Meister Ip Man rausgeflogen war, hatte er keine andere Wahl, als einen eigenen Kampfstil zu entwickeln, den er aber aus urheberrechtlichen Gründen nicht Wing Tsun nennen durfe. Auch hatte er keinen anderen Beruf erlernt, darum wurde es nix mit Tischler, Bäcker oder Gas-Wasser-Scheißer. Die Jüngeren unter Euch werden Bruce Lee vermutlich nicht mehr kennen – er ist der aus den Kinofilmen mit den episch langen Schlägereien. Genützt hat es ihm nichts, die Hauptrolle in der Siebziger-Jahre-Serie „Kung Fu“ bekam trotzdem David Carradine.
     Dann wäre da noch Krav Maga, ein Selbstverteidigungssystem, erfunden vom Mossad. Da Geheimdienstler aber in der Regel etwas einfältig sind, beschränkt sich das System auf zwei Techniken: Wegschubsen und in die Eier treten. Ich hoffe inständig, dass meine koreanische Trainerin das nicht liest, sonst schubst sie mich beim nächsten Training und tritt mir in die Eier. Deshalb höre ich jetzt lieber auf mit der Lästerei und schreibe fleißig an meinem nächsten Buch weiter. Und wenn Ihr mich das nächste Mal auf ’ner Party trefft, wisst Ihr endlich Bescheid!

30 oder 50? Was ist besser?

Mehrere Großstädte wollen jetzt flächendeckend Tempo-30-Zonen testen, unter anderem, um den Verkehr klimaschonender zu machen. Und sofort frage ich mich: Nanu? Wie das?
     Rechnen wir mal: Für eine Strecke von 10 Kilometern benötige ich bei 50 km/h etwa 12 Minuten. Für dieselbe Strecke benötige ich bei 30 km/h rund 20 Minuten. Bei 50 km/h fahre ich mit etwa 1200 U/min im fünften Gang. Bei 30 km/h fahre ich mit ebenfalls 1200 U/min im dritten Gang. Der Motor läuft also gleich schnell, verbraucht dieselbe Menge Kraftstoff und emittiert dieselbe Menge CO2. Dafür halte ich mich bei 30 km/h aber länger im besagten Abschnitt auf, was bedeutet, es wird bei langsamem Fahren über die Zeit insgesamt mehr Kraftstoff verbraucht und mehr CO2 in die Luft geblasen. Im Grunde ist bei schnellerem Fahren nur der Luftwiderstand größer, was natürlich einen Einfluss auf alle Werte hat. Aber macht das bei modernen windschlüpfrig designten Autos wirklich einen so großen Unterschied?
     Wo ist der verdammte Physiker, wenn man ihn mal braucht?

EM-Spiel Deutschland gegen England: Der offizielle Kommentar

Momentan sitze ich an meinem Schreibtisch, grübele bei offenen Fenstern über meinem nächsten Roman und bin umringt von lautem Gejohle. Fußball mal wieder, na klar!
     Ich habe dieses Spiel nie verstanden! Da kloppen sich 22 bekloppte Halbaffen, die gerade erst den aufrechten Gang und eine einigermaßen humanoide Kommunikationsform erlernt haben, um einen einzigen Ball! Besonders schlau können die Halbaffen nicht sein, denn sonst kämen sie ja ganz von allein auf die Lösung dieses Problems: Warum bekommt nicht einfach jeder Spieler seinen eigenen Ball? Ist ja nun nicht so, wie zu DDR-Zeiten, wo’s nüscht gab!
     Aber nöö, da muss ich erst wieder kommen, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Diese Typen sind blöd wie Torpfosten, haben aber Kohle ohne Ende! Dämliche Suppenhühner!

Das dreizehnte Sternzeichen

Schon gewusst? Es gibt nicht nur zwölf Sternzeichen, es gibt auch noch ein dreizehntes! Der Stiesel: Geboren zwischen Neujahr und Silvester. Verträgt sich mit keinem anderen Sternzeichen, nicht mal mit sich selbst. Hat immer nur Pech und ist daher äußerst schlecht gelaunt.
     Erkennen Sie sich wieder? Dann habe ich hier Ihr Horrorskop für diese Woche: Es wird Scheiße regnen, von früh bis spät, 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche. Und zum Start ins Wochenende tritt Ihnen das Schicksal noch mal so richtig mit Anlauf in den Arsch! Da kann ihnen auch der liebe Gott nicht weiterhelfen.

Das Ende von Alexander, Andreas, Albert und Lance

Früher hatte ich das interessante Automagazin Vox Auto Mobil immer im Fernsehen geschaut, bis irgendein Quatschkopp auf die Idee kam, das gerade mal zehn Jahre alte DVB-T sei qualitativ nicht mehr gut genug und müsse gegen DVB-T2 ausgetauscht werden. Natürlich konnte mein Fernseher das nicht, also musste ich mir besorgen, was ich schon immer gehasst hatte – einen neuen Receiver, was zu einer unpraktischen Hantiererei mit zwei Fernbedienungen führte. Vor allem aber führte es dazu, dass ich die Privatsender nicht mehr empfangen konnte, denn die waren der Ansicht, ihr werbeverseuchtes inhaltsloses Verblödungsprogramm für ohnehin schon mental gehandicapte Unterschichten nun verschlüsseln zu müssen und nur noch gegen einen geringen Obolus von fünf oder sechs Euro feilzubieten.
     Ich gebe gern zu, eine kurze Weile hatte ich Entzugserscheinungen, aber das legte sich rasch. Die öffentlich-rechtlichen standen bereits eilfertig bereit, um mich mit ihrem spannenden, höchst anspruchsvollen, hust, Fernsehprogramm, bestehend aus Propaganda, Spielshows, Propaganda, politischen Umerziehungssendungen, Propaganda und Propaganda treusorgend aufzufangen. Deshalb schaue ich inzwischen praktisch gar kein Fernsehen mehr und surfe eher im Internet oder schreibe an neuen Büchern.
     Vox Auto Mobil entdeckte ich aber doch irgendwann auch im Internet, eingebettet in einen technisch aufwendigen Rahmen aus Werbung, der nicht immer und in jedem Browser fehlerfrei funktionierte. Besonders wenn der Browser einen Werbeblocker, verschiedene Trackingstörtechniken und einen Cookie-Saboteur installiert hat. Die letzten Monate lief die Sendung aber weitestgehend störungsfrei. Bis heute. Anscheinend hat Vox solch penetranten Werbeverweigerer und Gratisleistungserschleicher wie mich satt und die Sendung nun hinter einer Premium-Bezahlschranke versteckt. Eintritt: Fünf Euro.
     Da werden die sympathischen Moderatoren Alexander Bloch, Andreas Jancke, Albert Königshausen, Lance David Arnold und ich uns nun wohl nicht mehr so oft sehen. Echt schade! Wenigstens die Autodoktoren bleiben mir aber erhalten. Den beiden genialen Technikfreaks kann man auch weiterhin kostenlos auf die Finger sehen.0

Nachtrag vom 28. Juni: Vox hat die Sendung wieder freigeschaltet. Anscheinend lief die Aktion nicht so gut. Gut für mich!

Der berühmtberüchtigte Verfall von Sitte und Anstand

Dieses Land ist verloren! Jetzt fängt auch noch meine Bank an, mich zu duzen! „Ey, Digga, voll krass, Alta, wir schiggen Dir jetzt Deine voll fette neue Kreditkarte zu, weißu?“ Ich fand diese Duzerei schon bei Apple und Ikea unhöflich, anmaßend und distanzlos.
     Dazu war das Schreiben, zeitgeistgerecht, auch noch katastrophal falsch gegendert. Bei „Mitarbeiter*in“ mag das ja noch funktionieren, denn das Wort enthält sowohl die männliche als auch die weibliche Form von Mitarbeiter, nämlich Mitarbeiter und Mitarbeiterin. Aber was bitte ist ein Kund? Die männliche Form von Kunde? Bei diesem Begriff kommt nämlich, wie wir sehen, nichts Gescheites mehr heraus, sobald man das Sternchen einsetzt: Kund*in. Wenn überhaupt, ist hier noch die weibliche Form erkennbar. Männliche Personen werden also ausgeschlossen. So geht Gleichberechtigung im Jahre 2021!
     Mit einem Blutdruck von 176 zu 90 habe ich sofort einen laaangen Beschwerdebrief an den Vorstandsvorsitzenden der Bank geschickt, mit vielen sachdienlichen Hinweisen. Geantwortet hat natürlich seine Pabblick-Riehläischns-Mitarbeiterin, mit den üblichen Floskeln – es sei ja das höfliche „Du“, man wolle alle Geschlechter ansprechen, blabla-blabla. Vielleicht war der Herr Vorstandsvorsitzende ja zu beschäftigt. Mit Geld zählen. Vielleicht sollte er seinen Blick mal von schnödem Mammon und Zeitgeist ab- und den Statistiken zuwenden: Ein Großteil der Bevölkerung ist mit dieser Verunstaltung der Sprache nämlich nicht einverstanden! Welcher kluge Kaufmann, der noch alle Münzen im Safe hat, legt sich denn ohne Not mit einem Großteil seiner Kund#en*_Innen/Eren an?
     Wo kriege ich jetzt ’ne neue Bank her? Vom Baumarkt? Oder im Internet? Mal schauen …

Mein neues Spielzeug

Es gibt Dinge im Internet, die gibt es gar nicht. Nachdem ich mich vor über zehn Jahren mal freiberuflich mit dem Thema Sprachausgabe beschäftigte, hat dieser Bereich dank verbesserter Technologien inzwischen beachtliche Fortschritte gemacht. So kann man heute eigene Texte in Sprache umwandeln lassen und erhält, in Abhängigkeit von Stimme und Sprachmodul, mehr oder weniger natürlich klingende Sätze. Besonders lustig wird es, wenn man die Stimmen unorthodoxe Dinge sagen lässt, die vielleicht auch, sagen wir mal, politisch nicht ganz korrekt sind.
­­­­­Die fertigen Sounddateien kann man sich herunter- und beispielsweise auf den Anrufbeantworter laden: „Willkommen bei Sunlions Sonnenseiten! Wenn Sie Pickel im Gesicht haben, wählen Sie bitte die 1. Anrufer mit Plattfüßen wählen bitte die 2. Bei Inkontinenz wählen Sie bitte die 3 oder bleiben Sie in der Leitung.“
­­­­­Am besten gefiel mir die deutsche Stimme von Patrick bei Voicemaker. Einfach links auf „Neural TTS“ klicken, darunter die Stimme „German“ auswählen, rechts daneben „Patrick, Male“, oben in das große Feld den gewünschten Text eingeben und abschließend auf „Convert To Speech“. Viel Spaß beim Experimentieren!

Da glotzte echt in die Röhre!

Schon aufgefallen? Früher gab es ein super Fernsehprogramm, tolle Filme, starke Serien … aber keine so tollen Fernseher wie heute. Heute hingegen gibt es super Fernseher, aber nüscht mehr, was sich anzuschauen lohnt.
     Man hat halt nie alles gleichzeitig beisammen.