Auf meinem heutigen Weg zur Arbeit war mir ein seltener Moment vergönnt – ein Blick zurück, dreißig Jahre in die Vergangenheit. Damals war Berlin noch nicht das allseligmachende Eldorado für Glücksritter aus aller Welt, im Gegenteil. Es war eine etwas schmuddelige, rußgeschwärzte Großstadt, die noch nicht so recht wusste, wohin die Reise gehen soll. Damals waren die Straßen auch früh während des Berufsverkehrs relativ leer, ebenso die Straßenbahnen und der Alexanderplatz. Und in der U2 bekam man immer einen Sitzplatz.
Manchmal wünsche ich mir, die Stadt wäre wieder etwas mehr wie damals. Weniger laut, weniger voll und weniger stressig. Erstaunlich, dass ausgerechnet ein winziges Virus dies möglich macht.
Chuck Norris trägt Mundschutz. Um das Virus vor ihm zu schützen.
Weitere „Erinnerungen“ zum 80. Geburtstag gibt es hier.
Mein Lieblingsrestaurant – Gut Hesterberg – ist endlich wieder geöffnet. Die letzten Monate nutzte das Unternehmen zum Renovieren und Umbauen, doch nun ist alles fertig, und die Einrichtung ist wirklich ausgesprochen schnieke geworden.
Eine Speisekarte gibt es (noch) nicht, die Gerichte lassen sich an einer Hand aufzählen. Aber man kann verhandeln. Sie mögen keine Salat? Dann fragen Sie die nette Bedienung doch einfach, ob der Koch extra für Sie ein paar Möhren zurechtschnitzt. Das Essen wird frisch zubereitet, das Fleisch stammt von glücklichen Kühen auf eigenen Weiden.
Das eigentliche Erlebnis liegt aber gar nicht so sehr im wirklich guten Essen, sondern in der entschleunigten Lebensweise des abgelegenen Gutshofes. Er liegt in der Nähe von Neuruppin und ist mit dem Auto gut erreichbar. Im Prinzip auch zu Fuß, aber das dauert dann ein paar Tage.




Hier in Berlin hält man es gerade für eine spektakulär gute Idee, bereits vorhandene, deutlich markierte Radwege grün anzumalen. Wegen der Umwelt und so. Dazu müssen die betroffenen Straßen teilweise abgesperrt werden, damit die Bauarbeiter genug Platz haben, um die Farbe auf den Asphalt zu pinseln.
Ich fänd’s ja schlauer, die hunderttausende von Buntlandscheinen stattdessen lieber für neue Radwege auszugeben. Wegen der Umwelt und so.
Sinnlose Symbolpolitik, die den Bürgern suggerieren soll, es ginge voran.
Angeblich soll grüne Farbe ja die Sicherheit erhöhen. Das einzige, was diese grünen Wege bei mir bewirken, ist, die Verhältnisse in der DDR wieder wachzurufen. Dort versuchte man auch sehr gern, mit frischer Farbe die marrode Substanz zu übertünchen. Überhaupt erinnert mich derzeit vieles an die DDR.
Ich hoffe, es wird bald Frühling.
Und noch ein amerikanischer Konzern musste kürzlich dran glauben. Seit 2009 habe ich probeweise mal diverse Apple-Produkte „getestet“. Nachdem ich Anfang der Neunziger in diversen Werbeagenturen und Druckvorstufen eher schlechte Erfahrungen mit Mac-Computern machen musste, weil die Kisten ständig abstürzten und niemand da war, der helfen konnte, war ich doch recht erstaunt über meinen ersten iMac und OS X Lion. Wenngleich mir verschiedene Windows-Merkmale doch sehr gefehlt haben, hatte der Mac auch die eine oder andere positive Überraschung zu bieten, die es in der Microsoft-Welt nicht gab, zum Beispiel iCloud.
Die nachfolgenden Updates fingen jedoch nach und nach an, gewaltig zu nerven. Insbesondere mein Lieblings-Musikplayer iTunes 10 wurde mit den Updates immer schlimmer und unübersichtlicher. Manchmal habe ich den Eindruck, Softwareentwickler wissen gar nicht, was eigentlich genau die positiven Eigenschaften ihrer Software ausmachen. Als nun mit Catalina auch noch ältere 32-Bit-Software ausgesperrt wurde, habe ich die Reißleine gezogen und bin zu Windows zurückgewechselt. Da läuft sogar noch das gute alte iTunes 10. Und Clouds gibt es ja inzwischen wie Siliziumkristalle am Meer.
Ihr Blödmänner bei Apple könnt also Eure Betriebssysteme in Zukunft unbekümmert so weit runterstutzen, bis gar nichts mehr darauf läuft. Und iPhones benutzt inzwischen eh keiner mehr.
Viel Spaß dabei!
Ich habe mich ja bereits an anderer Stelle über den immer mehr um sich greifenden Sicherheitswahn ausgelassen, der ganz besonders bei amerikanischen Unternehmen anzutreffen ist. Google und Apple waren bereits dafür bekannt, neuerdings hat es nun auch Facebook erwischt. Ungefähr jedes zweite Mal beim Einloggen nötigt mich Facebook, irgendwelche bescheuerten Sicherheitsfragen zu beantworten, bevor ich an mein Konto komme.
Liebe Facebook-Manager, Ihr paranoiden Irren! Habe ich Euch darum gebeten, auf mein Konto aufzupassen? Nein, hab ich nicht! Ihr nervt! Und zwar gewaltig! Und ich hasse Leute, die nerven. Deshalb habe ich Euch soeben aus meinem Leben verbannt und mein Facebook-Konto gelöscht. Ihr könnt also Euren Verfolgungswahn in Zukunft allein ausleben, so viel, wie Ihr wollt.
Viel Spaß dabei!
Angesichts der Absagen von Veranstaltungen und hermetisch abgeriegelten Städten wegen des Corona-Viruses empfehle ich das rechtzeitige Anlegen von Vorräten für den Notfall. Besonders empfehlenswert sind Bohnen, Bier und ’ne heiße Schokolade.
Liebe Waldmenschinnen und Waldmenschen, willkommen in Berlin! Von wo auch immer Sie zu uns gekommen sind, ob von nah oder fern, fühlen Sie sich bitte auf das Herzlichste willkommen geheißen! Wir haben vollstes Verständnis dafür, dass Sie sich zu Hause – im Wald, im Dschungel und im Sumpf – nicht so richtig wohlgefühlt haben, denn dort ist es meist dunkel, feucht und ungemütlich. Verständlich, dass so eine schimmernd-glitzernde, hell erleuchtete Metropole wie Berlin Waldmenschen wie Sie magisch anzieht. Und das ist auch gut so, denn das macht unsere Stadt lebendig und interessant.
Dennoch gibt es ein paar Besonderheiten, auf welche hinzuweisen uns eingeborenen Stadtmenschen ein wichtiges Anliegen ist, damit das Zusammenleben reibungslos funktioniert.
1. Berlin hat eine Ausdehnung von 45 x 38 Kilometern, eine Fläche von 1.710 Quadratkilometern, über 10.000 Straßen, Plätze und Wege mit einer Gesamtlänge von 5.419 Kilometern. Dazu kommen 3,748 Millionen Einwohner, die versorgt und bei Laune gehalten werden müssen. Das geht leider nicht ausschließlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Und auch Fahrräder reichen da nicht aus. Autos sind also ein unverzichtbarer Bestandteil dieser Großstadt. Wir verstehen natürlich, dass der daraus resultierende Verkehr für Besucher von außerhalb verstörend und beängstigend sein kann. Aber manche Menschen gehen halt gern zu Fuß, andere fahren lieber Fahrrad oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, und der Rest nutzt eben Autos. Darum ist es auch äußerst weltfremd, diese Autos abschaffen zu wollen oder anderen Menschen vorzuschreiben, sie sollen mehr Fahrrad fahren. Wir sagen Ihnen ja auch nicht, dass Sie mehr Auto fahren sollen.
2. Staus lassen sich nicht durch die Benutzung der Hupe auflösen. Weder bei Ihnen im Wald noch hier in der Stadt. Hupen macht den Verkehr nicht flüssiger, sondern diese Stadt nur unnötig lauter. Deshalb lassen Sie bitte die Finger von der Hupe!
3. Wenn Sie auf einer Straße plötzlich merkwürdige weiße Streifen auf den Asphalt gepinselt vorfinden, so handelt es sich dabei um ein besonders geschütztes Habitat für Fußgänger, allgemein bekannt als Fußgängerüberweg. Dort müssen Sie anhalten und Menschen, welche an dieser Stelle die Fahrbahn überqueren wollen, die Vorfahrt gewähren. Oder den Vorgang, wenn Sie so wollen. Dies gilt übrigens ebenso für Radfahrer, auch wenn das anschließende Wiederanfahren mühsam ist und Kraft kostet. Also bitte nicht einfach die Augen schließen und durchrasen.
Die merkwürdigen bunten Lichter an Kreuzungen sind übrigens Ampeln. Wenn Sie von einem roten Licht angestrahlt werden, müssen Sie stehenbleiben! Und das sollten Sie auch, denn im Gegensatz zur einzigen Kreuzung von Hinterunterkleinsttrödelingen, wo den ganzen Tag niemand vorbeikommt, gibt es an Berliner Kreuzungen tatsächlich Querverkehr, und das nicht zu knapp!
4. Wer keine Staus mag, kann auf die öffentlichen Verkehrsmittel ausweichen. Gut, zugegebenermaßen bilden sich vor den Türen der U-Bahn während des Berufsverkehrs auch öfter mal Staus. Deren CO2-Emmissionen sind aber vergleichsweise ungefährlich. In seltenen Fällen kann es jedoch mal zu unangenehmen Methangasemissionen kommen.
Wenn Sie in die öffentlichen Verkehrsmittel einsteigen, bleiben Sie bitte nicht direkt an der Tür stehen. Im Gegensatz zum Dorfbus, den zu benutzen Sie bisher gewohnt waren, befinden sich hinter Ihnen noch weitere Fahrgäste, die das Verkehrsmittel nutzen wollen und nicht einsteigen können, wenn Sie die Türen versperren. Also bitte möglichst weit in den mittleren Bereich durchgehen.
Wenn Sie an einer der nächsten drei Stationen aussteigen müssen, wäre es günstig, als einer der letzten Passagiere einzusteigen, sonst müssen Sie sich wieder an allen anderen vorbeidrängeln, um zur Tür zu kommen.
5. Wenn Sie eine U- oder S-Bahnstation betreten wollen und dafür die Treppen benutzen, gehen Sie bitte so weit wie möglich auf der rechten Seite! Sie müssen sich keine Sorge machen, damit ungewollt irgendwelche politischen Statements abzugeben. Es ist in Deutschland und auch in vielen anderen europäischen Ländern so geregelt, dass Menschen rechts laufen, Autos rechts fahren und Schrauben rechtsherum eingedreht werden. Das hat den Vorteil, dass man sich nicht in die Quere kommt und der Verkehr weitestgehend reibungslos läuft. Dies funktioniert übrigens in allen Metropolen der Welt, die eine U- oder S-Bahn haben – in London, Paris, New York, und sogar in Dubai, wo die U-Bahn erst seit rund zwanzig Jahren fährt. Da werden wir das in Berlin doch wohl auch hinbekommen, oder? Der linke Bereich der Treppen ist übrigens den Reisenden vorbehalten, die Ihnen entgegenkommen. Ganz schön praktisch, nicht wahr?
6. Wenn Sie Ihr Mobilfunkkommunikationsgerät, landläufig auch unter dem Begriff „Handy“ bekannt, nutzen wollen, tun Sie dies bitte so, dass Sie andere Passanten nicht behindern. Hier in Berlin schlägt der Puls etwas schneller, als vor einer kleinen Dorfbäckerei. Sie können hier nicht einfach mitten auf dem Gehweg stehenbleiben, um per Textnachricht den Daheimgebliebenen von Ihren ersten ermutigenden Schritten im Stadtleben zu berichten. Wenn Sie unbedingt gleich und sofort im Internet surfen oder mit anderen Waldbewohnern kommunizieren möchten, stellen Sie sich bitte außerhalb der Wildwechselpfade an die Seite, damit Sie nicht versehentlich unter die Hufe kommen. Denn auch Berlin ist in mancherlei Hinsicht ein Dschungel. Ein Großstadtdschungel.
Sollten Sie mit diesen Regeln nicht zurechtkommen, wäre es für alle Beteiligten besser, Sie kehren nach Hause zurück und genießen dass ruhige Dorfleben, die frische Landluft und die herrliche Ruhe im heimatlichen Wald.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Wir wünschen Ihnen nun einen vitalisierenden Aufenthalt und einen kraftvollen Tag!
Auch wenn der Elefant sich noch so sehr wünschte, ein Känguru zu sein, auch wenn er sich den Rüssel kürzen und die Ohren straffen ließe, auch wenn er sich im Weitsprung übte, so bliebe er doch ein Elefant.
Großbritannien hat gewählt. Und die Kräfte, welche seit Monaten den Austritt des Landes aus der EU blockierten, haben haushoch verloren.
Sofort läuft die inzwischen obligatorische Medienmaschinerie an, die aggressiv versucht, EU-Gegner zu diffamieren und den Zusammenhalt herbeizuflehen. Was mussten wir uns nach dem ersten Referendum nicht alles anhören? Die Enscheidung der britischen Bevölkerung für einen Ausstieg aus der EU sei nur ein Versehen, die Menschen hätten den Ernst der Lage gar nicht verstanden und seien deshalb nicht zur Abstimmung gegangen.
Anschließend gab es Demonstrationen für den Verbleib in der EU, Jammern und Wehklagen, die jungen Leute seien die großen Verlierer, wenn es denn zum Austritt käme. Ein zweites Referendum wurde ins Spiel gebracht, ein erneutes Abstimmen, denn die Stimmung habe sich inzwischen für einen Verbleib verändert. Wählen, solange bis es passt. Armselig!
Gestern nun gab es das gewünschte zweite Referendum, und zwar in Form von Neuwahlen. Eine erneute Abstimmung. Und sie zeigt, dass sich nichts geändert hat. Die Briten wollen mehrheitlich raus. Das kann man schönschreiben wie man will.
Wie wenig die EU-Befürworter überhaupt begreifen, was sie da von sich geben, zeigt ein aktueller Kommentar in der Berliner Zeitung. Da ist von einem „Ende Großbritanniens“ die Rede: „Wahrscheinlich aber ist, dass Boris Johnson auch das Ende Großbritanniens eingeläutet hat, wie wir es seit Jahrhunderten kennen.“
Bitte? Geht’s noch? Wie verblödet, vollkommen verpeilt, weltfremd, realitätsfern oder aber kaltschnäuzig und korrupt muss man sein, um so einen Unfug dahinzuschmieren? Das Ende Großbritaniens? Wie wir es seit Jahrhunderten kennen?
Ist nicht eher das Gegenteil der Fall? Eine Rückkehr zu den alten Traditionen? Hat nicht erst die EU zu einem Verlust an nationaler Identität bei den Mitgliedsländern geführt? Und hat nicht erst der Euro das Unglück über jene Länder gebracht, die traditionell eher locker mit Geld und Steuern umgingen, aber jahrhundertelang gut damit zurechtgekommen sind? Inzwischen gibt es in Griechenland Hunger und Elend, in Italien und Spanien grassiert die Arbeitslosigkeit.
Die EU ist nach wie vor ein undemokratisches Konstrukt, gebaut auf menschenverachtenden Ideologien, korrupt bis ins Mark, verlogen in seinem ganzen Auftreten und auf wackligen Füßen stehend. Inzwischen prophezeien selbst namhafte Fachleute den finanziellen Zusammenbruch des Euro innerhalb der nächsten zwei Jahre. Und um die undemokratischen Tendenzen zu beweisen, muss man nicht einmal mehr die alternativen, als neue Rechte verrufenen Medien bemühen. Da reicht auch eine vergnügliche Aufklärungsmission durch die Anstalt.
