Wie sehr die Welt sich doch verändert, sobald man nur mal anderthalb Stunden später zur Arbeit fährt als üblich!
Da saß mir heute in der Straßenbahn eine junge Frau gegenüber, Anfang 20, klein, zierlich, mit einem ausgesprochen hübschen Blümchenkleid, lässigen Korkschlappen und einer stylischen Sonnenbrille auf der Stupsnase. Zusammen mit ihrem Schmollmund und der klassischen Hochsteckfrisur erinnerte sie mich an Jane March, die im Spielfilm „Der Liebhaber“ dem Kinopublikum den Kopf verdrehte.
So saß sie also da, lauschte ihrer Musik und schaute, die Beine übereinandergeschlagen, unbekümmert mit dem Fuß wippend, dem vorüberziehenden Treiben auf der Straße zu.
Mit dieser vollkommenen, natürlichen Schönheit erzeugte sie eine Ausstrahlung, die um so vieles größer war, als ihre zierliche Erscheinung, denn noch über Kilometer und Stunden hinweg begleitete sie mich in meinen Gedanken durch den Tag.
Ich hoffe, sie ist sich dieser unnachahmlichen Kostbarkeit bewusst, vor allem aber der Notwendigkeit, sie zu bewahren, denn ihr Esprit leuchtete unendlich mal heller, als die Drögheit der inzwischen leider alltäglichen Kreaturen, die mit ihren Totenkopftätowierungen und Nasenringen einem Hornochsen näherstehen, als einem Menschen.
Hihi, nicht zu fassen, was in dieser Welt so los ist! Die 16-jährige Gräte Thunfisch hat sich entschlossen, die Schule zu schmeißen. Also wenn das Schule macht!
Und das Beste – ihre Eltern erlauben das auch noch! Wäre mir so was vor 30 Jahren eingefallen, hätte ich gar nicht erst wiederkommen müssen. Oder ich wäre zum Psychodoc geschickt worden. Oder in den Jugendwerkhof.
Nicht zu fassen!
Liebe Selfieknipser,
es ist ein Irrtum, wenn Ihr glaubt, dass Ihr um so wichtiger seid, je mehr Selfies Ihr von Euch macht! Wichtig seid Ihr nur, wenn andere Euch fotografieren, und das möglichst oft.
Verstanden?
Nee, oder?
Ich musste gerade zu einer Messe nach Friedrichshafen …, ich hatte zwar ’ne fiese Erkältung mit hohem Fieber, garstigem Husten und dicken Augen, aber ich musste trotzdem hin, denn Messen pflegen nicht auf Rekonvaleszenten zu warten.
Hin- und Rückflug, jeweils mit Umsteigen und gebucht bei Lufthansa, gestalteten sich so: Erster Streckenabschnitt, von Berlin nach Frankfurt – 25 Minuten Verspätung, zweiter Abschnitt nach Friedrichshafen – 30 Minuten Verspätung.
Beim Rückflug legte Lufthansa – „Europas erste Fünf-Sterne Airline“ – so nennen sie sich selbst, inklusive fehlendem Koppel-Divis hinter „Sterne“, noch mal kräftig nach: Beide Flüge gestrichen. Keine Information über das Wieso und Warum, was geht das auch den Kunden an? Sie buchte die Flüge einfach um und fertig!
Der erste Abschnitt führte nun über Düsseldorf, bedient von British Airways in einer brummeligen alten Schnurre, einer Dornier 328, mehr Liebhaberstück als Flugzeug und mit höchstens 30 Sitzen ausgestattet. Die deutsche Stewardess mit Traumberuf seit über 30 Jahren was sooo nice und very british, ein picture book template für perfekten Service und makellose Freundlichkeit: „Möchten Sie noch etwas Tea, Sir? … darf ich noch mal nachschenken? … ist das Wetter nicht wundervoll?“ Hätte sie mir noch ein buntes Häkelkissen gereicht – ich wäre sofort in der letzten Sitzreihe eingezogen.
„Möchten Sie wirklich nichts von den ungenutzten Speisen mitnehmen?“ Und ich Idiot habe das dankend abgelehnt! Denn die Weiterreise verlief bretthart, knüppeldick und kernig deutsch: Fast pünktlich dabei, die Türen zu schließen, entdeckte Germanwings (ein deutsches Tochterunternehmen mit englischem Namen von … tadaa – Lufthansa!) ein paar Kerosintropfen an Teilen der Tragfläche, wo keine Kerosintropfen hätten sein sollen. Der flaumbärtige Pilot, bewaffnet mit giftgrün leuchtendem Ostfriesennerz (heutzutage ein gefährlich diskriminierender und nur noch als Satire zu entschuldigender Begriff) und gelb leuchtender Taschenlampe sah nicht begeistert aus, als er nach einem persönlichen Check der Tragfläche wieder das Flugzeug betrat: „Es tut uns wirklich leid, dass es uns leid tut, weil es uns wirklich, wirklich leid … entschuldigen wir uns vielmals … vielmals … entschuldigen … uns leid …“
Gestrandet in Düsseldorf. Das grausame Schicksal vieler Ruhrpöttler, nun geteilt von mir, einem waschechten Hauptstädtler! Keine weiteren Maschinen nach Berlin an diesem Abend. Erst am nächsten Morgen. Keine freien Hotelzimmer in der Stadt, aufgrund einer Messe.
„Dschörmänwinks“ organisierte immerhin blitzschnell drei Busse, welche die Acht-Stunden-Strecke in nur sechs Stunden schafften. Allerdings ersetzt dies nicht mein kuschelig warmes Bett, denn dieses hat einerseits keine schlecht ausgewuchteten Räder, welche den Bus heftig und mit hoher Frequenz durchschüttelten und dem Busbesitzer in nicht allzu ferner Zukunft teure Lagerschäden verursachen werden, und andererseits kommen in meinem Schlafzimmer nicht eine Handvoll Leute nachts um halb drei plötzlich auf die Idee, lustige Partys zu feiern, angeleitet von einer jungen Pseudo-Latino-Barbie im Leopardendress, mit Selbstwertdefiziten und extrem nerviger Stimme, was als Beschreibung keineswegs übertrieben, heutzutage jedoch auch schon als hochgradig rassistisch und völkerverachtend einzustufen ist.
An welcher Stelle fing es eigentlich an, schiefzugehen, mit all den guten Namen wie Deutsche Bundesbahn, Deutsche Lufthansa, Deutsche Telekom und Deutsche Bundespost? War das vor oder nachdem uns die Politiker erzählten, wie gut doch die Privatisierung für uns alle werden würde?
Wo nur ist dieses Land inzwischen … Achtung, Wortspiel – gelandet? Allein schon, dass ich auf solche Wortspiele hinweisen muss, stimmt mich traurig. Noch trauriger stimmt mich, dass derartige Alltagsbeschreibungen inzwischen ganz normal sind.

Benny hat uns verlassen. Der letzte der Olsenbande starb heute im Alter von 83 Jahren.
Es mag verrückt klingen, aber immer wenn ich die Olsenbande sehe, vermittelt mir das ein Gefühl von der „guten alten Zeit“.
Mach’s gut, Morten, und danke für Euren tollen Humor.
Ich weiß nicht, welche Drogen genau die Programmierer bei Google so tagtäglich konsumieren, aber sie scheinen ihnen nicht gut zu tun, denn anscheinend führen sie zu Paranoia und Kontrollzwängen. Ich hatte mich ja an dieser Stelle bereits über die überbordende Fürsorglichkeit von Google aufgeregt, aber inzwischen nimmt sie wirklich bizarre Züge an.
Den meisten Nutzern von Google- und auch Apple-Produkten dürfte der Begriff „Zweifaktorautorisierung“ geläufig sein, er bedeutet, dass man beispielsweise zum Einloggen in ein Konto nicht mehr nur Zugangsnamen und Passwort benötigt, sondern den Vorgang des Einloggens noch an anderer, zweiter Stelle bestätigen muss. Zum Beispiel auf dem Handy.
Bei Google reicht nun jedoch auch das nicht mehr aus! Ich gebe auf meinem Laptop zum Anmelden an diesen Blog meine Zugangsdaten ein und erhalte eine Meldung an mein Handy, die ich mit „Ja“ bestätigen muss. Trotzdem schickt Google noch eine zusätzliche Warnung an mein Handy, sowie eine weitere E-Mail, in welcher ich darauf hingewiesen werde, dass soeben „irgendjemand“ sich bei meinem Konto angemeldet hat, und sollte ich nicht derjenige sein, so solle ich mich sofort an Google wenden.
Liebes Google! Was glaubt Ihr eigentlich, wer dieser „irgendjemand“ sein könnte? Wer könnte wohl so gerissen und skrupellos sein, dass er nicht nur meine Zugangsdaten ausspioniert, sondern sich auch noch meines Handys bemächtigt, nur um an ein Google-Konto zu kommen?
Es gibt nicht nur Kriminelle auf der Welt. Wenn Ihr überall nur noch Hacker und Gangster seht, dann müsst Ihr mal zum Arzt gehen! Das ist nämlich nicht gesund. Verfolgungswahn ist eine Krankheit, die behandelt werden sollte.
Nur mal so zum Vergleich: Um am Automaten Geld abzuheben, benötige ich lediglich eine Plastikkarte und vier Ziffern. Und meine Bank hat deswegen auch nicht die Buxe voll.
Kleines Beispiel gefällig, wie die öffentlich-rechtlichen Medien Partei ergreifen und Stimmung gegen unliebsame Personen, oder anders formuliert – Propaganda machen?
Im Beitrag um die Verurteilung des Mörders von Mia erwähnte die ZDF-Heute-Sendung auch die seit Monaten regelmäßig standfindenden Demos und bezeichnete die Menschen, die für mehr Sicherheit, Grenzkontrollen und Abschiebung von kriminellen Ausländern protestieren als – na? – genau – „Rechtspopulisten“.
Die Menschen der Gegendemos nannte das ZDF selbstverständlich – „empörte Kandeler“.
Und die anderen sind keine empörten Kandeler oder wie?
Im Rundfunkstaatsvertrag heißt es übrigens in §11 Abschnitt 2: „Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen“.
Endlich mal ein ehrlicher Werbefilm, der die Zustände bei der Deutschen Bahn schonungslos offenlegt: Totales Chaos, überfüllte Waggons, rücksichts- und hemmungslos feiernde Fahrgäste, Hunde ohne Maulkorb, unbeaufsichtigte Kinder, Angestellte, die einem den überteuerten Kaffee aufdrängeln wollen, halbnackte langhaarige Perverse … und natürlich die geänderte Wagenreihenfolge. Dafür ein herzliches Dankeschön an die mutigen und anscheinend suizidal veranlagten Mitarbeiter der Marketingabteilung!
In unendlicher Trauer und mit tiefstem Bedauern geben wir heute das lang erwartete Ablöwen des Löwen bekannt. Nach kurzer schwerer Krankheit fehlten ihm sowohl der Löwenswille als auch der Rückhalt in der IT-Industrie, die ihm zunächst die Zuneigung, später die applikationelle und schließlich die finanzielle Unterstützung versagte. Geschwächt von anhaltenden Auseinandersetzungen um die Rechtmäßigkeit löwenserhaltender Maßnahmen, vor allem aber durch den fehlenden Schutz vor Schädlingen, sah er zuletzt keine andere Alternative mehr, als über den Jordan zu reiten und sich schlussendlich ins Hochgebirge von High Sierra zurückzuziehen, wo er – ausgelaugt und verbittert – in der Nacht zum heutigen Donnerstag verstarb.
Mit ihm starb sein wichtigster, unersetzlicher Wegbegleiter, der Star der Musikszene, Kenner aller Noten und Bewahrer der Lyrics vom Mittelalter bis zur Gegenwart, weltweit bekannt unter dem Spitznamen „I Tun es zehn“. Keiner seiner Nachfolger wird ihm wohl jemals das Wasser reichen können.
Lion wurde nur sechs Katzenjahre alt, das entspricht etwa 40 Menschenjahren.
In tiefer Verneigung
Sunlion
Zwillingsbruder

Liebe lila Bäckerin,
wenn wir einen Gehweg mal mit der Lupe etwas genauer betrachten, so stellen wir fest, dass darauf unzählige Kleinstlebewesen vor sich hinwurschteln, von der eher zur größeren Fraktion gehörenden Ratte, über Spinnen, Läuse, Ameisen, Würmer und Bakterien bis hin zu lustig-kunterbunten Viren. All diese Lebewesen haben einen Stoffwechsel, was uns aber nicht weiter stören muss, weil wir die winzigen Hinterlassenschaften ja nicht sehen können. Sogar Hunde scheißen darauf. Deren Hinterlassenschaften können wir übrigens sehen, und auch die von Menschen, wie etwa weggeworfene Essensreste, Kaugummis oder halt Spucke. Ansonsten verlieren Lebewesen auch gern mal Haare und Hautschuppen.
Diese Hinterlassenschaften vermischen sich, zusammen mit Feinstpartikeln aus Autoabgasen und Kraftwerken, verklebt mit Regenwasser, zu einem hochaktiven Biobrei, dessen gesundheitsbeeinflussende Wirkung auf den Menschen nur schwer einzuschätzen ist. Darum fand ich es heute sehr löblich, dass Sie mit Eifer und wilder Entschlossenheit diese von Kundenschuhen in den Laden getragene biologische Wundertüte mittels Eimer und Scheuerlappen vom Boden entfernt haben.
Nicht ganz so löblich fand ich hingegen, dass Sie nach dem Eintauchen des schmutzigen Lappens in den Eimer Ihre Hände nur an einem hinter dem Tresen hängenden Handtuch abgetrocknet und anschließend sofort Trennpapier und Papiertüte angefasst haben, mit denen das Kuchenstück in Berührung kam, ohne sich vorher gründlich die Hände zu waschen.
Ich glaube, wir sehen uns nicht so bald wieder, trotz Kundenkarte.
Mit freundlichem Würgereflex
Nicht mehr Ihr Sunlion
