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Wohnen in Berlin

Sagt mal, liebe Vermieter,

dreitausenddreihundertneunzig Euro Miete? Kalt? Für nur 55 Quadratmeter? Plus 350 Euro für ’ne Garage? Monatlich? Und dazu noch Genossenschaftsanteile in Höhe von 2290 Euro?
     Habt Ihr sie noch alle?
     Nöö, ich frag nur!

PS: Und was meint Ihr eigentlich mit „eignet sich für bis zu 6 Personen“?
Ach sooo, übereinander! Alles klar!

Tatütata

Zum lesens- und nachdenkenswerten Achgut-Artikel von Air Tuerkis über die Polizei und deren Recht auf Gewaltanwendung möchte ich noch Folgendes anmerkend hinzufügen:
     Vor allem sollte all denjenigen, die sich mit heißer Inbrunst ein Leben in Anarchie herbeifantasieren, endlich mal klar werden, dass dies eben nicht zu einem freien, glücklichen Leben in einer selbstorganisierten und -regulierten Gesellschaft führen wird, sondern zu einer brutalen Diktatur bewaffneter, miteinander konkurrierender Banden, in dem der Stärkste seine Interessen rücksichtslos durchsetzen wird, und in dem all die mild lächelnden Yoga-Träumer und Latte-Schlürfer als erste unter die Räder kommen werden, denn Polizisten, Rechtsanwälte, Staatsanwälte und Richter, an die man sich hilfesuchend wenden könnte, gibt es dann nicht mehr. Judikative und Exekutive sorgen in einem funktionierenden Rechtsstaat nämlich dafür, dass auch der Schwache seine Rechte durchsetzen kann. Und manchmal bedarf es dazu eben Gewalt.

Der beste DJ Berlins ist von uns gegangen

Der beste Radio-DJ, den diese Stadt in Aktion erleben durfte, ist letzten Sonntag im Alter von 76 Jahren gestorben. Lord Knud plapperte sich beim RIAS Berlin um Kopf und Kragen, und genau das – sein loses Mundwerk, das ihn gleichermaßen beliebt und berühmt gemacht hatte, brachte ihn letztendlich auch um seinen Job. Ich habe in den Achtzigern, als ich noch jung und die Musik im Radio noch außergewöhnlich kreativ war, jede seiner Sendungen gebannt verfolgt. Seine Sprüche waren danach noch tagelang auf dem Schulhof ein lustiges Thema. Sprüche wie dieser: „Seit ich abends vor dem Schlafengehen immer eine Karo rauche, muss ich mir die Socken nicht mehr selber ausziehen.“
     Lieber Lord Knud, Du fehlst, und das wird auch immer so sein, denn keiner ist wie Du! Danke für Deinen tollen Humor und die brilliante Musikauswahl, die mein Leben als Jugendlicher unbeschreiblich bereichert haben.
Wer noch mal die gute alte Zeit zurückholen möchte, findet im Radioarchiv eine ganze Menge damals aufgezeichneter Sendungen.

Wie die Medien die Wahrheit verdrehen und verbiegen

Zwischendurch mal wieder ein Beispiel, das beweist, wie sich die Mainstreammedien die Wahrheit so lange zurechtbiegen, bis sie in ihre Agenda passt. Ich lasse einfach nur die Bilder für sich sprechen.
     Zuerst die Darstellung des tragischen Vorfalles auf N-TV:

Selbst ernannte Bürgerwehr schießt auf Protestler

     Auffallend ist, dass das Startbild, welches bei Youtube immer in der Videoübersicht als erstes angezeigt wird, zwar den Schützen mit gezogener Waffe zeigt, die dazugehörige Szene, aus der es stammt, aber in dem vorgeführten Film gar nicht vorkommt.
     Und nun das Ganze noch einmal aus anderer Perspektive. Man beachte besonders das zweite Video weiter unten, welches die Szene, in der die Schüsse abgefeuert wurden, eindeutig zeigt:

USA: Schüsse auf „Antifa“! Mindestens einer getroffen.

     Mag sich nun jeder selbst sein Urteil bilden über die Wahrhaftigkeit von Presse und Medien in diesem Land.

Vorsicht! Corona schädigt auch das Gehirn!

Soeben war ich bei Galeria Kaufdoof am Alexanderplatz. Ich weiß auch nicht, warum, denn meiner Erfahrung nach gibt es dort ausschließlich Billigschund zu hohen Preisen. Was immer ich dort gekauft hatte, musste ich nach geraumer Zeit wegen Defekten wieder zurückbringen: Unterwäsche, Kuscheldecke, T-Shirts, Umhängetasche …
     Aber ich versuchte es trotzdem, denn die Temperaturen steigen, und ich habe nur dicke Winterjacken im Schrank. Eine einzige Jacke erweckte dann auch geringfügiges Interesse, welches beim Blick auf das Preisschild aber sogleich in Ohnmacht fiel. Einhundertneunundsiebzig Euro! Ich schreibe das absichtlich als Wort, damit es auch so monströs aussieht, wie es sich anhört. Einhundertneunundsiebzig Euro für ein dünnes Jäckchen von … wie bitte? Bugatti? Bin ich eine wandelnde Werbesäule für peinliche Automarken oder was?
     Was wollte ich eigentlich?
     Ach so, Corona! Vom Monsterpreis und dem kümmerlichen restlichen Jackenangebot mächtig angefressen, suchte ich nach dem kürzesten Weg, um schnell wieder hinauszukommen. Aber auf jeder Etage waren von acht Rolltreppen vier gesperrt. Nanu, warum das? Ach, wegen Corona. Echt? Wegen Corona? Ja, wegen Corona! Wieso wegen Corona? Tja, keine Ahnung! Denn wenn von acht Rolltreppen die Hälfte gesperrt ist, verdichten sich die Kunden ja auf den geöffneten, sie stehen also dichter zusammen. Und genau das woll’n wa doch eigentlich nich‘, nich? Nich?
     Man könnte meinen, Corona hätte den Verantwortlichen aufs Gehirn geschlagen! Außerdem wurden die Kundenströme noch reglementiert, indem beim Haupteingang von den Wachleuten angeschnauzt wird, wer hinaus will, und am seitlich befindlichen Ausgang, wer hineinwill. „Steht doch groß und deutlich auf den Schildern,“ ranzte der Ausgangswachmann einen Eingänger an.
     Lieber Onkel Kaufdoof! Ich bin die letzten Jahre nicht oft bei Dir zu Besuch gewesen.
     Und das bleibt auch so!

Frau mit Esprit 2020

Während die Verleihung des Titels „Frau mit Esprit“ im letzten Jahr ausfallen musste, und zwar nicht wegen Corona, sondern schlicht und ergreifend aus Mangel an geeigneten Kandidatinnen, kommt es dafür in diesem Jahr knüppeldick!
     Manchmal liegt Youtube mit seinen Videovorschlägen gar nicht so daneben und bot mir den audiovisuellen Genuss eines fetzigen Musiktitels von Enrique Iglesias dar. Zunächst plätscherte der sommerliche Hit etwas einschmeichelnd in meinen Ohren herum, ohne jedoch großartig zu betören. Bis sie auftrat. Die Göttin!
     Zuerst dachte ich – wow! Als Zweites dachte ich – um Gottes Willen, schnell wegschauen! Du bist alt und senil, mit etwas Glück hast du sie in fünf Minuten wieder vergessen! Als nächstes dachte ich – verdammt, zu spät! Sieh ihr bloß nicht in die Augen, sonst wirst du blind! Und bewundere auf keinen Fall ihre hinreißende Figur, die durch ihr tänzerisches Ausdrucksvermögen noch besonders gut zur Geltung kommt, sonst kriegst du ’n Herzkasper.
     Danach dachte ich genau genommen gar nichts mehr, sondern betete sie nur noch an. Und genau das ist auch der Grund, warum Musiker ihre Videos mit schönen Mädchen zupflastern. Sie werden immer nur Sekundenbruchteile gezeigt, manchmal steht irgendwer davor, oder man sieht sie nur von hinten, oder rein zufällig rutscht gerade eine Säule ins Bild. Damit wir dranbleiben! Damit wir nicht wegschalten. Damit wir den ganzen Song hören, bis zum Ende, denn nur so kommen wir in Stimmung und kaufen hinterher vielleicht die Platte. Ganz schön raffiniert, was?
     Ihr ist das jedenfalls gelungen, denn ich konnte mich weder sattsehen noch satthören. Deshalb geht der Titel „Frau mit Esprit 2020“ dieses Jahr an die göttlich-sinnliche Ana Karla Suarez, deren Schönheit, Anmut und Grazie unmöglich irdischen Ursprungs sein kann.

Ich habe mich geirrt!

In meinem Reisebericht über den letzten Urlaub in den Vereinigten Arabischen Emiraten schimpfte ich unter anderem über die sich immer mehr verbreitende Billigplastikpop… -mmmusik kann man das eigentlich nicht mehr nennen. Und schon seit vielen, vielen, vielen, vielen, vielen Jahren höre ich auch kein Radio mehr, weil die Mischung aus nervigen Jingles, speedgedopten Dampfplauderern und brüllender Radiowerbung nicht mehr zu ertragen ist. Ein gute alte Freundin – ja, Ines – Du bist gemeint! – empfahl mir Flux FM, dort würden neue, gute Bands vorgestellt, und das stimmte auch. Aber der immergleiche Ablauf von Musik, überflüssigen Beiträgen, die keine Sau interessieren, Werbung, Jingles, Nachrichten und Wetterbericht zur vollen Stunde und dem unvermeidlichen Blitzerservice, ähnelte dem Rest der lokalen Radiosendertrotteltruppe bis aufs i-Tüpfelchen.
     Um so überraschter war ich, als ich am heutigen Sonntagmorgen noch schlaftrunkend und in geistiger Umnachtung versehentlich den Radioknopf meines 38 Jahre alten Lieblingsradiorekorders drückte. Dessen Sendereinstellung befand sich zufällig an einer Stelle, an dem ein neuer Radiosender zu empfangen ist, nämlich Cosmo vom RBB. Und was lief genau in diesem Moment? Man sollte es nicht glauben! Musik! Richtig echte, handgemachte Musik. So mit echten Instrumenten und Stimmen ohne diese neumodisch-nervigen Oktaver-Effekte. Mein Handy hatte ordentlich zu tun, um die ungewohnt angenehmen Klänge zu identifizieren. Und zwischendurch entspannte, unaufgeregte Moderation von echten Moderatoren.
     Eine der spontanen Neuentdeckungen war übrigens der britische Musiker Bibio, dessen 2019er Album gerade in meinem Computer für gute Stimmung sorgt. Ein Album wie aus der guten alten Zeit. Es gibt sie also doch noch, die gute Musik.
     Zum Anfüttern verlinke ich mal den besten Song des Album mit Suchtpotential:

Süße Corona-Alternative

Wer hätte gedacht, dass man Corona auch positive Seiten abgewinnen kann! Aufgrund der Lieferengpässe waren meine geliebten Madeleines heute bei Kaufland nicht vorrätig, weshalb ich auf eine Alternative ausweichen musste. Und siehe da – die italienischen Balconi Snack Latte sind wirklich sehr lecker. Etwas weniger Zucker hätte auch nicht geschadet, aber wir wollen ja nicht herummäkeln, so kurz vor dem Ende der Welt.

Überraschung!

Kürzlich durfte ich, beruflich bedingt und vom Chef finanziert, mit dem ICE von Nürnberg nach Berlin reisen, mit reserviertem Sitzplatz und selbstverständlich 1. Klasse. Im Abteil stellte ich fest, dass mein Platz Nr. 61 bereits von einer jungen Frau okkupiert worden war. Sie erzählte irgendwas von falsch ausgeschildert, und sie hätte die 62, den Platz gegenüber, und wenn ich denn wollte, würde sie auch tauschen, was ihr aber, deutlich anzumerken, nicht so recht gewesen wäre.
     Nun wollte ich nicht päpstlicher sein als der Papst und gewährte ihr großzügig die weitere Nutzung meines Platzes, während ich mich mit ihrem zufrieden gab, auch wenn das bedeutete, mit dem Rücken in Fahrtrichtung sitzen zu müssen. Dachte ich jedenfalls. Und sie auch, denn sie befand sich ja bereits im Zug und war mit dem Gesicht in Fahrtrichtung gereist. Was sie nicht wusste und ich auch nicht, war, dass der Zug den Nürnberger Bahnhof in Gegenrichtung verlassen würde.
     Der kurze, nur eine halbe Sekunde lange Ausdruck von Wut und Enttäuschung in ihrem Gesicht, dieser winzige Kontrollverlust, angesichts dieser Erkenntnis, um gleich darauf wieder in gespielte Gleichgültigkeit zu verfallen, war für mich unbezahlbar.