Soeben war ich bei Galeria Kaufdoof am Alexanderplatz. Ich weiß auch nicht, warum, denn meiner Erfahrung nach gibt es dort ausschließlich Billigschund zu hohen Preisen. Was immer ich dort gekauft hatte, musste ich nach geraumer Zeit wegen Defekten wieder zurückbringen: Unterwäsche, Kuscheldecke, T-Shirts, Umhängetasche …
Aber ich versuchte es trotzdem, denn die Temperaturen steigen, und ich habe nur dicke Winterjacken im Schrank. Eine einzige Jacke erweckte dann auch geringfügiges Interesse, welches beim Blick auf das Preisschild aber sogleich in Ohnmacht fiel. Einhundertneunundsiebzig Euro! Ich schreibe das absichtlich als Wort, damit es auch so monströs aussieht, wie es sich anhört. Einhundertneunundsiebzig Euro für ein dünnes Jäckchen von … wie bitte? Bugatti? Bin ich eine wandelnde Werbesäule für peinliche Automarken oder was?
Was wollte ich eigentlich?
Ach so, Corona! Vom Monsterpreis und dem kümmerlichen restlichen Jackenangebot mächtig angefressen, suchte ich nach dem kürzesten Weg, um schnell wieder hinauszukommen. Aber auf jeder Etage waren von acht Rolltreppen vier gesperrt. Nanu, warum das? Ach, wegen Corona. Echt? Wegen Corona? Ja, wegen Corona! Wieso wegen Corona? Tja, keine Ahnung! Denn wenn von acht Rolltreppen die Hälfte gesperrt ist, verdichten sich die Kunden ja auf den geöffneten, sie stehen also dichter zusammen. Und genau das woll’n wa doch eigentlich nich‘, nich? Nich?
Man könnte meinen, Corona hätte den Verantwortlichen aufs Gehirn geschlagen! Außerdem wurden die Kundenströme noch reglementiert, indem beim Haupteingang von den Wachleuten angeschnauzt wird, wer hinaus will, und am seitlich befindlichen Ausgang, wer hineinwill. „Steht doch groß und deutlich auf den Schildern,“ ranzte der Ausgangswachmann einen Eingänger an.
Lieber Onkel Kaufdoof! Ich bin die letzten Jahre nicht oft bei Dir zu Besuch gewesen.
Und das bleibt auch so!
Während die Verleihung des Titels „Frau mit Esprit“ im letzten Jahr ausfallen musste, und zwar nicht wegen Corona, sondern schlicht und ergreifend aus Mangel an geeigneten Kandidatinnen, kommt es dafür in diesem Jahr knüppeldick!
Manchmal liegt Youtube mit seinen Videovorschlägen gar nicht so daneben und bot mir den audiovisuellen Genuss eines fetzigen Musiktitels von Enrique Iglesias dar. Zunächst plätscherte der sommerliche Hit etwas einschmeichelnd in meinen Ohren herum, ohne jedoch großartig zu betören. Bis sie auftrat. Die Göttin!
Zuerst dachte ich – wow! Als Zweites dachte ich – um Gottes Willen, schnell wegschauen! Du bist alt und senil, mit etwas Glück hast du sie in fünf Minuten wieder vergessen! Als nächstes dachte ich – verdammt, zu spät! Sieh ihr bloß nicht in die Augen, sonst wirst du blind! Und bewundere auf keinen Fall ihre hinreißende Figur, die durch ihr tänzerisches Ausdrucksvermögen noch besonders gut zur Geltung kommt, sonst kriegst du ’n Herzkasper.
Danach dachte ich genau genommen gar nichts mehr, sondern betete sie nur noch an. Und genau das ist auch der Grund, warum Musiker ihre Videos mit schönen Mädchen zupflastern. Sie werden immer nur Sekundenbruchteile gezeigt, manchmal steht irgendwer davor, oder man sieht sie nur von hinten, oder rein zufällig rutscht gerade eine Säule ins Bild. Damit wir dranbleiben! Damit wir nicht wegschalten. Damit wir den ganzen Song hören, bis zum Ende, denn nur so kommen wir in Stimmung und kaufen hinterher vielleicht die Platte. Ganz schön raffiniert, was?
Ihr ist das jedenfalls gelungen, denn ich konnte mich weder sattsehen noch satthören. Deshalb geht der Titel „Frau mit Esprit 2020“ dieses Jahr an die göttlich-sinnliche Ana Karla Suarez, deren Schönheit, Anmut und Grazie unmöglich irdischen Ursprungs sein kann.
In meinem Reisebericht über den letzten Urlaub in den Vereinigten Arabischen Emiraten schimpfte ich unter anderem über die sich immer mehr verbreitende Billigplastikpop… -mmmusik kann man das eigentlich nicht mehr nennen. Und schon seit vielen, vielen, vielen, vielen, vielen Jahren höre ich auch kein Radio mehr, weil die Mischung aus nervigen Jingles, speedgedopten Dampfplauderern und brüllender Radiowerbung nicht mehr zu ertragen ist. Ein gute alte Freundin – ja, Ines – Du bist gemeint! – empfahl mir Flux FM, dort würden neue, gute Bands vorgestellt, und das stimmte auch. Aber der immergleiche Ablauf von Musik, überflüssigen Beiträgen, die keine Sau interessieren, Werbung, Jingles, Nachrichten und Wetterbericht zur vollen Stunde und dem unvermeidlichen Blitzerservice, ähnelte dem Rest der lokalen Radiosendertrotteltruppe bis aufs i-Tüpfelchen.
Um so überraschter war ich, als ich am heutigen Sonntagmorgen noch schlaftrunkend und in geistiger Umnachtung versehentlich den Radioknopf meines 38 Jahre alten Lieblingsradiorekorders drückte. Dessen Sendereinstellung befand sich zufällig an einer Stelle, an dem ein neuer Radiosender zu empfangen ist, nämlich Cosmo vom RBB. Und was lief genau in diesem Moment? Man sollte es nicht glauben! Musik! Richtig echte, handgemachte Musik. So mit echten Instrumenten und Stimmen ohne diese neumodisch-nervigen Oktaver-Effekte. Mein Handy hatte ordentlich zu tun, um die ungewohnt angenehmen Klänge zu identifizieren. Und zwischendurch entspannte, unaufgeregte Moderation von echten Moderatoren.
Eine der spontanen Neuentdeckungen war übrigens der britische Musiker Bibio, dessen 2019er Album gerade in meinem Computer für gute Stimmung sorgt. Ein Album wie aus der guten alten Zeit. Es gibt sie also doch noch, die gute Musik.
Zum Anfüttern verlinke ich mal den besten Song des Album mit Suchtpotential:
Wer hätte gedacht, dass man Corona auch positive Seiten abgewinnen kann! Aufgrund der Lieferengpässe waren meine geliebten Madeleines heute bei Kaufland nicht vorrätig, weshalb ich auf eine Alternative ausweichen musste. Und siehe da – die italienischen Balconi Snack Latte sind wirklich sehr lecker. Etwas weniger Zucker hätte auch nicht geschadet, aber wir wollen ja nicht herummäkeln, so kurz vor dem Ende der Welt.

Kürzlich durfte ich, beruflich bedingt und vom Chef finanziert, mit dem ICE von Nürnberg nach Berlin reisen, mit reserviertem Sitzplatz und selbstverständlich 1. Klasse. Im Abteil stellte ich fest, dass mein Platz Nr. 61 bereits von einer jungen Frau okkupiert worden war. Sie erzählte irgendwas von falsch ausgeschildert, und sie hätte die 62, den Platz gegenüber, und wenn ich denn wollte, würde sie auch tauschen, was ihr aber, deutlich anzumerken, nicht so recht gewesen wäre.
Nun wollte ich nicht päpstlicher sein als der Papst und gewährte ihr großzügig die weitere Nutzung meines Platzes, während ich mich mit ihrem zufrieden gab, auch wenn das bedeutete, mit dem Rücken in Fahrtrichtung sitzen zu müssen. Dachte ich jedenfalls. Und sie auch, denn sie befand sich ja bereits im Zug und war mit dem Gesicht in Fahrtrichtung gereist. Was sie nicht wusste und ich auch nicht, war, dass der Zug den Nürnberger Bahnhof in Gegenrichtung verlassen würde.
Der kurze, nur eine halbe Sekunde lange Ausdruck von Wut und Enttäuschung in ihrem Gesicht, dieser winzige Kontrollverlust, angesichts dieser Erkenntnis, um gleich darauf wieder in gespielte Gleichgültigkeit zu verfallen, war für mich unbezahlbar.
Auf meinem heutigen Weg zur Arbeit war mir ein seltener Moment vergönnt – ein Blick zurück, dreißig Jahre in die Vergangenheit. Damals war Berlin noch nicht das allseligmachende Eldorado für Glücksritter aus aller Welt, im Gegenteil. Es war eine etwas schmuddelige, rußgeschwärzte Großstadt, die noch nicht so recht wusste, wohin die Reise gehen soll. Damals waren die Straßen auch früh während des Berufsverkehrs relativ leer, ebenso die Straßenbahnen und der Alexanderplatz. Und in der U2 bekam man immer einen Sitzplatz.
Manchmal wünsche ich mir, die Stadt wäre wieder etwas mehr wie damals. Weniger laut, weniger voll und weniger stressig. Erstaunlich, dass ausgerechnet ein winziges Virus dies möglich macht.
Chuck Norris trägt Mundschutz. Um das Virus vor ihm zu schützen.
Weitere „Erinnerungen“ zum 80. Geburtstag gibt es hier.
Mein Lieblingsrestaurant – Gut Hesterberg – ist endlich wieder geöffnet. Die letzten Monate nutzte das Unternehmen zum Renovieren und Umbauen, doch nun ist alles fertig, und die Einrichtung ist wirklich ausgesprochen schnieke geworden.
Eine Speisekarte gibt es (noch) nicht, die Gerichte lassen sich an einer Hand aufzählen. Aber man kann verhandeln. Sie mögen keine Salat? Dann fragen Sie die nette Bedienung doch einfach, ob der Koch extra für Sie ein paar Möhren zurechtschnitzt. Das Essen wird frisch zubereitet, das Fleisch stammt von glücklichen Kühen auf eigenen Weiden.
Das eigentliche Erlebnis liegt aber gar nicht so sehr im wirklich guten Essen, sondern in der entschleunigten Lebensweise des abgelegenen Gutshofes. Er liegt in der Nähe von Neuruppin und ist mit dem Auto gut erreichbar. Im Prinzip auch zu Fuß, aber das dauert dann ein paar Tage.




Hier in Berlin hält man es gerade für eine spektakulär gute Idee, bereits vorhandene, deutlich markierte Radwege grün anzumalen. Wegen der Umwelt und so. Dazu müssen die betroffenen Straßen teilweise abgesperrt werden, damit die Bauarbeiter genug Platz haben, um die Farbe auf den Asphalt zu pinseln.
Ich fänd’s ja schlauer, die hunderttausende von Buntlandscheinen stattdessen lieber für neue Radwege auszugeben. Wegen der Umwelt und so.
Sinnlose Symbolpolitik, die den Bürgern suggerieren soll, es ginge voran.
Angeblich soll grüne Farbe ja die Sicherheit erhöhen. Das einzige, was diese grünen Wege bei mir bewirken, ist, die Verhältnisse in der DDR wieder wachzurufen. Dort versuchte man auch sehr gern, mit frischer Farbe die marrode Substanz zu übertünchen. Überhaupt erinnert mich derzeit vieles an die DDR.
Ich hoffe, es wird bald Frühling.
Und noch ein amerikanischer Konzern musste kürzlich dran glauben. Seit 2009 habe ich probeweise mal diverse Apple-Produkte „getestet“. Nachdem ich Anfang der Neunziger in diversen Werbeagenturen und Druckvorstufen eher schlechte Erfahrungen mit Mac-Computern machen musste, weil die Kisten ständig abstürzten und niemand da war, der helfen konnte, war ich doch recht erstaunt über meinen ersten iMac und OS X Lion. Wenngleich mir verschiedene Windows-Merkmale doch sehr gefehlt haben, hatte der Mac auch die eine oder andere positive Überraschung zu bieten, die es in der Microsoft-Welt nicht gab, zum Beispiel iCloud.
Die nachfolgenden Updates fingen jedoch nach und nach an, gewaltig zu nerven. Insbesondere mein Lieblings-Musikplayer iTunes 10 wurde mit den Updates immer schlimmer und unübersichtlicher. Manchmal habe ich den Eindruck, Softwareentwickler wissen gar nicht, was eigentlich genau die positiven Eigenschaften ihrer Software ausmachen. Als nun mit Catalina auch noch ältere 32-Bit-Software ausgesperrt wurde, habe ich die Reißleine gezogen und bin zu Windows zurückgewechselt. Da läuft sogar noch das gute alte iTunes 10. Und Clouds gibt es ja inzwischen wie Siliziumkristalle am Meer.
Ihr Blödmänner bei Apple könnt also Eure Betriebssysteme in Zukunft unbekümmert so weit runterstutzen, bis gar nichts mehr darauf läuft. Und iPhones benutzt inzwischen eh keiner mehr.
Viel Spaß dabei!
