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Tipps für potentielles Kanonenfutter

Die Wiedereinführung der „freiwilligen“ Wehrpflicht scheint beschlossene Sache zu sein. Doch vor die Teilnahme am staatlich verordneten Hacken, Hauen und Stechen hat Kriegsgott Mars die Musterung gesetzt, denn nur mit der bürokratisch korrekten körperlichen und geistigen Fitness ist es gestattet, andere Menschen dahinzumeucheln.
     Nicht jedes potenzielle Kanonenfutterhäppchen ist damit einverstanden, darum suchen Verweigerer schon seit Jahrhunderten nach der besten Methode, aus der Todeslotterie auszusteigen.
     Die Epoch Times liefert hierzu nun ein paar – im wahrsten Sinne des Wortes – existentielle Tipps, Zitat: „Ein Drogentest stellt sicher, dass keine Suchtproblematik vorliegt; bestehende Alkoholabhängigkeit oder gescheiterte Entzugsversuche führen ebenfalls zur Ablehnung.“
     Es könnte also hilfreich sein, barfuß oder mit Jesuslatschen, gehüllt in ein buntes Batikshirt, mit struppigen Rastalocken, dampfender Fluppe im Mundwinkel und dem leeren Blick eines Menschen, der seinen inneren Frieden bereits vor dem Müsli-Frühstück verloren hat, beim Wehrkreiskommando zu erscheinen. Obligatorisch ist eine natürliche, pathologische Unpünktlichkeit, denn man will ja verdeutlichen, dass auf nichts im Leben Verlass ist, schon gar nicht auf den Kameraden im Schützengraben nebenan.
     Als Gesprächsthema mit dem Musterungsoffizier empfiehlt sich wirres Gestammel über „Peace“, „Systemkritik“, „Death Metal Techno als Therapie“ und die beunruhigend negative Energie von behördlichen Formularen. In den kunstvoll eingeflochtenen längeren Gesprächspausen nicke man bedeutungsvoll, als höre man Stimmen aus einer anderen Galaxie.
     Beim Drogentest sollten die roten Balken sich an der maximal messbaren Höchstdosis den Kopf stoßen – nicht nur wegen der konsumierten Substanzen, sondern aus purer Überforderung durch so viel Klischee.

Es war einmal …

Gestern schwärmte ein Freund von Deep Purple, einer Rockband, die bereits existierte, als ,Rock‘ noch ein geologischer Fachbegriff war. Ein bestimmter Titel, meinte er, habe ihn besonders beeindruckt, weil er ihn noch nie „in dieser Version“ gehört habe.
     Kein Wunder! Niemand hat diesen Titel jemals in dieser Version gehört. Zur Zeit der Entstehung war die Erde noch gänzlich unbewohnt. Kontinente lagen, eng aneinandergekuscht, lustlos herum, und Konzerttermine waren wegen der noch nicht entstandenen Zeit eher ein mündlich weitergegebenes Geraune.
     Was Deep Purple damals machten, lief noch nicht unter dem Begriff Musik. Sie existierte noch nicht und wurde erst deutlich später erfunden, nachdem jemand zufällig zwei Steine rhythmisch gegeneinandergeschlagen hatte und dafür von einem verwirrten Trilobiten anerkennend angeblickt wurde. Heutige Musikhistoriker bezeichnen die damaligen Geräusche eher als „prätonale Höhlenlärmerei mit experimentellem Charakter“. Noten gab es nicht, Tonleitern waren zu steil, Harmonien noch nicht entdeckt. Die Altersbestimmung dieser frühen Werke ist ausschließlich mit der C14-Methode möglich, und selbst die liefert meist nur das Ergebnis „sehr, sehr alt“.
     Farbe existierte ebenfalls noch nicht. Die Realität lief vollständig in Schwarzweiß ab, wie historische Filmaufnahmen eindeutig beweisen. Auch Elektrizität war zu dieser Zeit noch völlig unbekannt. Gitarren wurden manuell betrieben; die Verzerrung erreichte der Gitarrist durch gezieltes Anschreien der aus Sehnen gefertigten Saiten. Der Lichttechniker warf kein Scheinwerferlicht auf die Bühne, sondern Griechisches Feuer, was für echt heiße Atmosphäre sorgte.
     Statt mit dem Tourbus ritten die Musiker auf Dinosauriern zu den Konzerten. Der T-Rex erwies sich als unpraktisch für den Bühnenaufbau, überzeugte aber im Bassbereich, während der immermüde Triceratops eine stabile Plattform bot. Konzerte fanden bevorzugt in Höhlen statt, nicht aus Nostalgie, sondern wegen des hervorragenden Nachhalls. Das Publikum bestand aus frühen Menschen, vereinzelten Neandertalern und gelegentlich einem Säbelzahntiger, der eigentlich nur wegen des angenehm wärmenden Lagerfeuers vorbeigekommen war. Applaus äußerte sich meist in zustimmendem Grunzen und brachialer Gewalt auf den After-Stage-Partys, was aus nostalgischen Gründen bis heute beibehalten wurde. Ebenfalls bis heute beibehalten wurde das offenherzige Verhalten vieler Groupies, deren Hauptaufgabe es damals war, die Anzahl potentieller Konzertbesucher langfristig zu erhöhen.
     Zeitgenössische Kritiken sind wegen der inzwischen zerbröselten Tontafeln leider nur bruchstückhaft überliefert: „sehr laut, Feuer ist ausgegangen“ „Rhythmus gut, Jagd danach schwierig“ oder „langfelliger Frontmann wirkt charismatisch, aber keiner versteht, warum er schreit“.
     Wenn heute also jemand sagt, er habe einen Deep-Purple-Titel noch nie „in dieser Version“ gehört, dann ist das völlig plausibel. Manche Versionen erreichten nur dank antiker Sagen unsere moderne Gegenwart.

Mehr Licht!

Liebe Sonnenanbeter und Lichtfanatiker, liebe Photonenliebhaber, Dämmerungsverweigerer, Tageslichtjunkies, Lux-Erhascher, Sonnenstrahlgenießer, Morgenrot-Erhoffer, Horizontbeobachter, Schattenvermeider, Rollladen-Verweigerer, Vitamin-D-Verfechter, Fensterplatzsucher, Kaffee-im-Morgenlicht-Trinker, Feierabend-im-Hellen-Träumer, Wintermüde und Frühlingserwartende: Herzlichen Glückwunsch – die Talsohle ist erreicht! Heute ist euer Tag, denn ab sofort werden die Tage wieder läääääääääääääääääääääääääääääääääääääääääääääänger!

Home Office für Katzen

Gegenüber meines Bürofensters sitzt seit Jahren eine Katze am Fensterbrett und starrt mit stoischer Ruhe in den Hof. Während ich mich durch E-Mails, Meetings und To-dos kämpfe, scheint sie eine vollkommen andere Art von Arbeitsalltag zu haben: Nichts tun. Gar nichts. Sie schafft das mit einer Professionalität, die an transzendentale Entrückung grenzt.
     Ich frage mich manchmal, ob ihr langweilig ist. Schließlich sind ihre Menschen vermutlich irgendwo im Büro, retten Budgets, bearbeiten Tabellen oder führen sehr wichtige Gespräche über Druckerprobleme. Und sie? Sie sitzt da, Tag für Tag, ohne Aufgaben, ohne Hobbys, ohne Aussicht auf eine tote Maus. Auf dem Land würde sie ihren Menschen wenigstens zwischendurch ein paar halblebendige oder halbtote Geschenke anschleppen. Aber hier in der Stadt? Fehlanzeige. Kein Jagderfolg, kein Abenteuer, nicht mal ein anständig gerupfter Vogel, der unvorsichtig genug war, ihr in die Quere zu kommen.
     Das Traurigste ist jedoch: Katzen können keinen Computer bedienen. Klar, sie haben Pfoten, aber die sind denkbar ungeeignet für Tastaturen. Menschen mit Katzen können das bestätigen, wenn ihr Stubentiger während eines wichtigen Chats schon mal über die Tasten gelaufen ist. Doch ohne Tastatur kein Internet. Und ohne Internet – kein Katzen-Content. Weder lustige Videos noch dramatische „Katze gegen Gurke“-Clips. Versetzen wir uns in ihre Lage: Teil einer samtpfötigen Spezies zu sein, aber keinen Zugang zu den eigenen Memes zu haben. Echt traurig!
     Also sitzt sie da, schaut in den Hof, philosophiert vermutlich über die großen Fragen des Lebens: Warum zum Teufel haben meine Menschen einen Job? Warum ist in meinem Napf nicht 24/7 Party? Und warum kann ich nicht googeln, was der Nachbarkater in seiner Freizeit macht?
     Vielleicht schaue ich später noch mal rüber. Nicht, weil sich etwas ändern würde – sondern weil uns eine Gemeinsamkeit verbindet: Die Hoffnung, dass der Tag doch noch etwas Action liefert, die blogtauglich ist.

Der Zeitgeist humpelt

Bemerkenswert, dass junge Menschen heute offenbar sehr genau wissen, wohin eine Wiedereinführung der Wehrpflicht in unserer Zeit führen kann: in reale Kriegseinsätze – und damit zu Verstümmelung oder Tod. Kein Wunder, dass viele sich dagegen zur Wehr setzen. Für den kommenden Freitag sind bundesweit Schulstreiks angekündigt. Ich hätte ja einen griffigen Namen dafür: Fridays for no Future. Oder so.

Diebisches Vergnügen

400 000 Euro Schadenersatz zuzüglich 700 000 Euro Prozesskosten müssen ein paar Klimakleber laut eines Gerichts­urteils für ihre Missetaten zahlen. Für mich als Geschädigten, der auf dem Weg zur Arbeit mehrfach wutentbrannt mitten in einem Stau steckengeblieben war, ist dieses Urteil eine Genugtuung. Daher bereitet mir das Schreiben dieses kurzen Artikels ein diebisches Vergnügen, während ich Buchstabe für Buchstabe mit meinen vom Klimawandel tiefgefrorenen Fingern in die Tasten tippe.

Die Suppenhuhn-Verschwörung

Nach nur fünf Jahren hisste der Akku meines Laptops heute die weiße Fahne. Nichts ging mehr (eine versteckte Warnung an alle E-Auto-Fahrer, was ihnen nach ein paar Jahren blühen wird). In weiser Voraussicht hatte ich bereits Ersatz beschafft, 122 Euro wollte der Originalhersteller dafür haben (wie viel neue Auto-Akkus kosten, könnt ihr hier sehen).
     Doch die fröhliche Bastelei wurde sogleich wieder sabotiert, und zwar vom Laptophersteller selbst, der seinen Sitz übrigens in den USA hat (nein-nein – den meine ich nicht. Den anderen). Zuerst stellten sich die Gehäuseschrauben dämlich an, wie üblich natürlich mit einem imbusartigen Kopf, für den normalerweise kein handelsüblicher Bürger einen passenden Schraubendreher hat. Ich hatte einen. Auch für die nun folgenden Kreuzschlitzschrauben, welche im Inneren den Akku in der korrekten Position halten. Dennoch reichten vier, fünf kräftige Drehungen mit dem Werkzeug, um bei einer der Schrauben das Kreuz rettungslos zu verhunzen, denn sie wollte sich einfach nicht lösen lassen. Den Grund entdeckte ich bei den anderen Schrauben: Die Gewinde waren mit einem blauen Lack bestrichen, dessen Aufgabe es anscheinend ist, die Schrauben im Gewinde festzuhalten.
     Herrgott noch mal! Dann benutzt gefälligst richtige Schrauben aus Stahl, deren Köpfe etwas aushalten, ihr bescheuerten Suppenhühner, und nicht dieses weiche Alu-Gelumpe!
     Die Tragikkomik an der Sache ist jedoch, dass dieselbe Schraube, die nach ein paar Umdrehungen völlig den Kopf verlor, dem unvermeidlichen Diamantbohrer nahezu eine halbe Stunde trotzte, bevor sie den Akku endlich freigab.

Weihnachten findet früher statt

In einem beispiellosen Schritt hat der Weihnachtsrat der Föderalen Festtagskoordination am frühen Donnerstag­morgen beschlossen, das diesjährige Weihnachtsfest um volle zwei Wochen auf den 10. Dezember vorzuziehen. Grund für diese Entscheidung ist die sächsische Zimtschneckenkrise, die in den vergangenen Tagen nicht nur die Backstuben, sondern auch die gesellschaftliche Stabilität von Bund und Ländern ins Wanken gebracht hat. Nach Angaben des Krisenstabs kam es in mehreren sächsischen Städten zu massiven Engpässen bei Zimt, Hefe und emotionaler Resilienz. Zahlreiche Bäckereien mussten bereits am Vortag das Anbrechen der Notvorräte an den Bundesbäckerverband melden. „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos“, erklärte Verbandssprecher Rainer Kipferl. „Solange wir noch ein paar Zimtsterne und einen Rest Vanilleschoten haben, kämpfen wir weiter.“
     Um jedoch einer drohenden Backpanik vorzubeugen – also dem unkontrollierten, hektischen Backen unter emotionalem Druck – wurde beschlossen, Weihnachten kurzerhand vorzuziehen. Der Gedanke dahinter ist ebenso einfach wie pragmatisch: Wenn das Fest gefeiert wird, bevor die Zimt- und Buttervorräte endgültig zur Neige gehen, können wenigstens die wichtigsten Festtagsgebäcke rechtzeitig produziert und konsumiert werden.
     Auch wirtschaftliche Gründe spielten eine Rolle. Nach einem internen Papier der Ostdeutschen Körperschaft für Festtagsökonomie drohte der Schwarzmarktpreis für Zimt auf Rekordhöhe zu steigen. Ein anonymer Insider sprach gar von „Goldstandard-Zimtstangen“, die bereits in einigen ländlichen Gebieten als illegales Zahlungsmittel kursieren. Die Verlegung des Weihnachtsfestes soll diesen gefährlichen Trend bremsen und den sozialen Frieden sichern.
     In der Bevölkerung stößt die Maßnahme auf gemischte Reaktionen. Während die einen erleichtert sind, dass sie ihre Geschenke nun schon Anfang Dezember loswerden können, zeigen sich andere irritiert. Eine Leipziger Bürgerin erklärte: „Ich war noch gar nicht in Stimmung! Mein Adventskranz ist noch im Keller, und mein Mann hat den Leb­kuchen­teig in der Tiefkühltruhe versteckt.“
     Trotz kleinerer Logistikprobleme – beispielsweise müssen sämtliche Adventskalender kurzfristig neu bedruckt werden – zeigen sich die Behörden optimistisch. Der Weihnachtsmann selbst ließ verlauten, dass er „den Schlitten einfach etwas früher auftankt“ und zur Not „die Rentiere mit Glühwein motiviert“.
     Wie gravierend das Problem ist, zeigt sich in der eilig nachgereichten Folgeentscheidung: Auch Silvester muss angepasst werden. Laut einer eiligen Pressemeldung des Bundesamts für Jahresendfragen sei eine „chronologische Verschiebung im Festtagsgefüge“ eingetreten, die dringend korrigiert werden müsse. Wenn Weihnachten zwei Wochen früher stattfindet, so der Pressesprecher, gerät der traditionelle Feierzyklus der deutschen Durch­schnitts­bürger durcheinander. Ohne die übliche Zeitspanne zwischen Plätzchenverzehr und Bleigießen drohe eine Unterlagerung der Festtagskalorien, was laut Experten „metabolisch wie gesellschaftlich untragbar“ sei. Es sei daher unumgänglich, den „natürlichen Fluss der Festtagsfreude“ zu bewahren. Beruhigend fügte der Sprecher hinzu: „Das neue Jahr wird wie geplant stattfinden – nur eben etwas früher. Die Uhrzeit bleibt gleich, lediglich das Datum ist leicht verschoben.“
     Bis zum Frühlingsfest, wenige Monate später, soll die Zimtschneckenkrise jedoch ausgestanden sein. Der Vorsitzende der Bunteierkonföderation, O. Hase, vermeldete entspannt, der Beginn des Frühlingsfestes unterliege ohnehin mehr oder weniger natürlichen Schwankungen, daher sei man stets bereit, kurzfristig zu reagieren, falls die Eier kalt werden.

Cohens Wiedereroberung

Letzten Freitag jährte sich der Todestag von Leonard Cohen, einem Ausnahmekünstler, der weit mehr war als nur Sänger und Songwriter. Poet, Ironiker, Melancholiker – einer, der die dunklen Töne des Lebens mit Anmut und Humor zu mischen verstand. Acht Jahre ist es nun her, dass er gegangen ist. Ein guter Moment, um sich an eines seiner faszinierendsten Lieder zu erinnern: „First We Take Manhattan“.
     Seit dem Erscheinen 1988 wurde der Song auf unterschiedlichste Weise gelesen. Viele Kritiker nahmen Cohens eigenes Interview beim Wort, in dem er den Titel als „Song über terroristische Fantasien“ bezeichnete. Das klang provokant, politisch, mysteriös – und passte perfekt zum Zeitgeist der späten Achtziger. Nur: Wer Cohens Werk kennt, weiß, dass er nie einer war, der Gewalt romantisierte oder politische Parolen sang. Seine Waffen waren Sprache, Ironie und Melancholie.
     Vermutlich hatte Cohen damals schlicht gespielt – mit dem Interviewer, der Öffentlichkeit, dem Bedürfnis nach Bedeutung. Vielleicht war er genervt, vielleicht ironisch, vielleicht beides. Wenn man „First We Take Manhattan“ ohne journalistischen Ballast hört, öffnet sich eine ganz andere, viel menschlichere Deutung.
     „First We Take Manhattan“ ist kein Manifest der Zerstörung, sondern der künstlerischen Wiedergeburt. Cohen spricht hier als Musiker, der – nach Jahren der Selbstzweifel und leisen Alben – wieder bereit ist, hinauszugehen und die Welt zu erobern: „They sentenced me to twenty years of boredom / For trying to change the system from within.“ Und: „I practiced every night, now I’m ready.“ Das klingt weniger nach Terrorismus als nach dem zähen Alltag eines Künstlers, der sich durch Routinen, Ablehnung und Zweifel gearbeitet hat. Zwanzig Jahre Langeweile – das könnte auch heißen: zwanzig Jahre Plattenfirmen, Studioarbeit, Kompromisse.
     Zu der Zeit steckte Cohen in einer künstlerischen Erneuerungsphase. Er war Mitte 50 und reflektierte stark über das Älterwerden, den Ruhm, seine Rolle als Künstler. Nach einigen weniger erfolgreichen Alben der 70er und frühen 80er hatte er seinen Sound modernisiert: mehr Synthesizer, dunkler Humor, urbane Themen. „I’m Your Man“ war ein überraschender Erfolg – künstlerisch wie kommerziell – und erreichte Cohens bis dahin beste Chartpositionen. Er war wieder bereit zu spielen, gehört zu werden.
     First we take Manhattan, then we take Berlin. Daraus spricht kein politischer Feldzug, sondern eine Art musikalischer Reiseplan. Manhattan und Berlin – legendär schwierige Prüfsteine, von Künstlern gefürchtet: riesig, anspruchsvoll, überfüllt mit Kultur. Ständig passieren tausend Dinge gleichzeitig: Einzelne Attraktionen können da schnell mal im Rauschen der Masse untergehen. Wer dort ein Publikum findet, hat wirklich etwas erreicht. Manhattan steht für den amerikanischen Markt, für Glamour und Zynismus. Berlin – damals wie heute – für das europäische Gegenstück: experimentell, kühl, intelligent.
     Cohen sagt also sinngemäß: „Zuerst holen wir uns das New Yorker Publikum, dann das Berliner. Wenn wir dort bestehen, dann überall.“ Es ist eine ironische Kampfansage, kein Kriegsruf. Ein Musiker, der sich noch einmal aufrappelt und mit einem Lächeln sagt: „Ich bin noch da.“
     Eine von Leonard Cohens Stärken war stets die Ironie. Selbst seine dunkelsten Zeilen sind nie ganz ernst, nie ohne Augenzwinkern. Ein alternder Sänger, der die Welt erobern will – aber weiß, dass er es mit einem Mikrofon tut, nicht mit einer Waffe. So betrachtet, ist der Song kein Statement, sondern ein Spiegel: Er zeigt, wie leicht wir Machtfantasien in Kunst hineinlesen, und wie oft Künstler mit diesen Erwartungen spielen. Cohen wusste genau, dass ein Satz wie „terrorist song“ Schlagzeilen macht. Er wollte nichts niederreißen. Er wollte, dass man ihm zuhört, wenn er wieder zu spielen beginnt. Und das hat er geschafft – zuerst in Manhattan, dann in Berlin.

Schwer zu überblicken

Es gibt ein neues Spiel, das besonders in den US-Staaten Mississippi und Alabama ein großer Hit ist: Rassistenschach. Im Vergleich mit normalem Schach steigt der Schwierigkeitsgrad im Spielverlauf immer weiter an. Es heißt, es habe noch nie jemand eine Partie gewonnen.