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Der Zeitgeist humpelt

Bemerkenswert, dass junge Menschen heute offenbar sehr genau wissen, wohin eine Wiedereinführung der Wehrpflicht in unserer Zeit führen kann: in reale Kriegseinsätze – und damit zu Verstümmelung oder Tod. Kein Wunder, dass viele sich dagegen zur Wehr setzen. Für den kommenden Freitag sind bundesweit Schulstreiks angekündigt. Ich hätte ja einen griffigen Namen dafür: Fridays for no Future. Oder so.

Diebisches Vergnügen

400 000 Euro Schadenersatz zuzüglich 700 000 Euro Prozesskosten müssen ein paar Klimakleber laut eines Gerichts­urteils für ihre Missetaten zahlen. Für mich als Geschädigten, der auf dem Weg zur Arbeit mehrfach wutentbrannt mitten in einem Stau steckengeblieben war, ist dieses Urteil eine Genugtuung. Daher bereitet mir das Schreiben dieses kurzen Artikels ein diebisches Vergnügen, während ich Buchstabe für Buchstabe mit meinen vom Klimawandel tiefgefrorenen Fingern in die Tasten tippe.

Die Suppenhuhn-Verschwörung

Nach nur fünf Jahren hisste der Akku meines Laptops heute die weiße Fahne. Nichts ging mehr (eine versteckte Warnung an alle E-Auto-Fahrer, was ihnen nach ein paar Jahren blühen wird). In weiser Voraussicht hatte ich bereits Ersatz beschafft, 122 Euro wollte der Originalhersteller dafür haben (wie viel neue Auto-Akkus kosten, könnt ihr hier sehen).
     Doch die fröhliche Bastelei wurde sogleich wieder sabotiert, und zwar vom Laptophersteller selbst, der seinen Sitz übrigens in den USA hat (nein-nein – den meine ich nicht. Den anderen). Zuerst stellten sich die Gehäuseschrauben dämlich an, wie üblich natürlich mit einem imbusartigen Kopf, für den normalerweise kein handelsüblicher Bürger einen passenden Schraubendreher hat. Ich hatte einen. Auch für die nun folgenden Kreuzschlitzschrauben, welche im Inneren den Akku in der korrekten Position halten. Dennoch reichten vier, fünf kräftige Drehungen mit dem Werkzeug, um bei einer der Schrauben das Kreuz rettungslos zu verhunzen, denn sie wollte sich einfach nicht lösen lassen. Den Grund entdeckte ich bei den anderen Schrauben: Die Gewinde waren mit einem blauen Lack bestrichen, dessen Aufgabe es anscheinend ist, die Schrauben im Gewinde festzuhalten.
     Herrgott noch mal! Dann benutzt gefälligst richtige Schrauben aus Stahl, deren Köpfe etwas aushalten, ihr bescheuerten Suppenhühner, und nicht dieses weiche Alu-Gelumpe!
     Die Tragikkomik an der Sache ist jedoch, dass dieselbe Schraube, die nach ein paar Umdrehungen völlig den Kopf verlor, dem unvermeidlichen Diamantbohrer nahezu eine halbe Stunde trotzte, bevor sie den Akku endlich freigab.

Weihnachten findet früher statt

In einem beispiellosen Schritt hat der Weihnachtsrat der Föderalen Festtagskoordination am frühen Donnerstag­morgen beschlossen, das diesjährige Weihnachtsfest um volle zwei Wochen auf den 10. Dezember vorzuziehen. Grund für diese Entscheidung ist die sächsische Zimtschneckenkrise, die in den vergangenen Tagen nicht nur die Backstuben, sondern auch die gesellschaftliche Stabilität von Bund und Ländern ins Wanken gebracht hat. Nach Angaben des Krisenstabs kam es in mehreren sächsischen Städten zu massiven Engpässen bei Zimt, Hefe und emotionaler Resilienz. Zahlreiche Bäckereien mussten bereits am Vortag das Anbrechen der Notvorräte an den Bundesbäckerverband melden. „Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos“, erklärte Verbandssprecher Rainer Kipferl. „Solange wir noch ein paar Zimtsterne und einen Rest Vanilleschoten haben, kämpfen wir weiter.“
     Um jedoch einer drohenden Backpanik vorzubeugen – also dem unkontrollierten, hektischen Backen unter emotionalem Druck – wurde beschlossen, Weihnachten kurzerhand vorzuziehen. Der Gedanke dahinter ist ebenso einfach wie pragmatisch: Wenn das Fest gefeiert wird, bevor die Zimt- und Buttervorräte endgültig zur Neige gehen, können wenigstens die wichtigsten Festtagsgebäcke rechtzeitig produziert und konsumiert werden.
     Auch wirtschaftliche Gründe spielten eine Rolle. Nach einem internen Papier der Ostdeutschen Körperschaft für Festtagsökonomie drohte der Schwarzmarktpreis für Zimt auf Rekordhöhe zu steigen. Ein anonymer Insider sprach gar von „Goldstandard-Zimtstangen“, die bereits in einigen ländlichen Gebieten als illegales Zahlungsmittel kursieren. Die Verlegung des Weihnachtsfestes soll diesen gefährlichen Trend bremsen und den sozialen Frieden sichern.
     In der Bevölkerung stößt die Maßnahme auf gemischte Reaktionen. Während die einen erleichtert sind, dass sie ihre Geschenke nun schon Anfang Dezember loswerden können, zeigen sich andere irritiert. Eine Leipziger Bürgerin erklärte: „Ich war noch gar nicht in Stimmung! Mein Adventskranz ist noch im Keller, und mein Mann hat den Leb­kuchen­teig in der Tiefkühltruhe versteckt.“
     Trotz kleinerer Logistikprobleme – beispielsweise müssen sämtliche Adventskalender kurzfristig neu bedruckt werden – zeigen sich die Behörden optimistisch. Der Weihnachtsmann selbst ließ verlauten, dass er „den Schlitten einfach etwas früher auftankt“ und zur Not „die Rentiere mit Glühwein motiviert“.
     Wie gravierend das Problem ist, zeigt sich in der eilig nachgereichten Folgeentscheidung: Auch Silvester muss angepasst werden. Laut einer eiligen Pressemeldung des Bundesamts für Jahresendfragen sei eine „chronologische Verschiebung im Festtagsgefüge“ eingetreten, die dringend korrigiert werden müsse. Wenn Weihnachten zwei Wochen früher stattfindet, so der Pressesprecher, gerät der traditionelle Feierzyklus der deutschen Durch­schnitts­bürger durcheinander. Ohne die übliche Zeitspanne zwischen Plätzchenverzehr und Bleigießen drohe eine Unterlagerung der Festtagskalorien, was laut Experten „metabolisch wie gesellschaftlich untragbar“ sei. Es sei daher unumgänglich, den „natürlichen Fluss der Festtagsfreude“ zu bewahren. Beruhigend fügte der Sprecher hinzu: „Das neue Jahr wird wie geplant stattfinden – nur eben etwas früher. Die Uhrzeit bleibt gleich, lediglich das Datum ist leicht verschoben.“
     Bis zum Frühlingsfest, wenige Monate später, soll die Zimtschneckenkrise jedoch ausgestanden sein. Der Vorsitzende der Bunteierkonföderation, O. Hase, vermeldete entspannt, der Beginn des Frühlingsfestes unterliege ohnehin mehr oder weniger natürlichen Schwankungen, daher sei man stets bereit, kurzfristig zu reagieren, falls die Eier kalt werden.

Cohens Wiedereroberung

Letzten Freitag jährte sich der Todestag von Leonard Cohen, einem Ausnahmekünstler, der weit mehr war als nur Sänger und Songwriter. Poet, Ironiker, Melancholiker – einer, der die dunklen Töne des Lebens mit Anmut und Humor zu mischen verstand. Acht Jahre ist es nun her, dass er gegangen ist. Ein guter Moment, um sich an eines seiner faszinierendsten Lieder zu erinnern: „First We Take Manhattan“.
     Seit dem Erscheinen 1988 wurde der Song auf unterschiedlichste Weise gelesen. Viele Kritiker nahmen Cohens eigenes Interview beim Wort, in dem er den Titel als „Song über terroristische Fantasien“ bezeichnete. Das klang provokant, politisch, mysteriös – und passte perfekt zum Zeitgeist der späten Achtziger. Nur: Wer Cohens Werk kennt, weiß, dass er nie einer war, der Gewalt romantisierte oder politische Parolen sang. Seine Waffen waren Sprache, Ironie und Melancholie.
     Vermutlich hatte Cohen damals schlicht gespielt – mit dem Interviewer, der Öffentlichkeit, dem Bedürfnis nach Bedeutung. Vielleicht war er genervt, vielleicht ironisch, vielleicht beides. Wenn man „First We Take Manhattan“ ohne journalistischen Ballast hört, öffnet sich eine ganz andere, viel menschlichere Deutung.
     „First We Take Manhattan“ ist kein Manifest der Zerstörung, sondern der künstlerischen Wiedergeburt. Cohen spricht hier als Musiker, der – nach Jahren der Selbstzweifel und leisen Alben – wieder bereit ist, hinauszugehen und die Welt zu erobern: „They sentenced me to twenty years of boredom / For trying to change the system from within.“ Und: „I practiced every night, now I’m ready.“ Das klingt weniger nach Terrorismus als nach dem zähen Alltag eines Künstlers, der sich durch Routinen, Ablehnung und Zweifel gearbeitet hat. Zwanzig Jahre Langeweile – das könnte auch heißen: zwanzig Jahre Plattenfirmen, Studioarbeit, Kompromisse.
     Zu der Zeit steckte Cohen in einer künstlerischen Erneuerungsphase. Er war Mitte 50 und reflektierte stark über das Älterwerden, den Ruhm, seine Rolle als Künstler. Nach einigen weniger erfolgreichen Alben der 70er und frühen 80er hatte er seinen Sound modernisiert: mehr Synthesizer, dunkler Humor, urbane Themen. „I’m Your Man“ war ein überraschender Erfolg – künstlerisch wie kommerziell – und erreichte Cohens bis dahin beste Chartpositionen. Er war wieder bereit zu spielen, gehört zu werden.
     First we take Manhattan, then we take Berlin. Daraus spricht kein politischer Feldzug, sondern eine Art musikalischer Reiseplan. Manhattan und Berlin – legendär schwierige Prüfsteine, von Künstlern gefürchtet: riesig, anspruchsvoll, überfüllt mit Kultur. Ständig passieren tausend Dinge gleichzeitig: Einzelne Attraktionen können da schnell mal im Rauschen der Masse untergehen. Wer dort ein Publikum findet, hat wirklich etwas erreicht. Manhattan steht für den amerikanischen Markt, für Glamour und Zynismus. Berlin – damals wie heute – für das europäische Gegenstück: experimentell, kühl, intelligent.
     Cohen sagt also sinngemäß: „Zuerst holen wir uns das New Yorker Publikum, dann das Berliner. Wenn wir dort bestehen, dann überall.“ Es ist eine ironische Kampfansage, kein Kriegsruf. Ein Musiker, der sich noch einmal aufrappelt und mit einem Lächeln sagt: „Ich bin noch da.“
     Eine von Leonard Cohens Stärken war stets die Ironie. Selbst seine dunkelsten Zeilen sind nie ganz ernst, nie ohne Augenzwinkern. Ein alternder Sänger, der die Welt erobern will – aber weiß, dass er es mit einem Mikrofon tut, nicht mit einer Waffe. So betrachtet, ist der Song kein Statement, sondern ein Spiegel: Er zeigt, wie leicht wir Machtfantasien in Kunst hineinlesen, und wie oft Künstler mit diesen Erwartungen spielen. Cohen wusste genau, dass ein Satz wie „terrorist song“ Schlagzeilen macht. Er wollte nichts niederreißen. Er wollte, dass man ihm zuhört, wenn er wieder zu spielen beginnt. Und das hat er geschafft – zuerst in Manhattan, dann in Berlin.

Schwer zu überblicken

Es gibt ein neues Spiel, das besonders in den US-Staaten Mississippi und Alabama ein großer Hit ist: Rassistenschach. Im Vergleich mit normalem Schach steigt der Schwierigkeitsgrad im Spielverlauf immer weiter an. Es heißt, es habe noch nie jemand eine Partie gewonnen.

Neue EU-Regel ab heute Nacht: Alles wird nun besser

Heute Nacht ist wieder die Nacht der Nächte, oder besser – die zweite Nacht der Nächte, denn Anfang des Jahres wurden die Uhren auf Sommerzeit vor-, heute Nacht werden sie wieder zurück…
     Nein, halt! Heute Nacht werden sie nicht wieder zurückgestellt, vielmehr werden sie gar nicht mehr gestellt. Die EU hat nach langem Hin und Her nämlich einen einstimmigen Beschluss gefasst, etwas, was niemand für möglich gehalten hätte: Die Zeit wurde abgeschafft. Komplett. Restlos. Nicht mehr nur Sommer- und Winterzeit, sondern die gesamte Raum-Zeit-Matrix wurde per Mehrheitsbeschluss entsorgt wie ein altes Faxgerät.
     Ursache war eine kleine, aber hartnäckige Petition aus Wuppertal, gestartet vom chronisch unpünktlichen Hobby­philosophen Prokrastinatus P., der einfach keine Lust mehr auf Wecker hatte. Auch die EU-Abgeordneten waren müde vom ewigen Uhrenumstellen und hatten längst den Überblick verloren, in welcher Zeitzone Brüssel eigentlich liegt. Ein letzter Antrag, die Zeit wenigstens in Schaltsekunden weiterlaufen zu lassen, wurde knapp abgelehnt – aus Gründen der Gleichberechtigung für Regionen mit langsamerem WLAN.
     Heute Nacht ab drei Uhr soll es endlich so weit sein: keine Zeit mehr. Keine Stunden, keine Minuten, keine „Bin gleich da!“-Nachrichten, die eigentlich eine halbe Stunde bedeuten. Die EU hat den gesamten Kontinent in ein permanentes Jetzt katapultiert. Physikalisch wurde das von führenden Wissenschaftlern als „nicht ganz korrekt, aber auch nicht ganz verkehrt“ eingeordnet – was eh niemand mehr verstehen konnte, weil Wissenschaft ja früher war, und „früher“ gibt’s nicht mehr.
     Und das Beste daran? Niemand kommt mehr zu spät. Alle sind einfach immer da. Jederzeit. Beziehungsweise Jedernichtzeit. Oder auch nicht. Termine existieren noch als Konzept, aber sie liegen alle exakt im selben Moment. Hochzeit? Nun. Geburt? Gerade eben. Steuererklärung? Leider auch jetzt. Alles passiert gleichzeitig, weswegen sich der Alltag auf wundersame Weise entstresst hat. Ein Kollege motzt über ein Meeting? Man kann ihm glaubhaft sagen: „Hab ich schon gemacht, war super!“ Und er kann nichts dagegen einwenden, denn auch er war gleichzeitig anwesend.
     Auch die Wirtschaft hat sich angepasst. Börsenkurse sind jetzt völlig stabil, weil niemand mehr weiß, wann „hoch“ oder „runter“ ist. Geld fließt wie Pudding in alle Richtungen gleichzeitig. Unternehmen verkaufen Produkte, noch während sie diese entwickeln. Software-Benutzer kennen das bereits. Und Marketing-Slogans wie „Jetzt zugreifen!“ ergeben plötzlich einen ganz neuen Sinn.
     Der Verkehr läuft entspannter denn je. Staus gibt es nicht mehr – weil „gleich“ und „bald“ dasselbe bedeuten wie „schon vorbei“. Ampeln zeigen einfach alle Farben gleichzeitig an, was überraschend gut funktioniert, solange niemand darüber nachdenkt. Und wer einen Bus verpasst? Kein Problem. Der ist auch gleichzeitig schon wieder da.
     Auch die Kultur profitiert enorm. Filme dauern jetzt exakt null Sekunden, enthalten aber den gesamten emotionalen Tiefgang von „Titanic“, „Matrix“ und dem letzten Urlaubsvideo Tante Gerdas – alles gleichzeitig. Literatur ist obsolet, denn der gesamte Plot ist jetzt ein einziger, endloser Cliffhanger ohne Anfang und Ende, was dem deutschen Feuilleton neuen Lebensmut gibt.
     Der einzige, der sich bislang beschwert hat, ist ein sehr verwirrter Einstein, der posthum durch mehrere Talkshows gleichzeitig geisterte und murmelte: „Ich hab’s euch doch gesagt – Zeit ist relativ. Aber das … ist doch Quatsch!“ Er wurde höflich ignoriert, da man sich nicht sicher war, ob er das jetzt gesagt hat oder vor 100 Jahren.
     In einer Welt ohne Zeit hat die Menschheit endlich das gefunden, wonach sie immer suchte: Ruhe. Oder Chaos. Oder beides.
     Nur mit dem nichteuropäischen Ausland wird’s eventuell ein wenig schwierig. Beim Flugbuchen. Waren­sendungen­disponieren. Zug­fahr­pläne­abstimmen. Die Nichteuropäer bleiben nämlich beim alten Zeitkonzept. Oder wie Michael Gorbatschow sagen würde: Wer zu spät kommt, ist sowieso schon da.

Endlich sagt’s mal einer

Während die Ereignisse in Gaza-Stadt lange Zeit von Presse und Politik ignoriert wurden und jegliche Kritik an Israels Kriegführung mit der Antisemitismuskeule geahndet wurde, scheint sich nun endlich weltweit die Erkenntnis durchzusetzen, dass in Gaza ein Völkermord stattfindet. Arte hat dem Thema einen erschütternden Beitrag gewidmet, der auch die letzten Zweifler nicht unberührt lassen dürfte.
     Um es klarzustellen: Die barbarischen Verbrechen der Hamas am 7. Oktober 2023, bei der rund 1.200 Israelis getötet wurden, sind ebensowenig akzeptabel. Sie rechtfertigen jedoch keinesfalls eine derart überzogene Reaktion, die in der Zerstörung ganzer Städte, dem Tod zehntausender Zivilisten und Vertreibung der Überlebenden besteht.

Schrödingers-Katze-Paradoxon elejant jelöst

Also pass ma uff, wa, dit mit Schrödingers Katze, dit kennt ja nu wirklich jede Sau. So’n Vieh in ‘ner Kiste, wat jeleichzeitich tot und lebendich is, nur weil sich son Physikheini nich entscheiden kann, ob ‘a kieken will oder nich. Klar, det soll irjendwie zeigen, wie komisch die Welt is, wenn man janz kleene Teilchen anschaut und sich nich festlegt. Aber jetz kommt der Clou: Keena redet von dem, der vor der Kiste hocken tut! Und dit is Schrödingers Köter.
     Die Töle tut da einfach rumhocken, glubscht uffe Kiste, schnuppert kurz und denkt sich: „Jut, da drin is ne Katze. Dit riech ick. Und wenn die Jeräusche macht, bell ick. Und wenn ’se keene Jeräusche macht, bell ick ooch.“
     Während also die janze wissenschaftliche Welt diskutieren tut, ob se jetz gucken darf oder ob se die Realität damit kaputtmacht, hockt der Köter da kläffend rum und wartet, bis eener den Deckel uffmacht. Und sobald der uff is, macht der Köter: „Wuff!!!“ Und ooch, wenn der Deckel ßu bleibt, machta: „Wuff!!!“
     Ick sach dir, dit is eijentlich die wahre Botschaft hinter dem janzen Quantenkram. Man kann noch so viel rechnen, schreiben, rumtheoretisieren – aber irjendwann kommt eener, der einfach nur mit jesundem Halbwissen, unjesundem Nichtwissen und ‘nem feuchten Näschen an die Sache ranjeht und dit Problem mib’m Wuff löst. Schrödingers Köter macht keene Philosophie, sondern Praxis.
     Und ma ehrlich – ’ne Katze inner Kiste? Die is ja vielleicht ooch nur da drin, weil se keene Ruhe hatte vor dem Köter. Vielleicht wollt se nur ’n bisschen dösen, und nu sitzt se in so’ner doofen Superposition, weil draußen diese nervige China-Delikatesse hockt, die se mit ihrem Dackelblick in den Wahnsinn treiben tut.
     Aber so is dit eben. Die Katze is dit Experiment, der Physiker een Depp und der Köter der letzte Normalo in der janzen Jeschichte. Schrödingers Köter: Janz klarer No-Bell-Preisträger.

Frieden ist, wenn der Leopard brüllt

Während sich heute in Berlin ein paar realitätsferne Friedensromantiker mit Stoffbeuteln und selbstgemalten Plakaten zur Friedensdemo versammeln, läuft die politische Pulverdampfmaschine in Brüssel, Paris und Berlin wie geschmiert: Aufrüstung, Waffenexporte, Militärkooperationen. Der Alte Kontinent wird endlich wieder kontinent! Nicht gegen Armut, Klimakrise oder soziale Spaltung, sondern gegen die Bedrohung des Weltfriedens durch die Anderen. Russland, Iran, Venezuela – wer auch immer das gerade ist. Der Frieden wird am Hindukusch verteidigt. Oder in Kiew. Vielleicht auch bald wieder in Taiwan, Korea, Syrien … Kosovo? Frieden ist Krieg und Aufrüstung ist Liebe, das EU-Verteidigungs­büro findet schon irgendeinen Feind.
     Was für ein Fortschritt: Noch vor ein paar Jahren galt die EU als albernes Friedensprojekt. Heute ist sie eine Rüstungsagentur mit Menschenrechtsbegleitmusik. Man nennt es jetzt „geostrategische Souveränität“ oder „Verteidigungsfähigkeit“. Klingt auch besser als: „Wir bauen eine EU-Armee, weil alle anderen es auch machen“. Man will ja nicht wie ein Schuljunge mit Wasserpistole beim NATO-Klassentreffen erscheinen.
     Wenn jemand fragt: „Wollten wir nicht eigentlich Kriege verhindern?“, dann lautet die Antwort mittlerweile: „Nein, wir wollten sie nur besser führen.“ Erst wenn der letzte Leopard-Panzer geliefert wurde, die letzte Taurus-Rakete ihr Ziel erreicht hat, kann man sich an den Verhandlungstisch setzen, auf Augenhöhe natürlich, bewaffnet bis an die Zähne.
     Diplomatie? Total veralteter Quatsch aus den 70ern. Hat ja in Vietnam auch nicht geholfen. Stattdessen Bombenkrieg und Entlaubungsmittel. Drei Millionen tote Vietnamesen. Am Ende siegte doch der Kommunismus. Oder in Afghanistan: Zwanzig Jahre hochmotivierter „Stabilisierung“, mit Luftschlägen, Brunnenbau und Friseurausbildung unter militärischer Bewachung. Milliarden verpulvert, Soldaten verheizt, Hochzeitsgesellschaften zerschreddert, Zivilisten getötet. Aber wir hatten ein paar schicke Pressefotos von Ministerinnenbesuchen in Tarnkleidung. Die Taliban sind heute leider wieder zurück, bestens ausgerüstet mit westlicher Militärechnik, zurückgelassen von den Amerikanern. Aber Hauptsache, wir haben unser Bestes versucht.
     Wer heute nicht mitmarschiert, ist wahlweise Kremlpropagandist, Mullah oder China-Verharmloser, sanktioniert von der EU wie Thomas Röper und Alina Lipp. Wer „Frieden“ sagt, wird zum Feind, wer „Krieg“ schreit, erhält Sonderapplaus in Talkshows, solange er betont, dass es um „westliche Werte“ geht. Und wenn es dabei ein paar tausend Tote gibt – nun, Freiheit hat eben ihren Preis. Vor allem, wenn ihn andere bezahlen.
     Sicherheit entsteht bekanntlich nur, wenn alle sich gegenseitig mit noch größeren Raketen bedrohen. Im Kalten Krieg hat das hervorragend funktioniert. Bis auf das eine Mal, in Kuba, 1962, da wäre es fast schiefgegangen. Oder 1983, als das Ende der Welt nur von einem einzelnen störrischen russischen Offizier verhindert wurde, der partout nicht glauben wollte, dass die anfliegende amerikanische Rakete auf dem Monitor echt ist und nicht von einem technischen Problem herrührte.
     Doch weg mit solcher Wehrkraftzersetzung! Die EU macht endlich Ernst! Raus aus der pazifistischen Kuschelecke, rein ins globale Schachbrett. Kriegsrendite statt Friedensdividende. Diplomatie ist was für Plaudertaschen, Rüstung für Realisten. Wer Frieden will, muss lernen, den Krieg zu lieben. Oder wenigstens gut zu verkaufen.